Billion Dollar Business Abo-Box – mit diesen Ideen kann es funktionieren



Abo-Boxen erfreuen sich unter Start-ups großer Beliebtheit. Doch nicht jede Geschäftsidee geht auf: So musste beispielsweise das auf Snackboxen fürs heimische Sofa spezialisierte Start-up MyCouchbox kürzlich Insolvenz anmelden. Dennoch sind und bleiben Abo-Konzepte ein interessantes Geschäftsmodell. Wir präsentieren Tipps, wie es mit dem Abo-Box-Business klappt und Beispiele erfolgreicher Start-ups.



Vorbilder: Schwarze Socken und Rasierklingen

Als der Schweizer Sami Liechti 1999 einen Online-Aboservice für schwarze Socken an den Start brachte, dachte so mancher, der Unternehmer erlaube sich einen Scherz. Doch „BlackSocks.ch“ war beileibe kein Jux – sondern einer der Pioniere in Sachen Abo-Boxen. Dass man nicht nur Zeitungen, sondern auch zahlreiche andere Dinge erfolgreich per Abo verkaufen kann, hat sich zwischenzeitlich herumgesprochen.

Abo-Box
Der Schweizer Samy Liechti startete 1999 eine Abo-Box für schwarze Socken (Foto: Blacksocks)

Das Billion Dollar Business

Ein weiteres Beispiel liefert eine Geschäftsidee aus den USA: Der amerikanische Rasierklingenanbieter Dollar Shave Club feierte seit seinem Start im Jahr 2011 einen Erfolg nach dem anderen, 2015 konnte sich das Unternehmen in der Serie D-Finanzierungsrunde stattliche 75 Millionen US-Dollar sichern. Im Jahr darauf wurde das Unternehmen für 1 Milliarde US-Dollar (geschätzt) an den Industriegiganten Unilever verkauft.

Auch in Deutschland boomt das Abo-Boxen-Business

Vom zarten Blümchen bis zum saftigen Steak bieten heute auch hierzulande Start-ups eine Vielzahl von Produkten per Abo an. Doch nicht jede junge Geschäftsidee in diesem Bereich lässt sich erfolgreich umsetzen, denn so viele Vorteile der Verkauf per Abo bietet, so viele Fallstricke gibt es. Der Markt ist hart umkämpft, auch der Internetgigant Amazon hat das Potenzial des Abo-Verkaufs bereits für sich entdeckt. Und: Auch Abos bestehen nicht ewig, die Kundenakquise ist eine Aufgabe die – wie in anderen Bereichen des Online-Handels – kontinuierlich betrieben werden muss.

Deutsche Verbraucher sind wenig innovationsfreudig

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Erfolg ist die mangelnde Innovationsfreude deutscher Kunden, wie sie die EHI-Studie „Trends im Handel 2020“ konstatiert. Den Forschern zufolge wollen nur 19 % der deutschen Modelle wie „mieten statt kaufen“ oder ein Abonnement „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ nutzen. 40 Prozent sagen „vielleicht“. 41 Prozent wollen solche Dienste „bestimmt nicht“ oder „wahrscheinlich nicht“ nutzen. Dennoch gibt es auch hierzulande erfolgreiche Start-ups, die ihre Abo-Modelle erfolgreich am Markt platziert haben – vier Beispiele stellen wir nach einigen Tipps vor.

5 Tipps für ein erfolgreiches Abo-Business

1. Sucht euch ein Produkt, das weder alltäglich, noch nischig ist

Alltägliches bekommt man im Laden an der Ecke, für allzu Spezielles gibt es nicht genügend Abnehmer. Einen ausreichend großen Kundenkreis für monatlich gelieferte Tischdecken aus Brabanter Spitze zu finden, dürfte sich als schwierig erweisen.

Wichtig: Für das Produkt muss es einen wiederkehrenden Bedarf geben. Also entweder Verbrauchsartikel (beispielsweise wie bei Dollar Shave Club Rasierklingen) oder aber Produkte, die die Neugier des Kunden wecken und an seinen Spaß an Überraschungen appellieren.

2. Findet bei etablierten Produkten den besonderen Dreh

Produkte, die prinzipiell zwar jeder kennt, die jedoch ein Merkmal besitzen, das sie von der großen Masse abhebt, lassen sich auch per Abo gut verkaufen. Beispiel Kaffee: Die braunen Bohnen gibt es in jedem Supermarkt. Doch ausgefallene Sorten sucht man dort vergebens. Mit einem Abo für Spezialitätenkaffee verkauft ihr Exklusivität.

3. Beginnt vor dem Start damit, eine Fan-Community aufzubauen

Bevor ihr mit dem Verkaufen loslegen könnt, solltet ihr erstmal eine Fan-Base schaffen, die neugierig auf eure Produkte ist. Wenn ihr sofort ins kalte Wasser springt, müsst ihr mit einer längeren Anlaufzeit rechnen. Die Themen Marketing und vor allem Social Media sollten folglich ganz oben auf eurer To Do-Liste stehen.

