Der Kreislauf des Lebens und mehr: Geschäftsideen aus den USA



Einmal mehr wenden wir unsere Augen der großen Start-up Nation zu, den Vereinigten Staaten von Amerika. Von dort ist schon so mancher heiße oder kalte – Stichwort Coldbrew – Trend nach Deutschland übergeschwappt. Um zu sehen, auf welche Neuheiten, Gadgets und Geschäftsmodelle ihr euch in Zukunft freuen könnt, stellen wir euch heute vier Geschäftsideen aus den USA vor.

Green Piñata Toys – Kinderspielzeug mieten

Erst vor Kurzem sagte uns NOAH-Gründer Marco Rodzynek auf die Frage, welche Trends sich aktuell in der europäischen Start-up Szene abzeichnen:

Allgemein sind alle Services gefragt, die das alltägliche Leben der Nutzer und Kunden erleichtern. Besonders beliebt sind Subscription-Models, die verschiedene Nutzungsformen ermöglichen.

Dieser Trend kommt nicht von ungefähr. Vielmehr schwappt er, wie so häufig, aus den USA zu uns herüber. Dort sind “Subscriptions”, also Abonnements, sehr alltäglich. Und auch hierzulande werden durch Services wie zum Beispiel Spotify, Netflix, Sky & Co. in vielen Haushalten monatliche Abonnement-Gebühren bezahlt.

Ein darauf aufbauendes Geschäftsmodell, das auch bei uns langsam, aber sicher ankommt, sind Subscription-Modelle für Kinder. Also nicht für Kinder selbst, sondern vielmehr für alles, was Kind so braucht. Zum Beispiel Windeln, Kleidung oder Spielsachen. Je nach Alter und kognitivem Fortschritt brauchen Kleinkinder jeweils unterschiedliche Spielsachen, durch die sie auf verschiedene Weise stimuliert werden. Ein Kleinkind zwischen sechs und 12 Monaten wird beispielsweise mit einem Puzzle oder einem Bilderbuch nichts anfangen können.

Geschäftsmodell: Mieten statt kaufen

Diese Spielsachen kosten allerdings jede Menge Geld. Und dabei sind sie nur für einen relativ kurzen Zeitraum überhaupt interessant, danach landet das meiste in einer Second Hand Kiste oder wird auf dem nächsten Innenhof-Flohmarkt zum Verkauf angeboten. Das Start-up Green Piñata Toys mit Sitz in Boston verschickt deshalb jeweils altersangemessene Spielsachen in einer monatlichen Box an ihre Kunden. Eine Box enthält drei bis vier Spielsachen. Und sollte eines davon ganz besonders gut ankommen, kann es auf Nachfrage auch erstanden werden. Großen Wert legt das Unternehmen auch darauf, dass die Spielsachen frei von Giftstoffen sind. Das ist nämlich, leider, lange nicht immer der Fall. 24,99 US-Dollar kostet das Abonnement im Monat.

Geschäftsideen aus den USA
Die verschiedenen Spielsachen sind auf die jeweiligen altersbedingten Anforderungen der Kinder angepasst. (Screenshot: Green Piñata Toys)

Green Piñata Toys wurde 2015 von Shiva Kashalkar gegründet, als diese auf der Suche nach passendem Spielzeug für ihre kleine Tochter war. Und dabei feststellen musste, dass die kleine Wohnung, in der die Familie lebte, vor lauter Spielsachen, die nicht mehr genutzt wurden, aus allen Nähten platzte. Eine Geschäftsidee war geboren.

Recompose Life – Erde zu Erde

Von der Erleichterung des Lebensstarts gehen wir über zum Ende des Lebens. Ein Thema, mit dem wir uns alle früher oder später auseinandersetzen müssen. Und eines, das nicht, im wahrsten Sinne des Wortes, totgeschwiegen werden sollte. Es gibt bereits seit Jahren eine anhaltende Debatte darüber, inwiefern wir bei unserem eigenen Tod mitzusprechen haben: Stichwort Sterbehilfe. In den USA kam jedoch in letzter Zeit eine weitere Debatte um das Thema Tod auf. Die Frage danach, was nach unserem Ableben mit unseren sterblichen Überresten geschehen soll. Bislang war der Umgang mit diesen in den USA, wie auch in den meisten anderen Ländern auf zwei Möglichkeiten beschränkt. Einerseits die klassische Sargbestattung, andererseits die Einäscherung. Am 19. April wurde, zumindest im Staat Washington, beschlossen, dass es dabei nicht bleiben solle.

Ab 2020 soll es legal möglich sein, Verstorbene zu kompostieren. Einen solchen Service bietet das Start-up Recompose rund um Gründerin Katrina Spade an. Das mag zunächst recht makaber klingen. Das ist es aber eigentlich überhaupt nicht.

Tatsächlich ist die Idee eigentlich gar nicht neu. Die Kompostierung von Tierkadavern ist zum Beispiel in der Landwirtschaft nicht selten. Tippt doch einfach mal “composting animal carcasses” in die Suchmaschine eurer Wahl ein. Dort findet ihr zahlreiche erklärende Beiträge und sogar Videos.

Okay… bei Tieren vielleicht. Aber bei Menschen?

Na gut, zwischen Mensch und Tier muss wohl unterschieden werden. Aber unter Menschen ist die Idee eigentlich nicht neu. So findet sich in vielen alten Bestattungsriten aus unterschiedlichsten Kulturen das Element wieder, den Körper nach dem Tod an die Erde zurückzuführen. Auch bei uns findet die Idee, nicht auf dem Friedhof, sondern in der Natur bestattet zu werden, immer mehr Anklang. Das zeigt sich zum Beispiel am Aufkommen sogenannter “Friedwälder”.

