Mit voller Kraft voraus: Dieses Start-up will die Schifffahrt digitalisieren



Das Start-up NautilusLog will die maritime Branche digitalisieren. Wo Fax, Excel und analoge Dokumente noch an der Tagesordnung stehen, ist es nicht einfach, sich mit einer digitalen Lösung durchzusetzen. Wir sprachen mit Gründer Otto Klemke über die Probleme bei der Umsetzung und warum es manchmal besser ist, sein Produkt nicht sofort auf den Markt zu bringen.

GründerDaily: Vor knapp drei Jahren habt ihr als Seitenprojekt eures Unternehmens Securizon GmbH angefangen, die App NautilusLog zu entwickeln. Im Mai dieses Jahres habt ihr dann das gleichnamige Unternehmen gegründet und euch von Securizon getrennt. Wie kam es zu der Idee hinter NautilusLog?

Otto von NautilusLog: Mein Bruder arbeitet seit über zehn Jahren in der Schifffahrt. Was er mir davon berichtete, konnte ich gar nicht glauben. Die Arbeit auf dem Schiff ist noch geprägt von Papier, Fax, Excel-Listen und E-Mails. Zudem tippen sie alles händisch ab. Der maritimen Branche steht die Digitalisierung also noch bevor. Deshalb haben wir beschlossen, für sie eine App zu entwickeln, mit der man digital Logbuch führen kann. Wir arbeiten momentan mit Behörden, Flaggenstaaten und mit der DIN zusammen. Denn zum digitalen Logbuch gehören natürlich auch Regulationen, die wir erfüllen müssen. Wir stehen im Grunde genommen kurz vor unserem Marktgang.

GründerDaily: Was genau macht die App?

Otto von NautilusLog: Mit der App verknüpfen wir maritime Akteure miteinander. Streng genommen haben wir keine eigene Dienstleistung, sondern helfen beim Datensammeln und bei Prozessen. Damit andere ihren Job effizienter machen können, zum Beispiel Häfen, Besichtiger, Zertifizierungsunternehmen, Dienstleister oder auch Banken und Versicherungen. Die erste Anwendung, die wir schon produktiv getestet haben, ist eine sogenannte Gefahrenstoffinventur an Bord von Schiffen. Das macht man bisher alles analog. Mit unserer App geht das auch digital.

GründerDaily: Wie funktioniert das?

Otto von NautilusLog: Wir benutzen dazu Plastikbeutel mit NFC-Technologie [Near Field Communication: Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten, Anm. d. Red.]. Ein Besichtiger geht mit den Beuteln und der App auf dem Handy an Bord und sammelt die Proben. Hält man das Handy an den Beutel, erkennt die App die Identifikationsnummer und der Besichtiger beschreibt, was sich im Beutel befindet und worauf der Inhalt geprüft werden soll. Kommt die Probe im Labor an, kann der Mitarbeiter den Beutel einfach scannen und findet alle Informationen, die er braucht. Das Ergebnis der Laboruntersuchung wird schlussendlich in einer Datenquelle hochgeladen. So können wir einen Report, der sonst drei Tage bedarf, sehr schnell auf Knopfdruck generieren.

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NautilusLog bietet eine App, mit der die Crew eines Schiffes digital Logbuch führen kann. (Foto: NautilusLog)

GründerDaily: Das heißt, einige Daten werden automatisch erfasst, andere werden händisch eingetragen?

Otto von NautilusLog: Genau. Unsere eigentliche Aufgabe ist es, die – ich sage jetzt mal – papiergeführte Arbeit auf ein Minimum zu reduzieren. Und das können wir über digitale Tools. Als Beispiel: Wenn ein Schiff einen Emissionsreport braucht, dann müssen verschiedene Werte dokumentiert werden, zur Position, Route und Kraftstoffangaben zum Beispiel. Diese Informationen werden alle in einem Emissionsreport verarbeitet. Das passiert häufig über Excel-Listen an Land und kostet unheimlich viel Zeit. Bei uns ist dieser Report fertig, wenn das Schiff im Hafen einläuft.

GründerDaily: Du hast bislang von Gefahrenstoffen, Routen und Kraftstoffangaben gesprochen. Welche Daten sammelt die App noch?

Otto von NautilusLog: Was wir zum Beispiel sammeln ist die Schiffsposition und die Temperatur. Man kann aber auch Inventuren durchführen, man kann Schäden dokumentieren, die an Bord vorkommen, oder festhalten, wann der Kraftstoff umgeschaltet wurde, bevor das Schiff in eine Umweltzone fährt.

GründerDaily: In einem Logbuch muss jede Änderung eines Eintrags kenntlich gemacht werden. Wie funktioniert das bei euch?

Otto von NautilusLog: Für uns gelten natürlich dieselben Bedingungen wie für Papierlogbücher. Wir müssen – das war sehr viel Arbeit – dafür sorgen, dass Einträge nicht manipuliert werden können. Man kann zwar Einträge überschreiben, aber man muss immer die Historie erkennen können. Was war der alte Eintrag, was ist der neue Eintrag.

GründerDaily: Welche Hürden gab es bei der Entwicklung der App?

