Circular Economy Start-ups: Ökologisch gegen die Wegwerf-Gesellschaft



Immer mehr Unternehmen wollen nachhaltiger produzieren. Ganz nach den Prinzipien: reduce, reuse, recycle. Sie bedienen sich der Circular Economy – oder Kreislaufwirtschaft. Der Green Alley Award zeichnet jährlich Start-ups aus, die sich diesem Wirtschaftskonzept verschreiben. Wir haben euch von der Preisverleihung einige Geschäftsideen mitgebracht. Und erklären, welche Vorteile die Circular Economy auch abseits des ökologischen Effekts hat.

Das ökonomische Verhalten der Menschen hat auf dem Planeten einige Spuren hinterlassen. In den Meeren und unserem Leitungswasser finden sich hohe Mengen an (Mikro-)Plastik. Das Klima verändert sich unter der CO2-Belastung zunehmend. Und die Berge an Elektroschrott wachsen. Die Erde ächzt unter den Strapazen. Denn erstens lassen sich viele Materialien nicht einfach recyceln und sind schädlich für die Umwelt. Und zweitens werden unsere Ressourcen langsam aber sicher knapp.

Das mittlerweile erkannte Problem ist unsere Entwicklung hin zu einer Wegwerf-Gesellschaft. Produkte werden gekauft, kurze Zeit benutzt und dann in den Müll geworfen. Zu dieser Wegwerf-Gesellschaft gibt es seit einiger Zeit eine Gegenbewegung. Nicht nur von zivilgesellschaftlichen Organisationen, sondern auch von Unternehmen. Sie unterstützen die Circular Economy, die sogenannte Kreislaufwirtschaft.

Circular Economy
Am 18. Oktober sind die sechs Finalisten im Wettbewerb um den Green Alley Award gegeneinander angetreten und haben vor der Jury sowie dem Publikum ihre Geschäftsidee gepitcht. (Foto: Green Alley Award)

Circular Economy: Wettbewerbsfähiger durch die Kreislaufwirtschaft

Das Grundprinzip der Circular Economy basiert auf dem Kreislauf der Natur. Lebewesen dienen einander als Futter, sterben und zersetzen sich in der Natur und fügen sich so wieder gänzlich dem Kreislauf hinzu. Die Kreislaufwirtschaft nimmt sich dieses Prinzip zum Vorbild und verschreibt sich der Minimierung von Ressourcen und dem Einsatz sauberer Technologien. Müll und Emissionen sollen bei der Kreislaufwirtschaft vermieden, Lebenszyklen von Produkten verlängert werden und die Materialien der Produkte recyclebar und wiederverwendbar sein.

Neben den offensichtlichen, positiven Effekten für die Umwelt, ist die Circular Economy auch wirtschaftlich sinnvoll. Laut der Europäischen Kommission hat eine effizientere Ressourcennutzung für die europäische Industrie das Potenzial, bis 2030 circa 630 Milliarden Euro einzusparen. Durch die Kreislaufwirtschaft wären Unternehmen außerdem weniger von der Ressourcenknappheit betroffen und wären so wettbewerbsfähiger. Die Vorteile haben mittlerweile viele Unternehmen und Start-ups erkannt. Wir haben ein paar von ihnen auf der Preisverleihung des Green Alley Awards getroffen.

Aeropowder – federleicht zum Erfolg

Elena Dieckmann ist Gründerin von Aeropowder, einem Start-up aus Großbritannien. In ihrem Studium in Design Engineering stieß sie auf die besonderen Eigenschaften von Federn: sie sind leicht, wärmedämmend und vor allem in großen Mengen als Abfall erhältlich. „Ich hatte damals noch gar keine Idee für das Produkt, aber ich dachte, mit diesen Federn muss man doch etwas Sinnvolles machen können“, so Dieckmann.

Mit Ryan Robinson zusammen forschte sie weiter und so entwickelten die zwei „Pluumo“, ein gänzlich kompostierbares Isoliermaterial. Als Isoliermatte dient es zum Transport von Produkten, die ihre Temperatur behalten müssen. Momentan ist das Start-up in erster Linie im Bereich von Lebensmitteln aktiv, aber die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfach.

Aeropowder gewann letzten Donnerstag den Green Alley Award. Das junge Unternehmen konnte die Jury vor allem deshalb überzeugen, weil es ein wirkliches Abfallprodukt als Ressource nimmt und es in ein hochwertiges Produkt verwandelt, das dazu noch gänzlich zurück in den Kreislauf fließen kann. Kreislaufwirtschaft vom Feinsten also.

