KfW-Gründungsmonitor: 7 Tipps und Mutmacher für bessere Zahlen 2019



„Neues Rekordtief“, „Sachsen-Anhalt bleibt Schlusslicht bei Existenzgründungen“, „Hessen beim Gründen nur noch Mittelmaß“, „Der Boom auf dem Arbeitsmarkt bremst Existenzgründungen“, so und so ähnlich lauteten in den vergangenen Tagen die Negativ-Schlagzeilen in der Presse anlässlich des neuen KfW-Gründungsmonitors. 17 % weniger Gründungen als im Vorjahr – und so wenige wie noch nie – das ernüchternde Ergebnis. Wir wollen anhand von 7 Punkten des Monitors Mut machen und geben Tipps, wie es 2019 wieder besser aussehen könnte.

Immer weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Zahlen aus dem aktuellen KfW-Gründungsmonitor sind nicht gerade ermutigend für die Gründerwelt. Und für 2018 werden darin ebenfalls weitere negative Tendenzen erwartet. Mit unseren Tipps wollen wir Gründern Mut machen und einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die entscheidenden Mangelfaktoren in Zukunft besser gestaltet werden können.

#1 „Erneuter Tiefpunkt bei der Gründerzahl“

Bevor wir in die Details gehen, erst einmal ein wichtiger Punkt vorab: Auch wenn wir ein hohes Gründungsaufkommen natürlich befürworten, nur die reine Anzahl der Gründungen ist nicht aussagekräftig für deren Auswirkung auf die einzelnen Wirtschaftsregionen. Schließlich kommt es auf die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Gründungen an und der KfW-Gründungsmonitor zeigt auch: Während die Zahl der Notgründer (bspw. aus der Arbeitslosigkeit heraus) sinkt, ist beispielsweise die Zahl der innovativen oder digitalen Gründer (zumindest) im Vergleich zu 2016 wieder gestiegen. Auch Chancengründer, also solche, die überdurchschnittlich bestandsfest und beschäftigungsintensiv sind, verzeichneten einen Anstieg um 8 % im Vergleich zum Vorjahr.

Also nur zu: Nicht abschrecken lassen und mehr Mut zur Existenzgründung! Einige der nachfolgenden Punkte habt ihr selbst in der Hand.

News KfW-Gründungsmonitor

#2 „Probleme mit Gründungsfinanzierung“

60 % der Existenzgründer mussten 2017 für die Realisierung ihres Gründungsvorhabens Finanzmittel einsetzen. Dabei greifen 4 von 10 Gründern ausschließlich auf eigene Mittel zurück, so die Zahlen im KfW-Gründungsmonitor. Oftmals haben es Gründer hier jedoch schwer, denn nicht selten mangelt es bei einer Fremdfinanzierung an vertrauensbildenden Elementen (bspw. Unternehmerhistorie oder Sicherheiten). Gründer beklagten laut Monitor vor allem, dass ihnen ein Bankkredit verweigert wurde oder die Eigenmittel nicht ausreichen.

Unser Tipp: Ein sorgfältiger Businessplan ergänzt durch einen umfangreichen Finanzplan hilft bereits vor der Antragsstellung dabei, herauszufinden, ob das eigene Vorhaben aufgehen kann. Eine kostenfreie Businessplan-Software führt euch Schritt für Schritt zum bankfähigen Businessplan. Geht das Geschäftsmodell nicht auf, sollte dieses bereits vor dem Gang zur Bank entsprechend angepasst werden. Hier erklären wir in 11 Schritten, wie ihr euer Geschäftsmodell richtig entwickelt.

#3 „Abbruch meist aus persönlichen Gründen, ohne wirtschaftlichen Zwang“

Nur ein kleiner Bruchteil der Abbruchraten einer Existenzgründung erfolgt erfreulicherweise aufgrund von Insolvenz. Auf Platz 1 der Gründe im KfW-Gründungsmonitor sind persönliche Anlässe wie familiäre Belastung, Stress, Krankheit, Unzufriedenheit mit dem Einkommen oder eine bessere Jobalternative. Wir empfehlen Existenzgründern daher, bereits vor dem Start in die Selbstständigkeit unseren kostenfreien Gründertest zu machen. Im Testergebnis erfahren Nutzer nicht schwarz oder weiß, ob sie das „Gründer-Gen“ haben. Ziel ist vielmehr, herauszufinden, wo Stärken und Schwächen liegen und wie diese ausgeglichen werden können. Insbesondere die Bereiche „Persönlichkeit“ sowie „Umfeld und Belastung“ werden in der Gründungsplanung nämlich oftmals vernachlässigt – dabei sind sie zwei von insgesamt sechs wichtigen Faktoren, die über den Erfolg einer Gründung entscheiden.

An zweiter Stelle der Gründe für einen Abbruch steht übrigens die Unwirtschaftlichkeit des Unternehmens. Hier empfehlen wir wie in #2: Ein Businessplan kann vorab Abhilfe schaffen (obgleich er natürlich keine Garantie für den Erfolg ist).

#4 „Neugründer vom leer gefegten Arbeitsmarkt ausgebremst“

170.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze wurden laut KfW-Gründungsmonitor im Jahr 2017 durch neu gegründete Unternehmen geschaffen. Rund die Hälfte der Neugründer hat jedoch Probleme bei der Stellenbesetzung. Kein Wunder, schließlich können Start-ups zwar häufig mit viel Flexibilität und einem guten Lifestyle dienen. Bekanntheit, Sicherheiten und das vergleichsweise niedrigere Gehalt stehen dem aber oft gegenüber.

