Rekord-Investitionen 2019: Nicht für alle Start-ups ein Gewinn



Ein wahrer Geldregen? Laut des Start-up-Barometers Deutschland haben junge Unternehmen noch nie so hohe Investitionen bekommen, aber es gibt deutliche Gewinner und Verlierer des Booms. Erfahrt, welche Branchen und welche Stadt ganz oben mitmischen und worauf ihr bei der Suche nach Investitionen achten müsst.

Mitte Juli 2019 hat Ernst & Young das halbjährliche Start-up-Barometer (PDF) veröffentlicht – mit verblüffenden Fakten: So konnten Start-ups in den ersten sechs Monaten des Jahres Investitionen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro beziehen – mehr als jemals zuvor. Die gute Nachricht hat aber auch ihre Schattenseiten.

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Fintech- und Mobility-Start-ups haben im ersten Halbjahr 2019 die größten Investitionen eingesammelt. (Foto: piktochart)

#1 E-Commerce ist auf dem absteigenden Ast

Start-ups im Bereich E-Commerce erhielten im ersten Halbjahr 2019 deutlich weniger Investitionen als zuvor – über den Jahreswechsel 838 Millionen Euro weniger, um genau zu sein.

Haben also Gründer im E-Commerce-Bereich keine Chance mehr auf Investitionen? Keineswegs, denn direkt nach Software & Analytics ist E-Commerce trotz des Schwunds der Bereich mit den meisten Finanzierungszyklen.

Wenn ihr ein Unternehmen in diesem Sektor aufbaut, solltet ihr die Entwicklung jedoch aufmerksam verfolgen und euch mit noch mehr Geduld, Zuversicht und Finanzplanung vorbereiten, damit ihr effektiv Investoren finden könnt.

#2 Große Kluft zwischen Mega- und Mikro-Deals

Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland, sieht die Ergebnisse des Barometers in einem positiven Licht:

Der Boom geht unvermindert weiter. In diesem Jahr sorgten erneut einige sehr große Deals für einen Investitionsrekord.

Der Report stellt aber auch eine Zunahme der Extreme fest: Die Zahl der kleinen Deals stieg im Vorjahresvergleich um ein Drittel an. Bei den großen Deals waren es sieben statt drei – eine Zunahme um mehr als das Doppelte.

Dagegen kamen bei den mittelgroßen Finanzierungen zwischen 5,1 und 100 Millionen Euro 18 Abschlüsse weniger zusammen. Genau das sind jedoch diejenigen Abschlüsse, die Start-ups dem Report zufolge dringend bräuchten, um ihre Geschäftsideen zu realisieren und sich zu internationalisieren.

Und nicht nur das: Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young, zufolge könnten weniger mittelgroße Finanzierungen auch früher oder später zu weniger Mega-Deals führen.

#3 Es gibt einen klaren Standort-Gewinner – und mehrere Verlierer

111 Millionen Euro und damit drei Viertel der Investitionssummen flossen im E-Commerce direkt nach Berlin. Im Trend-Bereich Mobility waren es sogar 622 Millionen Euro und damit 94 Prozent der Investitionssummen in diesem Bereich.

Lennartz stellt zum Standort Berlin fest:

Hier stimmen die Rahmenbedingungen auch im internationalen Vergleich, hier werden Trends besonders schnell aufgegriffen und umgesetzt, und längst haben ausländische Investoren Berlin auf dem Schirm.

Dem gegenüber haben andere Städte mit schwindenden Zuflüssen zu kämpfen. Investitionen in Bayern nahmen etwa um 42 Prozent ab, in Hamburg reduzierte sich das Volumen um 31 Prozent.

Damit ist Berlin nach wie vor der unangefochtene Hauptstandort für Start-ups, die nach Investitionen suchen. Gut für die dort angesiedelten Unternehmen, schlecht jedoch für alle anderen.

Zeit für große Umwälzungen?

Das Start-up-Barometer liefert einen Überblick über die Investitionen des letzten halben Jahres. Entsprechend empfehlen wir, die Faktenlage ernst zu nehmen und ein offenes Auge für sich anbahnende Trends zu haben – sowohl für die positiven als auch für die negativen.

Dennoch gilt hier: Ruhe bewahren und die Situation analytisch betrachten. Trends ändern sich und die Einschätzung eines Halbjahres ist ein vergleichsweise kurzer Zeitraum.

Das Wichtigste ist, dass eure Geschäftsidee langfristig auf einem soliden Fundament steht und ihr euer Unternehmen mit einem handfesten Businessplan gründet. Dann habt ihr auch in Zeiten eine Chance, in der euer Businessmodell zeitweise nicht das angesagteste bei Investoren ist.

Unabhängig davon ist es sinnvoll, sich nicht zu abhängig von einzelnen Investoren zu machen. Habt ihr euch schon einmal mit Crowdinvesting beschäftigt? Hier könnt ihr Unterstützung bei vielen kleinen Investoren statt bei wenigen großen Kapitalgebern finden.