Finanzierung einer Gründung: Mit Kredit zum eigenen Unternehmen



Die Gründung des eigenen Unternehmens können nur die wenigsten Gründer vollständig aus Eigenmitteln finanzieren. Die Gründungskosten und erste Investitionen wollen gestemmt werden – wenn das Eigenkapital nicht ausreicht, kommt oft ein nicht unerheblicher Kredit ins Spiel. Doch wird dessen Beantragung gerade jungen Unternehmensgründern häufig erschwert.

Unternehmensgründung leicht gemacht? Das gilt nicht immer

Immer weniger Menschen gründen ihr eigenes Unternehmen. Während im Jahr 2010 noch rund 941.000 Gründungen in Deutschland registriert wurden, waren es im vergangenen Jahr 2017 nur noch etwa 557.000. Bei den oft hohen Gründungs- und Investitionskosten sowie den gleichzeitig ebenso hohen Anforderungen an potenzielle Kreditnehmer durch Banken überrascht das nicht. Gerade mit einem unsicheren Businessplan, wenig Sicherheiten und somit einer ungewissen Firmenzukunft hat man es als Gründer schwer, einen passenden Kredit zu erhalten, um die entstehenden Kosten zu stemmen.

Wenn ihr gerade euer Unternehmen gegründet habt oder mitten in der Gründungsphase steckt, werdet ihr sicher schon einige Investitionen getätigt haben. Im ersten Geschäftsjahr fallen vorwiegend die sogenannten Gründungskosten an. Dazu gehören beispielsweise Beraterkosten für einen speziellen Gründerberater, der euch auf dem Weg in die Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit unterstützen und hilfreiche Infos übermitteln kann. Aber auch Kosten für Fortbildungen, Gründerschulungen oder Messebesuche, um Kontakte zu knüpfen und euch wichtiges Wissen anzueignen, zählen zu den ersten Firmenausgaben. Selbst die Einmalkosten wie die Gebühren für eure Gewerbeanmeldung bewegen sich oftmals in Bereichen, die durch das angesparte Eigenkapital nicht bezahlt werden können.

Hinzu kommt die Berechnung des Betriebsmittelbedarfs. Dieser umfasst beispielsweise die anfallenden Kosten für euer Personal, die Raummiete, Werbung und Versicherung. Auch der firmeneigene Fuhrpark will – sofern für euer Unternehmen notwendig – bezahlt werden. Die Betriebskosten sollten bei einer Geschäftsgründung für einen Zeitraum von drei Monaten oder länger berechnet werden. Die finale Rechnung gilt es anschließend, im Zweifelsfall auch ohne Einnahmen zu bewältigen. Denn oftmals braucht ein neues Unternehmen seine Zeit, um Gewinne und regelmäßige Einkünfte zu erzielen. Für viele Gründer scheint es nur den Ausweg Kredit zu geben. Doch ist das leichter gesagt als getan, denn gerade freiberufliche Gründer gelten als potenzieller Risikofaktor für Banken – und erhalten nur selten den gewünschten Kredit ohne Schwierigkeiten.

Tipp: Wenn ihr bereits bei einer Bank einen Kredit beantragt habt und abgelehnt wurdet, lohnt sich noch einmal ein neuer Versuch bei einer anderen Bank. Denn nicht jedes Finanzinstitut sieht die Firmengründung als „K.O.-Kriterium“ für einen Kredit. Die vermeintlichen Ausschlusskriterien können von Bank zu Bank ganz unterschiedlich gewichtet werden.

Finanzierung per Kredit: Für Gründer schwierig, aber nicht unmöglich

In der Regel wird bei einer Unternehmensgründung ein Kredit zwischen 20.000 und 40.000 Euro beantragt. Mit dem errechneten Betriebsmittelplan zur Bank zu gehen, den Antrag zu stellen und anschließend den benötigten Kredit zu erhalten – so einfach ist es aber leider nicht. Gründer gelten ohnehin als Risikogruppe, da die Firmenzukunft nicht klar vorhergesagt werden kann. Kommen weitere K.O.-Kriterien wie ein häufig überzogenes Girokonto hinzu, gibt es kaum eine Chance auf den gewünschten Kredit. Eine negative SCHUFA-Auskunft ist für Banken ebenfalls ein klares Ausschlusskriterium. Gründer mit Zahlungsschwierigkeiten in anderer Sache werden folglich kaum einen passenden Kredit finden.

