Wohntrend aus den USA: das Tiny House hält Einzug in Deutschland



Bezahlbarer Wohnraum – dieses Thema zieht sich derzeit durch alle Medien. Klar, denn der wird langsam knapp. Neue Wohnungen zu bauen, kostet allerdings viel Geld und braucht vor allem Platz. Platz, der oft nicht zur Verfügung steht. Deshalb wird fieberhaft nach alternativen Wohnmöglichkeiten gesucht. Ein Wohntrend, der aus den USA nach Europa schwappt, dreht sich um das Thema Tiny House. Was genau hinter der Geschäftsidee steckt, erfahrt ihr hier.

Die Idee für die Tiny-House-Bewegung stammt aus den USA. Aufgrund explodierender Mietpreise und akutem Wohnungsmangel begann die Suche nach Alternativen zum herkömmlichen Apartment oder Reihenhaus. Diese Alternative sollte bezahlbar sein, ausreichend Platz für eine Person bieten und, wichtig, gerade in urbanen Gegenden, wo Wohnraum immer enger wird, leicht installierbar sein. Die Lösung: das Tiny House.

Vor denselben Herausforderungen stehen auch Großstädte und deren Bewohner in Europa. Naheliegend also, dass der Trend von Übersee mittlerweile auch hier immer mehr Zuspruch findet.

Tiny House
Bezahlbarer Wohnraum in größeren Städten ist Mangelware – Alternativen müssen her!

Das Tiny House – spartanisch, praktisch, gut

Die winzigen Häuser sind zumeist minimalistisch eingerichtet, jeder Zentimeter wird ideal genutzt. Anders geht es auch kaum, denn die Wohnfläche beschränkt sich in vielen Fällen auf gerade einmal 15 bis 25 Quadratmeter. Wichtig ist also, möglichst viel Stauraum auf sehr engem Raum zu gewährleisten. Trotzdem müssen sich die sogenannten Tiny House People bei Umzug in ihr künftiges Eigenheim im Regelfall vom Großteil ihrer Besitztümer trennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass deshalb die Lebensqualität in Mitleidenschaft gezogen wird. Schließlich kommen viele der Tiny Houses mit Toilette, Dusche, Kochzeile und sogar Waschmaschine daher. Es ist also eigentlich alles da, was man so braucht. Trotzdem gilt: Was in das Haus kommt, muss einen Zweck erfüllen. Denn für rein dekorative Einrichtungsstücke und überflüssige Luxusgüter fehlt dann doch der Platz.

Die Tiny House Bewegung entstand aus der Not heraus, um bezahlbaren Wohnraum in großen Städten zu schaffen. Wer jetzt aber denkt, ein Tiny House könne man in jede beliebige Baulücke setzen, hat weit gefehlt. Denn auch winzige Häuser sind Häuser – und unterliegen denselben Regularien wie ihre ausgewachsenen Verwandten. Doch der Leitspruch „geht nicht gibt’s nicht“ gilt auch hier.

Tiny House
Der amerikanische Wohntrend blieb auch hier nicht unbemerkt: Tiny Houses von Diekmann gab es sogar bei Tchibo zu kaufen. (Foto: Tchibo)

Beispielsweise können eventuell anstehende Baugenehmigungen teilweise umgangen werden, wenn das Haus dann eben doch kein Haus ist – sondern ein Anhänger. Solche transportablen Tiny Houses unterliegen wiederum anderen Regularien, etwa wenn es um die Tauglichkeit für die Teilhabe am Straßenverkehr geht.

Regularien hin oder her – das Potenzial von Tiny Houses wurde auch in Deutschland erkannt, wie diese Anbieter zeigen:

Vanlife & Tinyhouse Manufaktur – zurück zum Wesentlichen

Das Start-up Mobile Living Concepts aus Erfurt rückt das Zurückkehren zum einfachen Leben in den Vordergrund. Deshalb sind die winzigen Häuser der Marke Vanlife & Tinyhouse Manufaktur auch sehr schlicht gehalten. Die Verbundenheit zur Natur und das damit verbundene Gefühl der Unabhängigkeit spielt hierbei eine zentrale Rolle. So sind die Rahmen der Tiny Houses vollständig aus Holz gebaut, ebenso der Großteil der Innenausstattung.

Die Häuser sind auf spezielle PKW-Anhänger montiert und somit gut transportabel. Mit einer Maximalhöhe von vier Metern, einer Maximalbreite von 2,55 Metern und einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen sind die Tiny Houses bestens für den öffentlichen Verkehr geeignet. Anders als ein Wohnmobil ist das Tiny House jedoch nicht dafür ausgerichtet, ständig bewegt zu werden. Vielmehr kann das Haus zum Beispiel während der Sommermonate an einem Ort geparkt werden, im Winter dann an einem anderen. Potenzielle Kunden der Erfurter sind beispielsweise nicht-standortgebundene Personen, die von zu Hause arbeiten können – wo auch immer das gerade sein sollte. Geplant sind zwei bis drei verschiedene Tiny House-Modelle, wobei das erste 2019 an den Markt gehen soll.

CABIN SPACEY – auf den Dächern der Stadt

Auch das Berliner Start-up CABIN SPACEY will mit dem Tiny House hoch hinaus. Um genau zu sein: auf die Dächer. Genau dort sieht die Cabin Crew nämlich erhebliches Potenzial. Allein auf den ungenutzten Dächern Berlins soll es Platz für rund 55.000 Wohnungen geben.

Tiny House
Für mehr Wohnraum braucht es nicht unbedingt neue Gebäude – zumindest, solange es noch reichlich ungenutzten Platz auf den Dächern der Stadt gibt. (Foto: Cabin Spacey)

Die Häuschen von CABIN SPACEY bieten mit mindestens 25 Quadratmetern Platz für zwei Personen. Das Haus selbst bietet laut Anbieter höchste Lebensqualität. Highlights sind unter anderem die High-Tech Küche und die weitreichende Selbstversorgung durch Regendusche und PV-Anlage. Abweichend vom ursprünglichen Gedanken der Tiny House-Bewegung steht also nicht mehr die Schlichtheit der Behausung im Vordergrund. Die eigentlich puristische Aufmachung musste hier einer High-Tech Einrichtung weichen.

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