Schluss mit Papierchaos: Diese Insurtechs räumen die Versicherungsbranche auf



Sie sind vor allem für junge Leute und Erstversicherer interessant: Insurtechs. Das liegt vor allem daran, dass sich die digitalen Versicherungsangebote bequem von zu Hause aus oder unterwegs via App in Anspruch nehmen lassen. Das spart Zeit und Mühen. Wir stellen vier Geschäftsideen von aufstrebenden Insurtechs vor.

Erst Fintechs – jetzt Insurtechs?

Obwohl es beim Fintech-Sternchen N26 momentan nicht besonders rund zu laufen scheint, sieht es für deutsche Fintechs insgesamt nicht schlecht aus.

  • In diesem Beitrag stellen wir euch drei der erfolgreichsten deutschen Fintechs vor.

Gegenüber den erfolgreichsten Fintechs haben Insurtechs noch einigen Nachholbedarf. Rund drei Jahre hängen die Start-ups der Versicherungsbranche hinter denen der Finanzbranche zurück, wenn man den Selbsteinschätzungen verschiedener Insurtechs glauben darf. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich nicht auch hier rasante Fortschritte abzeichnen.

Insurtechs
Mit digitalen Versicherungsangeboten fällt viel lästiger Papierkram weg. Das kommt vor allem bei Erstversicherern gut an. (Foto: piktochart)

Wefox – Rekordhalter mit großen Ambitionen

Eines der vielversprechendsten Insurtechs ist die Wefox Group. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin wurde 2014 von Julian Teicke in der Schweiz gegründet und startete ein Jahr später dort und in Deutschland. Schlagzeilen machte das Versicherungs-Start-up unter anderem Anfang März mit einer Series B Finanzierung in Rekordhöhe von 125 Millionen US-Dollar.

Mit dem Geld will Wefox zunächst in weitere europäische Märkte expandieren. Anfang 2020 ist dann der Eintritt in den asiatischen Markt geplant – zuerst steht Japan auf dem Programm, dann China.

Das Angebot des Insurtechs besteht aus drei Säulen. Über die Wefox-Plattform können Versicherungsmakler die Verträge ihrer Kunden verwalten. Über die eigene digitale Versicherung ONE bietet Wefox außerdem Haftpflicht- und Hausratsversicherungen an. Die größte Bedeutung misst Gründer Julian Teicke jedoch dem Nexus zu. Idee ist es hier, den Kunden durch die Analyse von zum Beispiel Standortdaten etc. situationsabhängige Versicherungsangebote zu unterbreiten. Befindet sich ein Kunde zum Beispiel in einer Region, in der die Kriminalitätsrate relativ hoch ist, soll ihm eine Diebstahlversicherung angeboten werden. Dieses Angebot fällt dann allerdings entsprechend teurer aus, da auch der Risikofaktor höher ist.

Insurtechs
Wefox Gründer Julian Teicke schwärmt von situationsbedingten Versicherungsangeboten – und erntet dafür auch Kritik. (Foto: Wefox)

Diese umfassende Datenanalyse stößt unter anderem bei Datenschützern auf Kritik. Deshalb sollen die Daten von einer unabhängigen dritten Partei in der Schweiz ausgewertet werden. Das Insurtech erhält demnach nur allgemeine Informationen, beispielsweise, dass eine Person ein Gebiet betreten hat, in dem eine bestimmte Versicherung potenziell von Vorteil wäre. Der Dienst soll zunächst nur für ONE verfügbar sein, langfristig jedoch auch für Versicherungspartner.

  • Erfahrt in diesem Beitrag, was ihr als Unternehmer über Versicherungen wissen müsst.

Clark – digitaler Versicherungsmanager

Als digitalen Versicherungsmanager bezeichnet sich ein weiterer Rising Star unter den deutschen Insurtechs: Clark aus Frankfurt. Das Start-up verspricht, dem unübersichtlichen Versicherungspapierkram ein Ende zu bereiten. So können über die Clark-App bestehende Versicherungsverträge einfach digitalisiert und schnell eingesehen werden. Auf Wunsch fordert Clark die Versicherungsunterlagen auch direkt bei dem jeweiligen Versicherer an.

Neben dem Verwalten bestehender Verträge lassen sich über die App auch neue Verträge abschließen. Eine anschauliche Übersicht zeigt auf, welche Versicherungen der Kunde bereits hat – und welche noch fehlen. Dabei gibt Clark auch gleich Feedback, wie wichtig die jeweilige Versicherung erscheint. Außerdem erhaltet ihr eine prozentuale Angabe dazu, wie gefragt die jeweilige Versicherungsart in Deutschland ist.