Geschäftsideen aus den USA
So könnte eine künftige Recompose-Anlage aussehen. (Screenshot: Recompose)

Aber zurück zur Kompostierung: Recompose Life hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich ein menschlicher Körper innerhalb von vier bis sechs Wochen vollständig zersetzt. Übrig bleiben lediglich rund zwei Schubkarrenladungen Erde. Diese kann von den Angehörigen dann sogar mit nach Hause genommen werden. Und zum Beispiel im heimischen Garten verstreut werden. Dass die Methode funktioniert, wurde zuvor in einer wissenschaftlichen Studie an der Washington State University bestätigt. Die Kompostierung – oder “Recomposition”, wie der Prozess offiziell genannt wird – soll außerdem energiesparend und vor allem im Vergleich zur klassischen Einäscherung sogar umweltschonend sein. Rund 5.000 US-Dollar wird eine Recomposition kosten.

Park & Diamond – sicher und stylisch durch den Straßenverkehr

Ganz so eilig haben wir es dann aber doch nicht mit dem Ableben. Die nächste Geschäftsidee dient deshalb dazu, euch sicher zu halten. Auch wenn immer mehr deutsche Städte darauf drängen, Fahrrad- und neuerdings auch Rollerfahrern den nötigen Platz einzuräumen, gibt es hier immer noch großen Nachholbedarf. Denn in vielen Fällen sind Radwege dann doch eher die Ausnahme. Vorzug bekommen auf der einen Seite Fußgänger – und auf Gehwegen ist das Radfahren bekanntlich verboten und wird mit einem Bußgeld geahndet. Andererseits steht im Automobilland Deutschland das Auto noch immer im Mittelpunkt. Deshalb müssen Fahrradfahrer sich häufig die Straße mit Bussen, PKWs und LKWs teilen. Und das ist gefährlich – beim Zusammenstoß zwischen Radfahrer und Automobil wird der Zweiräder immer den Kürzeren ziehen.

Schützen kann man sich zumindest ein einem gewissen Ausmaß trotzdem. Zum Beispiel durch einen Fahrradhelm. Das machen allerdings nur sehr wenige Radfahrer – weil ihnen die Helme “zu hässlich” sind. Das zu ändern nahmen sich die Gründer Jordan Klein und David Hall vom amerikanischen Start-up Park & Diamond nach dem Unfall einer Familienangehörigen vor.

Geschäftsideen aus den USA
Kopfverletzungen sind die häufigste Todesursache bei Radunfällen. (Screenshot: Park&Diamond)

Die Helme des Start-ups sind äußerlich normalen Baseball Caps nachempfunden. Außerdem lassen sie sich ganz einfach zusammenfalten und in der Tasche beziehungsweise in einer eigenen Helm-Kapsel, die nicht wesentlich größer als eine Fahrrad-Trinkflasche ist, verstauen.

Funktioniert das denn?

Ja, das tut es. Das Gründerteam hat auch ordentlich Arbeit in das Projekt gesteckt. 2016 entwickelten sie den ersten Prototypen des Helms, 2018 stellten sie dann den zweiten fertig. Bereits 2017 konnten die beiden mit ihrem Produkt überzeugen und wurden zum Gewinner des Red Bull Launchpads gekürt.

Auch bei der potenziellen Kundschaft scheint der Helm gut anzukommen. Im September 2018 startete Park & Diamond eine Indiegogo Kampagne – und wurde bis November mit über 1,3 Millionen US-Dollar unterstützt. Mittlerweile sind es sogar über 2 Millionen US-Dollar von über 19.000 Unterstützern.

Spyce up my Restaurant

Lebensmittel sind teuer, vor allem wenn man sich mit einem gewissen Qualitätsanspruch an den Einkauf macht. Noch mehr ans Geld geht es, wenn man sich zum Beispiel für die Mittagspause nicht sein eigenes Essen mitbringt, sondern sich etwas holt. Und wieder gilt hier: Wer auf Qualität Wert legt, zahlt auch dementsprechend.

Die vier MIT-Studenten Michael Farid, Brady Knight, Kale Rogers und Luke Schlueter befassten sich mit diesem Problem, da eine gesunde und ausgewogene Ernährung ihr Studentenbudget sprengte. Das Ergebnis: 2015 gründeten sie Spyce, ein Roboter-Restaurant.

Geschäftsideen aus den USA
So sehen die Bowls vom Robo-Koch aus. (Screenshot: Spyce)

In dem Restaurant werden verschiedene Bowls von Roboter-Chefs zubereitet, die sich anschließend sogar selbst reinigen. Die Bowls wurden übrigens von Chef Daniel Boulud entworfen. Den Kontakt zu Boulud suchten die Gründer per Mail – die richtige Mail Adresse errieten sie dabei. Und Boulud zeigte prompt sein Interesse.

  • Ihr wollt euch ebenfalls in der Gastronomie selbstständig machen? Dann guckt euch unseren Leitfaden zur Existenzgründung an. Dort zeigen wir euch unter anderem, wie ihr ein Restaurant, ein Café oder eine Bar eröffnet und auf was ihr bei der Gründung achten müsst.

Und warum ist das billiger?

Ganz einfach: Durch den Einsatz von Robotern können Arbeitsprozesse deutlich effizienter gestaltet werden. Und Aufmerksamkeit erregt das auch, das zieht Kunden an. Ähnliche Ansätze gibt es auch andernorts. In Japan beispielsweise waren Roboter-Hotels zeitweise stark im Trend. Das Konzept setzte sich allerdings nicht durch. Dort waren die Anforderungen an die Roboter allerdings auch deutlich höher.

Die Investoren ließen sich von dem Geschäftsmodell jedenfalls überzeugen. Im September letzten Jahres kamen so 21 Millionen US-Dollar in der Series A zusammen.