Kompost statt gelber Sack: diese Gründer sagen Plastikmüll den Kampf an



Kunststoffabfälle belasten unsere Umwelt immer mehr. Um diesem Problem entgegenzuwirken, entwickeln Katja und Sven Seevers sowie Hannes Füting von der Superseven GmbH kreislauffähige Verpackungsalternativen für Unternehmen. Mit ihrer Geschäftsidee wollen sie nichts geringeres als den sogenannten Alleskönner Plastik ersetzen. Wir haben das Gründerteam vor Kurzem in Berlin getroffen.

GründerDaily: Ihr habt im Oktober mit Superseven beim KfW Award Gründen 2018 den Publikumspreis gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Mit welchem Produkt konntet ihr die Zuschauer überzeugen?

Hannes von Superseven: Wir entwickeln und vertreiben kreislauffähige Produktverpackungen. Unsere Topmarke Repaq ist gartenkompostierbar. Alle unsere Verpackungen enthalten keine Schadstoffe, sind plastik- und mineralölfrei. Repaq zersetzt sich innerhalb von 42 Tagen im Garten oder in einer anderen natürlichen Umgebung. Wir bieten somit eine Alternative zu Plastikverpackungen an.

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Superseven ersetzt herkömmliche Plastikverpackungen durch kompostierbare Alternativen aus Zellulose. (Quelle: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh)

GründerDaily: Warum ist euer Produkt so wichtig?

Hannes von Superseven: In den Medien hören wir alle täglich über die Vermüllung der Ozeane durch Plastik. Wir greifen an den Stellen an, die man vermeintlich einfach verändern kann, sprich bei der Verpackung. Wir beraten Unternehmen dabei, ihre industriell genutzten Produkte besser und nachhaltiger zu verpacken, und entwickeln für sie plastikfreie Alternativen.

Sven von Superseven: Unsere kompostierbaren Verpackungen haben zwei große Vorteile: Erstens entsteht durch sie kein Mikroplastik, denn sie sind plastikfrei. Zweitens kompostieren sie schnell in der Natur, selbst wenn sie mal irgendwo rumfliegen sollten. Zudem benutzen wir für unsere Verpackungen nachwachsende Rohstoffe und kein Erdöl. Das wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz aus.

GründerDaily: Eure Verpackungen bestehen aus Zellulose, das ist eigentlich kein neues Material. Was ist das Neue bei euch und warum hat es vorher noch niemand benutzt?

Hannes von Superseven: Zellulose hat damals den Weg in die industrielle Anwendung nicht gefunden, weil kurze Zeit später Plastik als günstige Alternative auf den Markt kam. Dann lag es lange in der Schublade herum. Heute wissen wir, dass es von den Materialeigenschaften her eine hervorragende Alternative ist.

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Zelluloseverpackungen: altes Material, neue Anwendungsweisen. (Quelle: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh)

Katja von Superseven: Das Neue bei uns sind vor allem die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Außerdem entwickeln wir neue Materialienkombinationen, sodass wir möglichst Vieles darin verpacken können.

GründerDaily: Woher bezieht ihr die Rohstoffe für das Material?

Hannes von Superseven: Grundsätzlich achten wir sehr darauf, dass die Rohmaterialen für unsere Zellulose aus Abfällen aus der Holzwirtschaft stammen, die den FSC-Standards entsprechen [das heißt zertifiziert als nachhaltige Forstwirtschaft, Anm. d. Red.]. Momentan können wir für die Menge, die wir verkaufen, garantieren, dass keine Bäume extra gefällt werden. Wir setzen ein Abfallprodukt der Holzwirtschaft ein.

Sven von Superseven: Wir stellen allerdings keine Rohmaterialien selbst her. Wir lassen immer herstellen. Alle Rohstoffe beziehen wir aus Europa.

GründerDaily: Inwiefern ist diese Vorgehensweise skalierbar? Nehmen wir einmal an, man würde immer mehr Plastikverpackungen mit euren Zellulose-Verpackungen ersetzen. Wie lange kann man das mit den Abfällen abdecken? 

Katja von Superseven: Egal welchen Grundstoff wir wählen: Wir können nicht alle Produkte, die wir gerade konsumieren, mit einem Werkstoff herstellen. Ob das Zellulose, Zuckerrohr oder Erdöl ist. Man muss also immer überlegen: Welches Material ist für welche Verpackung sinnvoll? Die beste Verpackung, die wir haben können, ist eigentlich gar keine Verpackung. Wir mögen vielleicht Materialen finden, die bestimmte Kunststoffprodukte ersetzen können. Trotzdem müssen wir darüber nachdenken, ob wir es überhaupt nötig haben, das Material einzusetzen. Denn jeder Ressource, die wir auf der Erde verbrauchen, ist ein Limit gesetzt.