Eine weitere Schwierigkeit: Die meisten Banken verlangen von Selbstständigen eine Einsicht in die bisherigen Einkommenssteuerbescheide – mindestens die letzten beiden. Diese liegen bei Gründern logischerweise noch nicht vor. Ebenso können bei einem hohen Kreditbetrag wie etwa 40.000 Euro Einblicke in die aktuelle betriebswirtschaftliche Analyse verlangt werden. Bewertet die Bank diese negativ oder sind (wie bei Gründern) keine ausreichenden Nachweise vorhanden, wird die Kreditanfrage abgelehnt.

Es gibt aber einen Ausweg: So können Selbstständige und Freiberufler von speziellen Angeboten profitieren, wenn sie einen Kredit aufnehmen möchten. Einige Kreditinstitute bieten Spezialkredite für diese Berufsgruppen an. Auch hier gilt, dass Einkommensnachweise dabei helfen, einen Kredit zu erhalten.

Gut strukturierter Businessplan hilft bei Kreditaufnahme

Gründer müssen nicht in die Röhre schauen: Ein gut strukturierter Businessplan und ein konkretes Unternehmensziel sind ein guter Anfang, um den Gründungskredit doch noch zu erhalten. Der Businessplan sollte dabei die Gründungsidee so detailliert wie möglich beschreiben. Ist die Idee überzeugend, ist das bereits eine gute Basis, um einen Kredit zu erhalten. Auch ist eine Auflistung der voraussichtlichen Betriebskosten wichtig, damit die Banken den Finanzierungsbedarf nachvollziehen können. Für euch bietet diese Liste ebenfalls einen Vorteil, da ihr die Kosten, die auf euch zukommen werden, besser kalkulieren könnt. Schlussendlich entscheidet auch der persönliche Eindruck über ein Ja oder Nein bei der Kreditvergabe.

Tipp: Gründungsberater können euch nicht nur dabei helfen, den Businessplan zu erstellen – sie sind auch dafür da, euch strukturiert auf das Gespräch vorzubereiten. Typische Fragen, welche die Banken stellen werden, können sie euch ebenso mitteilen wie potenzielle Stolperfallen. Natürlich verlangen die Gründungsberater aber ihrerseits eine Gebühr. Daher solltet ihr Kosten und Nutzen dieser freiberuflichen Berater im Vorfeld abwägen.

Alternative zum klassischen Kredit: Spezielle Darlehen für Gründer oder Bürgschaft

Seid ihr trotz eurer guten Vorbereitung nicht erfolgreich und erhaltet keinen Kredit, gibt es eine Alternative zu den klassischen Bankkrediten: Förderungen und Darlehen für Gründer. Auch hier steht und fällt alles mit einem guten Businessplan. So gewährt die KfW in Deutschland spezielle Gründerkredite, die sowohl für die geplante Neugründung eines Unternehmens als auch für kürzlich gegründete Jungunternehmen verfügbar sind. Der Ansprechpartner, um einen KfW-Kredit zu erhalten, ist aber dennoch eine öffentliche Bank. Diese nimmt eure Daten auf und leitet die Anfrage an die KfW weiter. Ein Vorteil für Gründer bei den KfW-Krediten ist die Haftung, welche die KfW zu großen Teilen übernimmt. Treten Zahlungsschwierigkeiten auf, ist dies oftmals weniger dramatisch als bei „typischen“ Krediten von Banken.

Ein weiterer Ausweg bei abgelehnten Kreditanfragen kann die Angabe einer zusätzlichen Sicherheit sein. Bei Gründern ist das in der Regel ein Bürge. Dieser zweite Kreditnehmer unterschreibt den Kreditantrag des Gründers ebenfalls und springt bei Zahlungsschwierigkeiten des ersten Kreditnehmers ein. Er muss allerdings selbst überprüft werden, damit die Bank ihn als zweiten Kreditnehmer akzeptiert. So gilt hier ebenfalls ein negativer SCHUFA-Eintrag oder ein fehlendes, regelmäßiges Einkommen als Ausschlusskriterium.