Geschäftsideen, bei denen (nicht nur) Investoren die Augen offen halten sollten



Aus insgesamt 752 Preisträgern bei Gründerwettbewerben im vergangenen Jahr haben wir die Top 50 Start-ups gekürt. 26 davon haben gleich zwei Gemeinsamkeiten: Sie alle wurden von EXIST gefördert – sind also Hochschulgründer, die unter besten Voraussetzungen gegründet haben. Und sie alle sind wahre Teamplayer. Wieso das für Investoren besonders spannend werden könnte, erfahrt ihr am Ende des Beitrags.

Bis zu 3.000 Euro pro Monat und Gründungsmitglied, zusätzlich 5.000 Euro für Coachings oder Beratungen sowie 10.000 Euro bis 30.000 Euro für Sachausgaben – und das für ein Jahr. Klingt nach idealen Gründungsvoraussetzungen? Insbesondere Hochschulgründer, die eine innovative, technologieorientierte Geschäftsidee haben, sollten sich nicht von mangelnden finanziellen Reserven davon abhalten lassen, ein Unternehmen zu gründen. Schließlich wird durch Förderprogramme wie das EXIST-Gründerstipendium Studierenden, Absolventen und Wissenschaftlern die finanzielle Einstiegshürde ins Unternehmerdasein durch Fördergelder wie diese genommen. Beim EXIST-Forschungstransfer, der sich explizit an Forschungsteams richtet, sind die Summen nochmal deutlich höher.

EXIST
Das EXIST-Gründerstipendium in Zahlen (Stand: 12/2017, Zahlen: EXIST, Grafik: Für-Gründer.de)

26 EXIST-geförderte Start-ups

So verwundert es nicht, dass auch über die Hälfte aller Top 50 Start-ups 2017 die Angebote von EXIST genutzt hat: 20 der Start-ups erhielten das EXIST-Gründerstipendium, sechs profitierten vom EXIST-Forschungstransfer. Dabei besonders beliebt sind Gründungen im Bereich Software (6 von 26) und Health & Life Science (4 von 26). Auch Rang 1 der diesjährigen Top 50 Start-ups, das Münchner Software-Unternehmen inveox, das Laborprozesse automatisiert und so Fehler bei der Krebsdiagnose verhindern kann, hat das EXIST-Gründerstipendium erhalten.

Die Mehrheit hat ein B2B-Geschäftsmodell

Eine große Überschneidung zwischen den EXIST-geförderten Top 50 Start-ups ist außerdem auch bei der Zielgruppe erkennbar: Nur vier Start-ups richten sich mehrheitlich an B2C-Kunden, 22 widmen sich hingegen dem B2B-Geschäft. Die Geschäftsideen der Start-ups sind dabei sehr unterschiedlich, wie die folgenden Beispiele zeigen.

B2C-Beispiele: von der App bis zum Fahrradschloss

Eines der EXIST-geförderten Top 50 Start- ups ist neolexon, ein Spin-off des Instituts für Phonetik und Sprachverarbeitung der Universität München (Rang 15 der Top 50 Start-ups). Die Logopädie-App bietet eine individuelle und unbegrenzte Sprachtherapie am Tablet an. Aus mehreren Tausend Wörtern kann ein eigenes Übungsset erstellt werden, mit dem auch außerhalb der eigentlichen Therapie trainiert werden kann. Besondere Motivation liefert die automatische Erfassung des Therapiefortschritts. Schnellstmöglich sollen Patienten, beispielsweise nach einer Hirnschädigung, ihre Sprache wiedererlangen.

Das Dortmunder Start-up escamed (Rang 14) entwickelt Lösungen für die digitale Ernährungsoptimierung. Hierbei werden über eine App beispielsweise Informationen zur idealen Kombination und Menge der Lebensmittel gegeben. Einbezogen werden hierfür individuelle Nährstoffbedürfnisse und Präferenzen. Die App ist gleichermaßen für gesundheitliche Anliegen wie auch für athletische Ziele geeignet.

Schon drei Monate vor Marktstart ist Texlock aus Leipzig Top 50 Start-up geworden (Rang 5). Dabei handelt es sich um ein Schloss, das Leichtigkeit, eine einfache Handhabung, Ästhetik, aber allen voran Sicherheit verspricht. Der mehrlagige Aufbau der genutzten Hightech-Textilien macht das sogenannte tex–lock resistent gegen härteste Angriffe, etwa durch Feuer, Schnitt- oder Schlagwerkzeug. Einsetzbar ist das Outdoor-Produkt nicht nur am Fahrrad, sondern auch für Boote oder in der Industrie.

B2B-Beispiele: Effizienz bei allen im Fokus

Im B2B-Bereich reicht die Vielfalt der EXIST-geförderten Top 50 Start-ups von Software, Hardware und IKT über Mobilität und Energie bis hin zu Fintech oder Legal Tech. Das Münchner Start-up rfrnz steht beispielsweise auf Rang 38 des Rankings. rfrnz ist im Bereich Legal Tech aktiv und bietet Vertragsanalysen für Juristen an, die auf Basis künstlicher Intelligenz relevante Informationen oder Risiken aus Verträgen extrahieren. Dies ist nicht zuletzt aufgrund des steigenden Kostendrucks in Rechtsabteilungen oder Kanzleien ein Gewinn, denn durch das Tool kann sehr viel Arbeitszeit eingespart werden.

