AllFacebook Marketing Conference: Tipps und Trends für Social Media



Wie erziele ich Reichweite mit meinen Social-Media-Kanälen? Wie hebe ich mich von anderen ab? Diese Frage stellen sich alle Unternehmen, Start-ups und Freelancer. Wir waren für euch auf der AllFacebook Marketing Conference (AFBMC) in München und haben euch einen Mix aus Tipps von der Messe mitgebracht.

#1 Bringt Gefühle auf eure Website

Zum Auftakt der AFBMC wurde es gleich gefühlvoll. Mit eindringlicher Stimme und unterhaltsam brachte Karl Kratz in seiner Keynote Die Kunst der digitalen Berührung es auf den Punkt, wie man mehr Aufmerksamkeit und Neugierde bei den Usern erzeugt. „Produkte werden auf Websites meistens ausführlich dargestellt und wirken wie ein erklärter Trick. Das erzeugt kein Staunen bei euren Lesern“, so Kratz. Und weiter:

Bringt Staunen in die Köpfe der Menschen. Dann steigert sich auch die Conversion Rate.

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Mit dem Ebenen-Modell kann man seine Bilder, Texte und Videos intensivieren und somit die Resonanzfähigkeit verbessern. Dafür reiche es nicht, nur die Interessen zu bedienen, sondern auch die Sehnsüchte und Sensorik. (Foto aufgenommen bei der AFBMC)

Marken haben es meistens geschafft. Sie verbinden Einzigartigkeit mit emotionaler Bandbreite und erzeugen dadurch Erinnerbarkeit. „Wer kennt nicht den Ton von der Telekom. Das Design muss einzigartig sein und damit meine ich nicht nur das Logo und das Bild, sondern alle Ebenen“, betonte Kratz.

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Auf der AFBMC stellte Karl Kratz sein Backrezept für den Erfolg von Webseiten vor.

Marken sind stabile Konstrukte. Etablierte Marken, wie beispielsweise Google, müssen nicht zwingend gemocht werden, um zu funktionieren. „Nichts tötet eine Marke auf einen Schlag“, so Kratz. Gerade Produktmails oder Mails zu Warenkörben und Bestellprozessen könnten mit Empathie ausgestattet werden und führten dadurch eher zum Erfolg.

Mit jeder Mail an den Kunden müsse verstanden werden, dass der Mensch Kontakt aufnehmen möchte. Marken schaffen es meistens die Gefühle beim Konsumenten so herzustellen, dass er das Produkt unbedingt haben möchte. Viele legten ihr altes 1.000 Euro Smartphone in den Schrank, um das neue für über 1.200 Euro zu erwerben. Das kann man sich abschauen.

Um die Gefühle zu wecken, müsst ihr die primären Interessen eurer Zielgruppe in euren Text, eure Bilder und Videos hereincodieren. Geschichten machen die Sachen unsterblich!

#2 Haltung bewahren bei Krisen

Wie wichtig gutes Storytelling und Krisen-PR ist, wenn die Marke kurzzeitig ins Wanken gerät, zeigte Jan von Lemonaid. Das 2009 gegründete Social Start-up, das frischen Saft und aufgebrühten Tee in Glasflaschen packt und mit dem Umsatz soziale Projekte auf der ganzen Welt fördert, erlebte durch ein kopiertes Produkt bei Lidl mit billigen Zutaten ohne Saft und ohne Bio einen Shitstorm. „Erst seid ihr die Weltretter und dann produziert ihr Billig-Ware“, berichtete Jan von den Reaktionen aus dem Netz.

Wir wussten nichts von der Produktkopie und bekamen von unseren Kunden zahlreiche Beschwerden. 

Mit einem Brief an Lidl, in dem sie Stellung zu der Kopie nahmen und darauf hinwiesen, dass beim Kopieren die Werte von Lemonaid vergessen wurden, ist das Start-up aktiv die Sache angegangen.

Wir haben es öffentlich gemacht und viele Kunden haben sich für uns eingesetzt. Der Protest wurde lauter und intensiver, so dass wir es in die Medien geschafft haben.

Durch diese Aktion konnten wir gegenüber den Konsumenten klarstellen, wofür unsere Getränke stehen. Auch als die Firma seitens des Verbraucherschutzes im Januar diesen Jahres aufgefordert wurde, ihren Produktnamen zu ändern, da ihre Limonade aufgrund des zu geringen Zuckergehalts nicht so heißen dürfe.

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Jan von Lemonaid verriet auf der AFBMC, wie man seine Haltung als Unternehmen bewahrt, auch wenn es Krisen gibt.

„Bis 2025 soll der Zuckergehalt in Getränke reduziert werden. Wir machen es seit 2009, bekommen dafür eine Abmahnung und hätten fast die gesamte Produktion vernichten müssen und von vorne mit mehr Zuckerhalt oder einer Umbenennung beginnen sollen“, berichtete Jan. Lemonaid wurde aktiv und machte es publik.

180 Pressemitteilungen in zwei Tagen war das Ergebnis. Und wir konnten mit unserer Limonade weitermachen.

Offene Pressemitteilungen und gutes Social Media Marketing können bei der Krisen-PR helfen und die Community zum Einsatz bringen.

#3 Trends Trends Trends: Worauf muss ich wirklich reagieren?

