Chinesische Start-ups: unglaubliche Bewertungen, hier oft kaum bekannt



China hatte früher mit dem Ruf zu kämpfen, westliche Technologien nur zu kopieren. Mittlerweile holt das Land mit gewaltigen Schritten auf, wenn es um Innovationen geht. Abgesehen von Tech-Giganten wie WeChat sind chinesische Start-ups hierzulande jedoch weitgehend unbekannt. Deshalb stellen wir vier Geschäftsideen aus dem Reich der Mitte vor, die dort längst durchstarten, ohne bei uns Beachtung zu finden.

Siegesmarsch der KI Start-ups

Die Ankündigung eines Testlaufs von automatischer Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz sorgte für einen Aufschrei bei deutschen Datenschutzexperten. Doch was bei uns Protest auslöst, ist in China bereits fester Bestandteil des Alltags. Millionen von Kameras identifizieren und dokumentieren Personen sowie deren Verhalten in der Öffentlichkeit. Und das soll sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

Mehrere chinesische Start-ups, darunter die Unicorns Megvii und SenseTime, letzteres ist das weltweit wertvollste KI Start-up, arbeiten deshalb mit Hochdruck an ihrer Gesichtserkennungssoftware. Zuverlässige Ergebnisse liefern beide Produkte bereits. Die großen Herausforderungen liegen jedoch anderswo. Bislang können die gesammelten Daten nicht im gewünschten Ausmaß und in der entsprechenden Geschwindigkeit ausgewertet werden. Das könnte sich bald ändern: Um das Problem zu beheben entwickelt und baut SenseTime mehrere Supercomputer, die diese Anforderungen erfüllen sollen.

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Automatische Gesichts- und Körpererkennung findet in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in China bereits Anwendung. (Screenshot: Megvii/ Face++)

Nach Anwendungsgebieten muss in der Volksrepublik nicht lange gesucht werden. In China wird Gesichtserkennung probeweise bereits für die Ticket-Kontrolle in öffentlichen Verkehrsmitteln, dem bargeldlosen Bezahlen, der Identitäts-Verifizierung beim Benutzen von Sozialen Medien und zum Aufspüren gesuchter Personen verwendet. Der schnelle Aufstieg der beiden chinesischen Start-ups lässt sich nicht zuletzt darauf zurückführen, dass Regierung und Sicherheitsapparat großes Interesse an der Technologie haben.

Statussymbol zum Schmusen

Auch wenn das Steckenpferd des raschen Innovationsaufschwungs Chinas sicher der High-Tech Sektor ist, haben durchaus auch ganz andere Geschäftsideen Erfolg. So zum Beispiel die Idee hinter dem Start-up Youtapet. Wo bezahlbarer Wohnraum kaum mehr vorhanden ist, gibt es auch wenig Platz für Haustiere. Gerade deshalb aber sind diese im Großstadtgetümmel Chinas ein Statussymbol und die Nachfrage, vor allem nach reinrassigen Haustieren, ist entsprechend hoch. Youtapet bietet eine Verkaufsplattform für reinrassige Tiere von zertifizierten Verkäufern, inklusive Abstammungsurkunde und Gesundheitschecks.

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Haustiere werden in den überfüllten Großstädten Chinas immer mehr zum Statussymbol. (Foto: piktochart)

Die Tiere werden nach allen Regeln der Kunst verwöhnt. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Geschäftsideen, die sich um den Luxus rund ums Haustier drehen, ebenfalls boomen. Das Unternehmen Yantai China Pet Foods beispielsweise konzentriert sich auf die gesunde Ernährung der Tiere. Außerdem können die Vierbeiner dank DogWhere dem Großstadttrubel auch mal entkommen und gemütlich im Haustierhotel entspannen.

Moderne Lernkonzepte

Ein weiteres erfolgreiches Start-up aus China ist VIPKid, eine in Peking ansässige Lernplattform. Das Unternehmen vermittelt Lehrkräfte aus aller Welt an chinesische Kinder, damit diese die englische Sprache erlernen. Die Lehrer können ihren Job dabei bequem von ihrem Heimatland aus erledigen, denn die Stunden finden einfach online statt. In Einzelbetreuung lernen die Schüler so mit Hilfe von Muttersprachlern, sicher auf Englisch zu kommunizieren – ein gefragter Skill, nicht nur in wirtschaftlichen Bereichen. Das chinesische Start-up bekommt nicht nur von Seiten der Schüler massiv Zulauf, auch für Arbeitnehmer ist die Lernplattform sehr attraktiv und wächst infolgedessen rapide.

Mittlerweile nehmen bereits über 500.000 Schüler das Angebot wahr. Und die Ambitionen des Start-ups sind groß: Laut Prognosen soll sich die Nutzerzahl in den kommenden Jahren vervielfachen. Davon ließen sich auch Investoren begeistern. Insgesamt 825 Millionen US-Dollar konnte das Unternehmen in sieben Finanzierungsrunden einheimsen.

Spielzeug oder Mitarbeiter?

Mit UBTech Robotics gesellt sich ein weiteres Unicorn in die Reihe der auf KI spezialisierten chinesischen Start-ups. Anders als andere Unternehmen auf dem Gebiet hat sich das Start-up jedoch auf eine konkrete Anwendung fokussiert. Das Start-up stellt – ganz getreu seinem Namen – Roboter her. Und zwar solche, die nicht nur irgendwo im Hintergrund arbeiten, ohne dass der Normalbürger etwas davon mitbekommt. Ganz im Gegenteil: Die Roboter des chinesischen Start-ups sollen Menschen unterhalten, mit ihnen Sport treiben, Yoga machen und tanzen oder Kindern in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) praktisch unterrichten. Aber auch außerhalb des privaten Umfels finden die Helferlein Anwendung, beispielsweise als Verkäufer:

Mehr erfolgreiche Geschäftsideen kennenlernen

arbeiten deshalb mit Hochdruck an ihrer Gesichtserkennungssoftware