Mehr als Fish & Chips: drei spannende Food-Geschäftsideen aus England



Drei junge Unternehmen aus England zeigen, dass Fastfood nicht ungesund sein muss und eilen mit ihren Konzepten von einem Erfolg zum nächsten. Wie sie das schaffen und was genau hinter ihren Geschäftsideen steckt, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Mit dabei sind gesunde Hot Dogs, Asia Nudeln reloaded und Smoothies der anderen Art.

Lauwarme Cervisia, Wildschwein mit Minzsauce – der Comic Asterix bei den Briten greift Klischees auf, die so mancher Kontinentaleuropäer gegenüber der britischen Küche pflegt. Doch die Wirklichkeit ist bekanntlich kein Comic und sieht ganz anders aus. Großbritannien hat eine der wohl abwechslungsreichsten kulinarischen Landschaften Europas – Starköche wie Jamie Oliver oder Nigella Lawson haben darin ebenso ihren Platz wie die innovativen Food-Konzepte, die wir euch im Folgenden vorstellen.

Die drei Geschäftsideen im Schnellcheck

Idee #1 – gesunde Hot Dogs: Vegane und vegetarische Küche hat sich – auch in Deutschland – aus der Nische in einen Massenmarkt entwickelt. Alleine in Deutschland ernähren sich bereits mehr als 9 Millionen Menschen vegetarisch, bzw. vegan. Und die Zahl steigt täglich. Wer es schafft, wohlschmeckende Gerichte abseits von Dogmatismus und verstaubtem „Bratling“-Charme am Markt zu positionieren, hat gute Chancen auf Erfolg.

Idee #2 – Asia-Nudeln reloaded: Marktlücke erkannt und genutzt. Damien Lee hat es mit seiner Geschäftsidee geschafft, in einem hart umkämpften Markt Fuß zu fassen und ein Produkt, das gemeinhin als wenig gesund gilt, neu zu erfinden.

Idee #3 – Smoothies im Baukasten-System: Gesunde Ernährungsprodukte mit klarer Nutzenansage und Bequemlichkeit für den Kunden – mit ihrer Geschäftsidee haben die Gründer von Pack’d diesen Trend für ihr Unternehmen genutzt.

#1 Not Dogs: Geld verdienen mit Veggie-Food

„Ihr seid ja total verrückt“ – als Katie McDermott und Jane Yates Freunden und Bekannten mitteilten, dass sie sich mit dem Verkauf vegetarischer Hotdogs selbstständig machen würden, stießen sie auf wenig Begeisterung. „Wie kann man dafür nur einen sicheren und gut bezahlten Marketingjob aufgeben?“, fragten sich die meisten. Die beiden wollten und konnten – und gründeten 2014 ihr vegetarisches Fast Food Konzept „Not Dogs“.

England
PR auf Rädern: Katie und Jane tourten mit einem Pop-up-Foodtruck quer durch England (Bildrechte: Not Dogs)

Mit dem Foodtruck auf Kundenfang

Um ihre Geschäftsidee bekannt zu machen, tourten Katie und Jane mit einem auffällig bemalten Pop-up-Foodtruck quer durch England. Sie ließen Kunden an den jeweiligen Stops Selfies machen, die sie beim genussvollen Verzehr der vegetarischen Hot Dogs zeigten. Werbung zum Nulltarif und überdies die Basis für virales Marketing via Facebook & Co.! Überdies konnten die Gründerinnen während ihrer Tour direktes Kundenfeedback erhalten und die kulinarischen Vorlieben ihrer künftigen Gäste noch besser kennenlernen. Die Erkenntnisse, die sie auf ihrer Reise durch England gewannen, waren für McDermott und Yates überaus wertvoll und halfen ihnen dabei, ihr Konzept weiter zu verfeinern und an die Wünsche der Gäste anzupassen.

Vegetarische Hot Dogs und Burger schmecken Kunden – und Investoren

Die Speisen, die Not Dogs anbietet, sind rein vegetarisch – doch auch Fleischesser, so Katie McDermott, lassen sich die Burger und Hot Dogs schmecken. Die Kosten pro Not Dog liegen bei rund 5 Euro aufwärts. Einer der Verkaufsrenner ist übrigens ein auf Basis des proteinreichen Nahrungsmittels Quorn hergestelltes Würstchen nach dem Vorbild der „German Bratwurst“.

Die Produkte kommen nicht nur bei den Kunden gut an – die Gründerinnen konnten auch Investoren begeistern und sich für die Umsetzung ihrer Geschäftsidee 150.000 Pfund Beteiligungskapital sichern. Mit dem Geld konnten sie die Ausstattung ihres 2016 eröffneten Lokals im Birminghamer Einkaufszentrum „Bullring“ das Branding sowie die Logistikabläufe optimieren.

Der Erfolg des Pilotbetriebs hat den Gründerinnen Mut gemacht: 3.000 vegetarische Hot Dogs, Burger und Beilagen verkaufen die Powerfrauen pro Woche, mehr als 6.000 Restaurantbesucher kehren monatlich im „Not Dogs“ ein. 2018 wollen McDermott und Yates zwei weitere Lokale in England eröffnen.

