Deutschlands Gründerinnen fehlt es an Finanzierung. Factoring als Alternative



Viele junge Frauen haben den Kopf voller Ideen. Oft denken sie darüber nach, ein Unternehmen zu gründen. Doch je intensiver sie sich mit der Gründung beschäftigen, desto mehr wird deutlich: Frauen werden in der Gründerszene anders behandelt als Männer. Besonders bei der Suche nach der Finanzierung. Wie wäre es mit Factoring als Alternative? Lest mehr im Gastbeitrag von Dr. Sandra Pepperl-Klindworth.

Frauen sind in der deutschen Start-up-Landschaft immer noch stark unterrepräsentiert. Ihr Anteil kletterte zuletzt zwar zum vierten Mal in Folge, doch liegt er laut dem aktuellen Deutschen Startup Monitor absolut bei lediglich 15,1 Prozent – und damit weit hinter der Zahl männlicher Unternehmer zurück. Vergleicht man die Gründungsquote von Frauen in Deutschland mit denen anderer Länder, so landet Deutschland unter 54 untersuchten Staaten auf dem 48. Platz, gleichauf mit Griechenland. Das zeigt eine Untersuchung des RKW Kompetenzzentrums. Doch woran liegt das?

Investoren und Geldgeber sind häufig männlich und trauen jungen Frauen nicht zu, die Verantwortung und Durchsetzungsfähigkeit für eine Unternehmensgründung aufzubringen. Auch Stephanie Renda, die heute im Vorstand des Bundesverbandes Deutsche Start-ups sitzt und sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen bei der Unternehmensgründung zu unterstützen, hat diese Art der Diskriminierung erlebt. In einem Interview mit Zeit Online schildert sie, wie ihr Kapitalgeber reagierte, als sie als junge Mutter ihren Businessplan vorstellte. Er unterbreitete ihr den etwas bizarren Vorschlag, Renda könne doch ihren Businessplan vorsingen, sie habe ja schließlich Gesang studiert. Doch darüber könne sie bis heute noch nicht lachen. Wer in den Foren von Xing und LinkedIn nach Erfahrungen aus der Praxis sucht, kann viel über ähnliche Schwierigkeiten von Frauen bei der Unternehmensgründung lesen.

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Viele Frauen wollen gründen, doch oft mangelt es ihnen an Finanzierung.

Frauen fehlt vor allem die Finanzierung

Eine aktuelle Studie des Bundesverbandes Deutsche Startups belegt, dass nur 8 Prozent der Start-ups ausschließlich von Frauen gegründet werden. Demgegenüber stehen 72 Prozent, die ausnahmslos von Männern gegründet werden. Laut der Studie ist das größte Problem die fehlende Finanzierung. Frauen haben es deutlich schwerer, das nötige Kapital für die Unternehmensgründung aufzubringen.  Wenn die eigenen Ersparnisse aufgebraucht sind, folgen in der Regel Geldspritzen von Angehörigen oder es werden staatliche Förderprogramme in Anspruch genommen. Doch diese Mittel dienen meist nur als Anschubfinanzierung. Beginnt das Unternehmen zu wachsen, braucht es zusätzliche Liquidität.

Werden dazu institutionelle Wagniskapitalgeber als Investoren angesprochen, zeigt sich laut Studie ein deutlicher Unterschied zwischen Männern und Frauen. Frauen bekommen von Venture Capital-Gebern und Privatinvestoren nachweislich weniger und seltener Kapital als Männer. Wissenschaftliche Studien begründen das damit, dass Investoren sich in männlichen Gründern eher selbst wiedererkennen. Und Fakt ist: Die Partner der großen Risikokapitalgeber, die Start-ups finanzieren, sind fast ausschließlich Männer.

Doch selbst wenn es gelingt, VC-Kapital zu akquirieren, beobachtet man nicht selten, dass die Intentionen eines VC-Gebers und einer Gründerin schnell auseinanderdriften. Liegt beim VC-Geber der Fokus auf schnellem Gewinn und Verkauf, möchte die Gründerin ihre Vision und ihre Mission verwirklichen.

Factoring zur Working Capital-Finanzierung schafft Unabhängigkeit

In der Start-up- und Gründerszene muss sich für Frauen also noch eine Menge tun. Dieser Prozess wird aber wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Demnach ist es wichtig, dass Gründerinnen die Idee der Unternehmensgründung nicht gleich wieder über Bord werfen, sondern sich um alternative Finanzierungsmöglichkeiten bemühen. Klappt es beispielsweise mit einem privaten Geldgeber nicht, könnten Gründerinnen auf die Betriebsmittelfinanzierung durch Factoring oder durch Factoring in Kombination mit einem klassischen Bankkredit zurückgreifen. Hier sollte man darauf achten, Partner zu finden, die das Geschäftsmodell des Start-ups verstehen.

