Fortbewegung im Wandel – Mobilitätskonzepte für das urbane Leben



Die Fortbewegung, vor allem in urbanen Regionen, befindet sich im Wandel. Die zunehmenden Dieselfahrverbote sind nur ein Anzeichen dafür. Die Forderung nach alternativen Ansätzen nimmt stetig zu.  Das schließt sowohl Fortbewegungsmittel wie beispielsweise E-Scooter ein, als auch eine zeitgemäße und effiziente Infrastruktur in Städten. Wir stellen drei Geschäftsideen à la New Mobility vor.

UrmO – der Triumphzug der E-Kleinstfahrzeuge

In größeren Städten mit dem Auto von A nach B zu gelangen ist oft leichter gesagt als getan. Gerade zu den Hauptverkehrszeiten, von denen beispielsweise Pendler ohne Ausweichmöglichkeiten stark betroffen sind, ist das Vorankommen scheinbar unmöglich. Und wenn dann noch ein, zwei Baustellen hinzukommen, ist das Verkehrschaos vorprogrammiert.

New Mobility
Die letzte Meile auf dem Weg zur Arbeit lässig auf dem E-Floater anstatt im Auto im Innenstadt-Stau verbringen. (Foto: UrmO)

Um dieser Problematik in Innenstädten entgegenzuwirken besteht seit längerer Zeit die Idee, Automobile außerhalb solcher hoch frequentierten Zonen abzustellen und die sogenannte „letzte Meile“, also die Reststrecke, auf andere Weise zurückzulegen. Eine Möglichkeit sind zum Beispiel elektrische Kleinstfahrzeuge, wie sie das Münchner Start-up UrmO anbietet. Das Team um die drei Gründer Felix Ballendat, Jakob Karbaumer und Sebastian Signer entwickelte 2017 das Konzept für einen E-Floater, der künftig mit bis zu 15 Stundenkilometer durch Deutschlands Städte cruisen soll. Entscheidende Vorteile des Geräts sind zum einen, dass der Wechsel von Auto auf E-Floater die Schadstoffbelastung in Städten signifikant reduzieren könnte, zum anderen die leichte Handhabe und vor allem den Transport des Geräts selbst. Dieses wiegt nämlich gerade einmal sechseinhalb Kilogramm und kann auf die Größe eines Aktenkoffers zusammengefaltet werden.

Dass die Geschäftsidee von UrmO erfolgsversprechend ist, zeigt auch der Zuspruch auf den Crowdfunding-Plattformen Kickstarter und Indiegogo. Beide Projekte waren äußerst erfolgreich.

  • Rechtliches:

    Während Elektro-Roller und andere PLEVs (Personal Light Electric Vehicles) in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern bereits fester Bestandteil des Stadtbilds sind, hinkt Deutschland bei der Gesetzgebung hinterher. Bislang ist deren Nutzung im öffentlichen Verkehr verboten. Das soll sich jedoch bald ändern. Ein entsprechender Beschluss wird ab Anfang 2019 die Nutzung entsprechender Fahrzeuge regeln. Allerdings müssen die PLEVs bestimmte Bedingungen erfüllen, um im Straßenverkehr zugelassen zu sein. Beispielsweise soll es eine Versicherungspflicht geben und es sind nur Fahrzeuge mit einer Lenkstange zulässig.

Chargery – die Powerbank fürs E-Auto

Eine Million Elektroautos will die Bundesregierung bis 2020 auf Deutschlands Straßen haben. Die Umsetzung dieses Plans mag bislang noch nicht so gut funktionieren. Anfang 2018 waren bundesweit nur knapp 54.000 E-Autos angemeldet. Dennoch wird das Vorhaben konsequent weiter vorangetrieben. Dazu gehört auch die dafür nötige Infrastruktur, vor allem was Ladestationen angeht.

Das Berliner Start-up Chargery sieht hier eine Marktlücke. Denn noch immer sei die Stromversorgung für Autos nicht gewährleistet, ein Umstand, der mit der steigenden Anzahl von Elektroautos weiter zunehmen werde. Anstatt mühsam nach einer freien Ladestation suchen zu müssen, kommt diese mit Chargey nun direkt ans Auto. Per E-Bike wird eine entsprechend große Powerbank ans Fahrzeug gebracht, womit dieses innerhalb von viereinhalb Stunden wieder vollgeladen sein soll. Künftig soll das Aufladen auch schon in unter einer Stunde möglich sein. Als Zusatzdienst bietet Chargery an, in dieser Zeit auch Reinigungsmaßnahmen vorzunehmen, sowie Füllbestände oder Ähnliches nachzuprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Das Potenzial dieser Idee bemerkten auch größere Player bereits. So mischt seit kurzem der Autovermieter Sixt bei Chargery mit. Außerdem zählen unter anderem auch Daimler und DriveNow zu den Kunden des Berliner Start-ups.

evopark – Parkplatzsuche leicht gemacht

Am Zielort zu sein bedeutet noch lange nicht, angekommen zu sein. Denn die Parkplatzsituation ist in vielen Städten problematisch, so dass die Stellplatzsuche oft viel Zeit in Anspruch nimmt. Das Start-up evopark nimmt sich dieses Problems an. Die evopark-App navigiert Nutzer zu freien Stellplätzen in Parkhäusern. Diese können dann dank eines Parkchips einfach genutzt werden. Dieser Chip wird in den kompatiblen Parkhäusern automatisch erkannt. Die Zeitpunkte der Ein- und Ausfahrt werden jeweils registriert, ein extra Parkticket muss nicht gelöst werden. Auch die Parkgebühr ist nicht gleich fällig. Die Abrechnung erfolgt erst am Monatsende.

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evopark: Parkplatzsuche und -management leicht gemacht. (Foto: evopark)

Obwohl evopark erst 2014 gegründet wurde, erregte das Unternehmen bereits einige Aufmerksamkeit. So arbeitete das Start-up eng mit Porsche Digital zusammen, die evopark-Technologie ist sogar bereits im neuen Porsche Cayenne integriert. Auch andere Autohersteller planen eine Integration des Park-Chips von evopark. Ende 2017 erwarb Scheidt & Bachmann die Mehrheitsanteile an dem Start-up.