Hannes von Superseven: Die Aufgabe ist es also nicht nur, einfach das Material eins zu eins zu ersetzen, sondern auch zu reduzieren. Beispielsweise haben wir mit einem großen deutschen Industriekunden einen Versuch gemacht, der sehr erfolgreich war. Da haben wir die Materialdicke von der bisher etablierten Kunststoffverpackung um fast 50 Prozent reduziert.

Katja von Superseven: Die ehemalige Erdölverpackung haben wir dann zusätzlich durch eine Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt.

GründerDaily: Ihr bietet Unternehmen auch Beratung zum Thema nachhaltige Verpackung an. Wie sieht diese Beratung aus? 

Sven von Superseven: Die Unternehmen kommen auf uns zu und stellen ihre Produkte vor. Wir entwickeln dann ein Konzept, wie sie in Zukunft anders verpacken können, zum Beispiel frei von Plastik und Schadstoffen oder die Nutzung von kompostierbaren Verpackungen.

Katja von Superseven: Dabei nutzen wir immer den vorhandenen Maschinenpark des jeweiligen Kunden. Wir suchen also nach Möglichkeiten, die auf den konventionellen Maschinen laufen können.

GründerDaily: Könnt ihr euch als Gründerteam kurz vorstellen? 

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Wir waren im Gespräch mit Sven Seevers, Katja Seevers und Hannes Füting (v.l.n.r.). (Quelle: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh)

Katja von Superseven: Wir sind alle drei Produktdesigner und haben uns im Studium kennengelernt. Im Laufe der Jahre haben wir eine Leidenschaft für die Kreislaufwirtschaft entwickelt. Wir interessieren uns dafür, wo Materialen herkommen, wie genau sie verarbeitet werden und wo das Produkt landet, wenn es am Ende entsorgt wird.

GründerDaily: Wie kam es dazu, Verpackungen aus Zellulose zu entwickeln?

Katja von Superseven: Wir haben vor vielen Jahren angefangen, Verarbeiter zu finden, die Zellulosefolie verarbeiten können. Dann haben wir dafür gesorgt, dass die Folie ein offizielles Zertifikat erhält. Zudem haben wir getestet, dass sie tatsächlich heim- und gartenkompostierbar ist. Das haben wir schon lange vor der Gründung gemacht. Danach hatten wir eine gute Grundlage: Zum einen war eine Vertrauenswürdigkeit geschaffen, dass das, was wir erzählen, bestätigt ist vom deutschen TÜV. Zum anderen waren wir in der Lage, tatsächlich verkaufsfertige Verpackungen zu produzieren und anzubieten. Und das nicht nur theoretisch. Da hatten wir dann schon Kunden, aber noch kein Unternehmen. Die eigentliche Gründung kam erst danach.

GründerDaily: Welche großen Herausforderungen gab es in der Entwicklung der Verpackungen?

Hannes von Superseven: In der Entwicklung ist die größte Herausforderung, für bestehende Produktionsprozesse schadstofffreie Alternativen zu finden. Ein Beispiel ist der Aufkleber mit der EAN-Nummer und der Bezeichnung der Inhaltsstoffe, der hinten auf das Produkt kommt. Ein Aufkleber, auch wenn er aus Papier ist, hat immer eine Klebeschicht. Und diese Klebeschicht ist eigentlich nicht kompostierbar. Und damit wäre die Verpackung insgesamt nicht kompostierbar. Wir müssen also eine Stringenz und eine Nachvollziehbarkeit in jeden einzelnen Produktionsschritt bringen, sei es das Versiegeln, Bedrucken, Schneiden oder Anbringen von Verschlussmechanismen. Und das ist die tägliche Herausforderung, mit jeder Verpackung aufs Neue.

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Einige Verpackungsteile – beispielsweise Klebestreifen – sind schwieriger durch kompostierbares Material ersetzbar als andere. (Quelle: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh)

GründerDaily: Wie viel kosten die Verpackungen für eure Kunden im Vergleich zu Alternativen aus Plastik?

Katja von Superseven: Das ist unterschiedlich. Unsere günstigste Variante ist rund 30 Prozent teurer als die Plastikvariante. Aber das kann unter Umständen auch bis zu 300 Prozent mehr sein, je nach Produkt und Material.

