Jungentrepreneur Alexander Seidler von becoacht



Im Schnitt ist ein IT-Gründer in Deutschland 38 Jahre alt, so eine Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung. Doch nicht erst seit der Amerikaner Mark Zuckerberg mit seinem sozialen Netzwerk Facebook an die Börse gegangen  und im Alter von 28 zum Multimilliardär geworden ist, macht sich eine neue Generation an jungen Entrepreneuren auf die Wirtschaftswelt zu erobern.

Alexander Seidler hatte sein erstes Unternehmen bereits während des Abiturs gegründet und zu sechsstelligen Umsatzzahlen geführt. Mittlerweile arbeitet er im Führungsteam von becoacht mit. Darüber hinaus engagiert er sich in Initiativen, die den Unternehmergeist insbesondere unter jungen Menschen stärken sollen. Über beide Themen sprachen wir mit ihm in unserer Gründerstory.

Für-Gründer.de: Hallo Alexander, wir haben uns auf einer Start-up Tour in München kennengelernt. Kannst du unseren Lesern erläutern, was die Start-up Tour ist, wer dahinter steckt und welche Ziele ihr damit verfolgt?

Alexander Seidler, becoacht: Ich bin unter anderem Mitglied in dem studentischen Entrepreneurship Club Frappe aus Frankfurt. So eine Start-up Tour haben wir bereits im Jahr 2012 in Berlin veranstaltet. Da ich in München lebe und sehr gute Kontakte in die Start-up Welt hier habe, bot ich an eine Start-up Tour auch hier zu organisieren. Die Tour in München ist eine super Möglichkeit für unternehmerisch Interessierte in direkten Kontakt mit Gründern zu kommen und den Austausch zu suchen. Für viele ist es auch ein erstes Kennenlernen für spätere Praktika.

Eines meiner Ziele dabei war es den Austausch zwischen den verschiedenen Entrepreneurship Initiativen zu fördern. Die Tour hat ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und Institutionen zusammengebracht. Unter anderem waren natürlich Frappe aus Frankfurt als Veranstalter involviert, daneben aber auch z.B. STARTmunich und auch Studenten der Pioniergarage aus Karlsruhe.

Personen wie Yann Girard, der aktuell sein neues Buch „The Perfectly Executed Startup” über seine unternehmerischen Schlüsselerlebnisse veröffentlicht und Philipp Treffer, der den Gründermagneten initiierte, komplementierten diesen regen Austausch. Auf der vergangenen Tour haben wir unter anderem Start-ups und Inkubatoren wie becoacht, JURA TalentRocket, Chuisy, Venture Stars, das LMU Entrepreneurship Center, Tierheimhelden, FlixBus und den Gründermagnet besucht.

Für-Gründer.de: Wie läuft so eine Start-up Tour ab?

Alexander Seidler, becoacht: Die Tour in München erstreckte sich über drei Tage und beinhaltete Vor-Ort-Termine bei den Start-ups und Inkubatoren. Bei den Terminen erzählen die Gründer etwas über ihren Werdegang und wie der bisherige Weg ihrer Gründung verlaufen ist. Daraus entsteht dann meistens ein Dialog in dem die Teilnehmer alle ihre Fragen los werden können.

Bei unserem Besuch bei becoacht hat unser Gründer Frederik Roever über seine Zeit im Investment Banking in London und seine Tätigkeit für Rocket Internet erzählt, für die er das Münchener Büro aufgebaut hat. Danach bin ich noch näher auf das Thema Sales eingegangen und welche Bedeutung es auch für einen selber als Gründer haben kann. Anschließend haben wir uns untereinander bei einem netten Get-together ausgetauscht. Das obligatorische Gruppenfoto am Ende darf natürlich auch nie fehlen.

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Alexander Seidler von becoacht

Für-Gründer.de Du hast ja bereits in sehr jungen Jahren den Weg zum Unternehmertum gefunden. Wie kam es dazu?

Alexander Seidler, becoacht: Mir war schon immer klar, dass ich Unternehmer werden möchte. Daher habe ich, während ich das Gymnasium besucht habe, bereits mehrere Geschäftsideen ausprobiert. Die zündende Idee kam jedoch erst als ich notgedrungen ein Schuhpaar verkaufen musste, welches eigentlich als Geschenk für meine damalige Freundin gedacht war. Denn leider passte es nicht. Ich staunte nicht schlecht als der Verkaufspreis knapp 100 € über dem Einkaufspreis lag.

Da ich damals leider kein Startkapital besaß, handelte ich mit den Lieferanten einen Dropshipping Deal aus. So konnte ich direkt starten und reinvestierte die Gewinne zu 100 %. Mit 18 Jahren und mitten im Abitur konnte ich dann den ersten sechsstelligen Umsatz verbuchen und habe das Unternehmen weiter in Europa ausgebaut, wobei Österreich neben Deutschland einer der Hauptabsatzmärkte war. Später legte ich den Fokus dann auf persönlichen Service und baute ein 21-köpfiges Sales Team auf.

