Online-Hofladen: So macht der moderne Schweizer seinen Wocheneinkauf



Aus 8.000 fairen Produkten von über 600 regionalen Lieferanten seinen Wocheneinkauf zusammenstellen – klingt gut. Diesen per E-Auto auf 15 Minuten genau vor die Tür geliefert bekommen – noch besser. Mit dieser Geschäftsidee mehrere Millionen Schweizer Franken von verschiedenen Investoren einsammeln – die geniale Gründerstory von Farmy.

Für-Gründer.de: Hallo Roman, hallo Tobias, bei Farmy.ch bietet ihr 8.000 hochwertige und ökologisch unbedenkliche Produkte von mehr als 600 regionalen Lieferanten in einem Onlineshop an – wie ist diese Idee entstanden?

Roman von Farmy: Wir hatten in unseren Jobs davor zwar schon immer online verkauft, aber nie die Produkte, mit welchen wir uns selber identifizieren konnten. Mit Farmy konnten wir endlich Altruismus mit Egoismus verbinden: beste Produkte für einen selbst, dabei kleineren Produzenten helfen und Gutes für die Umwelt tun. Beide machen wir gerne Sport und ernähren uns gesund. Uns ist wichtig zu wissen, woher unser Essen kommt und wir genießen die Nähe zu den Bauern und Produzenten, bei denen wir die Zutaten einkaufen.

Farmy Gründer
Tobias Schubert (l.) und Roman Hartmann (r.) sind die Gründer von Farmy (Foto: Farmy.ch)

Für-Gründer.de: Nach einem Investment von 3 Mio. CHF liefert ihr neuerdings auch Lebensmittel per E-Auto. Zuerst einmal: Wie kam es zu dieser Finanzspritze? (Hintergrund: vergangenes Jahr konntet ihr bereits 5 Mio. CHF einsammeln.)

Tobias von Farmy: Zusammen mit myclimate konnten wir in einer Studie klar belegen, dass jeder Einkauf bei Farmy.ch im Vergleich zum Einkauf mit dem PKW im Supermarkt CO2 reduziert. Einerseits durch den Einsatz von Elektroautos, andererseits durch die Vermeidung jeglichen Foodwastes. Da der Technologiefonds vornehmlich Unternehmen unterstützt, die CO2-Emissionen reduzieren, erfüllten wir die Voraussetzungen und konnten das Gremium überzeugen.

Für-Gründer.de: Was bietet der Lieferservice und wie grenzt ihr euch von anderen Diensten ab?

Roman von Farmy: Das lässt sich in folgenden 6 Punkten gut zusammenfassen.

  • Gratis Lieferung
  • Lieferung mit eigener E-Flotte
  • Lieferzeitraum wird auf +/-15 Min. per App Push-Nachricht und SMS mitgeteilt und lässt so besser den Alltag planen
  • Live Lieferstatusverfolgung: In der App sieht man auf der Karte, wo sich der Kurier befindet, wie dieser heißt und wann er eintreffen wird.
  • Eigene, auf optimalen Service geschulte Kuriere
  • Kein Mindestbestellwert auf die erste Bestellung und geringerer Mindestbestellwert (50 Franken) bei Folgebestellungen (zum Vergleich: bei anderen Anbietern 100 Franken Mindestbestellwert)

Für-Gründer.de: Wo gibt es euer Angebot bereits – und wo soll es das noch geben?

Tobias von Farmy: Wir liefern schweizweit. In den wichtigsten Metropolregionen um Zürich und Genfer See liefern wir ohne Liefergebühr und mit eigener Flotte.

Für-Gründer.de: Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Lieferanten aus und wie gewinnt ihr diese?

Roman von Farmy: Wir haben keine Schwierigkeiten Produzenten zu gewinnen und stoßen auf mehr Nachfrage seitens der Produzenten, als wir aufnehmen können. Wir selektieren sie vor allem nach folgenden Hauptkriterien:

  • Möglichst nah an unseren Verteilzentren
  • Natürlich produzierende oder biozertifizierte Betriebe (ähnlich wie Whole Foods in den USA)
  • Authentizität (Transparenz ist mit unser wichtigster USP)

Für-Gründer.de: Bei euren Kunden werbt ihr mit kostenfreien Lieferungen. Welches Geschäftsmodell steckt dahinter?