Factoring als Wachstumsfinanzierung für Start-ups

Für eine Unternehmensfinanzierung durch Factoring ist es in erster Linie wichtig, dass das Geschäftsmodell stimmt. Besonders vorteilhaft ist sie für kleinere und mittlere Unternehmen im B2B-Sektor, die standardisierte Produkte und Services anbieten sowie einen hohen Anteil an Stammkunden haben. Wenn junge Unternehmen auf im Markt etablierte Abnehmer treffen, stehen sie häufig vor der Herausforderung, dass es bei den Zahlungszielen wenig Verhandlungsspielraum gibt. Mit Factoring nutzt man die gute Bonität der Abnehmer, um diese Lücke zu schließen. Wichtig dabei ist, dass die den Rechnungen zugrunde liegenden Leistungen voll erbracht und frei von Einreden sind. Da der Factor auch das Ausfallrisiko übernimmt, gehören schlaflose Nächte trotz positiver Wachstumsaussichten der Vergangenheit an.

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(Foto: A.B.S. Factoring / iStock / Sezeryadigar)

Factoring ist bereits ab dem Unternehmensstart einsetzbar. Beim Factoring wird Liquidität aus dem Verkauf der offenen Forderungen generiert. Daher ist die Bonität der Anschlusskunden für die Konditionen deutlich wichtiger als die eigene – was beim Unternehmensaufbau hilfreich sein kann. Das Konto füllt sich ohne zeitliche Verzögerung und die gewonnene Liquidität steht der Gründerin gleich zur Verfügung – zum Beispiel für neue Rohstoffeinkäufe, Personalkosten oder Investitionen.

Die Finanzierung durch Factoring ist zudem wachstumskongruent, das heißt, der Umfang passt sich automatisch dem Wachstum des Unternehmens an und wächst parallel mit dem Start-up mit, ohne dass nachverhandelt werden muss. Die Kooperation ist im Rahmen des Factoringvertrags sozusagen „unlimited“. Je mehr Geschäft man mit der gewonnenen Liquidität macht und je mehr Rechnungen man an seine Kunden stellt, umso mehr Liquidität generiert man. Die Kosten werden sogar geringer, je mehr Forderungen finanziert werden. Und sollte es mal schlechter als geplant laufen, ist kein Fixkostenblock aufgebaut.

Factoring ist mehr als nur Finanzierung

Factoring ist keine Eintagsfliege, sondern eine nachhaltige Lösung, den Liquiditätsfluss zu optimieren. Zudem bringt es neben der reinen Finanzierungsfunktion eine Reihe weiterer Vorteile, von denen Gründerinnen profitieren. An erster Stelle steht der 100-prozentige Ausfallschutz. Selbst bei Auslandsgeschäften sind Factoringnehmer vor Forderungsausfall geschützt. Das ist gerade in der Startphase ein entscheidender Vorteil, denn selbst eine geringe Ausfallquote von nur zwei Prozent der Rechnungen bedeutet bei einer Rendite von zum Beispiel acht Prozent, dass der Umsatz um ein Drittel gesteigert werden muss, um den Ausfall zu kompensieren. Solche Umsatzzuwächse sind beim Unternehmensaufbau kaum zu verwirklichen. Daher ist es wichtig, geschickt Vorsorge zu treffen und existenzgefährdende Risiken auszulagern.

Ein weiterer Vorteil des Factorings ist die Unterstützung beim täglichen Doing. Debitorenmanagement, Bonitätsprüfungen der Kunden, Mahnwesen, Inkasso bis hin zur gerichtlichen Beitreibung im Ernstfall – das alles sind in der Regel Tätigkeiten, mit denen Gründerinnen und Gründer noch wenig Erfahrung haben. Sich hier professionelle Unterstützung zu sichern, entlastet enorm, bringt zusätzliche Sicherheit und macht den Kopf frei, die Kernkompetenz des Unternehmens weiter zu schärfen und auszubauen.

Fazit zum Factoring

Gründerinnen sehen sich bei der Unternehmensgründung immer noch größeren Hürden ausgesetzt als Männer. In der Start-up- und Gründerszene muss sich also noch einiges tun, damit Frauen unter gleichen Bedingungen gründen können. Um die Gründungsidee nicht gleich wieder abzuschreiben, lohnt es sich, neben VC und Privatinvestoren auch andere alternative Finanzierungsinstrumente in Betracht zu ziehen – insbesondere dann, wenn erstere Modelle weibliche Gründerinnen benachteiligen. Finanzierungsformen wie Factoring könnten hier einen Ausweg darstellen. In der Praxis hat sich oft auch ein Mix aus verschiedenen Finanzierungswegen bewährt, die sich sinnvoll ergänzen. Gerade in Wachstumsphasen ist Factoring interessant, da der Liquiditätszufluss unmittelbar nach Rechnungsstellung eintritt und man dadurch während der Expansion auf weniger VC-Geld angewiesen ist. Factoring garantiert mehr Unabhängigkeit als bei privaten Geldgebern und optimiert das working capital  durch Wachstumskongruenz und Forderungsausfallschutz.

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