Gründen mit Freunden: Eine gute Idee? Fünf Vor- und Nachteile



Ob Studienfreundin oder Kita-Kumpel: Wir alle haben Vertraute, die unser Leben bereichern und mit denen wir schöne Erinnerungen teilen. Warum nicht auch beruflich gemeinsame Wege gehen und mit diesen Freunden ein Start-up aufbauen? Wir haben jeweils fünf Vor- und Nachteile fürs Gründen mit Freunden gesammelt.

Was, wenn ich keine Freunde für eine Gründung habe?

Darauf hat das Startup Rehago in unserer Publikation eine kluge Antwort:

In einem Start-up ist es ganz wichtig, sich Freunde und Mentoren zu suchen, die einen auf dem langen Weg unterstützen.

Ihr könnt also auch erst einmal auf professioneller Ebene mit einem Geschäftspartner starten, mit dem ihr anfangs nicht befreundet sein müsst. Denn was nicht ist, kann ja noch werden. Und wer weiß, welche Teammitglieder im Laufe der Zeit noch zu guten Freunden werden, die euch beratend zur Seite stehen?

Gründen mit Freunden
Gemeinsam mit Freunden den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, kann in vielen Bereichen von Vorteil sein – bringt aber auch Gefahren mit sich, derer ihr euch bewusst sein solltet. (Foto: piktochart)

Außerdem empfehlen wir euch, regelmäßig auf Gründer-Veranstaltungen zu gehen, um dort neue Freundschaften zu schließen. Dort habt ihr den Vorteil, dass ihr spannende Leute mit einem ähnlichen Mindset trefft.

Fünf Vorteile, wenn ihr ein Start-up mit Freunden gründet

Welche Vorzüge hat es, Freunde als Mitgründer beziehungsweise als Teammitglieder zu haben?

#1 Ihr habt eine Vertrauensbasis

Freundschaften sind freiwillig – ihr verbringt Zeit miteinander, weil ihr möchtet und nicht, weil ihr müsst. Zwischen guten Freunden bildet sich über die Monate und Jahre ein Band des Vertrauens. Das ist ein gutes Fundament für die Gründung eines Unternehmens, sprich fürs Gründen mit Freunden.

#2 Ihr seid auch in schweren Zeiten füreinander da

Wahre Freundschaften halten auch in Lebenskrisen, nicht selten sind sie sogar stabiler als so manche Partnerschaft. In der Vergangenheit habt ihr euch unzählige Male bewiesen, dass ihr auch dann füreinander da seid, wenn die Sonne einmal nicht scheint. Dieser stabile Zusammenhalt ist äußerst wichtig, wenn ihr bei der Unternehmensgründung durch Durststrecken geht. Und die werden kommen.

#3 Ihr kennt eure Stärken und Schwächen

Echte Freunde zeigen auch Schwächen, die nicht jeder zu sehen bekommt. Ihr schon, auch wenn diese Schwächen nicht immer angenehm sind. Ihr kennt aber auch die Stärken eurer Freunde und wisst daher genau, in welchen Business-Bereichen sie kompetent sind. Wenn euer Freund zum Beispiel ein geselliger Mensch ist, dem es leichtfällt, neue Kontakte zu knüpfen, ist er ideal bei Networking-Events oder bei der Akquise aufgehoben. Ein weiterer Vorteils fürs Gründen mit Freunden.

#4 Ihr teilt gemeinsame Interessen und Werte

Freunde sind sich in entscheidenden Punkten ähnlich: Hobbies, Freizeitaktivitäten, Lebenseinstellung. Für die Entwicklung einer Unternehmensvision ist das eine gute Voraussetzung, auch wenn die Vorstellungen hier und da voneinander abweichen können. Das ist aber sowieso bei so ziemlich jedem Gründerteam der Fall. Und Freunde haben noch einen weiteren Vorteil.

#5 Bei euch stimmt die Kommunikation

Bestehende Freundschaften zeigen vor allem eines: Dass die Kommunikation zwischen euch gut funktioniert. Wäre das nicht der Fall, wärt ihr keine Freunde, die es auch über längere Entfernungen oder Funkstille immer wieder schaffen, den Kontakt zu pflegen.

Bei der Existenzgründung ist eine funktionierende Kommunikation das A und O. Ob ihr das Tagesgeschäft wuppt, neue Marketingmaßnahmen aufzieht oder ein Kundenprofil erstellt: Damit all das gelingt, müsst ihr im Team miteinander reden, reden und nochmals reden. Und das können gute Freunde.

Gründen mit Freunden: Fünf Nachteile 

So beliebt eine Gründung unter Freunden auch ist – es gibt ein paar Nachteile beziehungsweise Risiken, die wir euch nicht verschweigen möchten.

#1 Nicht jede Freundschaft verbindet ein starkes Band

Freundschaften sind nicht gleich Freundschaften. Manche sind tief, aufrichtig und innig, andere oberflächlich und einige können euch sogar belasten. Bestimmt habt auch ihr schon die Erfahrung gemacht, dass Freundschaften unterschiedliche Qualitäten haben.

