Digital Hub Logistics: Warum sich ein Besuch für Start-ups lohnt



Deutschland hat mittlerweile zwölf Digital Hubs, die sich unterschiedlichen Themenschwerpunkten widmen. Der Digital Hub Logistics in Hamburg will durch regen Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft die digitale Transformation vorantreiben. Für Start-ups kann der Hub eine wichtige Anlaufstelle sein, um mit anderen Akteuren in Kontakt zu kommen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Johannes Berg, wie Start-ups vom Hub profitieren.

GründerDaily: Hallo Johannes, letztes Jahr ist der Digital Hub Logistics in Hamburg eröffnet worden. Was sind die Ziele des Hubs?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Der Digitial Hub Logistics soll in erster Linie ein Marktplatz sein für Start-ups und etablierte Unternehmen, für Wissenschaft und für Politik. Gemeinsam sollen sie hier an den Herausforderungen der digitalen Transformation arbeiten. Unser Schwerpunkt ist die Logistik.

GründerDaily: Was heißt das für die einzelnen Parteien genau?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Start-ups können sich hier mit anderen Start-ups austauschen. Gleichzeitig haben sie aber auch Zugriff auf etablierte, große Unternehmen und Mittelständler. Denen können sie ihre Ideen vorstellen, sich Input holen und mit ihnen eventuell über Kooperationen und Partnerschaften nachdenken. Das ist auch der Anreiz für die großen Unternehmen. Sie können hier – losgelöst von den eigenen vier Wänden und den eigenen Geschäftsprozessen – einfach über Innovationen nachdenken und diese vorantreiben, ohne durch eine ganze Prozessmaschinerie eines Unternehmens zu laufen.

Der dritte Akteur auf diesem Marktplatz ist die Politik. Die Behörden erhalten über den Digital Hub den Kontakt zu den Start-ups und Unternehmen. Was sind die Bedürfnisse der Industrie und der Start-ups im Logistikumfeld? Das ist wichtig, um von politischer Seite her den Standort Hamburg auch so gut es geht zu fördern. Und der vierte Player, der sich hier etablieren soll, ist die Wissenschaft. Wir suchen ganz klar die Kooperation und den Austausch mit Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten, um den Ideen am Markt auch ein bisschen wissenschaftlichen Hintergrund zu geben.

Digital Hub
Der Digital Hub Logistics sitzt in Hamburg, einem der wichtigsten Logistikstandorte in Deutschland. Hier zu sehen: ein Containerschiff im Hamburger Hafen.

GründerDaily: Wie profitieren Start-ups ganz konkret von dem Austausch mit Unternehmen im Hub?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Die Start-ups profitieren davon, dass sie sich Unternehmen vorstellen können und dadurch auch zu Kooperationen und Partnerschaften mit ihnen kommen. Haben die Start-ups zum Beispiel Engpässe bei der Finanzierung oder Rekrutierung von Mitarbeitern, können Unternehmen, die das Projekt gut finden, die Ressourcen zur Verfügung stellen. So können Start-ups die eigene Idee schneller vorantreiben. Der zweite Punkt ist natürlich der Zugriff auf ein viel größeres Netzwerk, weil wir hier zum Beispiel die Hamburg Hafen und Logistik AG (HHLA) als Industriepartner haben. Zudem ist der Kontakt zur maritimen Branche in Hamburg für Start-ups über den Hub viel leichter.

GründerDaily: Und wie profitieren die Unternehmen?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Bei den Unternehmen muss man unterscheiden zwischen den wirklich großen Unternehmen und den Mittelständlern. Für die Großunternehmen ist ein großer Vorteil, dass sie über uns den Zugriff auf Technologie haben. Und zwar in einer Atmosphäre, in der sie nicht gleich als Technologie-Scouts wahrgenommen werden, weil sie Teil dieser Gemeinschaft sind. Zudem können Unternehmen bei uns ein Problem vorstellen, bei dem sie nicht weiterkommen. Start-ups haben nicht selten Ideen, um das Problem zu lösen.

Bei den Mittelständlern sind die ganz konkreten Vorteile zugegebenermaßen noch ziemlich schwer herauszuarbeiten, weil der Mittelstand in Sachen digitaler Transformation nicht gerade vorne mit dabei ist. Die Mittelständler haben nicht die Zeit, mitunter auch nicht die Ressourcen, um sich hier als Partner zu engagieren. Und das wollen sie auch gar nicht. Aber wir sind gerade dabei, zu eruieren und auszuprobieren, welche neuen Formate wir anbieten können.