Effizienz hat sich auch watttron als Maßstab gesetzt (Rang 13). Das Start-up aus Freital in Sachsen ist eine Ausgründung der TU Dresden und des Fraunhofer IVV Dresden, das mit einer innovativen Heiztechnologie überzeugt. Durchschnittlich 30% Material und Energie können dadurch eingespart werden. Achtung, jetzt wird es kurz technisch: An der Oberfläche einer schmalen Keramikscheibe werden kleinste Heizkreis-Pixel gedruckt, die individuell in ihrer Temperatur geregelt werden können. Und nun ganz praktisch: Die Technologie wird in der Herstellung von Kunststoffverpackungen, zum Beispiel für Joghurtbecher oder Obstschalen angewendet.

Hygiene sichtbar machen will das Start-up Heyfair aus Jena (Rang 3). Regelmäßiges Desinfizieren der Hände ist insbesondere in Krankenhäusern wichtig: Hier halten sich viele Personen auf, deren Immunsystem geschwächt ist, außerdem ist die Ansteckungsgefahr aufgrund der hohen Anzahl von kranken Personen sehr hoch. Ärzte und Pfleger, aber auch Patienten und Besucher sind aufgerufen, Desinfektionsmittel zu nutzen. Mit Heyfair soll dieser Prozess noch bewusster gemacht werden: Das Desinfektionsmittel ist kurze Zeit farbig und zeigt somit auf, wo noch keine Desinfektion erfolgt ist.

Idee
Wir haben 752 Start-ups unter die Lupe genommen, die 2017 bei Gründerwettbewerben gewonnen haben und daraus die Top 50 Start-ups gekürt – im Fokus hier: EXIST-geförderte Start-ups.

Über 200 Arbeitsplätze geschaffen

Durch die Innovationen von Start-ups wie diesen wurden insgesamt 217 Arbeitsplätze geschaffen.

Über 40 und damit am meisten Mitarbeiter unter den EXIST-geförderten Top 50 Start-ups hat bisher das Berliner Unternehmen Sicoya (Rang 45) im Team, das im Bereich der Nanotechnologie aktiv ist.

Nicht in dieser Zahl inbegriffen sind die Gründerteams der EXIST-geförderten Top 50 Start-ups. Dabei ist zunächst auffällig: Alle Unternehmen haben die Gründung mindestens zu zweit bestritten – Teamspirit wird bei den EXIST-geförderten Top 50 Start-ups also groß geschrieben. Alle Gründerteams zusammen zählen 90 Köpfe, darunter 18 Frauen und 72 Männer. 13 Unternehmen haben mindestens eine Gründerin an Bord. Gründerinnen sind jedoch auch hier eher eine Seltenheit. Umso erfreulicher, dass ein Unternehmen aus einem reinen Gründerinnen-Team besteht: Das vorgestellte Start-up Texlock besitzt mit Alexandra Baum und Suse Brand nur weibliche CEOs.

Acht Bundesländer: Bayern an der Spitze

Die EXIST-geförderten Top 50 Start-ups 2017 kommen aus acht verschiedenen Bundesländern. Fünf – und damit die meisten – Unternehmen haben in Bayern ihren Ursprung: 4 sitzen direkt in München, eines in Garching bei München. Direkt gefolgt wird Bayern von Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen mit jeweils vier Gründerteams pro Bundesland. Ebenfalls vertreten in der Liste sind Sachsen (3), Hamburg (2), Hessen (2) und Thüringen (2).

Doch die Unternehmen sind längst außerhalb des jeweiligen Bundeslandes aktiv. 16 der 26 EXIST-geförderten Top 50 Start-ups haben bereits internationale Märkte erschlossen. In der Spitze erstrecken sich die Auslandsaktivitäten auf 10 Länder.

Finanzierung erwünscht

Dass die EXIST-geförderten Top 50 Start-ups noch eher jung sind, zeigen nicht nur die Jahreszahlen der Gründung: Nur fünf der Unternehmen wurden im Jahr 2015 oder früher gegründet. Acht gründeten im Jahr 2016, elf im Jahr 2017 und bei zwei Teams ist die Gründung im Jahr 2018 geplant.

Aktuell sind 20 der Start-ups im Jahr 2018 an einer Finanzierung interessiert. 10 davon in Höhe von 500.000 bis 1 Million Euro. Bislang nutzten die Unternehmen – neben der EXIST-Förderung oder weiteren Zuschüssen sowie eigenen Mitteln – Business Angels (7), Venture Capital (5) sowie Darlehen (6) für ihre bisherige Finanzierung.

Investoren, die diesen Text lesen, sollten sich also ranhalten: die EXIST-geförderten Top 50 Start-ups haben nun schon des Öfteren erfolgreich unter Beweis gestellt, was sie leisten: Sei es beim EXIST-Förderantrag, in unserem Ranking und natürlich nicht zuletzt bei oftmals mehreren Gründerwettbewerben, bei denen Jurys die Gründer und ihre Geschäftsmodelle auf Herz und Nieren prüften.