Ohne Konto geht es nicht: diese 6 Fintechs bieten eine Alternative zur Großbank



Längst sind es nicht mehr nur die klassischen Banken wie Volksbank, Sparkasse, Deutsche Bank oder Commerzbank, die Gründern, Selbstständigen und Start-ups ein Geschäfts- oder Firmenkonto bieten. Neben den Online- bzw. Direktbanken sind in jüngster Zeit insbesondere die Fintechs umtriebig und werben um eure Gunst. Wir stellen euch 6 dieser Anbieter vor, zeigen was sie können, was sie kosten und wann ihr doch eher eine klassische Bank wählen solltet.

In der nachfolgenden Grafik findet ihr die sechs Fintechs, deren Geschäftskontoangebot wir uns genauer angeschaut haben.

Mit der fidor Bank und N26 sind zwei Schwergewichte aus der Fintech-Szene vertreten. Beide Unternehmen verfügen über eine eigene Banklizenz. Auffällig ist, dass drei der übrigen Anbieter – nämlich Hufsy, Kontist und Penta – mit der solarisBank kooperieren, bei der dann tatsächlich das Konto eröffnet wird. Holvi stammt aus Finnland und steht dort unter Aufsicht der Finnish Financial Supervisory Authority.

Fintechs punkten mit einfacher Onlineeröffnung

Termin in der Filiale ade, kein PDF online ausfüllen, unterschreiben und zur Post bringen: die Fintechs bieten eine meist schlanke Onlinekontoeröffnung für euer neues Geschäftskonto an. Die Antragsstrecke ist in der Regel kurz und angenehm im Design. Die Identifizierung erfolgt dann per Video-Ident. Im Folgenden stellen wir euch unsere sechs ausgewählten Fintechs mit den verschiedenen Kontoangeboten vor.

fidor Bank: für alle Rechtsformen und sehr günstig

Kontoführung kostenlos, keine Gebühren für beleglose Buchungen und vier monatliche Abhebungen am Automaten kostenfrei – sofern die genutzten Banken keine eigenen Gebühren erheben. Eine Prepaid-Mastercard ist für 8,95 Euro Jahresgebühr erhältlich. Zusätzlich zu den günstigen Konditionen will die fidor Bank mit zahlreichen weiteren Angeboten bei Unternehmern punkten. Hierzu zählen bspw. eine Kooperation mit dem Kassensystemanbieter Sumup oder eine Cyberversicherung in Zusammenarbeit mit Hiscox.

Holvi: 4 Kontomodelle zur Wahl – aber keine EC-Karte

Während es bei der fidor Bank lediglich ein Kontomodell gibt, offeriert Holvi vier Produktpakete: Starter, Grower, Complete und Unlimited. Mit dieser Vielfalt ist Holvi Spitzenreiter – nicht nur unter den Fintechs, sondern auch im Vergleich zu den klassischen Banken, wie unser Geschäftskonto-Vergleich zeigt. Während in der Starter-Variante die Kontoführung kostenfrei ist, schlagen beleglose Buchungen, wie bspw. Überweisungen, mit 25 Cent zu Buche. Lediglich 5 Geldein- bzw. -ausgänge sind pro Monat kostenfrei. Bei Bargeldabhebungen fallen je nach Kontotyp Gebühren von bis zu 2,5 % des Betrags an.

Nur in der Unlimited-Variante sind Abhebungen kostenfrei. In diesem Fall kostet das Konto jedoch 98 Euro pro Monat, umfasst aber auch weitere Leistungen wie unbegrenzt kostenfreie Buchungen, eine Rechnungssoftware und Buchhaltungsvorbereitung. Die Zahl der Konten ist ebenso wie die Anzahl der dazugehörigen Kreditkarten unbegrenzt. Für die meisten von euch dürfte dies jedoch nicht relevant sein.

hufsy: noch nicht für GmbH oder UG in Gründung

Prinzipiell sind vom Freelancer über die GbR bis zur GmbH alle Rechtsformen zur Kontoeröffnung bei hufsy zugelassen. Wenn ihr jedoch mit der UG oder GmbH erst in Gründung seid, ist es noch nicht möglich, bei hufsy ein Konto zu eröffnen. Dies ist natürlich von Nachteil, da ihr schließlich das Konto für die Einzahlung der Stammeinlage benötigt, damit der Notar die Anmeldung beim Handelsregister vornimmt.

Das Konto selbst gibt es in einer Basisversion für 6 Euro monatliche Kontoführungsgebühr oder für 15 Euro pro Monat in der Premiumversion. Eine EC-Karte ist nicht verfügbar. Stattdessen können Zahlungen mit der Kreditkarte vorgenommen werden.

Kontist: Konto für Kleingewerbetreibende und Freiberufler

Personen- oder gar Kapitalgesellschaften gehören nicht zur Zielgruppe von Kontist. Die Kontoführung ist dafür kostenfrei, es fallen ebenfalls keine Gebühren für beleglose Buchungen an. Damit ihr online oder im Geschäft bezahlen bzw. Bargeld abheben könnt, benötigt ihr allerdings die Kreditkarte, die 29 Euro pro Jahr kostet (ab einem Jahresumsatz von 3.000 Euro kostenfrei). Abhebungen schlagen mit Gebühren von 2 Euro zu Buche.

