„Komm, wir teilen uns eine Kuh“: Start-up fördert bewussten Fleischkonsum



Besserfleisch will Kunden den Fleischkonsum bewusst erleben lassen. Schließlich entscheidet man mit jedem Fleischkauf, welche Tierhaltung man unterstützt. Bei Besserfleisch stehen eine stressfreie Schlachtung und eine hohe Fleischqualität im Fokus. Im Interview erzählt uns Brian Lettkemann mehr über die Entstehungsgeschichte dieser – nicht ganz gewöhnlichen – Existenzgründung.

Für-Gründer.de: Wer steckt hinter Besserfleisch und wie seid ihr auf die Idee gekommen, Kunden eine „Kuh zum Teilen“ anzubieten?

Brian von Besserfleisch: Das sind wir, May-Britt Wilkens (31) aus Nienburg und Brian Lettkemann (37) aus Berlin. Die Entstehung von Besserfleisch ist May-Britt zu verdanken. May kam nach einem mehrjährigen China-Aufenthalt, bei dem sie als Übersetzerin arbeitete, zurück nach Deutschland und freute sich als fast Vegetarierin auf ein Stück Fleisch. Leider konnte niemand sagen, wie das Tier aufgewachsen ist, und so entstand bei ihr die Idee, es anders zu machen. Ich las Anfang letzten Jahres einen Post von ihr auf der Facebook-Seite meiner Hochschule und war sofort hin und weg von ihrer Idee. Kurze Zeit später haben wir uns in Hamburg getroffen und sind seitdem Partner bei Besserfleisch – und Freunde.

Für-Gründer.de: Wie würdet ihr euren USP beschreiben, also was hebt euch von anderen Online-Händlern, die Bio-Fleisch anbieten, ab?

Brian von Besserfleisch: Unser Hauptaugenmerk liegt bei der höchstmöglichen Transparenz, die wir unseren Kunden bieten wollen. Wir wollen, dass unsere Kunden wissen, wer der Bauer ist, von dem das Fleisch kommt, wie er arbeitet und wie das Tier gelebt hat, welches wir anbieten. Es geht aber auch um die Arbeit unserer Metzger, die wir darstellen und transparent machen. Stichwort: Was passiert beim Schlachten? Wir versuchen, über unseren Blog Aufklärung zu betreiben und unseren Kunden Wissen zu vermitteln.

Fleisch ist nämlich ein Lebensmittel, über das die meisten Leute kaum etwas wissen.

Besserfleisch
Fleisch ist ein Lebensmittel, über das die meisten Leute kaum etwas wissen – Besserfleisch will das ändern (Foto: Besserfleisch)

Für-Gründer.de: Wer sind die typischen Kunden von Besserfleisch? Was bewegt sie dazu, bei euch einzukaufen statt beim örtlichen Metzger?

Brian von Besserfleisch: Der Metzger kann zwar oft sagen, woher das Fleisch kommt, aber da hört es auch schon auf. Unsere Kunden sind Leute, denen das nicht reicht und die sich genau deshalb für uns entschieden haben. Wir pflegen eine sehr direkte Kommunikation zu unseren Kunden und daher wissen wir auch, dass es die Transparenz und Art der Kommunikation sind, die sie schätzen. Wir lassen sie zudem mitgestalten. Neue Ideen und Veränderungen bei uns sprechen wir an und bauen die Meinungen der Kunden in unsere Entscheidungen mit ein.

Für-Gründer.de: Welche Anfangsschwierigkeiten musstet ihr bewältigen? 

Brian von Besserfleisch: Am Anfang war es etwas schwerer Bauern zu finden, die sich für unser Konzept begeistern konnten. Das hat sich allerdings schnell gelegt und mittlerweile bekommen wir monatlich neue Anfragen von Bauern, die Lust haben, mitzumachen.

Für-Gründer.de: Im November hattet ihr einen Lieferengpass, wie kam es dazu und wie lässt sich das vermeiden?

Brian von Besserfleisch: Wir hatten einen großen Artikel im Weser Kurier und waren dort auch Titel-Geschichte. In Bremen und Umkreis stieß unserer Idee auf Begeisterung. Was vielleicht auch mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen in diesem Gebiet zu erklären ist – Stichwort Megaställe. Das hat uns etwas überrannt. Unsere Maxim war und ist aber langsam und mit bedacht zu wachsen und so war es ein logischer Schritt für uns, nicht 10 Tiere in einem Monat zu verkaufen. Abgesehen davon hätten wir wohl auch den Spaß an der Arbeit verloren.

Besserfleisch
Brian Lettkemann fand seine Mitgründerin über eine Facebook-Gruppe (Foto: Besserfleisch)

Für-Gründer.de: Inwiefern habt ihr ganz generell Möglichkeiten zu wachsen – schließlich könnt ihr nicht wie in einer Fließbandproduktion einfach die Stückzahl erhöhen?  

