2019 – das Jahr der FinTechs? Wir stellen drei der erfolgreichsten vor



Erst N26, dann Weltsparen: gleich zwei deutsche FinTechs konnten sich in letzter Zeit über Mega-Finanzierungsrunden freuen. Für die deutsche FinTech-Szene an sich sieht die Situation jedoch nicht derartig rosig aus. Nach einer Studie von KPMG sind die insgesamten Investitionen in der Szene rückläufig. Dies läge auch daran, dass sich die Investitionen auf bereits erfolgreiche Start-ups konzentrierten. Wir stellen euch drei der erfolgreichsten deutschen FinTechs vor.

Weniger Investitionen in deutsche FinTechs – entgegen weltweitem Trend

Weltweit erfahren FinTechs großen Zuspruch, auch in Europa wuchs das Investitionsvolumen 2018 beträchtlich im Vergleich zum Vorjahr, wie eine Studie des Beratungsunternehmens KPMG zeigt. Während die Geschäftsmodelle von einigen wenigen erfolgreichen deutschen FinTechs weiterhin die Aufmerksamkeit von Investoren auf sich zogen, ging das Gesamtvolumen der Investitionen in deutsche FinTechs stark zurück – von rund 1,7 auf ca. 1 Milliarde US-Dollar.

Die Top-FinTechs der letzten Zeit

Nichtsdestotrotz können einige Start-ups der Branche sehr erfreuliche Zahlen aufweisen. Allen voran N26, die bereits zu Anfang des vergangenen Jahres 130 Millionen Euro einsammeln konnten – und das vor Kurzem noch einmal übertreffen konnten. N26 ist jedoch nicht der einzige Gewinner der letzten Zeit. Wir stellen drei der top deutschen Finanztechnologie-Start-ups vor:

N26 – die mobile Bank

Das in Berlin ansässige FinTech N26 konnte schon in der Vergangenheit mehrere Finanzierungsrunden erfolgreich abschließen. Erst im März 2018 sammelte das Unternehmen 160 Millionen US-Dollar an Eigenkapital ein – unter anderem investierte der Münchner Versicherer Allianz und der chinesische Internetriese Tencent. In der aktuellen Series-D Runde konnte N26 diesen Höhenflug jedoch noch einmal deutlich toppen. Im Januar verkündete das Start-up ein Investment über 300 Millionen US-Dollar, umgerechnet knapp 270 Millionen Euro. Mit dem Geld plant N26 den Schritt in Richtung des US-amerikanischen beziehungsweise brasilianischen Marktes. Außerdem verhalf das Investment N26 zum Einhorn-Status. Mit 2,7 Milliarden US-Dollar wird das Unternehmen derzeit bewertet.

FinTechs - N26
Als “mobile Bank” bezeichnet sich N26 – ein Angebot, das gerade bei jüngeren Personen gut angenommen wird. (Foto: N26)

Das Unternehmen um die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal ist als mobile Bank zu verstehen. Beim Start 2013 überzeugte das Start-up durch geringe Kosten, einfache Handhabe und volle Kontrolle via Smartphone. Anfangs bot N26 ein Girokonto an – mittlerweile ist die ‘Produktpalette’ stetig weiter gewachsen. Neben dem privaten Standard-Girokonto, das kostenfrei angeboten wird, stehen beispielsweise die kostenpflichtigen Upgrade-Varianten ‘Black’ und ‘Metal’ zur Verfügung. In Kooperation mit anderen Start-ups können über die N26-App außerdem Versicherungen verwaltet und Kredite aufgenommen werden – letzteres durch Zusammenarbeit mit der Kreditplattform auxmoney.

Während etablierte Geldhäuser mit rückläufigen Kundenstämmen kämpfen, schießen die Nutzerzahlen der mobilen Bank in die Höhe. Über 2,3 Millionen Kunden zählt das Start-up bereits. Attraktiv ist N26 in erster Linie für jüngere Personen, die den persönlichen Kontakt in der Bankfiliale gerne gegen günstigere Konditionen und eine übersichtliche Bedienung über das Smartphone eintauschen.

auxmoney – Kredite von Mensch zu Mensch

Ein weiteres Top-FinTech ist auxmoney, auch wenn das Düsseldorfer Unternehmen in der letzten Zeit keine Schlagzeilen à la N26 gemacht habt.

auxmoney vergibt Kredite – allerdings anders, als das normalerweise geschieht. Wer einen Kredit benötigt, geht im Regelfall zur Bank. Die Bank verleiht aber kein eigenes Geld, sondern kann mit dem Geld, das wir auf unsere Konten einzahlen, weiterarbeiten, beispielsweise indem sie Kredite vergibt.

Dieses Vorgehen verwunderte das Gründer-Dreiergespann Raffael Johnen, Philip Kamp und Philipp Kriependorf: die Banken fungieren hier scheinbar nur als Mittelsmann, warum also nicht einfach private Kredite vergeben und den Mittelsmann so umgehen?

Gesagt, getan. Allein 2018 zahlte das Fintech Kredite im Volumen von über 550 Millionen Euro aus.

WeltSparen – die attraktivsten Sparangebote

Das Berliner Unternehmen Raisin, in Deutschland unter der Marke WeltSparen bekannt, konnte 2019 ebenfalls bereits eine erfolgreiche Series-D Finanzierungsrunde abschließen – über satte 100 Millionen Euro.

Neben der aufsehenerregenden Finanzierungsrunde tauchte Raisin noch aus einem weiteren Grund in den Schlagzeilen auf. Denn während Banken weltweit verstärkt Interesse an FinTechs zeigen und fleißig in sie investieren, drehte das FinTech den Spieß nun um: Anfang März teilte das Zinsportal mit, es habe die Frankfurter MHB-Bank übernommen.

FinTechs - Raisin-Gründerteam
Das Raisin-Gründerteam: Dr. Frank Freund, Dr. Tamaz Georgadze, Michael Stephan (v.l.n.r.). (Foto: Raisin)

WeltSparen vermittelt seinen Kunden möglichst attraktive Sparangebote. Im Regelfall bieten ‘normale’ deutsche Banken deutlich geringere Zinsen, als das Geldinstitute im Ausland tun. Deshalb kann es sich lohnen, das eigene Geld besser auf ausländischen Konten anzulegen. Jedoch kann es mit einem erheblichen Aufwand verbunden sein, sich selbst über die jeweiligen Angebote und alles, was dabei zu beachten ist, zu informieren.

Ebendas übernimmt WeltSparen für seine Kunden. Ziel ist es, möglichst transparent vorteilhafte Anlageoptionen zu kommunizieren. Über 10 Milliarden Euro an Anlegergeldern vermittelte das Start-up auf diese Weise bereits. Nach Unternehmensangaben zählt WeltSparen mittlerweile über 165.000 Kunden.

Besonders interessant ist, dass der ‘Durchschnittskunde‘ des FinTechs laut WeltSparen 59 Jahre alt ist. Dies stellt einen klaren Gegensatz zum Kundenstamm von N26 dar – hier richtete sich das Angebot ja in erster Linie an junge Nutzer.