Programmierer outsourcen: Chancen, Tipps und Nutzen für Gründer



In Zeiten der Digitalisierung braucht so gut wie jedes Start-up Programmierer. Viele Gründer gehen dabei den Weg des Outsourcing. Lest, welche Vorteile dafürsprechen und wie eine solche Zusammenarbeit sogar länderübergreifend funktionieren kann. Tipps gibt es außerdem von Friedhelm A. Schmitt, Co-CEO des Robo-Advisor-Start-ups Fincite.

Warum outsourcen?

Wenn ein Start-up gerade erst am Anfang steht, ist das Geld meistens knapp. Doch auch in späteren Entwicklungsstadien wird das Budget für Mitarbeiter immer wieder Thema sein. Darüber hinaus werden begehrte Fachkräfte nicht selten von Konzernen abgeworben.

Outsourcing
In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung werden Programmierer eigentlich überall gebraucht. (Foto: piktochart)

Kosteneinsparungen sowie der geringere Wettbewerbsdruck im Ausland sind also die offensichtlichsten Gründe, um outzusourcen. Doch ist nicht jeder Standort geeignet und es geht um mehr als das Geld, wie Friedhelm A. Schmitt, Co-CEO von Fincite, bestätigt:

Wir haben bei der Gründung mit Peru gestartet. Das lag vor allem daran, dass wir durch die Manager vor Ort einen exzellenten Zugang zu Talenten hatten. 

Außerdem sei der Standort zudem deutlich weniger kompetitiv als die gängigen Outsourcing-Standorte gewesen. Inzwischen beschäftigt Fincite ein weiteres Team von Programmierern in der Ukraine. So konnte das Start-up Schmitt zufolge das Servicefenster auf nahezu 20 Stunden erweitern.

Vorteile des Outsourcings für Start-ups

Die Zusammenarbeit mit einzelnen Programmierern oder gar komplett externen Teams bietet noch weitere Vorteile. Allerdings muss es für das Gelingen auch wesentliche Voraussetzungen geben.

Die große Identifikation mit dem Produkt, dem Unternehmen und den Arbeitsprozessen ist einer der größten Erfolgsfaktoren in der Zusammenarbeit auf Distanz.

Es muss sich wirklich um Teams handeln und nicht um „Vendoren“, „Ressourcen“ oder „Provider“, wie Schmitt betont. Das sei essenziell wichtig für den Erfolg beim Near- und Offshoring.

Es ist also von hoher Bedeutung, die Menschen und nicht nur billige Arbeitskräfte hinter eurem Outsourcing-Vorhaben zu sehen.

Die richtigen Leute beim Outsourcing finden

Es liegt in der Natur der Sache, dass ihr Programmierer nicht kontrollieren könnt, die teils über tausende Kilometer hinweg mit euch zusammenarbeiten. Diese Haltung ist aber auch der falsche Ansatz, wie Fincite-Co-CEO Schmitt aufzeigt:

Kontrolle ist grundsätzlich kein vorherrschendes Element unserer Unternehmenskultur. Wir setzen stark auf Empowerment, dass jeder seine Arbeit optimal ausführen kann und auch Verantwortung für seine Arbeit übernimmt.

Das Start-up gibt dafür ein Gerüst vor, was die Spielregeln definiert, aber viele Freiräume zur individuellen Entfaltung gebe, insbesondere Freiräume in der Zielerreichung. Aber es fallen natürlich auch viele Daten im Unternehmen an.

Code-Qualität beispielsweise wird von uns automatisiert gemessen. Dies ist jedoch kein Kontrollmechanismus, sondern wird gamified aufgefasst, als ein interner Wettkampf darum, hochqualitativen Code zu produzieren.

In Fincites Herangehensweise an Outsourcing kommen drei wesentliche Punkte zum Tragen:

Wenn es euch ebenfalls gelingt, euren externen Mitarbeitern eine wertschätzende Haltung entgegenzubringen, fördert ihr so die Motivation und damit die Produktivität, was die Wissenschaft belegt.

Damit ihr auch Leute findet, die euer Vertrauen zu schätzen wissen und eigenständig gute Arbeit leisten, braucht ihr einen sorgfältigen Auswahlprozess. Schmitt veranschaulicht, wie dies gelingen kann:

Wir haben einen sehr effizienten Recruiting- und HR-Prozess, der es uns ermöglicht, schnell und mit hohen Erfolgsraten diejenigen Kandidaten zu bekommen, die einerseits gut zu uns passen, die aber auch schnell in unserem Technologiestack einen Beitrag liefern können.

Rechtliches zum Outsourcing

Bevor ihr von den Vorteilen des Outsourcings profitieren könnt, empfehlen Experten, dass ihr euch intensiv über die administrativen und kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Landes informiert. Davon unabhängig solltet ihr bei der Zusammenarbeit aber auf klare Vereinbarungen achten. So empfiehlt Schmitt:

In jedem Fall ist es ratsam, sich vor Ort als auch hier rechtlich und steuerlich betreuen zu lassen. Auch wenn es manchmal in der Landeskultur üblich ist, Verträge per Handschlag zu besiegeln, sollte man doch auf schriftliche Verträge beharren.

Darüber hinaus sei es gegenüber Kunden, je nach Regulierung, einfacher, wenn man mit Nearshore-Teams arbeite.

Weitere sensible, rechtliche Bereiche beim Outsourcing sind unter anderem die Themen Datenschutz, Betriebsübergang, Kündigungsschutz und Arbeitsrecht. Informiert euch hier regelmäßig über neue Entwicklungen, zum Beispiel in Form von Urteilen des Europäischen Gerichtshofes.

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Andere Länder, andere Sitten – und andere Gesetze! (Foto: piktochart)

Outsourcing: Wann ist es sinnvoll?

Diese Frage muss sich jeder Unternehmer selbst beantworten. Zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass Outsourcing dann sinnvoll ist, wenn:

  • ihr Kosten einsparen möchtet,
  • eure Unternehmenskultur von Vertrauen, Mitarbeitermotivation und Wertschätzung geprägt ist,
  • ihr einen klaren Recruitingprozess für die Findung geeigneter Mitarbeiter über Sprach-, Länder- und Kulturgrenzen hinweg gewährleistet und
  • ihr eine attraktive Alternative zum Wettbewerbsdruck hierzulande sucht.

Last, but not least birgt die Zusammenarbeit mit externen Teams noch einen weiteren entscheidenden Vorteil für eure persönliche Weiterentwicklung und das Wachstum eures Start-ups.

Wir haben, wie bei allen neuen Dingen, eine große Lernkurve durchlaufen, die uns im Laufe der Zeit immer besser gemacht hat. 

Und die verbesserten Prozesse führten zu höherer Zufriedenheit bei den Kollegen, zu einem schnelleren Onboarding und besseren Qualität in der Programmierung sowie in der Qualitätskontrolle. Inzwischen, so Schmitt, sei daraus ein idealer Schmelztiegel brillanter Köpfe für Innovation und Technologiefortschritt entstanden. Und ist es nicht genau das, was ihr euch auch für euer Start-up wünscht? Wenn eure Antwort darauf Ja lautet, dann könnte Outsourcing der ideale Weg dorthin sein.

Mehr zum Thema Mitarbeitersuche, Mitarbeitermotivation und Mitarbeitergespräch findet ihr auf Für-Gründer.de.

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