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Wie Unternehmer gegen Blaumacher vorgehen können

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Aufgrund des meist knappen Personalstandes von Start-ups ist es nicht möglich, entsprechende Vertretungsregelungen bei Ausfällen von Mitarbeitern zu etablieren. Umso ärgerlicher, wenn dann ständig jemand blaumacht. Die Frage ist, welche Handhabe Unternehmer in diesem Fall haben.

Blaumacher_1_1200 „Chef, mir geht´s heute leider nicht so gut!“ Manchmal handelt es sich dabei um eine dreiste Lüge gegenüber dem eigenen Arbeitgeber. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern Betrug. (Foto: Pixabay.com © 422737 CCO Public Domain)

Was genau ist blau machen?

Der Begriff „blau machen“ wird dann verwendet, wenn jemand seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, obwohl er eigentlich sowohl körperlich als auch geistig dazu in der Lage wäre. Am häufigsten wird der Begriff dann verwendet, wenn jemand nicht zur Arbeit erscheint und der Verdacht besteht, dass es keinen plausiblen Anlass dafür gibt.

Für die Herkunft des Begriffes gibt es unterschiedliche Erklärungen. Sehr häufig ist dabei vom Blauen Montag in der Färberei die Rede.

Die Färber legten jeden Sonntag jene Stoffe, die sie färben wollten, in ein Färbebad, damit die Farbe in das Gewebe einwirken konnte. Am Montag wurden die Stoffe dann aus dem Färbebad genommen und in der Luft getrocknet. Durch die chemische Reaktion mit der Luft verfärbte sich der damals dafür verwendete Farbstoff blau. Während der Stoff nun an der Luft trocknete, hatten die Färber nichts zu tun und mussten warten, bis sie die Stoffe weiterverarbeiten konnten. In der Zwischenzeit konnten sie „blau machen“.

Ganz Deutschland macht blau

Der Brauch hat sich leider bis in die Gegenwart gehalten. Und das ganz ohne, dass die Betroffenen auf irgendetwas warten müssten. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes Harris Interactive im Auftrag der Job-Plattform Glassdoor machen zehn Prozent der deutschen Arbeitnehmer gelegentlich blau.

Bei den Geschlechtern gibt es dabei einen entscheidenden Unterschied. Zumindest, wenn die Antworten bei der Befragung stets ehrlich waren. Denn es sind vor allem die Männer, die blau machen. Ganze 14 Prozent gaben an, ab und an ohne triftigen Grund zuhause zu bleiben, während das nur bei 6 Prozent der Frauen der Fall ist.

In manchen Unternehmen, in denen das blau machen schon fast Tradition hat, wird die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung deshalb scherzhaft als „gelber Urlaubsschein“ bezeichnet. Kein Wunder, dass unter der Woche in den deutschen Städten auf blau machen spezialisierte Detektive unterwegs sind, die von Unternehmern beauftragt wurden, um notorischen Blaumachern auf die Schliche zu kommen.

Viele Unternehmer sind gerade in der Gründungsphase auf sich allein gestellt oder arbeiten ausschließlich mit externen Partnern zusammen. Somit bleiben ihnen die Unannehmlichkeiten erspart, die im Zusammenhang mit Blaumachern entstehen. Doch wenn das Unternehmen in weiterer Folge wachsen und Kunden gewinnen soll, wird dafür auch Personal benötigt, dass die Akquisition übernimmt.

Blaumacher_2_1200 Männer machen viel öfter blau als Frauen. Jeder siebte Mitarbeiter gab bei einer Befragung an, ab und zu ohne triftigen Grund einfach nicht zur Arbeit zu erscheinen. Na dann Prost, Männer! (Foto: Pixabay.com © Pexels CCO Public Domain)

Welche Verpflichtungen haben Arbeitnehmer im Krankheitsfall?

