Jetzt mal ehrlich Elon Musk: 120 Stunden die Woche arbeiten?



Seien wir doch mal ehrlich, Elon Musk: Die 120-Stundenwoche ist nicht the new way of work, findet unser Chefredakteur. Ein Kommentar.

Musk
Elon Musk soll laut eigenen Angaben 120 Stunden die Woche arbeiten. (Quelle: flickr / Web Summit / CC BY 2.0)

120 Stunden – so viel will Elon Musk, unter anderem Gründer von Tesla, The Boring Company und SpaceX, pro Woche gearbeitet haben. Zumindest wenn es nach einem Interview mit der New York Times geht. Die Reaktion des Interviewpartners ist nicht überliefert. Eine kritische Nachfrage gab es scheinbar nicht. Auch nicht bei all den anderen Medien, die diese Zahl aufgegriffen und bedenkenlos vervielfältigt haben. Vermutlich haben die Redakteure einfach ihre eigene Arbeitszeit kalkuliert und kamen zu dem Schluss, dass es auch fast 100 Stunden pro Woche sind – und dann passt das schon.

Dabei sind die Zeiten, in denen endlose Arbeitsstunden Maßstab oder gar Statussymbol für erfolgreiche Manager waren, längst vorbei. Sogar aus der Beraterbranche oder den Vorstandsetagen der Großkonzerne sind nicht mehr solche Legendenbildungen zu vernehmen. Und für eine ganze Generation neuer Mitarbeiter ist das Mantra der Work-Life-Balance ausgerufen. Scheinbar nicht für Musk. Getreu dem Motto „viel hilft viel“ sendet er Signale an Mitarbeiter, Aktionäre und überhaupt den Rest der Welt, dass er sich bis zur letzten Stunde aufopfert. Und natürlich nimmt dies all seinen Kritikern den Wind aus den Segeln . Denn was will man schließlich noch von einem Mann verlangen, der so unglaublich hart arbeitet.

Doch zwei wesentliche Fragen sollte man schon stellen:

  • Wie viel sind 120 Stunden pro Woche eigentlich? Dieser Arbeitsumfang bedeutet 3 Stunden Schlaf pro Nacht, wenn man neben der Arbeit noch rund 3,5 Stunden für alle anderen Dinge des Alltags (Essen, Duschen, den Weg von und zur Arbeit, Einkäufe, Familienleben) abzieht. Wer jenseits der 30 ist, 1 bis 2 Kinder hat, weiß, dass 3 Stunden Schlaf nicht ausreichen, um halbwegs gut zu arbeiten.
  • “Gut” ist auch direkt das zweite Stichwort: Leistet man bei 120 Stunden pro Woche gute Arbeit? Die klare Antwort: Konzentriertes Arbeiten ist in so einem Umfang nicht möglich. Vielmehr ist es kontraproduktiv.

Demnach ergeben sich aus der 120-Stundenwoche von Elon Musk nur diese Schlussfolgerungen:

  • er ist ein schlechter Manager
  • und er ist ein Kontrollfreak

Gründer sollten diese Fehler aber nicht machen. Ohne Zweifel braucht ein Start-up viel Arbeit, damit es läuft. Aber auch die Wochenarbeitszeit unterliegt dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens. Für den Erfolg braucht es die Vision – die Musk ohne Zweifel hat – aber der Schlüssel ist gutes Management. Delegieren, starke Führungspersönlichkeiten um sich sammeln, Mitarbeiter nicht nur motivieren sondern ihnen auch Verantwortung geben – kurzum, die Last auf mehrere Schultern verteilen.

Und wenn man dies getan hat, spielt Vertrauen eine wesentlichen Rolle. Sonst schaut man den Mitarbeitern vermutlich 120 Stunden die Woche über die Schulter – und ist der Meinung, dass man selbst 120 Stunden die Woche gearbeitet hat…