Und dass wir diese Qualitäten – sei es aus Wunschdenken oder Naivität heraus – manchmal falsch einschätzen. Es kann also passieren, dass ihr auf Basis einer Freundschaft gründet, die ihr für stabiler, zuverlässiger oder ehrlicher haltet, als sie eigentlich ist. Der vermeintlich zuverlässige Freund entpuppt sich dann als genau der Falsche für eine gemeinsame Gründung.

#2 Privates vermischt sich mit Geschäftlichem

Professionelle Beziehungen sind zwar deutlich kühler und rationaler als Freundschaften, doch liegt genau darin auch ein Vorteil – Privates und Geschäftliches bleiben sauber voneinander getrennt.

Geschäftsliches und Privates auseinanderzuhalten, fällt oft schwer. (Foto: piktochart)

Bei Freunden müsst ihr immer wieder neu austarieren: Wollt ihr euch auch nach 14-Stunden-Tagen im Office noch privat sehen? Geht es bei eurem Feierabendbier letztendlich dann doch wieder um Aufträge, Neukundengewinnung, Bilanzierung etc.? Oder fangt ihr während der Bürozeiten damit an, private Probleme am Konferenztisch zu besprechen?

Wenn ihr mit Freunden gründet, schwebt über euch ständig das Damoklesschwert der Vermischung von Privatem und Geschäftlichem. Im schlimmsten Fall leidet die Freundschaft darunter, weil ihr euch nach der vielen gemeinsamen Zeit im Business nicht mehr in der Freizeit sehen wollt. Oder umgekehrt.

#3 Unternehmensentscheidungen fallen besonders schwer

Und zwar genau aus dem unter Punkt zwei genannten Nachteil. Wir neigen von Natur aus dazu, bei Menschen, die wir mögen, Zugeständnisse zu machen. Dann haben wir Verständnis dafür, wenn unser Freund und Mitgründer in einer der heikelsten Phasen der Existenzgründung plötzlich für zwei Wochen nach Teneriffa fliegen will.

Oder wenn die Person plötzlich nicht mit zum Pitch mitkommen kann, obwohl sie fest zugesagt hat. Weil plötzlich das Lampenfieber-Trauma von der Theateraufführung aus Grundschulzeiten zum Vorschein kommt. So verständlich solche inneren Hemmnisse sind: Auf dem Markt da draußen müssen Gründer ins Rampenlicht und vor Investoren überzeugend auftreten können.

Und schon befindet ihr euch in einem Dilemma. Denn wie verhaltet ihr euch, wenn eure Freunde im Team schlechte Entscheidungen treffen oder andere Verhaltensweisen an den Tag legen, die dem gemeinsamen Business schaden? Auf einer professionellen Ebene wisst ihr, was zu tun wäre. Doch einem Freund zu sagen, dass sein Verhalten untragbar ist, oder ihr ihn sogar aus dem Unternehmen haben wollt, ist eine ganz andere Herausforderung.

#4 Ihr tut euch aus dem falschen Grund zusammen

Und zwar, weil ihr euch sympathisch seid. Nicht, weil ihr euch fachlich ideal ergänzt. Das aber sollte das Leitmotiv für die Bildung eines gut funktionierenden Teams sein. Sympathie hat schon viele Gründer aufs Glatteis geführt, auch bei der Einstellung von Mitarbeitern.

Dabei gilt sowohl für die Einstellung von Personal als auch für die Wahl eurer Teampartner: Das sollten nicht eure Kumpels sein, sondern vor allem Leute, die in ihrem Fachgebiet richtig gut sind und mit denen ihr euch ergänzt. Schließlich ist ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg die effiziente Zusammenarbeit.

#5 Es zeigen sich untragbare negative Eigenschaften

Freunde teilen nur bestimmte Phasen im Privatleben miteinander. Täglich zusammenzuarbeiten ist allerdings eine völlig neue Situation, in der ihr womöglich mit neuen, negativen Umgangsformen eurer Freunde konfrontiert werdet: pampige Antworten auf Kundenanfragen, Trotzreaktionen bei konstruktivem Feedback, ständiges Zuspätkommen oder eine ans Chaos grenzende Selbstorganisation können euch in den Wahnsinn treiben. Letztendlich findet ihr erst im Prozess der Gründung heraus, ob sich eure Freundschaft auch auf eine geschäftliche Ebene übertragen lässt.

Fazit: Gründen mit Freunden

Gründen mit Freunden – das kann ein echter Erfolgsgarant oder aber der totale Horror werden. Damit ihr unangenehme Folgen für eure Freundschaft – sowohl privat als auch geschäftlich – vermeidet, solltet ihr den anderen so genau wie möglich kennen und auch nicht davor zurückschrecken, dessen Kompetenzen und Schattenseiten ehrlich zu betrachten. So trefft ihr die richtige Entscheidung und sorgt vor allem dafür, dass eure Freundschaft erhalten bleibt. Auch wenn die Konsequenz daraus sein kann, dass es vernünftiger ist, lieber nicht zusammen zu gründen.