Grundsätzlich besteht seitens des Mitarbeiters die Pflicht, den Arbeitgeber unverzüglich darüber zu informieren, dass er nicht dazu in der Lage ist, seinen Dienst anzutreten. Das heißt, die Meldung muss spätestens zu Beginn der Arbeitszeit am Tag der Erkrankung per Telefon oder E-Mail erfolgen. Sollte die Erkrankung länger als drei Tage dauern, muss der Arbeitnehmer eine von einem Arzt ausgefüllte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorlegen.

Das sind aber nur die gesetzlichen Mindestregelungen. Der Arbeitgeber hat die Möglichkeit, diese Bedingungen auch noch zusätzlich zu verschärfen. So kann er von seinen Arbeitnehmern auch bereits am ersten Tag der Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen und sie dazu auffordern, entsprechende Krankmeldungen nur noch telefonisch und nicht schriftlich vorzunehmen.

Welche Möglichkeiten haben Unternehmer bei Mitarbeitern, die blau machen?

Arbeitnehmer, die blau machen, sehen ihr Vergehen oftmals recht locker und denken, es handle sich dabei um ein Kavaliersdelikt. Doch in der Praxis ist es ein dreister Betrugsversuch, bei dem sich Entgeltfortzahlungen zu Lasten des Arbeitgebers erschlichen werden sollen.

Hat der Arbeitgeber einen begründeten Verdacht auf blau machen, beispielsweise weil es sich bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung um ein Gefälligkeitsattest eines befreundeten Arztes handelt, kann er entsprechende arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen.

Beim ersten Mal wird er zu diesem Zweck wahrscheinlich eine Abmahnung aussprechen, im Wiederholungsfall den betroffenen Mitarbeiter wohl fristlos kündigen. Das Recht dazu hat er auch ohne vorherige Abmahnung oder schriftliche Verwarnung.

Allerdings liegt in diesen Fällen auch die Beweispflicht auf der Seite des Arbeitgebers. So ohne Weiteres können diese Maßnahmen deshalb nicht ausgesprochen werden. Vorgesetzte dürfen in diesem Fall bei begründetem Verdacht jedoch Informationen über den Mitarbeiter einholen. Das bedeutet, sie könnten ihm beispielsweise hinterherfahren und beobachten, was er den ganzen Tag so treibt.

Dabei muss allerdings die Privatsphäre gewahrt und auf die Persönlichkeitsrechte geachtet werden. Um hier nicht übers Ziel zu schießen und selbst straffällig zu werden, empfiehlt es sich deshalb, diese Angelegenheit Profis zu überlassen, die damit jede Menge Erfahrung haben.

Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, eine Detektei einzuschalten

Bei einem begründeten Verdacht darf der Arbeitgeber auch externe Personen beauftragen, die den entsprechenden Mitarbeiter kontrollieren. Eine Zustimmung des Betriebsrates ist dafür nicht erforderlich.

Marcus Lentz, Geschäftsführer der gleichnamigen Detektei in Frankfurt, berichtet in einem Interview mit dem Handelsblatt, wie von den Profis dabei vorgegangen wird. Sie folgen dem Mitarbeiter, wenn er das Haus verlässt, und dokumentieren die Aktivitäten per Bild und Video. Zum Einsatz kommt dabei Spezial-Equipment wie Videokameras in Brillen und Uhren mit Foto-Funktion.

Über Moral urteilen die Detektive dabei nicht, sondern halten lediglich das Geschehen fest. Nicht alle Tätigkeiten sind im Krankenstand verboten. Der Arbeitnehmer darf aber kein „genesungswidriges Verhalten“ an den Tag legen. Ob das der Fall ist, wird im Zweifelsfall von einem Gutachter beziehungsweise vom Richter entschieden.

Damit die Beschattung möglichst unauffällig bleibt, sind dafür oft mehrere unterschiedliche Detektive im Einsatz. Wichtig ist, am Ende der Observierung einen entsprechenden Bericht über die Vortäuschung der Krankheit anzufertigen, der in weiterer Folge auch vor Gericht standhält.

Blaumacher_3_1200 Wichtig ist, dass die erbrachten Beweise vor Gericht auch verwendet werden können. Pixabay.com © succo CCO Public Domain

 

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