Es gibt viele Wege und noch mehr Trends zum Aufbau einer Community und zu guten Beziehungen zu seiner Zielgruppe. Vor allem zum Jahresanfang werden immer die größten Online-Marketing-Trends veröffentlicht. Berater Lars Budde, der fünf Jahre bei der t3n arbeitete und zuletzt Head of Online-Marketing war, empfiehlt, sich auf wenige Trends zu beschränken.

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Weniger ist manchmal mehr – das gilt auch für den Bereich Online-Marketing.
  1. Weg vom Feed, hin zu Stories: User können sich eher mit Videos identifizieren, da sie damit emotional eher berührt werden. Das bringe wiederum eine andere Interaktion und dadurch mehr Reichweite. Viele wissen nicht, dass es auch spezielle Platzierungen nur für Videos gibt.
  2. Messenger: Wer es noch nicht getan hat, sollte mit dem Messenger starten und dafür Inhalte bereitstellen. Dadurch kann weitere Reichweite aufgebaut werden.
  3. Attributionsmodell: Herauszufinden, über welchen Kanal schließlich der Kunde gekauft hat, stellt viele vor Herausforderungen. War es die Facebook-Anzeige, die 28 Tage lief? Das Foto auf Instagram ein Tag vor dem Kauf oder doch Google? Jeder Kanal zeigt in seinem Analyse-Tool, dass er der ausschlaggebende Kanal war. Die Touch Points sind somit nicht immer messbar. „Facebook Analytics funktioniert personen- und nicht gerätebezogen und trackt die Umsätze danach. Mit Facebook Attribution, bei dem verschiedene Kanäle eingespeist werden können, kann gemessen werden, welcher Kanal zu wie viel Prozent am Umsatz beteiligt ist.“

Schaut, welcher Trend für eure Arbeit relevant ist und fokussiert euch darauf.

#4 Mit Instagram Analyse zu besserem Content und Hashtags

Wer auf Social Media dauerhaft erfolgreich sein möchte, sollte seine Zielgruppe kennen und seine Social-Media-Aktivitäten analysieren. Nur so kann er gezielt seine Inhalte darauf ausrichten.

Wissen ist Reichweite – das zeigte Stephan Eyl von Fanpage Karma anhand seiner Ergebnisse aus der Analyse von fünf Millionen Posts und fünf Millionen Stories. Größere Profile mit 500.000 Followern erreichen bei Instagram eine größere Reichweite durch die Summe ihrer täglichen Posts, nicht automatisch durch einen einzelnen Post. Dagegen erreichen kleinere Profile mit unter 1.000 Follower sogar bis zu 60 Prozent ihrer Follower mit einem Post, während die großen Profile nur 13 Prozent ihrer Follower erreichen. Aber natürlich sind 600 Follower (60 Prozent von 1.000 Followern) deutlich weniger als 65.000 Follower (13 Prozent von 500.000 Followern). Auf Instagram sind aktuell Dreiviertel aller Posts Bilder, gefolgt von Karussellen (mehrere Inhalte in einem Beitrag) und Videos.

Man darf nicht erwarten, dass mehr als zehn Prozent der Follower einen Beitrag liken.

Während Tiny-Profile mit unter 1000 Followern 7,6 Prozent an Likes erreichen, liegen Huge-Profile bei gerade mal ein Prozent. Dabei erhalten Videos weniger Likes als Bilder und Karusselle. Und auch bei Stories nimmt die Reichweite pro Follower mit zunehmender Größe des Profils ab.

Von daher lohnt es sich bereits für Gründer, sich eine Social Media Strategie zurecht zu legen und Zeit in den Aufbau von Social Media zu stecken. Wer ist meine Zielgruppe, wann erreiche ich sie am besten und mit wie viel Text?

Auf Instagram sind beliebte Posting-Tage in Deutschland Montag und Freitag. Profile erreichen auf Instagram 23 Prozent ihrer Follower, während es bei Facebook 15 Prozent sind.

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Beim Posting kommt es auf das Thema an, welche Uhrzeit am meisten Reichweite erzeugt. Während bei „Coffee“ die Zielgruppe vormittags gut erreicht werden kann, ist es bei „Burger“ der Samstag und bei „Hairstyle“ Dienstag-, Donnerstag- und Freitagabend ab 20 Uhr.

Am liebsten mögen die Follower:

  • Textlänge: 20 bis 150 Zeichen oder gar keine (reine Emojis-Posts)
  • Top 10 Themen auf Instagram: Mode, Food, Design, Travel, Fitness, Natur, Inspiration, Health, Party und Art.
  • Tipps zu Hashtags: Instagram erlaubt bis zu 30 Hashtags pro Post, die jedoch kaum jemand ausschöpft. Die Zahl liegt oft zwischen drei und acht Stück. Mit Hilfe von Tools kann man die passenden für seine Themen ermitteln und so seine Follower besser erreichen.
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„Sucht euch Nischen-Hashtags für euren Bereich und nutzt nicht immer die gleichen“, so Stephan Eyl von Fanpage Karma. In Deutschland haben wir den Vorteil, dass wir Hashtags auch in englisch und deutsch verwenden können und mischen sollten.

Und wer wissen möchte, wie er seine Konkurrenz aussticht?

Suche Dir zehn Konkurrenten, gib sie in das Tool Deiner Wahl und filtere Dir die Top Posts und Hashtags.

Somit wisst ihr, wo ihr im Vergleich zu eurer Konkurrenz steht und wann ihr eure Zielgruppe erreichen könnt.