Brian von Besserfleisch: Wir werden in Zukunft bemüht sein, noch mehr gute Bauern und Schlachter zu finden, deren Arbeit unterstützenswert ist. Somit werden wir wachsen und wir freuen uns sehr darauf. Aber auch hier gilt: Augenmaß. Entscheidend sind die Strukturen, die wir zusammen mit Bauern und Metzgern aufbauen können und die Netzwerke, die wir mit anderen Kooperationen und Höfen bilden können. So schafft man es, sich gegenseitig zu unterstützen und kann ein gesundes Wachstum forcieren.

Für-Gründer.de: Wie habt ihr eure ersten Kunden akquiriert? Welche Marketingmaßnahmen haben sich bewährt?

Brian von Besserfleisch: Die ersten Kunden kamen aus dem Freundeskreis. Wir haben viel über Facebook gemacht. Haben aber auch viele Flyer verteilt und persönliche Gespräche geführt. Die bekannten Social Media-Kanäle wie Facebook und Instagram haben sich aber als am Hilfreichsten bewährt.

Für-Gründer.de: Welche Maßnahmen ergreift ihr, damit Kunden zu Stammkunden werden?

Brian von Besserfleisch: Wir überzeugen sie durch das, was wir tun. Die Qualität des Fleisches, die Transparenz hinter dem Produkt. Aber vor allem die Art, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren. Das überzeugt. Wir haben dadurch eine sehr große Anzahl an Stammkunden und versuchen diese natürlich auch zu halten.

Für-Gründer.de: Hat sich aus eurer Sicht die Einstellung der Deutschen zum Fleischkonsum in den vergangenen Jahren gewandelt? Legen die Kunden heute mehr Wert auf Herkunft und Qualität des Fleischs als früher?

Brian von Besserfleisch: Ja, Gott sei Dank ist hier ein deutlicher Wandel in der Einstellung zu sehen. Jeder neue Skandal aus der Lebensmittel- und Agrarindustrie führt dazu, dass eine steigende Anzahl von Konsumenten keine Lust mehr auf diese Art des Konsums hat.

Besserfleisch will Kunden den Fleischkonsum bewusster machen (Foto: Besserfleisch)

Für-Gründer.de: Wie habt ihr die Bauern, von denen ihr euer Fleisch bezieht, ausgesucht? 

Brian von Besserfleisch: Wir schauen uns bei unseren Bauern alles genau an:

  • Wie leben die Tiere?
  • Was bekommen sie zu fressen?
  • Und vor allem wie geht der Bauer mit seinen Tieren um?

Wenn wir zufrieden sind und wir uns gegenseitig sympathisch finden, steht einer Zusammenarbeit eigentlich nichts im Wege. Mittlerweile haben wir auf unserer Seite einen Fragebogen für Bauern eingestellt, mit dem sie sich bei uns bewerben. Uns ist auch wichtig, mit wie viel Leidenschaft der Bauer bei der Arbeit ist.

Für-Gründer.de: Was sind eure Ziele für 2018?

Brian von Besserfleisch: Wir wollen unsere Strukturen stärken und neue Bauern und Kunden für uns begeistern. Wir werden uns noch mehr in Naturprojekten organisieren und das Netzwerken mit andern Projekten und Bauern vorantreiben. Es sind einige spannende Projekte geplant, deren Verwirklichung ganz oben auf unserer Liste für 2018 steht.

Keyfacts über Besserfleisch

  • Unser aktuelles Team besteht aus: May und mir, sowie Mays Schwester, die uns des Öfteren bei Aufgaben wie dem Packen und Versenden hilft.
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Uns und den Verkauf der ersten Pakete.
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Wir finanzieren uns ausschließlich selber. Dies geschieht über die Einnahmen, die wir haben. So sind zwar keine großen Sprünge drin, aber das ist auch nicht nötig.
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Unsere Bauern, und Freunde und natürlich die Kunden, die durch ihr Interesse an uns dafür sorgen das wir weiter investieren können.
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für uns folgende drei:
    • Menschen: Unser Fleischer: Jürgen Fritze, unser erster Bauer, Lukas, der uns auf allen Ebenen unterstützt und unser Webdesigner Mirco
    • Tools: Textexpander, Mailchimp, Trello
    • Internetseiten: allfacebook.de, Fleischwirtschaft.de, netzpolitik.org
  • Kontakt

  • Brian Lettkemann
  • Besserfleisch
    Marienstr. 4
    31582 Nienburg
  • 0157.75341427
  • info@besserfleisch.de
  • www.besserfleisch.de