Wie ein Mitarbeiter der Bahn nebenberuflich ein Uhren-Start-up gründete



Mit 23 Jahren hat er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und sich dem Traum vom eigenen Uhren-Start-up erfüllt. Um Risiken zu minimieren, gab er seinen Job bei der Deutschen Bahn aber nicht auf. Welche Hürden sowie Vor- und Nachteile eine nebenberufliche Selbstständigkeit hat und welche Tipps Koray Ucar, der Gründer von James Walker, angehenden Gründern geben kann, erfahrt ihr in dieser Gründerstory.



Für-Gründer.de: Koray, du arbeitest bei der Deutschen Bahn: Was genau ist dein Job?

Koray Ucar von James Walker: Ich bin Referent im Kundenmanagement und hauptsächlich für die Vertragsanlage und Abrechnung der Großverträge zuständig.

Für-Gründer.de: Hat diese Tätigkeit die Inspiration zu deiner Geschäftsidee geliefert? Schließlich ist die Bahn der Pünktlichkeit verpflichtet…

Koray Ucar von James Walker – lacht: Zu der Geschäftsidee bin ich nicht aufgrund meiner aktuellen Tätigkeit gekommen. Den Grundstein für die Idee habe ich in Nordirland während meiner Ausbildung gelegt. Die Bahn hatte mir hierfür ein Stipendium finanziert. In Nordirland habe ich eine Person kennengelernt, mit der ich mich über Armbanduhren unterhalten hatte – bis wir zu dem Punkt kamen, an dem wir uns fragten, warum es keine vernünftigen Holzuhren gibt. Einige Jahre später ließ mich das Thema Armbanduhren nicht mehr los und ich beschloss, Armbanduhren nach meinen Vorstellungen zu designen und erstellen zu lassen.

Ich habe aber nicht sofort damit angefangen, sondern habe auf den richtigen Moment gewartet, bis ich festgestellt habe, den richtigen Moment für die Selbstständigkeit gibt es nicht.

Es wird immer was kommen, zu jung, unerfahren, viele Projekte, Familie, Todesfall… bis man schließlich zu alt ist.

James Walker
Produktbeispiel – so sieht die aus Holz gefertigte Uhr von James Walker aus (Foto: James Walker)

Für-Gründer.de: Wie hast du deinen Arbeitgeber davon überzeugt, deine nebenberufliche Tätigkeit zu genehmigen?

Koray Ucar von James Walker: Bei mir war das nicht so einfach. Ich wusste anfangs gar nicht, wie mein Arbeitgeber auf die Selbstständigkeit reagieren würde. Das Thema wurde jedoch relativ neutral aufgenommen – mit dem Vermerk, dass ich meinen Pflichten und Arbeitsleistungen im Haupterwerb weiterhin auf einem hohen Level nachgehen muss.

Für-Gründer.de: Welche Vor- und Nachteile gibt es nach deiner Erfahrung bei einer nebenberuflichen Gründung?

Koray Ucar von James Walker: Ich finde, wer als Angestellter nebenbei ein Gewerbe betreiben möchte, hat im Hintergrund durch den festen Job eine bestehende Sicherheit und kann die Selbstständigkeit erstmal ohne allzu hohes Risiko ausprobieren.

  • Der Vorteil für den Arbeitnehmer: Die Festanstellung besteht weiterhin, man kann die Selbstständigkeit austesten und schauen, ob es einem liegt und man hat keine Sorgen, weiterhin die anfallenden Rechnungen zu bezahlen. Sprich: Man muss keine Existenzängste haben und ist flexibler.
  • Der Nachteil für den Arbeitnehmer: In den meisten Fällen, auch wenn man die Kleingewerberegelung in Anspruch nimmt, dass man zum Jahresende eine Nachzahlung für die Einkommenssteuer leistet. Dies orientiert sich am Gewinn. Man sollte sich zudem darauf einstellen, dass sich beim ersten Euro Verdienst einen Anteil an Behörden, Versicherungsgesellschaften, Vereine, Kanzleien und Krankenkassen abgeben muss.

Für-Gründer.de: Welches waren die größten Hürden auf dem Weg in die nebenberufliche Selbstständigkeit?

