Existenzbedrohung: KMUs sollen wegen Google Quellensteuer zahlen



Digitalkonzerne wie Google zu besteuern, ist eine Herausforderung. Eine, an der die Finanzminister der EU schon eine ganze Weile herumknabbern. Nach einem Bericht des ZDF-Politmagazins Frontal 21 bedient sich das bayrische Finanzministerium nun eines alten Gesetzes, um die Verantwortung in der Sache auf mittelständische Unternehmen abzuwälzen.

Seit längerer Zeit diskutieren die Finanzministerien der EU bereits darüber, wie man große Digitalkonzerne wie Google oder auch Facebook angemessen besteuern könne. Das Problem dabei ist, vereinfacht formuliert, folgendes:

Im Regelfall führt ein Unternehmen dort, wo es ansässig ist, die Einkommensteuer ab. Ein Unternehmen, das aus Deutschland operiert, führt also auch entsprechend in Deutschland die Einkommensteuer ab. Nun brauchen Digitalkonzerne jedoch keine Niederlassungen in zum Beispiel Deutschland, um hier auch operieren zu können. Zugleich erzielt das Unternehmen jedoch Gewinne aus der hiesigen Tätigkeit.

  • Weitere Informationen rund um die Einkommensteuer findet ihr auch hier.

Quellensteuer wegen Google: Welche Unternehmen betrifft es?

Wie das Politmagazin Frontal 21 nun berichtet, hat das bayrische Finanzministerium dennoch einen Weg gefunden, den Digitalriesen Google zu besteuern – zumindest vorgeblich. Die Idee: deutsche Unternehmen, die auf Google Werbung schalten, sollen für diese eine fünfzehnprozentige sogenannte Quellensteuer entrichten. Und das rückwirkend für bis zu sieben Jahre. Je nach Unternehmensgröße und Aktivität im Internet kann dadurch eine hohe Steuernachzahlung entstehen, die die KMUs zunächst zahlen müssten. Und das betreffe fast alle deutsche Firmen, alle, die Online-Marketing über Google betreiben.

Google
Die Finanzministerien der Europäischen Union tun sich schwer dabei, eine faire Lösung für das Problem der Besteuerung großer Digitalkonzerne zu finden. (Foto: piktochart)

Das Geld sollen die Unternehmen sich dann von Google erstatten lassen können. Dabei scheint es äußerst fraglich, ob kleine und mittelständische Unternehmen Forderungen gegenüber dem Digitalkonzern durchsetzen können, während die Finanzministerien der Europäischen Union daran scheitern. Der ZDF zitiert hierzu den Finanzexperten Manuel Theisen folgendermaßen:

Wie soll ein bayrischer Einzelunternehmer an Google herankommen, an dem sich die Finanzverwaltungen dieser Welt die Zähne ausbeißen? – Manuel Theisen gegenüber ZDF

Ob und in welcher Weise dieses Vorgehen in Zukunft bundesweit Anwendung finden wird, ist bislang unklar.