Tobias von Farmy: Möglichst viele wiederkehrende Kunden pro Quadratkilometer zu gewinnen und so den Deckungsbeitrag je Bestellung sowie die Bestellhäufigkeit zu steigern. Wir wollen mit dem Angebot den Markt umkrempeln und den Konsumenten ein unschlagbar attraktives Angebot bieten. Bis jetzt werden in der Schweiz erst ca. 2% Lebensmittel online gekauft. Das ist eine Chance, gleichzeitig aber auch eine Herausforderung. Wir hoffen, diesen Prozentsatz mit solchen Initiativen erhöhen zu können.

Farmy Kurier
Ein Farmy-Kurier liefert die Ware aus – auf 15 Minuten genau (Foto: Farmy.ch)

Für-Gründer.de: „Einmal hin, alles drin“ – oder gibt es doch auch Produkte, die es in eurem Hofladen nicht zu kaufen gibt?

Roman von Farmy: Wir haben aktuell schon mehr als 8.000 Produkte (Frischeprodukte, aber auch Haushaltswaren, Getränke, etc.). Da dürfen wir mittlerweile schon behaupten alles für den Wocheneinkauf in einer ethisch korrekten Art und Weise zu haben. Unser Anspruch ist es den Stammkunden den Gang zum Supermarkt zu ersparen, falls er es nicht möchte.

Für-Gründer.de: Ihr beschäftigt 75 Mitarbeiter und habt im April ein zweites Logistik-Zentrum eröffnet: Welche Herausforderungen bringt euer Wachstum mit sich – und wie meistert ihr diese?

Tobias von Farmy: Es bringt vor allem organisatorische Herausforderungen mit sich, aber die haben wir gut im Griff. Grundsätzlich stehen bei uns Qualität und Kundenzufriedenheit an erster Stelle. Wir werden immer nur so schnell wachsen, dass wir unser Qualitätsniveau auf dem hohen Level halten können.

Wenn der Schuh nicht passt, ist es nicht so tragisch, wenn der Fisch verdorben ist, kann es für uns existenzielle Folgen haben. Daher ganz klar: Qualität vor Quantität.

Für-Gründer.de: Zum Abschluss… Welchen ermutigenden Tipp habt ihr für Gründer, die gerade erst mit ihrem Business durchstarten?

Roman und Tobias von Farmy: Just do it! Warm heart, working hands and a cool head. Immer aus Kundenperspektive das Produkt betrachten und hinterfragen. Gegebenenfalls anpassen oder auch radikal ändern, wenn ihr rausfindet, dass der Kunden was anderes möchte.

Für-Gründer.de: Besten Dank für das spannende Gespräch – und wer weiß, vielleicht sehen wir Farmy ja schon bald auch in Deutschland?

Keyfacts über Farmy

  • Gegründet im Jahr: 2014
  • Firmensitz in: Zürich
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 75 Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Gründer & Business Angels aus der Schweiz
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen durch: Seed (Business Angels), Series A (Family Office, Jucker Farm AG), Series B (Strategischer Investor), Series C (Fabio Borzatta, Ruedi Noser und weitere Privatpersonen) sowie Darlehen vom Bund (Technologiefonds).
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Adrian Bührer, Martin Jucker (beide Investoren und Board Mitglieder)
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/uns folgende:
    • Menschen: Alle Mitarbeiter
    • Tools: Google Analytics + selbstentwickelte Backendsysteme, Hotjar, Tableau, Jira/Confluence, Slack
  • Kontakt

  • Roman Hartmann & Tobias Schubert
  • Farmy AG
    Buckhauserstrasse 28
    8048 Zürich
    Schweiz
  • service@farmy.ch
  • www.farmy.ch