DIN-Norm für Start-ups: Ist der Leitfaden Pflicht für Gründer?



Manche Entwicklungen in der Gründerszene sorgen für jede Menge Wirbel. So auch die kürzlich veröffentlichte Nachricht über eine angebliche DIN-Norm für Start-ups. Bedeutet das jetzt, dass Unternehmensgründungen neuen Prüfverfahren unterliegen? Und welche Gründer profitieren davon? Wir liefern Antworten auf diese und weitere Fragen.

Darum geht es bei der vermeintlichen DIN-Norm

Wissenschaftler, Unternehmen und Berater haben die Köpfe zusammengesteckt, um eine Orientierungshilfe für Start-ups zu entwickeln. Heraus kam dabei das kostenlose DIN SPEC 91354: ein Leitfaden, der euch Expertentipps an die Hand geben will, um den Erfolg eurer Unternehmensgründung zu steigern. Also noch keine komplette DIN-Norm.

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Schon lange hat ein offizielles Papier nicht mehr für so viel Aufruhr gesorgt: Die DIN SPEC 91354 wirft Fragen bei Gründern auf. (Foto: piktochart)

Die ersten Reaktionen ließen trotzdem nicht lange auf sich warten. So gab es vonseiten vieler Gründer und Interessenvertreter Empörung und Irritation. Vielfach wurde die Nachricht zur Veröffentlichung des neuen Papiers als Angriff auf die Autonomie und individuelle Gestaltungsfreiheit bei Gründungen aufgenommen.

Aber: Das Ganze ist nicht verpflichtend. Es wird keine Zertifikate o. Ä. geben, die ausgestellt werden, wenn Start-ups einer entsprechenden Norm freiwillig folgen. Es entsteht also kein Nachteil im Wettbewerb für Gründer, welche das bisherige SPEC und eine künftige Norm ignorieren.

Für diese Gründer lohnt sich die künftige DIN-Norm

Die DIN-Norm ist als Prüfstein gedacht, mit dem Gründer ermitteln können, ob ihr Start-up die notwendigen Kriterien für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft erfüllt. Dazu gehören Kennzahlen wie Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder die Mitarbeiterzahl.

Auch das bisher erschienene, 17-seitige Papier richtet sich nicht nur an Gründer, sondern auch an alle in Verbindung mit einer Gründung stehende Personen und Institutionen – Finanzpartner, Hochschulen, Zulieferer etc.

Dabei ist der Nutzen nicht auf eine bestimmte Branche beschränkt, vielmehr werden alle Gründer adressiert, die wenig Erfahrung mitbringen. So schreibt Dr. Meiko Hecker, Gründer, Initiator und Projektleiter der DIN SPEC 91354c:

Im Prinzip soll der DIN SPEC-Leitfaden einem Erstgründer den Kenntnisstand eines Serial-Entrepreneurs vermitteln. Ein Serial-Entrepreneur hat in der Regel aus seinen Fehlern gelernt. Das bedeutet, er wird bestimmte Verhaltensweisen anwenden, um diese Fehler zukünftig zu vermeiden. Dieses Erfahrungswissen soll der Leitfaden widerspiegeln.

Die Mehrheit der Start-ups scheitert

Ob ihr bei eurer Gründung das neue DIN-Papier zurate zieht, ist und bleibt eure freiwillige Entscheidung. Aber vielleicht lohnt sich ja ein Blick auf die darin enthaltenen Tipps. Erst recht, wenn ihr euch vor Augen haltet, dass 80 Prozent der Start-ups in den ersten drei Jahren nach der Gründung scheitern.

Der DIN-Leitfaden ist daher kein Affront an die Gründerszene, sondern eine zusätzliche Hilfestellung von Experten. Damit euer Traum vom eigenen Unternehmen gedeiht, anstatt zu platzen.