Tourismusstrategie Acht-Stunden-Tag: Regierung plant Abschaffung noch 2026

News

Der Acht-Stunden-Tag steht vor einer Zäsur. Nach Informationen der Bild beschließt das Bundeskabinett heute die neue nationale Tourismusstrategie. In dem Papier findet sich ein Passus mit erheblicher Sprengkraft für den Arbeitsmarkt: Künftig soll es möglich sein, eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit festzulegen.

Arbeiter aus der Vogelperspektive
Lange Tage, enge Zeitfenster: Branchen wie Bau und Handwerk gelten als mögliche Gewinner einer Reform des Acht-Stunden-Tags. Bild: Alex Dos Santos / Pexels.

Was heute beschlossen wird

Während die Debatte um dieAbschaffung des Rechts auf Teilzeit in vollem Gange ist, bringt die Merz-Regierung bereits eine andere Änderung im Arbeitsrecht auf den Weg: Kernpunkt eines Strategiepapiers ist die Abkehr vom klassischen Acht-Stunden-Tag. Stattdessen soll die Arbeitszeit über die Woche hinweg betrachtet werden. Beschäftigte könnten an einzelnen Tagen deutlich länger arbeiten, an anderen dafür frei haben.

Bislang erlaubt das Arbeitszeitgesetz maximal acht Stunden täglich, ausdehnbar auf zehn Stunden, wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt wieder acht Stunden erreicht werden. Diese Logik gilt für alle Branchen gleichermaßen, unabhängig von Saison, Auftragslage oder Wochenendgeschäft.

Genau das soll sich nun ändern. Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für Tourismus, kündigt in der Bild an, dass der Beschluss zur Flexibilisierung noch in diesem Jahr umgesetzt werden soll: "Davon werden nicht nur mittelständische Unternehmen profitieren, sondern auch Millionen Arbeitnehmer in Deutschland", so Ploß.

 

Unsere Partner-Empfehlungen
sevdesk
sevdesk

Buchhaltung

  • 60 % Rabatt auf alle Tarife
  • Code: FG60
  • Nur für kurze Zeit
Zum Deal
Finom Basic
Finom Basic

Geschäftskonto

  • Ab 0 €
  • 5 % Zinsen p. a.
  • Bis zu 3 % Cashback
Zum Deal

Welche Branchen besonders profitieren würden

Gehörte die geplante Reform bisher vor allem in die Tourismusstrategie, würde sie in der Praxis weit darüber hinausreichen. Besonders profitieren würden Branchen, in denen Arbeitszeiten stark schwanken und sich nur schwer in starre Tagesgrenzen pressen lassen. Im Gastgewerbe etwa prägen Wochenenden, Feiertage, Abendgeschäft und Saisonspitzen den Alltag. Längere Arbeitstage in Hochphasen und zusammenhängende Freizeit in ruhigeren Zeiten ließen sich mit einer Wochenarbeitszeit deutlich besser abbilden als mit dem bisherigen Acht-Stunden-Korsett.

Ähnlich gelagert ist die Situation im Handwerk. Viele Betriebe arbeiten projektbezogen, mit engen Zeitfenstern und witterungsabhängigen Abläufen. Wenn ein Auftrag läuft, muss er fertig werden. Für kleine Handwerksunternehmen ohne große Personalreserven könnte eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit über die Woche hinweg spürbare Entlastung bringen. Auch in Logistik und Transport treffen stark schwankende Auftragslagen auf enge gesetzliche Vorgaben. Saisonale Peaks, Messezeiten oder der Onlinehandel sorgen regelmäßig für kurzfristig hohen Personalbedarf, der sich bislang nur schwer rechtskonform abdecken lässt.

Hinzu kommen die Event-, Messe- und Kulturwirtschaft, in denen Arbeit häufig auf wenige, besonders intensive Tage konzentriert ist. Aufbau, Durchführung und Abbau folgen keinem klassischen Arbeitstag. Gleiches gilt für projektgetriebene Dienstleistungen, etwa in der IT, im technischen Service oder in beratenden Berufen. Auch dort wechseln sich Phasen hoher Arbeitsdichte mit ruhigeren Zeiten ab. Eine wöchentliche Betrachtung der Arbeitszeit würde diesen Realitäten näherkommen – und vor allem mittelständischen Arbeitgebern mehr Spielraum geben, ohne dauerhaft an rechtliche Grenzen zu stoßen.

 

Mittelstand im Mittelpunkt

Großunternehmen können Auftragsspitzen über Schichtsysteme oder größere Teams abfedern. Mittelständische Betriebe haben diese Möglichkeiten oft nicht. Sie sind stärker darauf angewiesen, Arbeitszeit flexibel zu organisieren.

Die geplante Reform setzt genau hier an. Sie verspricht weniger Reibung zwischen Gesetz und betrieblicher Realität. Für viele Unternehmen wäre das kein Luxus, sondern eine Überlebensfrage in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Kosten.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt aus dem Strategiepapier: Überstunden sollen attraktiver werden. Geplant ist, Überstundenzuschläge steuerfrei zu stellen und einmalige Prämien zur Ausweitung der Arbeitszeit bei Teilzeit steuerlich zu begünstigen. Auch das würde vor allem mittelständische Arbeitgeber entlasten.

Gewerkschaften kritisieren Tourismusstrategie

Doch der Widerstand ist absehbar. Gewerkschaften warnen vor zu langen Arbeitstagen und einer Aushöhlung bewährter Schutzrechte. Die tägliche Begrenzung sei ein zentrales Instrument des Gesundheitsschutzes.

Entscheidend wird daher die Ausgestaltung. Auch bei einer Wochenhöchstarbeitszeit gelten europäische Vorgaben. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie setzt eine Obergrenze von 48 Stunden pro Woche im Durchschnitt. Ruhezeiten bleiben Pflicht.

Ohne klare Leitplanken droht der Vorwurf, Flexibilität werde einseitig zulasten der Beschäftigten genutzt. Mit zu vielen Einschränkungen hingegen verpufft der Effekt für die Betriebe.

Auch spannend:

zurück