Koray Ucar von James Walker: Die größte Hürde war, sich in die Thematiken, die einem als Gründer in Sachen Steuer-, Internet- oder Wirtschaftsrecht und über die aktuellen Gesetze der jeweiligen Distribution umkreisen, einzulesen. Zum Beispiel habe ich so gelernt, dass ich als Onlinehändler unbedingt eine Verpackungslizenz sowie diverse andere Lizenzen haben muss, um überhaupt mit meinem Start-up anfangen zu können.

Außerdem ist natürlich das Thema Finanzierung oftmals eine Hürde. Ich habe für mein Start-up eine kleine Gründerfinanzierung bei der Dut in Duisburg aufgenommen, die über den Mikrodarlehensfond für Deutschland bewilligt wurde. Die Finanzierung bei der Dut in Duisburg habe ich über diesen Link auf Für-Gründer.de gefunden.

Für-Gründer.de: Was treibt dich an, diese Doppelbelastung auf dich zu nehmen?

Koray Ucar von James Walker:

Ich finde, wir haben in Deutschland die besten Möglichkeiten, unseren Träumen nachzugehen.

Ich bin frische 23 Jahre, habe keine Verpflichtungen und kaum Erfahrungen mit der Selbstständigkeit. Wenn man aber Familie hat und andere Menschen von einem abhängig sind, hat man nicht mehr die Freiheit das zu machen, was man möchte. Ich bin auch dafür auch sehr dankbar, fast alles machen zu dürfen, was ich möchte. Das klingt bestimmt komisch aber ich habe den letzten Faustschlag für die Gründung meines Unternehmens von meinem Bruder Kadir Ucar bekommen.

Und jeder, der selbst Motivation braucht, kann das Gleiche machen: Mein Bruder hat mir gesagt, ich soll mir vorstellen, wie ich auf dem Sterbebett liege und mein Leben Revue passiere lasse. Ich würde mir den Vorwurf machen, nie das Geschäft mit den Armbanduhren angefangen zu haben, so wie ich es immer gewollt hatte. Danach sollte ich die Augen schließen und mir wünschen, ich könne die Zeit zurückdrehen, nochmal als junger Mensch starten und mir den Traum vom eigenen Armbanduhren-Start-up erfüllen. Dann sollte ich die Augen öffnen und sehen, dass ich wirklich 23 Jahre alt bin und die Chance habe, meinen Traum vom Start-up zu leben.

Für-Gründer.de: Auf was sollten andere nebenberufliche Gründer unbedingt achten?

Koray Ucar von James Walker:

  • Ich kann jedem nur empfehlen, fachliches Wissen aufzubauen. Lest euch vor allem auf kostenlosen Gründer-Webseiten ein. Nehmt euch ein Wochenende und verschlingt die ganzen Infos. Hört außerderm – beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit – Motivations- oder Biografie-Hörbücher an.
  • Vernetzt euch mit anderen Gründern. Das gelingt am besten auf Gründerveranstaltungen und in diversen Facebook-Gruppen.
  • Sucht euch vernünftige Steuerberater mit Referenzen.
  • Versucht, die monatlichen Fixkosten gering zu halten.
  • Befasst euch mit den Themen Buchhaltung und Rechnungen – plant mindestens zwei Stunden die Woche dafür ein.
  • Wachst nicht zu schnell, versucht erstmal alles alleine zu machen, bis zu dem Punkt, wo es nicht mehr ohne eine Hilfskraft geht. Hier muss jeder für sich ehrlich sein und nach ca. sechs Monaten Revue passieren lassen und sich die Frage stellen – auch wenn die Selbstständigkeit Spaß macht – ob es sich finanziell lohnt. Sonst wird die Gründung natürlich ein sehr teures Hobby.

Für-Gründer.de: Der Uhrenmarkt ist hart umkämpft, wo siehst du deinen USP?

Koray Ucar von James Walker: Ich finde, man sollte sich von der Konkurrenz nicht einschüchtern lassen, die kochen auch nur mit Wasser. Unser USP ist ganz klar das schöne Design von James Walker. Wir verkörpern einen neuen Lifestyle und das mit Garantie: In jeder Armbanduhren-Verpackung ist eine Garantiekarte enthalten. Mehr dazu findet ihr auch in meinem Video.

Für-Gründer.de: Wie haben Freunde und Familie reagiert, als du von deiner Geschäftsidee berichtet hast?

Koray Ucar von James Walker: In meinem Freundeskreis hatte ich bis dato niemanden, der unternehmerisch aktiv war. Dementsprechend fiel auch das Feedback aus: Negativ und voreingenommen.

