Mann statt Frau: Start-ups führen Männerquote ein



Es soll mehr Männer in der Gründerszene geben – darin sind sich Gründerinnen einig. Denn in der Regel können Männer besser mit Zahlen umgehen, sind analytischer, ehrgeiziger und selbstbewusster. Um sie schneller ins Management zu holen, wollen einige Gründerinnen nun eine Männerquote einführen. [April, April]

Gleichberechtigung ist seit Jahren ein großes Thema. Die gläsernen Decken zu den Chefetagen sind undurchlässig und so gibt es viele und wichtige Initiativen, um Frauen in Unternehmen und Parlamenten zu unterstützen. Noch hat die Frauenquote nicht so viel bewirkt, aber wenn die Maßnahmen erst richtig greifen, könnten sich Männer schnell benachteiligt fühlen. Sogar bei Google sollen bereits in manchen Positionen Frauen besser vergütet werden als die Männer in derselben Funktion. Um dem entgegenzusteuern, wollen einige Gründerinnen Vorreiter sein und in ihren Start-ups die Männerquote einführen. Wir sprachen stellvertretend mit Sologründerin Marina Lommel von Foodpunk und ihrem Bruder Manuel, der seit 2017 Gesellschafter des 2015 von seiner Schwester gegründeten Unternehmens ist.

GründerDaily: Hallo Marina, ihr seid ein Team aus neun Frauen und einem Mann. Was versprichst Du Dir von der Männerquote?

Marina von Foodpunk: Wir brauchen definitiv mehr Männer im Team. Das bringt mehr Pep in den Arbeitsalltag. Frauen sind oft alle sehr brav und lieb. Das muss durchbrochen werden, nicht nur für eine andere Grundstimmung im Team, sondern auch um das Unternehmen erfolgreich voranzubringen. Gemischte Teams sind laut Studien am erfolgreichsten.

Männerquote; Foodpunk
Marina Lommel und ihr Bruder Manuel von Foodpunk, hier bei der Verleihung des Lecker Liebling Awards, sprechen sich für eine Männerquote in Start-ups aus. (Foto: Bauer Media Group)

Manuel: Dem kann ich nur zustimmen. Der zu starken Rationalität im Unternehmen muss Einhalt geboten werden. Testosteron-befeuerte Hahnenkämpfe zwischen den Männern erzeugen Reibung und Reibung bringt voran.

  • In dieser Gründerstory haben wir bereits mit Marina über ihr Start-up Foodpunk und die Zusammenarbeit mit ihrem Bruder gesprochen.

GründerDaily: Was zeichnet männliche Mitarbeiter noch aus? 

Marina: Männer vertragen Kritik besser als Frauen und sprechen direkter miteinander. Man kann auch schlecht gelaufene Projekte direkt besprechen, ohne sich vorsichtig ausdrücken zu müssen, damit die projektbezogene Kritik nicht persönlich genommen wird.

Das höhere Toleranzmaß und Selbstbewusstsein gepaart mit einer natürlichen Dreistigkeit bringen Projekte und Verhandlungen voran.

Manuel: Selbstbewusste Körpersprache und das abwechselnde Tragen von zwei verschiedenen Anzügen über die Woche hinweg. Das spart Zeit und schont bei selteneren Waschgängen auch noch die Umwelt. Außerdem bleibt durch unsere pragmatische Art noch mehr Energie für geschäftliche Entscheidungen.

GründerDaily: Frauen sind ja bekanntlich zurückhaltender, ob beim Gründen, bei der Investorensuche oder bei risikoreichen Projektentscheidungen. Warum sollten Männer mit ins Management-Team und diesbezüglich gefördert werden?

Marina: Wir brauchen unbedingt viele und viel mehr starke Gründerinnen, die den Weg eines eigenen Unternehmens gehen. Aber um die Gleichberechtigung, die wir in vielen Bereichen fordern, auch gleichberechtigt umzusetzen, müssen schließlich auch Männer wiederum stärker gefördert werden. Denn die stärkere Durchsetzungsfähigkeit der Männer, gepaart mit der sozialen Intelligenz der Frauen, kann nur gewinnbringend sein. Frauen sowie Männer werden durch die gemischten Teams zu besseren Führungskräften, was wiederum das Unternehmen voranbringt.

Männerquote
Initiative Männerquote: Von der männlichen Macher-Mentalität können Start-ups vielfach profitieren. (Foto: piktochart)

Manuel: Wir Männer fahren nun mal einen Konfrontationskurs und sind kompromisslos. Da kann es schon passieren, dass unser Umgangston von außen hin und wieder als Beleidigung wahrgenommen wird. Aber entweder geht es mit dem Unternehmen steil bergauf oder eben steil bergab. Da sind wir schmerzfrei. Entscheidungen werden nicht revidiert, sondern bis zum bitteren Ende durchgezogen.

GründerDaily: Wie kann eine Förderung der Männer konkret aussehen?

Marina: Das Wohlbefinden steht an erster Stelle. Die Konferenzräume sollten zu FIFA- & Grillzonen umgebaut werden und freitags gibt es immer Bier statt Kaffee und der große Gasgrill wird angeschmissen. Und damit es keinen Feueralarm gibt, werden auch die Feuermelder abgeklebt.

Manuel: Außerdem sollte vor jedem Fahrstuhl ein Buchmacher für Sportwetten postiert werden. Generell könnten die Verpflegungskosten deutlich gesenkt werden, wenn die Auswahl in der Cafeteria für die männliche Belegschaft auf Currywurst und Bier reduziert wird. Das Geld sollte lieber in den Fuhrpark gesteckt werden, für Sportwägen, Motorboote und Helikopter.

GründerDaily: Aber dafür brauchen Gründerinnen doch nicht unbedingt Anteile abzugeben.

Marina: Das ist unterschiedlich.

Aber nicht jeder männlichen Führungskraft reichen die genannten Punkte oder die zusätzlich gebotene Kinderbetreuung aus, um nicht länger in Elternzeit bleiben zu müssen.

Das Geld spielt immer eine große Rolle und da sind Anteile wohl der richtige Anreiz. Und wenn man einen starken Partner an der Seite haben will, der sich um die schwierigen Anliegen kümmert, damit man weniger mitbestimmen muss, können es auch bis zu 80 Prozent der Anteile sein, die man hergibt. Es geht doch nichts über einen gleichberechtigten Partner auf Gesellschafterebene, mit dem man über alle Details und Internes sprechen kann.

Manuel: Das stimmt. Und jeder, der es nicht für das Geld macht, ist fehl am Platz.

GründerDaily: Marina und Manuel, vielen Dank für das interessante Gespräch zum 1. April. Wir sind gespannt, wie viele sich der Initiative anschließen.