4. Rechnet damit, dass ihr ständig weitere Kunden akquirieren müsst

Ein Abo bedeutet nicht zwangsläufig Kundentreue. Bei bestimmten Produkten endet einfach auch der Bedarf – beispielsweise bei Babywindeln, bei anderen ändert sich der Kundengeschmack. Deshalb ist es ratsam, nicht nur auf ein Produkt zu setzen, sondern den bereits gewonnenen Kunden mit weiteren Artikeln zu halten. Als die Macher von Blacksocks beispielsweise bemerkten, dass die Abokunden irgendwann keine weiteren schwarzen Socken benötigten, nahmen sie Hemden und Unterwäsche mit ins Programm auf.

5. Passt auf beim Wording und der Gestaltung der Abo-Modalitäten

Das Wort „Abo“ erinnert so manchen Kunden an aufgenötigte Zeitschriftenabos, die durch Drückerkolonnen an der Haustür verkauft wurden. Gestaltet die Abnahmekonditionen so, dass der Kunde nicht verunsichert wird. So wirbt das Kaffeeunternehmen Moema gleich auf der Einstiegsseite damit, dass das Abo jederzeit gekündigt oder unterbrochen werden kann. Das Start-up Kukimi stellt auf seiner Website ganz klar heraus, dass es kein Abomodell im klassischen Sinne, sondern zeitlich begrenzte Lieferungen anbietet.

Abo-Box erfolgreich verkaufen: 4 Start-ups machen es vor

1. Mauz & Wauz: die Haustier-Ü-Box

Wenn sich Hund und Katze freuen, freut sich auch der Mensch. Frei nach diesem Motto bietet das Start-up Wauz & Mauz Abo-Boxen für Hund, Katze und ihre Besitzer an. Jeden Monat beliefern die Baden-Württemberger ihre Kunden mit speziellen Leckereien und Spielsachen für Peterle und Pluto. Ähnlich wie im Fitness-Studio kann der Kunde die Laufzeit seines Abos wählen (einmalig, 3, 6 oder 12 Monate). Neben den Überraschungspaketen bieten die Unternehmer auch ein Abo ihres selbst kreierten Futters an.

2. Lillydoo: Mehr Komfort für Babys und junge Eltern

Abo-Box
So sieht das Testpaket von Lillydoo aus (Foto: Lillydoo)

Es gibt Produkte, die Eltern von Babys einfach kaufen müssen – dazu gehören Windeln. Das Schleppen von großen Windelpaketen empfinden indes so manche „frischgebackenen Eltern“ als lästig und mühsam. Wo ein Bedarf, da auch eine Chance, damit Geld zu verdienen: Das hessische Start-up Lillydoo bietet sein 2015 hautfreundliche, parfum- und farbstofffreie Windeln per Abo-Box an. Damit entfällt der Trip zum Drogerie- oder Supermarkt, zudem gelten die Windeln und Pflegeprodukte, die Lillydoo anbietet, als besonders hautfreundlich.

3. Kukimi: Abnehmen ohne Koch-Stress

Ich will abnehmen – diesen Vorsatz haben viele Menschen für das Jahr 2018 gefasst. Doch umgesetzt wird er oft nicht. Das Zubereiten von Diät-Speisen ist für viele zu aufwändig und zu kompliziert. Das Start-up Kukimi sorgt dafür, dass diese Steine auf dem Weg zur schlanken Linie aus dem Weg geräumt werden. Es bietet ein Ernährungsprogramm an, das sich ohne zeitraubendes Kochen umsetzen lässt. Die Berliner beliefern ihre Kunden einmal pro Woche mit gekühlten Low-Carb-Diätgerichten, die für ein – im wörtlichen Sinne – leichteres Leben sorgen sollen. Das Unternehmen legt Wert darauf, kein klassisches Abo-Modell zu verfolgen, sondern die Diätgerichte für einen zeitlich fest umrissenen Zeitraum zu liefern.

4. Nicely Noted: Old School macht Schule

E-Mails, WhatsApp, Snapchat – es gibt heute viele Möglichkeiten, digital zu kommunizieren. Doch mit dem Zauber handgeschriebener, auf hochwertig gestalteten Grußkarten können diese nicht mithalten. Das amerikanische Start-up Nicely Noted bietet seinen Kunden stilvolle Grußkarten mit ausgesuchten US-Post-Briefmarken als Abo-Box an. Pro Monat kostet der Service ab 20 $ pro Lieferung. Neben den Karten-Abos können die Kunden auch individuelle Sets bestellen.

Fazit: Abo-Geschäftsideen liegen immer noch im Trend – wie bei jeder anderen Existenzgründung gilt es jedoch, den Markt gründlich zu prüfen und die Idee auf den Prüfstand zu stellen. Eine Abo-Box bedeutet nicht automatisch die Lizenz zum Gelddrucken!