Von Blockchain bis Virtual Reality: Trends vom new.New.Festival 2018



Von Montag bis Mittwoch fand diese Woche das new.New.Festival in Stuttgart statt. Rund 130 Start-ups, 40 große Unternehmen, zahlreiche Institutionen sowie 220 Redner aus 20 Ländern waren vor Ort. Das Thema: Intelligence X.0. Wir waren dabei und haben euch ein paar Trends aus den Bereichen Machine Learning, Virtual Reality und Blockchain mitgebracht.

new.New.Festival
Das new.New.Festival brachte Start-ups, Unternehmen, Acceleratoren und digitale Pioniere zusammen.

Verstehst du mich? Semantik und Machine Learning

Maschinelles Lernen hat den Markt längst erobert. Viele Start-ups und Tech-Unternehmen setzen auf die neue Intelligenz. Anwendung findet sie immer häufiger auch, um Tätigkeiten im Zusammenhang mit Text und Sprache zu vereinfachen – ein Bereich, in dem wir Menschen immer dachten, dass wir ihn besser beherrschen. Denn um Sprache zu verstehen, muss man (oder Maschine) beispielsweise auch den Kontext erkennen.

Das Start-up ThingsTHINKING hat eine Plattform entwickelt, die genau das können soll: den Kontext in Sprache verstehen. Die Software arbeitet auf Basis von Semantik. So kann die Plattform zum Beispiel 12.000 Dokumente innerhalb von ein paar Minuten auf bestimmte Inhalte analysieren, prüfen und durchsuchen. Dabei findet das System die Information ganz unabhängig von der Formulierung. Wichtig ist, was die Worte bedeuten.

Die Gründer von ThingsTHINKING haben für ihr Geschäftsmodell den code_n Award für Best Industry Disruptor erhalten, der am Dienstagabend auf dem Festival verliehen wurde. Anwendungsbereiche sind zum Beispiel die Wirtschafts- und Due Diligence-Prüfungen oder Tätigkeiten im Versicherungsbereich.

Auch das amerikanische Start-up Rosey setzt auf semantisches maschinelles Lernen. Das Unternehmen nutzt die Technologie, um Professoren die Korrekturen von Klausuren und Tests an den Universitäten abzunehmen. Haben circa 100 Studenten eine Klausur geschrieben, so muss der Professor nur noch fünf bis zehn Klausuren davon selbst korrigieren. Das System lernt dann, welche Antworten korrekt sind, wie viele Punkte es vergeben muss und korrigiert den Rest allein.

Machine Learning mit Semantik zu verbinden, hält also viele Potenziale bereit. Doch gibt es auch noch Bedarf für die weitere Entwicklung. Mit der Software von Rosey ist es bislang zum Beispiel nur möglich, Multiple Choice Tests sowie schriftliche Antworten von bis zu zwei Sätzen zu korrigieren. Und auch ThingsTHINKING muss eingestehen, dass die Software nicht zu 100 Prozent fehlerfrei arbeitet. Vielleicht meistern wir die Sprache momentan also doch noch ein kleines bisschen besser als eine Maschine. Gründer Dr. Sven J. Körner sagt dazu: „Wir wollen den Menschen mit unserer Plattform auch nicht ersetzen. Sie hilft uns lediglich.“

Virtual Reality – Move it, baby! But turn the lights on…

Auch der Bereich Virtual Reality ist in der Start-up-Welt in aller Munde. Das Problem ist: Die Systeme für Virtual Reality-Brillen sind oft sehr langsam und lösen deshalb bei einigen Menschen Schwindel oder Übelkeit aus. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Systeme in den Brillen zwar erkennen, wenn der Nutzer den Kopf dreht, aber nicht, wenn der Mensch sich durch den Raum bewegt. Um das zu erkennen, braucht es teure Installationen im Raum.

Six Degrees Space ist ein Start-up aus Israel und hat ein neues optisches Tracking System entwickelt, das zum einen schneller arbeiten soll als andere gängige Systeme. Dazu benutzt es eine optische Komprimierung, um die Übertragungsrate von Frames, das heißt den Einzelbildern eines Films, zu erhöhen. Zum anderen erkennt es durch Nutzung der Lichtquellen im Raum, wo der Nutzer sich aufhält und wie er sich bewegt. „Das macht das System akkurater, zuverlässiger und benötigt sehr viel weniger Daten“, so Daniel Greenspan, CTO bei Six Degrees Space. Das Start-up hat den Best Tech Innovation Award des Festivals gewonnen.

Blockchain – Beyond the Hype

Das dritte Buzzword: Blockchain. Eine Weile ist darum ein regelrechter Hype ausgebrochen. Das bestätigt auch Dr. Michael Kubach, Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Er erzählte in seinem Vortrag „Blockchain – Beyond the Hype“, dass die Technologie immer noch in einem frühen Stadium ist und viele Probleme noch nicht gelöst sind, um sie allgemein anwenden zu können. Skalierbarkeit, Energieeffizienz und Transaktionsgeschwindigkeit sind nur einige der Probleme, die es nach wie vor zu lösen gilt. Und auch von anderen aus der Blockchain-Branche hört man auf dem Festival vorsichtigere Worte:

Wer sagt, er sei ein Blockchain-Experte, glaub ihm nicht. Blockchain ist zu neu. Es kann einfach noch keinen Blockchain-Experten geben!

Hat die Kryptotechnologie also ihren Höhepunkt bereits hinter sich? Keineswegs. Kubach sagt:

Viele der Probleme werden meiner Meinung nach lösbar sein. Und die Blockchain bietet viele Vorteile. Aber ein nüchterner Blick auf die Dinge hilft, zu erkennen, dass bei Blockchain auch noch einige Fragen offen sind.

Die Blockchain – das haben die Start-ups auf dem new.New.Festival bewiesen – ist immer noch eine Technologie, die viel für die Zukunft verspricht. Vor allem im Bereich Finanzen, Datensicherheit und Zertifizierung sind viele Start-ups aktiv.

Der Hauptpreisträger des code_n Awards sowie Gewinner des Awards in der Kategorie Best Business Model wurde Airfox. Das Start-up aus Boston bietet eine App, die Menschen aus Schwellenländern ohne Zugang zum Bankensystem Finanzierungsmöglichkeiten anbietet. Es nutzt dazu: Blockchain-Technologie.

  • Zum Hintergrund des Events: Code_n steht für „code of the new“, die DNA der Innovationen. Der Innovationshub mit Sitz in Stuttgart existiert seit 2011 und veranstaltet seitdem regelmäßig das new.New.Festival, auf dem Start-ups, Unternehmen, Investoren und digitale Pioniere zusammenfinden. Hier sollen sie die DNA der Innovationen entdecken. Dieses Jahr drehte sich alles um das Thema „Intelligence X.0“.