Die Verträge werden dann konstant mit anderen Angeboten verglichen. Sollte es günstigere Konditionen oder umfassendere Angebote geben, erhaltet ihr dazu eine Nachricht. Bei Interesse unterbreitet Clark euch ein Angebot , bestehend aus je drei Auswahlmöglichkeiten, zwischen denen ihr euch entscheiden könnt.

Seit der Gründung 2015 verkündete das Insurtech zahlreiche Kooperationen und mehrere erfolgreich abgeschlossene Finanzierungsrunden. Darunter auf die Series B im April 2018, bei der Clark 29 Millionen US-Dollar erhielt.

Getsafe – vom Versicherungsmanager zum Versicherer

Auch Getsafe aus Heidelberg zählt zu den aufstrebenden Insurtechs. 2015 startete das Start-up um die Gründer Christian Wiens und Marius Blaesing ebenfalls als digitaler Versicherungsmanager. Kennengelernt hatten sich die beiden Gründer online. Bereits ein Jahr später, 2016, richtete sich das Insurtech jedoch neu aus. Anstatt wie bisher Versicherungen zu verwalten, die bei anderen Anbietern abgeschlossen wurden, entschlossen die Gründer sich, in Zukunft selbst zum Versicherer zu werden. Den Start machte eine eigene Haftpflichtversicherung, es folgten eine Zahn- sowie eine Rechtsschutzversicherung. Seit Mai dieses Jahres bietet das Start-up außerdem eine Hausratversicherung an.

Insurtechs
Auf Expansionskurs: das Heidelberger Insurtech Getsafe. (Foto: Getsafe)

Nach eigener Aussage besteht für das Unternehmen in erster Linie der Anspruch, den Versicherungsprozess und die Verwaltung unkomplizierter und vor allem schneller zu gestalten. Dabei beruft sich Getsafe auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Diese besteht momentan allerdings hauptsächlich in Chatbots. Diese sollen helfen, Anfragen schneller zu bearbeiten. Das gilt sowohl für das Abschließen neuer Versicherungen als auch für das Einreichen von Schadensmeldungen. Gerade Letzteres soll deutlich einfacher werden. In vielen Fällen reiche es beispielsweise aus, ein Bild des Schadens einzureichen, anstatt zuerst einen Termin für die Begutachtung vereinbaren zu müssen.

Bei Chatbots soll es jedoch nicht bleiben. Getsafe plant, durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Zukunft maßgeschneiderte Versicherungen anbieten zu können. Die Risikoeinschätzung auf Grundlage von unter anderem Beruf und Familienstand sei häufig nämlich nicht genau. Das könnte sich durch den Einsatz von KI ändern. Auch gegen Versicherungsbetrug soll die Technologie helfen.

Für die Zukunft hat Getsafe große Pläne. Im Fokus steht bislang die Expansion im europäischen Raum. Langfristig möchte man allerdings “das erste Unicorn am InsurTech-Sternenhimmel” werden.

Friday – Autoversicherung nach Kilometerzahl

Das Insurtech Friday ist ein Tochterunternehmen der Schweizer Baloise Group. Das Unternehmen bietet Autoversicherungen an. Standardmäßig zu einem Festpreis oder wahlweise abhängig von der tatsächlich zurückgelegten Kilometerzahl. Das funktioniert dann ähnlich wie bei der Nebenkostenabrechnung: Zunächst bezahlt ihr einen Schätzpreis, zum Stichtag weist ihr dann nach, wie viele Kilometer ihr auch wirklich gefahren seid. So bekommt ihr bei der Abrechnung gegebenenfalls noch etwas Geld zurück – oder zahlt nach.

Für die Umsetzung gab es von der Unternehmensmutter im März 75 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen weitere Versicherungsangebote hinzukommen. Außerdem sicherte sich Friday weitere 39 Millionen Euro in Form von Medienleistungen.

Digitale Versicherer – Insurtechs machen den Großen Konkurrenz

An die großen Versicherungsunternehmen Deutschlands wie zum Beispiel Allianz und Debeka kommen die Insurtechs noch nicht heran. Dennoch sieht die Zukunft nicht schlecht aus für die jungen Unternehmen. Die Digitalisierung spielt auch in der Versicherungsbranche eine wachsende Rolle. Statt zum Makler zu gehen, erledigen vor allem junge Menschen derlei lästige Aufgaben dann doch lieber bequem von zu Hause. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass Insurtechs gerade bei dieser Gruppe besonders Anklang finden.