Craft goes digital – So sollen Handwerksunternehmen effizienter werden



Wer sich schon mal auf den Straßen umgeschaut hat oder Sanierungsarbeiten in der Wohnung hatte, weiß, dass Projekte in der Bau- und Handwerksbranche oft endlos lange dauern und mit etlichen Problemen einhergehen. Wir sprachen mit Gründer Christoph Baum darüber, woran das liegt und wieso das Geschäftsmodell von Novus Work System etwas daran ändern kann.

Novus Work System
Auf der Baustelle läuft es oft nicht rund. Das Gründerteam von Novus Work System will daran etwas ändern.

GründerDaily: Hallo Christoph, der Mangel an Handwerkern und eine oftmals eher chaotische Organisation bei Bauprojekten ist sicher vielen bekannt. Nehmen wir an, es läuft auf einer Baustelle nicht – woran kann das liegen?

Christoph von Novus Work System: Grundsätzlich kann man sagen, dass in 99% der Fälle Baustellen nicht optimal laufen. Das liegt an mir selbst als Handwerker, am Chef, Meister, Vorarbeiter – im Grunde genommen aber an dem, der die Verantwortung trägt beziehungsweise die Organisation der Projekte inne hat.

Nach meiner eigenen Recherche bewegen sich alle Handwerksunternehmer wie im Hamsterrad. Wenn die Baustellen nicht gut laufen, müssen sie sich um die Problembehebung kümmern, was sehr zeitintensiv ist. Zeit, die dann fehlt, um Folgeprojekte richtig vorzubereiten. Die unzureichende Planung führt dann wieder zu Problemen in der Ausführung. Außerdem wird schon in Erstgesprächen aber auch später zu wenig kommuniziert und dokumentiert. So erhalten die Mitarbeiter, die den Auftrag ausführen, nicht die richtigen Informationen und müssen wieder viele Fragen stellen. Das macht die Arbeit ineffizient. So kommen wir wieder zum Anfang: es läuft nicht auf der Baustelle.

GründerDaily: Und wie kann Novus Work System helfen?

Christoph von Novus Work System: Novus Go hat den Ansatz, genau diese Dokumentations- und Kommunikationsschwächen zu verbessern. Novus Go dokumentiert den Ablauf eines Bauprojekts in einem intuitiven und voll digitalen Prozess. Der Handwerksunternehmer, die Mitarbeiter, der Kunde und auch die Buchhaltung folgen so einem immer gleich bleibenden Ablauf. Das geht vom ersten Kundengespräch über die Projektdurchführung bis zur Abrechnung. Mit kommenden Features wie zum Beispiel dem Baustellentracking, wollen wir die Baustelle für alle Beteiligten transparent machen, sodass Fehler oder uneffektive Prozesse schnell sichtbar werden und in Folge dessen dann direkt verbessert werden können. Man greift quasi positiv ein.

GründerDaily: Einige Stichpunkte kommen uns bekannt vor. Worin besteht eure Unique Selling Proposition (USP)?

Christoph von Novus Work System: Im Gegensatz zu anderen Softwarelösungen im Handwerk verfolgen wir den Ansatz, den Prozess – also die Abläufe – auf einer Baustelle zu optimieren, nicht die Angebotserstellung, das Rechnungswesen oder die Buchhaltung. Wir wollen den Handwerksunternehmer bei der Kommunikation zwischen Büro und Baustelle sowie der Dokumentation mit logischen Tools unterstützen.

Ich habe von Anfang an Wert darauf gelegt, dass nicht nur ich als Unternehmer, sondern auch meine Mitarbeiter das System verstehen und anwenden können. Denn die sind immerhin auf den Baustellen vor Ort und benötigen und sammeln die Informationen.

Für Checklisten musste der Handwerker vorher viele Wege gehen. Unsere digitale Variante fasst all diese Informationen durch smarte Vernetzung zusammen und automatisiert Prozesse, wo möglich.

GründerDaily: Wie ist die Idee entstanden und welchen Background hast du?

Christoph von Novus Work System: Ich bin selbst Maler- und Lackierermeister und Teil eines traditionellen Familienunternehmens mit 30-jähriger Geschichte. Ich bin mit dem Handwerk aufgewachsen und habe alle Höhen und Tiefen erlebt, die ein Handwerksunternehmen erleben kann.

Als ich mich mit den neuen digitalen Möglichkeiten auseinandergesetzt habe, stellte ich mir schon sehr früh die Frage, wie ich diese Technologie für mich und meine Mitarbeiter nutzen kann.