Diese Erfahrungen kann ich heute bei becoacht wieder voll mit einbringen. Das war eine sehr spannende und aufregende Zeit, in der ich gelernt habe, dass man mit geschicktem unternehmerischen Handeln sehr viel bewegen kann.

Für-Gründer.de: Du studierst ja aktuell an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die in Rankings regelmäßig Spitzenplätze bei den Top Gründeruniversitäten in Deutschland einnimmt. Welchen Einfluss hat deiner Ansicht nach die eigene Universität im Hinblick darauf, ein erfolgreicher Unternehmer zu werden?

Alexander Seidler, becoacht: Ich denke, dass die Universität einen durchaus dabei unterstützen kann. In meinem Fall ist die LMU hier unter anderem mit einem eigenen Inkubator, dem LMU Entrepreneurship Center, exzellent aufgestellt. Hier konnte ich gleich zu Anfang sehr gute Kontakte knüpfen und habe unter anderem auch Frederik Roever kennen gelernt. Als ich vor der Wahl zu der richtigen Universität stand, habe ich bewusst nach einer Uni gesucht, die sehr gute Chancen für angehende Unternehmer bietet.

Hierbei habe ich Faktoren wie das Ranking „Vom Studenten zum Unternehmer: Welche Universität bietet die besten Chancen ?” mit einfließen lassen. Daneben war natürlich noch der Standort entscheidend. Da München neben Berlin eine der Gründerhochburgen in Deutschland ist, fiel die Entscheidung sehr leicht. Ich hatte damals auch die Chance nach Berlin zu gehen, was zu Anfang sehr verlockend schien.

Ich glaube aber in München den für mich passenden Standort gefunden zu haben. Neben dem Charme der bayerischen Kultur und Traditionen, sucht die Qualität der Start-up Szene in München, deutschlandweit seines gleichen.

Für-Gründer.de: Aktuell bist du ja für den Sales Bereich bei becoacht, einer Plattform auf der man für fast jede Sportart den richtigen Coach finden und buchen kann (wir berichteten), zuständig. Wo setzt du deine Schwerpunkte?

Alexander Seidler, becoacht: Da auf unserer Plattform immer der Coach im Vordergrund steht, sprechen wir diesen über mehrere Zugänge an, sei es direkt oder über verschiedene Register und Vereine. Meinem Team habe ich zu Anfang immer erst versucht, näher zu bringen, was Sales wirklich bedeutet. Im Prinzip macht man es jeden Tag, mit jeder Interaktion „verkauft” man sich als Person – die einen sehr gut, die anderen mehr schlecht als recht. Gerade Dinge wie das Cold Calling sind vielen ein Grauen, im Endeffekt aber das beste Mittel, um besser zu werden.

Wir sind als Team alle zu 120 % bei der Sache und es ist schön zu sehen, wie sich alle entwickelt haben. Eines der größten Komplimente hat mir hier mal Rosanna gemacht: sie hat an der Bocconi Universität studiert und ist aktuell in meinem Sales Team für den italienischen Markt aktiv. Nach den ersten 5 Tagen in meinem Team, sagte sie mir, dass Sie in dieser Zeit mehr gelernt habe als in Ihrer gesamten Uni-Zeit zuvor. Mein Interesse an dem Thema Sales wurde vor allem durch Personen wie Mehmet Göker gefördert, seine Leidenschaft und Ehrgeiz für den Verkauf stecken einfach an.

Für-Gründer.de: Welchen Ratschlag möchtest du angehenden Gründern geben?

Alexander Seidler, becoacht: Das kommt natürlich immer ganz auf den aktuellen Punkt an, wo man sich selber gerade befindet. Man kann sich viel Wissen aus Büchern, Vorträgen und Workshops aneignen. Ich würde aber dazu raten, sich ab einem bestimmten Punkt einen Mentor zu suchen. Dies sollte jemand sein der bereits erfolgreich ist in dem Gebiet das einen interessiert. Damit die Mentorenbeziehung funktioniert, sollte man natürlich schauen an welchen Punkten man anknüpfen kann, um einen Gegenwert bieten zu können.

Wenn ich zurückschaue, hatte ich bei meiner ersten Gründung weder das Wissen, das Kapital noch die richtigen Kontakte, jedoch einen sehr großen Ehrgeiz ein profitables Unternehmen aufzubauen. Am Ende des Tages zählen dann nur die Fakten. Entweder konnte man seine Ziele verwirklichen oder nicht.

Als letztes kann ich euch noch den Tipp geben auf jeden Fall am 14. und 15. März 2014 an die Uni St.Gallen zu kommen für den START Summit. Seit diesem Jahr bin ich dort auch für STARTglobal aktiv, die den Summit ausrichten. Dieser wird unter anderem von Rocket Internet, Axel Springer und Project-a unterstützt, man darf also gespannt sein.

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