Was also tun, wenn das Personal fehlt? Erst neulich haben wir darüber mit Doreen Huber vom Catering-Start-up Lemoncat gesprochen (hier geht’s zum Interview), die uns sagte:

Ich habe nur Top-Leute für mein Team gefunden.

Wie sie das geschafft hat? Mit einem vermutlich eher radikalen Ansatz:

Etliche Start-ups besetzen aber jede Stelle mit Praktikanten – üblich, aber völlig verrückt! Das ist für mich keine Option – ich möchte nur noch mit Profis arbeiten.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ihr Tipp ist in erster Linie aber, eine „wirklich gelebte Unternehmenskultur“ aufzubauen. Hierfür brauche es Durchhaltevermögen, klar formulierte Vorstellungen und genügend Zeit. Das Thema Personal solltet ihr also in jedem Fall langfristig angehen und von Beginn an in eurer Unternehmensstrategie definieren – und natürlich auch als hohen Kostenfaktor (für die Akquise und das Gehalt) in eurem Businessplan einkalkulieren.

#5 „Berlin wieder oben“ und mehr aus dem Bundeslandranking

Ein großes Kapitel im KfW-Gründungsmonitor ist auch der Vergleich der Bundesländer: Berlin vor Hamburg, gefolgt von Niedersachsen, Bayern und NRW. „Verlierer“ in diesem Jahr sind unter anderem Hamburg, Hessen und Bremen. Einer der überraschenden „Gewinner“: Brandenburg.

Der Vergleich ist in jedem Fall interessant – für euch als Gründer sollte er aber nicht zu sehr ins Gewicht schlagen. Zentrale Ballungsgebiete für das „Start-up-Feeling“ werden vermutlich stets Berlin gefolgt von Hamburg und München bleiben. Aber auch in den laut KfW-Gründungsmonitor schwächeren Regionen gibt es zahlreiche Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten für Gründer. Informiert euch über die Angebote in eurem Bundesland und schließt nicht auf schlechtere Grundbedingungen, falls euer Bundesland nur die hinteren Plätze im Ranking belegt.

#6 „Jüngere Gründer lehnen Altersvorsorgepflicht stärker ab“

Zugegeben: Das Thema Altersvorsorge ist kein Problem, das generell auf die Gründerwelt einwirkt, sondern viel mehr ein individuelles. Fakt ist jedoch, dass das Thema Altersvorsorge (oft aus Kostengründen) bei vielen Gründern ganz unten auf der To-do-Liste steht. Für die 19. Legislaturperiode steht die Einführung einer Altersvorsorgepflicht unter anderem auch auf der politischen Agenda. Insgesamt finden das 27 % der Gründer weniger oder gar nicht gut. Oder umgekehrt: Die Mehrheit ist dafür. Anders sieht das bei den Gründern unter 30 Jahren aus: 41 % sind hier dagegen.

Egal, ob und wie das Thema auf der politischen Agenda umgesetzt wird: Wir können euch nur ans Herz legen, euch mit diesem Thema frühzeitig auseinanderzusetzen! (Auch wenn wir es vor 10 Jahren vielleicht auch noch anders gesehen hätten.) Wer das Vertrauen in die Versicherungsmakler nicht hat, der kann sich auch von anderen Start-ups beraten lassen. Erst vor Kurzem hatten wir den Kostenex-Gründer bei uns im Gespräch

#7 Last but not Least: „Anteil von Frauen sinkt erneut“

Der Anteil von Frauen an der Gründungstätigkeit ist 2017 um 3 Prozentpunkte auf 37 % gesunken, insbesondere bezieht sich das auf die Vollerwerbsgründungen. Sieht man jedoch genauer hin, kommt der Prozentsatz nicht durch die niedrige Anzahl an Gründerinnen, sondern durch eine stärkere Beteiligung der Männer auf der anderen Seite zustande. Wir können nur sagen: Egal, ob Unternehmerheldin oder Unternehmerheld – wer eine gute Geschäftsidee hat, sollte sich nicht von Gründungsformalitäten oder ähnlichen Hürden abhalten lassen. Das Geschlecht tut hier nichts zur Sache und schon gar nicht, wie viele Personen eures Geschlechts ebenfalls gegründet haben. Gründerinnen sind nicht weniger erfolgreicher als Gründer. Und: Zahlreiche Anlaufstellen, Veranstaltungen und Tools, die ihr heute vielleicht noch gar nicht kennt, werden euch dabei helfen.

Motivierende Beispiele von und für Gründerinnen haben wir für euch hier zusammengestellt:

Hintergrund: Der KfW-Gründungsmonitor 2018

Im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung werden für den KfW-Gründungsmonitor jährlich rund 50.000 zufällig ausgewählte, in Deutschland ansässige Personen interviewt. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese im Voll- oder Nebenerwerb, als Freiberufler oder Gewerbetreibender oder im Rahmen einer Neugründung oder Übernahme gegründet haben. Den kompletten KfW-Gründungsmonitor 2018 findet ihr hier zum kostenfreien Download.

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