Ich habe dann angefangen, mit Tools zu arbeiten, die auf dem Markt frei verfügbar sind. Zum Beispiel Whatsapp zur internen Kommunikation, Microsoft One Note zur Organisation aber auch Checklisten, die ich mit meinen Mitarbeitern über Smartphones teilen konnte. Daraus entstand auch das erste System, das wir teilweise offline, teilweise online benutzt haben. Mir kamen aber immer mehr Ideen, wie wir den ganzen Prozessablauf verbessern und so unsere Arbeit als Handwerksunternehmen noch effektiver machen können.

Da es nicht mal im Ansatz Lösungen auf dem Markt gab, die meinen Anforderungen im Projektmanagement entsprachen, beschloss ich einfach, meine eigene Lösung zu entwickeln. Als ich meinen Weg dann in den sozialen Medien teilte, wurde ich von vielen Handwerkskollegen gefragt, ob ich ihnen meine Lösungen zur Verfügung stellen könnte. Hier kommen auch meine Mitgründer Robert und Björn ins Spiel.

Novus Work System
Die Software Novus Go digitalisiert die Prozessabläufe im Handwerk. (Foto: Novus Work System)

GründerDaily: Stelle unseren Lesern doch kurz deine Mitgründer vor.

Christoph von Novus Work System: Ich kannte mich sehr gut in dem Bereich aus, was andere Handwerksunternehmer für die Verbesserung ihrer Prozesse brauchen. Ich wusste aber weder, wie ich das den Handwerksunternehmern zeigen kann, noch wie ich all diese Prozesse und Abläufe in eine Software packen kann, die intuitiv und logisch ist. So schloss ich mich mit Robert Otte und Björn Teßmann zusammen. Robert kommt aus dem Bereich des Marketings. Björn hat bereits ein eigenes IT-Unternehmen aufgebaut und versteht und spricht die Sprache der Handwerker. Wir drei haben das Ziel, mit Novus Go ein einfach zu bedienendes System zu liefern, das für die Mitarbeiter und Unternehmer eine Entlastung und keine zusätzliche Belastung darstellt. So wollen wir nachhaltig das Handwerk verändert.

GründerDaily: Ihr seid mit einem sogenannten Minimum Viable Product gestartet. Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht?

Christoph von Novus Work System: Der Aufbau und Vertrieb des ersten Systems hat uns erst so richtig die Augen für die vielen Möglichkeiten in Sachen Automatisierung geöffnet. Die Rückmeldungen unserer Kunden und der parallel aufgebauten Community sowie der Austausch mit Kammern und Großkonzernen haben unser konkretes Ziel – eine voll digitale Cloud-basierte Softwarelösung für das Handwerk – erst richtig Form annehmen lassen. Wir haben uns für diesen Weg viel Zeit genommen, denn über allem stand ein sehr wichtiges Credo:

Ein schlechter Prozess wird nicht besser, nur weil man ihn digitalisiert.

Deshalb haben wir viel Wert darauf gelegt, dass die Prozesse erst mal offline optimal funktionieren, bevor wir diese Prozesse digitalisieren. Die Erfahrung mit unseren Kunden und mit der entstandenen Community hat uns neben dem wertvollen Feedback für die Entwicklung auch viel Kraft gegeben, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

GründerDaily: Ist es nicht eine unheimlich schwierige Zielgruppe, gerade Handwerkern die Digitalisierung zu verkaufen? Sicherlich schätzen sie das Produkt, wenn sie den Mehrwert kennen – aber wie könnt ihr die Zielgruppe bis dahin überhaupt erreichen?

Christoph von Novus Work System: Nach unserer Erfahrung bewegen sich immer mehr Handwerksunternehmer online. Wir verfolgen aber eine ganzheitliche Marketingstrategie, die sowohl online als auch offline ausgerichtet ist. So stellen wir sicher, dass wir möglichst viele Handwerksunternehmer erreichen. Im Online-Bereich setzen wir beispielsweise stark auf Social Media Marketing, SEO und Influencer Marketing.

Der Offline-Bereich ist gekoppelt mit Online-Tools, so nutzen wir Leadgenerierung, Partnerschulungen und Partner Leads. Wir haben bereits einige Kooperationen mit Akteuren aus der Industrie, eine starke Vernetzung mit Kammern und Verbänden sowie ein großes Netzwerk im PR-Bereich aufgebaut. Zudem verkaufen wir nicht nur ein Produkt, sondern auch ein Lebensgefühl. Wir machen klar, dass wir den Handwerksunternehmer nicht verändern, sondern lediglich unterstützen wollen.

GründerDaily: Gerade in der Handwerksbranche ist vergleichsweise noch nicht allzu viel digitalisiert – wo seht ihr noch Potenzial, also wohin wird die Reise noch gehen?