Die meisten konnten es nicht verstehen, warum ich noch zusätzlichen Aufwand betreibe, wo ich schon einen guten Job bei einem guten Arbeitgeber habe.

Meine Familie war auch nicht sonderlich positiv eingestellt. Ich muss auch sagen, dass ich aus einer Eisenbahnerfamilie stamme, weshalb ich die Reaktion aus meinem Umfeld nachvollziehen kann. Es hat einige Tage gedauert, bis meine Familie verstanden hat, dass ich einfach gerne Armbanduhren entwerfe. Ich bin aber trotzdem ein echter Eisenbahner, der nicht nur bei der Eisenbahn arbeitet, sondern auch stolz ist, ein Teil der Bahnfamilie zu sein.

Und: Ich habe mir schon während meiner Schulzeit mit Partys und diversen Veranstaltungen mein Taschengeld verdient. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es Menschen gibt, die bereit sind, für eine hohe Qualität etwas mehr als den marktüblichen Preis zu bezahlen. Einen großen Einfluss hatte auch mein Vater (wahrscheinlich der beste Papa der Welt). Ich habe, seit ich 14 Jahre alt war, kein Taschengeld mehr bekommen. Ich sollte mit 14 Jahren mein eigenes Geld verdienen, um den Wert des Geldes zu verstehen und schätzen zu lernen.

Für-Gründer.de: Wie vermarktest du deine Produkte?

Koray Ucar von James Walker: Die Vermarktung wird hauptsächlich über soziale Medien betrieben. Mehr über YouTube und Instagram als über Facebook, da mir die Zeit für das umfangreiche Targeting fehlt. Anfangs habe ich über einige Facebook-Seiten Gewinnspiele veröffentlicht. Zum Beispiel habe ich in einem Park bei uns in Hamm mit einem Freund Armbanduhren versteckt und jeder hatte die Möglichkeit, nach den Armbanduhren zu suchen – so sollten die ersten Verkäufe ins Rollen kommen.

Mittlerweile arbeite ich ausschließlich mit Bloggern und Influencern. Ich arbeite ungern mit Influencer-Agenturen, die treiben die Preise oftmals um das fünffache in die Höhe ohne jegliche Grundlage. Zum Beispiel habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Agentur für einen Influencer, der über 800.000 Follower hat, 21.000 Euro haben möchte.

Für-Gründer.de: 2018 steht noch am Anfang – wo soll James Walker am Jahresende stehen?

Koray Ucar von James Walker: Für 2018 ist geplant, dass wir uns auf diversen Fachmessen einfinden, um uns für die Einkäufer attraktiv und ansprechend zu zeigen. Zudem wollen wir Anfang März unseren Onlineshop eröffnen und vier neue Armbanduhrenmodelle auf den Markt bringen.

Die Offline-Distribution steht bei uns ebenfalls im Fokus. Falls jemand jemanden kennen sollte, der einen Juwelierladen oder ein Armbanduhrengeschäft hat, das sich vorstellen könnte, mit uns zusammenzuarbeiten, soll sich gerne bei uns melden. Das Wichtigste ist aber eigentlich, dass ich endlich mal mit dem Sport anfangen muss…

Keyfacts zu James Walker

  • Das aktuelle Team besteht aus: Koray Ucar
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Dut Mikrofinanz GmbH
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Keine, ich versuche, das Start-up via Bootstrapping wachsen zu lassen.
  • Investoren finde ich gut/schlecht, weil…: Ab einem gewissen Punkt sind Investoren gut, so lange sich die Anteile in Maßen halten und das erforderliche Know-how da ist. Ein Investor sollte nicht nur als Geldgeber fungieren, sondern auch als Berater, der mit seinem Know-how und Netzwerk das Unternehmen weiterbringen kann.
  • Besonders geholfen haben mir bisher:
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für mich folgende:
    • Menschen: Mein Bruder, Kadir Ucar für die Motivation sowie ein guter Freund, Fatih Kaya, der mir oft beim Einpacken der Armbanduhren geholfen hat.
    • Tools/Webseiten: Google Analytics und Bit.ly
  • Kontakt

  • Koray Ucar
  • James Walker
    Am Huckenholz 4b
    59071 Hamm
  • 0172.7794147
  • Info@jamesfriends.de
  • www.jamesfriends.de