Otto von NautilusLog: Es gab viele technische Hürden als auch Regulierungsthemen. Ein Thema ist zum Beispiel: Beim deutschen Flaggenstaat sind digitale Logbücher per se mittlerweile erlaubt. Es gibt in den Vorschriften aber eine Formulierung, dass das Logbuch unterschrieben werden muss. Und damit sind digitale Logbücher eigentlich nicht mehr okay. Da sind wir jetzt ins Gespräch gegangen und haben technische Vorschläge gemacht, wie man die Bücher digital signieren kann. Das soll auch geändert werden, dauert aber lange, bis es in Kraft tritt und überall genehmigt ist.

Ein anderes Problem ist: Wir müssen momentan die alte und die neue Welt parallel unterstützen.

In Afrika beispielsweise ist man längst nicht so weit wie hier. Das heißt, da kann man nicht die App hochhalten und sagen: „Hier ist der Report.“ Das heißt, wir müssen an einigen Stellen auch das nachträgliche Erstellen von Report-Seiten unterstützen. Wir müssen Seiten also ausdrucken können, diese müssen unterschrieben und abgeheftet werden können. Obwohl wir genau das ja eigentlich ändern wollen.

GründerDaily: Du sprachst auch von technischen Hürden. Welche Probleme gab es da?

Otto von NautilusLog: An Schiffen haben wir keine permanente Internetverbindung. Das heißt, wir müssen mit unserer App Daten zwischen Geräten ohne eine Internetverbindung synchronisieren können. Wir müssen aber auch einen Landaustausch ermöglichen. Wir haben deshalb eine Lösung gebaut, die keine Server benötigt. Das heißt, bei uns ist in jeder App der Client und der Server integriert. So haben wir, sobald mindestens zwei Smartphones mit der App vorhanden sind, Server und Backup-Server direkt an Bord.

GründerDaily: Momentan ist die App noch nicht auf dem Markt. Wieso?

Otto von NautilusLog:

Wir kennen die maritime Branche, da hat man genau einen Versuch.

Deshalb veranstalten wir Feedbackrunden mit unseren Partnern. So schleifen wir das Produkt gemeinsam mit dem Markt, um am Ende eine Lösung zu haben, die richtig gut funktioniert, die jeder sofort versteht und die man auch sofort einsetzen kann.

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Drei der vier Gründer von NautilusLog: Sven Hamer, Moritz Klemke und Otto Klemke (v.l.). (Foto: NautilusLog)

GründerDaily: Wie habt ihr euch bisher finanziert?

Otto von NautilusLog: Am Anfang war NautilusLog nur ein Seitenprojekt der Securizon GmbH. Im Dezember letzten Jahres haben so viele Leute an NautilusLog gearbeitet, dass wir es nicht mehr selbst finanzieren konnten. Da haben wir uns um Finanzierung bemüht. Wir sind dann auf Interesse gestoßen bei der IFB, also InnoRampUp, und haben über die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation zum Beispiel eine Teilprojektförderung bekommen.

Im März bekamen wir drei Zusagen mit der Bedingung, dass wir zu hundert Prozent in diesem Projekt tätig sein müssen. Wir mussten also alle Aufträge, die bei der Securizon GmbH noch parallel liefen, absagen. Das haben wir mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge gemacht. Aber hauptsächlich lachend, weil wir auch Lust haben, dieses Thema weiterzubringen.

GründerDaily: Du hast das Unternehmen NautilusLog mit deinem Vater, deinem Bruder und einem Freund zusammen gegründet. Welche Vorteile ergeben sich, wenn man mit Familienmitgliedern gründet? Und welche Herausforderungen?

Otto von NautilusLog: Das bietet viele Vorteile. Man ist nah dran und kennt sein Gegenüber.

Leute kennt man oft erst richtig, wenn es mal knatscht. Diesen Schritt kann man hier überspringen. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch mal irgendwann knallt. Eine offene Kommunikation kann da sehr helfen.

Eine große Herausforderung ist, dass sich innerhalb des Gründerteams unsere Kompetenzen zwar sehr gut ergänzen, aber alle mit der Digitalisierung in unterschiedlicher Weise in Kontakt gekommen sind und das aus ihrer jeweiligen Branche unterschiedlich kennen. Das auf einen Nenner zu bringen, gerade was Geschwindigkeit und Arbeitsweisen angeht, das ist schon eine Herausforderung.

GründerDaily: Hast du noch einen Bonustipp für Gründer im Allgemeinen?

Otto von NautilusLog: Ich würde dazu raten, offen zu sein, über seine Idee zu sprechen und diese zu hinterfragen. Und die Idee vielleicht auch mal zu ändern. Bei uns war auch der Schlüssel:

Man macht nicht alles alleine. Das geht gar nicht. Wir machen viel partnerschaftlich und gucken, dass wir möglichst Synergieeffekte erzeugen.

GründerDaily: Danke, Otto, für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts zu NautilusLog:

  • Gegründet im Jahr: 2018
  • Firmensitz in: Hamburg
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 6 Personen
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: InnoRampUp (Hamburgische Investitions- und Förderbank)
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Der Digital Hub Logistics Hamburg und die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation sowie das Maritime Cluster Nord. Und folgende Preise: Hamburg Innovation Award, PitchBlue Award, Digital Logistics Award
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für uns folgende:
    • Menschen: aus unserem sowie maritimen Netzwerk sowie Partner und Behörden (mit Zugängen zu Regulationen und dem Markt), aber auch die Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen
  • Kontakt

  • Otto Klemke
  • NautilusLog GmbH
    Neuer Kamp 30
    20357 Hamburg
  • +49 40 432 803-53
  • info@nautiluslog.com
  • www.nautiluslog.com