Die Buchhaltungssoftware-Anbieter Fastbill und Debitoor sind in das Geschäftskonto von Kontist integriert, um die Buchhaltung zu vereinfachen. Die Nutzung ist allerdings mit Zusatzkosten verbunden.

N26: das günstigste Konto – aber nicht für Personen- oder Kapitalgesellschaften

N26 bietet das günstigste Konto der analysierten Fintechs an. In unserem weiter unten vorgestellten Szenario würde das Konto tatsächlich 0 Euro kosten. Allerdings können lediglich Sologründer, die als Kleingewerbetreibende oder Freiberufler unterwegs sind, ein Geschäftskonto bei N26 eröffnen. Dies dann aber in hoher Geschwindigkeit: Das Unternehmen verspricht eine Kontoeröffnung in 8 Minuten.

Auch eine EC-Karte gibt es wie die Mastercard kostenfrei dazu – und durch CASH26 sind unbegrenzt kostenlose Abhebungen bei 7.000 Einzelhandelspartnern möglich. Das System CASH26 kann ebenfalls für Bareinzahlungen auf das Konto genutzt werden, womit N26 unter den Fintechs eine Sonderrolle einnimmt. Diese sind dann allerdings mit Gebühren verbunden.

Penta: nicht für Freiberufler und Kleingewerbetreibende

Während Anbieter wie N26 oder Kontist ausschließlich um Freiberufler und Kleingewerbetreibende werben, will Penta die erste Wahl für Personen- und Kapitalgesellschaften sowie Genossenschaften sein. Das Konto, das auch für GmbHs und UGs in Gründung zur Verfügung steht, gibt es in zwei Varianten: für 0 Euro oder 19 Euro pro Monat. In der teureren Variante sind alle beleglosen Buchungen sowie beliebig viele Benutzer und Kreditkarten inklusive.

Gratis-Geschäftskonto? So viel kostet es bei Fintechs wirklich

Ein kostenloses Geschäftskonto gibt es generell (so gut wie) gar nicht – auch bei den Fintechs nicht. Zwar mag die Kontoführungsgebühr bei 0 Euro liegen, doch kommen dann bei Nutzung des Kontos noch schnell weitere Kosten auf euch zu. Wir haben die Kontomodelle einem kleinen Szenario unterworfen. Dabei unterstellten wir eine vorwiegende Onlinenutzung sowie

  • monatlich u.a. 30 beleglose Buchungen, keine beleghaften Posten, keine Einzahlungen, 2 Auszahlungen zu 100 Euro, inkl. EC- und Kreditkarte.

In diesem Szenario ist lediglich das Geschäftskonto bei N26 komplett kostenfrei. Auf den folgenden Plätzen liegen in der Jahresbetrachtung mit der jeweils günstigsten Kontovariante des jeweiligen Anbieters:

  • fidor Bank: 9 Euro
  • Penta und Hufsy basis: 72 Euro
  • Kontist: 77 Euro
  • Holvi Grower: 168 Euro

Damit sind die Fintechs – zumindest in diesem Nutzungsszenario – deutlich günstiger als die klassischen Banken. Direkt- bzw. Onlinebanken müssen den Vergleich jedoch nicht scheuen. So rangieren bspw. die GRENKE Bank (36 Euro), die Skatbank (61 Euro) oder die Netbank (64 Euro) in ganz ähnlichen Größenordnungen.

Und wann müsst ihr doch zur Bank?

Komfortable Kontoeröffnung, einfache Onlinenutzung, trendiges Image und günstige Gebühren – dies verbuchen die Fintechs auf der Habenseite in puncto Firmenkonto. Und dennoch gibt es derzeit noch entscheidende Schwachpunkte, die ihr bei der Wahl berücksichtigen solltet.

  • Cash ist ein Problem: Während Auszahlungen (wenn auch teils zu hohen Kosten) noch möglich sind, könnt ihr außer bei N26 keine Einzahlungen auf euer Geschäftskonto vornehmen. Für Geschäftsmodelle, die viel auf Bargeld beruhen, wie bspw. Ladengeschäfte oder Gastronomie, ist damit die Filialbank unverzichtbar.
  • Finanzierung und weitere Bankdienstleistungen: Kontokorrentkredit oder gar eine Fördermittelfinanzierung? Wer klassische Bankdienstleistungen benötigt, wird bei den Fintechs ebenfalls nicht fündig. Einen persönlichen Ansprechpartner gibt es ebenfalls nicht. Freilich kann man über die Serviceorientierung und die häufig restriktive Kreditvergabe an Selbstständige und Jungunternehmen der hiesigen Banken geteilter Meinung sein – aber ohne sie geht es derzeit kaum. Zu klein ist bspw. der Crowdlending-Markt.

Alle Geschäftskonten in unserem großen Geschäftskonten-Vergleich 2018

  • Wir haben 43 Kontomodelle von 19 Anbietern analysiert: von den klassischen Filialbanken über Direkt- bzw. Onlinebanken bis hin zu Fintechs. Außerdem zeigen wir 7 Faktoren auf, die bei der Geschäftskonto-Wahl unbedingt zu berücksichtigen sind. Der Geschäftskonten-Vergleich steht euch kostenfrei zum Download zur Verfügung: jetzt lesen.