GründerDaily: Welche Formate bietet ihr im Hub denn momentan an?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Wir bieten verschiedene Veranstaltungen an. Wöchentlich haben wir zum Beispiel eine Veranstaltung, auf der sich Start-ups, Unternehmen, aber auch interessierte Start-ups, die noch nicht in dem Hub vertreten sind, vorstellen oder bestimmte Probleme oder Fragen zur Diskussion mit der Hub Community in den Raum stellen können. In diesem Austausch finden sich oft Unternehmen und Start-ups, die einander helfen können. Zudem bieten wir Meet-Ups an, bei denen einige Speaker Vorträge zu einem bestimmten Thema halten. Aber wir haben auch Formate, die mehr auf den Mittelstand und die etablierten großen Unternehmen fokussiert sind wie das Start-up Radar Match Making Event oder das „Gespräch im Speicher“.

GründerDaily: Und wie können Start-ups den Digital Hub noch für sich nutzen?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Wir bieten auch einige Adhoc-Formate für Start-ups an. Wenn jetzt zum Beispiel ein Start-up sagt, sie würden im Hub gerne eine Projektpräsentation machen oder einen Launch veranstalten, dann organisieren wir diese Events für sie.

GründerDaily: Der Hub soll die private Wirtschaft auch mit dem öffentlichen Sektor vernetzen. Wie sieht das genau aus und welche Vorteile ergeben sich dadurch vor allem für die Start-ups?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Wir haben hier ein Mal die Woche vor der wöchentlichen Veranstaltung einen Jour fixe, bei dem meistens ein Vertreter der Wirtschaftsbehörde vor Ort ist. Allein dadurch hat die Behörde immer ein Ohr in der Szene: Was passiert im Hub? Was machen die Start-ups und Unternehmen? Was bewegt sie? Zu welchen Themen gibt es Fragen? Es kam auch schon vor, dass die Behörde selber im Hub ein Thema vorgestellt hat, weil sie sich dadurch erhoffte, mit den Start-ups und Unternehmen, die hier sitzen, gemeinsame Ideen zu entwickeln. Der Austausch ist hier also sehr wichtig für alle Beteiligten.

GründerDaily: Was muss ein Start-up oder Gründer tun, um in euer Netzwerk aufgenommen zu werden?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Mit den ganz harten Fakten: Ein Start-up muss bereit sein, 250 Euro pro Monat für einen Arbeitsplatz zu bezahlen. Und dann muss das Start-up einen logistischen Bezug haben.

GründerDaily: Und in welchem Stadium sollte ein Start-up sein, um bei euch aufgenommen zu werden?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Wie gestanden oder jung das Start-up ist, das spielt eigentlich keine Rolle. Wir konzentrieren uns aber tatsächlich auf Start-ups und nicht etwa Scale-ups. Also wir haben hier niemanden sitzen, der schon ein fertiges Produkt hat und 40 Millionen Euro eingesammelt hat und jetzt an den Markt muss. Es sind eher Start-ups in einem früheren Stadium.

GründerDaily: Insgesamt gibt es zwölf Digital Hubs in Deutschland, die an unterschiedlichen Orten auf verschiedene Schwerpunkte fokussiert sind. Wie arbeiten die Hubs zusammen?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Die Hubs kooperieren zum Beispiel inhaltlich miteinander. Bei Fragen zur Digitalisierung sind wir beispielsweise auf die Schwerpunkte der anderen Hubs angewiesen. Wir haben einen industriespezifischen Auftrag – Logistik. Andere Hubs beschäftigen sich explizit mit IT-Security oder Künstlicher Intelligenz. Und dieses Knowhow, das in diesen Hubs sitzt, ist für uns sehr wichtig. Bei themen- oder projektbezogenen Workshops tauschen wir Expertise untereinander aus. Darüber hinaus haben die Start-ups eines jeden Hubs durch die Vernetzung die Möglichkeit, auch andere Digital Hubs an anderen Standorten zu nutzen.

GründerDaily: Warum sollte ein Gründer zu euch in den Hub kommen? Welche Vorteile hat er davon?

Johannes vom Digital Hub Logistics: Für Gründer im Logistikbereich sind wir eine offene Anlaufstelle, in der man ohne Bedenken Austausch suchen kann. Die Menschen, die hier im Hub sitzen, haben schon viel Erfahrung gesammelt, die sie teilen können – auch zu Förderprogrammen. Jeder kann in entspannter Atmosphäre Fragen stellen, seine Idee überdenken und ausprobieren. Zudem haben wir einen sehr guten Draht in die Behörden und können der Politk gegenüber auch artikulieren, wenn Start-ups konkrete Fragen oder Probleme haben. Wir haben außerdem die Logistikinitiative Hamburg im Rücken, das größte Logistiknetzwerk Europas. Gründer profitieren also von dem Knowhow und dem Netzwerk, das wir bieten.

GründerDaily: Johannes, wir danken dir für das Gespräch.

Ihr wollt wissen, wie ihr mit einem Start-up durchstarten könnt? Das erfahrt ihr in How to Startup in 10 Schritten. Lest außerdem, wie ihr mit einer innovativen Geschäftsidee gründen könnt.