Frühphaseninvestor HTGF vergibt 316,5 Mio. Euro für innovative Geschäftsideen



Vor wenigen Wochen gab Deutschlands größter Seedinvestor, der High-Tech Gründerfonds (HTGF), sein Second Closing in Höhe von 316,5 Millionen Euro bekannt. Gute Chancen also für innovative Start-ups, die auf der Suche nach frischem Kapital sind. Wir haben mit Alexander von Frankenberg, dem Geschäftsführer des HTGF, gesprochen und stellen drei Geschäftsideen vor, die bereits zum Portfolio zählen.

Für-Gründer.de: Vor wenigen Wochen wurde bekannt gegeben, dass der HTGF nach dem Second Closing 316,5 Millionen Euro (statt erwarteten 310 Millionen) an Risikokapital ausschütten wird. Wie viele Beteiligungen sind für dieses Jahr in Planung und welche Start-ups sollten nun besonders hellhörig werden?

Alex von Frankenberg vom HTGF: Wir werden in diesem Jahr rund 30 Neuinvestments tätigen, aus allen Brachen: Von Hardware, Automation, Robotik, Energie, über Med- und Biotech sowie Chemie bis hin zu allem rund um Software. Wir suchen ehrgeizige Teams, die den Anspruch haben, ein wirklich bedeutendes Unternehmen aufzubauen und etwas grundlegendes Neues machen. Sehr spannend sind beispielsweise Themen rund um Blockchain, AI, personalisierte Medizin oder Robotik.

HTGF

Für-Gründer.de: Woran machen Sie beim High-Tech-Gründerfonds (HTGF) disruptive Innovationen fest?

Alex von Frankenberg vom HTGF:

Auf den ersten Eindruck versteht man eine disruptive Innovation nicht, man denkt, es wäre Unsinn – einfach weil es etwas komplett Neues ist, etwas das nicht in das bisherige Weltbild passt.

Schaut man genauer hin, sind disruptive Innovationen solche, die bestehende Märkte und Industriestrukturen völlig verändern, alte etablierte Regeln außer Kraft setzen und völlig neuartige Produkte und Lösungen anbieten. Meistens basieren sie auf technologischen Durchbrüchen.

Für-Gründer.de: Wie sind die Erfolgsquoten in Ihrem Portfolio – oder andersherum gefragt: Wie viele Ihrer Portfolio-Holdings waren nicht erfolgreich, d.h. wie viele gibt es nicht mehr?

Alex von Frankenberg vom HTGF: Von den 500 Investments, die wir seit Ende 2005 abgeschlossen haben, sind 84 insolvent gegangen. Die gibt es nicht mehr. Darüber hinaus haben wir 40 Unternehmen mit sehr geringen Rückflüssen verkauft. Diese waren für uns wirtschaftlich nicht erfolgreich, aber zum Teil entwickeln die sich als Teil eines größeren Unternehmens sehr gut.

Vorgestellt: Drei Geschäftsideen aus dem HTGF-Portfolio

500 Unternehmen aus der High-Tech Branche hat der HTGF seit 2005 bereits finanziert und erfolgreich auf den Weg gebracht. Neben einem eigenen Fondsvolumen von 892,5 Millionen Euro in drei Fonds wurden bislang 1,6 Milliarden Euro externes Kapital in über 1.200 Folgefinanzierungsrunden investiert und Anteile an mehr als 90 Unternehmen bereits erfolgreich verkauft. Auch folgende drei Start-ups haben hiervon profitiert. Das gesamte Portfolio findet ihr hier.

Newsenselab: Mit technischem Fortschritt gegen chronische Leiden

Die Newsenselab GmbH entwickelt und vermarktet digitale Therapieansätze für chronisch kranke Menschen. Das erste Produkt ist die Migräne- und Kopfschmerzapp M-sense, die Migräne und Kopfschmerzpatienten hilft, ihre individuellen Attackenauslöser zu identifizieren und dann anschließend mit maßgeschneiderten Empfehlungen gegen die Attacken vorzugehen.

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Durch kurze Eintragungen zu den eigenen Kopfschmerzen ist es M-sense möglich, deren Auslöser zu ermitteln. (Foto: M-sense)

Das 2016 gegründete Berliner Unternehmen konnte mit M-sense neben finanzkräftigen Investoren auch bereits mehrere Auszeichnungen für sich gewinnen. Seit Ende 2017 wird außerdem in einem Pilotprojekt mit der Barmer GEK und der Deutschen Telekom zusammengearbeitet.

Stocard: Treuepunkteregen dank elektronischer Kundenkarten

Stocards innovative und leicht zu bedienende App erlaubt es seinen mittlerweile 25 Millionen Usern ihr Smartphone in einen mobilen Geldbeutel zu verwandeln. Alle Barcode-basierten Kundenkarten können im Smartphone gespeichert, verwaltet und genutzt werden. Zukünftig wird auch eine Payment-Funktion integriert, so dass direkt am Point of Sale mit der App bezahlt werden kann. Gleichzeitig stellt Stocard einen neuen und effektiven Direkt-Marketing-Kanal für Händler und Marken dar, mit dem gezielt mobile Smartphone-Kunden angesprochen werden können.

Stocard
Raus aus dem Portemonnaie: Kundenkarten gibt’s dank Stocard auf dem Smartphone (Foto: Stocard)

2012 konnte Stocard sich eine Seedfinanzierung im hohen sechstelligen Bereich, unter anderem durch den HTGF, sichern. Mittlerweile ist der mobile Geldbeutel in über 40 Ländern verfügbar und europaweit Marktführer in der Branche.

Pulsar Photonics: Dank intelligenter Vernetzung wird Lasern erschwinglich

Die Pulsar Photonics GmbH ist ein 2013 gegründeter innovativer Hightech-Maschinenbauer aus dem Bereich der Lasertechnik. Mittels neuer Ansätze für die Laserstrahlformung und der intelligenten Vernetzung von Hardware, Messtechnik und Software schafft es das Aachener Unternehmen, die Lasermikrobearbeitung deutlich effizienter und damit wirtschaftlicher zu gestalten. Mehr dazu erfahrt ihr in nachfolgendem Video.