Christoph von Novus Work System: Ich glaube, dass noch kein Software-Unternehmen verstanden hat, was der Handwerker wirklich braucht. Meine Recherche hat ergeben, dass vielleicht 5% der Handwerksbetriebe mit ihrer Softwarelösung wirklich glücklich waren. Das zeigt mir, dass der Markt nach einem System, wie wir es entwickeln, schreit.

Unser großes Ziel in den nächsten zwei Jahren ist deshalb ein System, das alle Prozesse im Handwerk abdeckt. Mit unserer ganzheitlichen Lösung wird es möglich sein, über 80% der Prozesse, die ein Handwerksunternehmer jetzt noch händisch eingeben oder dokumentieren muss, zu automatisieren. Über allem schwebt immer das Novus Go Mutterschiff mit seiner Kernkompetenz im Bereich der Prozesse und Arbeitsabläufe. Es verbindet unsere geplanten Zusatzfeatures intelligent miteinander und schafft einen immer gleich bleibenden Projektablauf. Wir haben folgende zusätzliche Features geplant:

  • ein CRM-System, das alle wichtigen Informationen von Kunden und Projekten speichert und übersichtlich im Dashboard anzeigt
  • ein digitales Rechnungstool, das es dem Kunden mit Online-Bezahlmöglichkeiten leicht macht, Rechnungen zu begleichen
  • ein digitaler Stundennachweis
  • ein Fahrzeug- und Maschinentracking, das ineffektive Wegezeiten sowie den Maschinenpark überwacht
  • eine digitale Lagerverwaltung, die mit Mindestbeständen arbeitet und automatisch auffüllt
  • ein digitaler Ressourcenplaner, der auf unerwartete, nicht planbare Herausforderungen wie zum Beispiel Krankheit oder Baustellenverzögerung reagiert
  • ein Baustellentracking, durch das Baustellen und Projekte in Zukunft genau nachvollziehbar und für Büro, Baustelle und Kunde transparent sind
  • ein digitaler Projektkalender

GründerDaily: Ihr finanziert euch aktuell durch das Startup Gladiator Programm von bmp Ventures, das Start-ups 350.000 Euro für die ersten Monate zur Verfügung stellt. Wie hat euch das Programm neben der Finanzspritze geholfen?

Christoph von Novus Work System: Uns war es wichtig, bei diesem Schritt nicht nur auf finanzielle Unterstützung zurückzugreifen, um Teamaufbau und Marketing zu skalieren.

Wir wollten auch einen strategischen Partner an die Hand bekommen, der uns beim Unternehmensaufbau sowie bei der Markenskalierung unterstützt.

Und genau diesen Partner haben wir mit der bmp gefunden. Wir sind uns sicher, dass dies der richtige Partner für unsere weiteren Schritte ist. Herausheben muss man an der Stelle sicherlich auch unseren Betreuer und Mentor bei der bmp David Stuck. Seine Erfahrungen, positive Unterstützung und sein Spirit haben schon viel bewegt und das Ganze für uns und die bmp erst Wirklichkeit werden lassen.

GründerDaily: Und wie plant ihr die Finanzierung nach den 12-18 Monaten im Programm?

Christoph von Novus Work System: Grundsätzlich stehen wir in unserer Finanzplanung, mit dem aktuellen Aufbauplan und der Teamstärke, die wir bis dahin planen, wirtschaftlich bereits positiv da. Uns ist aber auch bewusst: Um das ganzheitliche System so vielen Handwerkern in den verschiedensten Branchen und Gewerken zur Verfügung zu stellen, bedarf es sicherlich noch weiterer Investoren, die unsere Vision teilen und bereit sind, mit uns diesen Weg zu gehen.

GründerDaily: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit eurer Geschäftsidee!

Keyfacts über Novus Work System

  • Gegründet im Jahr: 2015
  • Firmensitz in: Wernigerode
  • Unser aktuelles Team besteht aus: Christoph Baum, Robert Otte, Björn Teßmann + sieben weitere Mitarbeiter
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: bmp Ventures AG
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Sven Sommer von der Handwerkskammer in Halle, Ralf Grimpe von der IHK, David Stuck von bmp Ventures, der Schlau Großhandel und unsere Frauen, ohne deren Unterstützung nichts laufen würde
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/uns folgende:
    • Menschen: Das gesamte starke Team
    • Tools: Microsoft 365, Gira
    • Internetseiten: Youtube, Facebook, Google, Portale für Online-Coachings
  • Kontakt

  • Christoph Baum
  • Novus Work System GmbH
    An der Tongrube 39
    38855 Wernigerode
  • +49 39 43 238 425
  • anfrage@novus-go.com
  • www.novus-go.com