Hannes von Superseven: 300 Prozent klingt erstmal nach sehr viel. Man muss das Ganze aber in Relation betrachten. Wenn man beispielsweise ein Produkt für zehn Euro verkauft, dann ist der Anteil der Verpackung daran vielleicht zehn Cent. Und wenn das Produkt anstatt von zehn Euro, dann zehn Euro zwanzig kostet, bei einer Steigerung um 300 Prozent, dann kann man diese 20 Cent im Rahmen der gesamten Gewinnmargen, die in diesem Vertriebskreislauf stecken, irgendwo kompensieren.

GründerDaily: Wie überzeugt ihr eure Kunden trotz höherem Preis von eurem Produkt?

Hannes von Superseven: Unsere B2B-Kunden verstehen, dass eine kompostierbare Verpackung trotz höherem Einkaufspreis für ihre Endkunden ein Kaufargument ist. Wir erarbeiten gerade ein System für die Kennzeichnung der Produkte. So sparen wir einen finanziellen Mehraufwand für die Verpackung an gleicher Stelle im Marketing ein. Einfach weil wir ein Verkaufsargument bieten.

Katja von Superseven: Zudem übernehmen wir auch die Kommunikationsarbeit für jeden Kunden, der das möchte. Jedes Kundenprojekt wird von uns über unseren verycompostable-Blog kommuniziert.

GründerDaily: Eure Zellulose-Verpackung ist zertifiziert kompostierbar. Sie darf aber trotzdem nicht in der deutschen Bio-Mülltonne entsorgt werden, weil der Sortiermechanismus beim Entsorger nicht erkennt, um welche Art von Folie es sich handelt. Wie kann man dieses Problem lösen?

Sven von Superseven: Das haben unsere Nachbarn in Europa teilweise schon gelöst. In der Schweiz kann ich kompostierbare Verpackungen ganz einfach in den Biomüll schmeißen. Die kennzeichnen die Verpackungen mit einem Gittermuster auf der Verpackung. Wir müssen uns also nichts Neues ausdenken, wir müssen es in Deutschland eigentlich nur machen. Wir haben hier ein gutes Material, für das jetzt nur noch der passende Entsorgungsweg bereitgestellt werden muss. Und das ist der Kompost.

GründerDaily: Wie habt ihr euch bisher finanziert?

Katja von Superseven: Wir haben einen Businessplan geschrieben, haben damit Finanzpartner geworben und mit unserer Hausbank finanziert.

Sven von Superseven: Und Eigenkapital ist auch mit drin.

GründerDaily: Wie geht es für euch weiter? 

Katja von Superseven: Steil bergauf!

Hannes von Superseven: Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir unbedingt Mitarbeiter brauchen, die uns helfen, das Alltagsgeschäft zu erledigen. Wir waren gerade auf zwei Messen und haben über 300 Anfragen. Und so eine Anfrage dauert von der ersten E-Mail bis zu einer Musterrolle lange – manchmal ein halbes Jahr. Der Aufwand, der dahintersteckt, ist enorm. Wir brauchen also ein Team von Leuten, die uns kaufmännisch und vertriebsmäßig unterstützen.

Katja von Superseven: Eigentlich kommen wir jetzt aus der Start-up-Phase raus und entwickeln ein fundiertes Unternehmen. Das ist jetzt so der nächste Schritt, der gemacht werden muss.

Sven von Superseven: Und des Weiteren haben wir auf politischer Ebene vor, dass wir es in Deutschland tatsächlich schaffen, unsere Folie in den Biomüll zu entsorgen. Dazu müssen wir – zum Beispiel mit unserer Öffentlichkeitsarbeit oder diesen Awards – so viel Druck erzeugen, sodass wir möglichst viele Fürsprecher für unser Projekt gewinnen können.

GründerDaily: Vielen Dank für diese interessanten Eindrücke. Wir wünschen viel Erfolg!

Keyfacts zu Superseven:

  • Gegründet im Jahr: 2017
  • Firmensitz in: Wentorf
  • Unser aktuelles Team besteht aus: Sven Seevers,  Katja Seevers,  Hannes Füting
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Hausbank
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Unser Thema / Preise / aktuelle gesellschaftliche Diskussion / Gesetzesänderungen zum Thema Plastik / unsere Partner

 

  • Seit 20 Jahren zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen (ehemals „GründerChampions“) aus. Für den renommierten Preis können sich Unternehmen aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die Preisträger werden von einer Jury aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, Politik und Wirtschaft ausgewählt. Die Preisverleihung fand am 11. Oktober im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der deGUT statt.
  • Kontakt

  • Katja Seevers
  • SUPERSEVEN GmbH
    Gesellschaft für kreisläufige Produktentwicklungen
    Obere Bahnstraße 20
    21465 Wentorf
    Deutschland
  • +49 (0) 40 605 906 444
  • info@superseven.eu
  • www.superseven.eu