Circular Economy
Elena Dieckmann, Gründerin von Aeropowder und Jan Patrick Schulz von der Landbell Group, Organisator des Green Alley Awards.

Und wie sieht es mit den Kunden aus? Sind andere Unternehmen wirklich an nachhaltigen Lösungen interessiert? „Die Unternehmen sind im Allgemeinen offen“, sagt die Gründerin dazu. „Trotzdem sind die Kosten manchmal noch ausschlaggebend für eine Kaufentscheidung. Wir sind momentan noch etwas teurer als herkömmliche Produkte wie Styropor, Polyethylen-Schaumstoff oder Thermofolien. Aber mit steigenden Produktionszahlen werden wir wettbewerbsfähige Preise haben.“ Momentan läuft die Produktion noch komplett in Handarbeit. Das Preisgeld von 25.000 Euro soll in Produktionsmaschinen fließen. „Der Preis nimmt einem einige Kopfschmerzen“, so Gründerin Dieckmann.

Circular IQ – Entscheidungen für die Umwelt und das Unternehmen

Das niederländische Start-up Circular IQ hat kein Produkt mit eigenem Kreislauf entwickelt. Vielmehr hilft es anderen Unternehmen, dies zu tun. Es bietet eine Software, mit der Unternehmen unter anderem herausfinden können, wo ihre Ressourcen genau herkommen, wie nachhaltig ihre Materialien sind, ob Chemikalien benutzt werden oder ob die Produkte am Ende ihres Lebenszyklus recycelt werden können. Die Software vergleicht dann die aktuellen mit alternativen Lieferanten und das Unternehmen kann entscheiden, welche die nachhaltigste Option ist.

„Eigentlich helfen wir Unternehmen, die richtigen Fragen bei den Lieferanten zu stellen, sodass sie ihr Unternehmen gesünder gestalten können“, sagt Niels van der Linden, Gründer und Head of Product bei Circular IQ. Für van der Linden heißt gesünder, dass man Kosten reduziert und gleichzeitig beispielsweise Abfall und Energieaufwand reduziert. „Kreislaufwirtschaft bedeutet nicht nur, dass man die Welt zum Besseren verändern will, sondern auch, bessere Geschäftsentscheidungen zu treffen. Wenn man zum Beispiel den Lebenszyklus eines Produkts verlängert, erhöht man auch den Wert des Produkts. Beide Effekte – für die Umwelt als auch für das Unternehmen – sind hier wichtig.“

Circular Economy
Abfall landet oft in der Umwelt. Immer mehr Unternehmen verschreiben sich der Circular Economy, um etwas gegen das Problem zu tun.

MIWA – intelligent Verpackungen verbannen

Das tschechische Start-up MIWA will Abfall in der Lebensmittelbranche vermeiden. Es will Einwegverpackungen umgehen und es Kunden ermöglichen, genau nur die Menge an Lebensmitteln kaufen zu können, die sie wirklich benötigen. Das junge Unternehmen hat dafür ein smartes Verpackungssystem entwickelt. Produzenten erhalten 14-Liter-große Boxen, die aus nachhaltigen Materialien, recyclebar und mit einem intelligenten Ausgabesystem ausgestattet sind. Die Produkte, zum Beispiel Nudeln, Mehl oder Cornflakes werden vom Produzenten in die Box gefüllt und an den Einzelhändler transportiert. Dort können die Kunden ihre Ware direkt aus den Verpackungen in eigens mitgebrachte oder dort erhältliche Behälter umfüllen und mit nach Hause nehmen.

Das smarte System registriert, welche Mengen ausgegeben wurden und schickt diese Daten an den Einzelhändler sowie den Produzenten. So hat der Einzelhändler direkt alle Daten für seine Inventur parat und der Produzent die Informationen zu den Verkaufszahlen. So wissen auch alle Beteiligten, wann es Zeit für neue Ware ist. Leere MIWA-Boxen werden zur Reinigung gebracht und zurück an den Produzenten geliefert, der diese wiederum befüllen kann. Somit entfallen unnötige Plastikverpackungen sowie zusätzliche Verpackungen zwischen Produzenten und Einzelhandel. Ein zusätzliches Feature ist, dass Kunden per App schon von zuhause aus einkaufen und die Waren später bei Bezahlung abholen können.

„Wir glauben, dass Recycling zwar gut ist, aber Prävention noch besser. Wenn unser System in 300 Läden genutzt wird, können wir zum Beispiel schon 22,5 Milliarden Einwegverpackungen einsparen“, sagt Ivana Sobolíková von MIWA. „Umso mehr Menschen mit so einem Konzept in Berührung kommen, desto mehr können wir ihr Denken und Verhalten auch ändern.“

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