Diesen Rat geben die Macherinnen von Not Dogs euch mit auf den Weg:

Testet das Konzept! Gebt nicht auf, bevor ihr es probiert und die ersten Hindernisse überwunden habt. Es gibt viel zu viele Menschen mit tollen Geschäftsideen, die es sich nicht zutrauen, ein Unternehmen zu gründen und ihren Traum von der Selbstständigkeit deshalb nicht verwirklichen!

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Fleisch? Not! Die Not Dogs sind 100% Veggie (Bildrechte: Not Dogs)

#2 Mr. Lee’s Noodles: Genuss ohne Reue – Asia-Nudel reloaded

Mal wieder eine schlaflose Nacht vor dem Rechner verbracht, um ein Projekt fertigzustellen, ein Angebot zu schreiben oder über der neuesten Marketingkampagne zu brüten? Wenn der Magen grollt, greift dann so mancher zu asiatischen Instant-Nudeln. Diese sind schnell zubereitet, machen fürs Erste satt und kosten nicht viel. Leider haben die meisten dieser Produkte aber einen Haken – sie strotzen nur so vor Fett, künstlichen Geschmacksverstärkern und Salz. Gesund geht anders. Wie, das zeigt „Serial Entrepreneur“ Damien Lee mit seinem Unternehmen Mr. Lee’s Noodles.

Preisgekrönte Geschäftsidee aus England: Gesunde Nudeln begeistern Kunden und Jurys

Das im englischen Seebad Bournemouth beheimatete Unternehmen bietet eine gesündere Alternative zu den üblichen Instant-Nudelgerichten an. Die Reisnudeln sind in sechs verschiedenen Varianten mit klangvollen Namen erhältlich, beispielsweise „Tai Chi Chicken“ oder „Zen Garden Vegetables“.

Ein Becher Nudelsuppe kostet umgerechnet zwischen 2,27 bzw. 2,83 Euro und ist damit deutlich teurer als die Produkte der Mitbewerber. Doch im Gegensatz zu den handelsüblichen Instant-Nudeln kommen Mr. Lee’s Nudel-Fertiggerichte ohne künstliche Geschmacksverstärker aus. Das Unternehmen setzt auf „the real thing“, sprich, natürliche Zutaten. Ein spezielles Gefriertrocknungsverfahren sorgt dafür, dass das enthaltene Gemüse Farbe, Geschmack und Textur behält. Die verarbeiteten Reisnudeln sind glutenfrei und auch für den wachsenden Markt der Menschen geeignet, die eine Glutenunverträglichkeit haben.

Für sein Konzept konnte das 2015 gegründete Unternehmen bereits eine Vielzahl von Preisen einheimsen und hat es in die britischen „Startup 100“ geschafft.

Die gesunde Alternative zu Instant-Nudelgerichten gibt’s in 6 verschiedenen Sorten (Bildrechte: Mr. Lee’s)

Gründen statt verzweifeln – die Geschichte von Gründer Damien Lee

Noch eindrucksvoller als das hervorragende Abschneiden bei Gründerwettbewerben ist die Gründungsgeschichte von „Mr. Lee’s Noodles“.

Aufgeben war keine Option für Damien Lee

Eine Krebsdiagnose und die Mitteilung, dass man nur noch wenige Wochen zu Leben habe, würde die meisten Menschen in tiefe Verzweiflung stürzen und dazu bringen, sich auf ihren herannahenden Tod vorzubereiten. An eine Unternehmensgründung und das Umsetzen einer neuen Geschäftsidee würden wohl die wenigsten denken. Genau dies tat aber Damien Lee. Der heute 50-Jährige alleinerziehende Vater zweier Söhne beschloss, dass Aufgeben keine Option sei und unterzog sich einer radikalen Krebstherapie, zu der auch eine ebenso radikale Ernährungsumstellung gehörte. Während dieser schwierigen Zeit musste Lee auf seinen Lieblingssnack, Instant-Nudeln, verzichten, da diese zu viele künstliche Inhaltsstoffe enthalten, die nicht mit dem neuen Ernährungskonzept vereinbar waren.

Eigener Bedarf gibt Anstoß zur Geschäftsidee

Der in Australien geborene „Serial Entrepreneur“, der bereits in mehreren Ländern erfolgreich Unternehmen gegründet hat, beschloss Abhilfe zu schaffen. Er sah in der Marktlücke die Chance mit seiner Geschäftsidee, einem innovativen neuen Nudelsnack, den Markt zu erobern und Kunden eine gesunde Alternative zu den gängigen Instantnudeln zu bieten. 2015 – nur Monate nach der Krebsdiagnose – gründete er „Mr Lee’s Pure Foods“, der Verkauf von Mr. Lee’s Noodles startete nach einer Neupositionierung im Juli 2017.

Next Stop: Der Verkauf im Supermarkt

Derzeit läuft der Vertrieb über die Unternehmenswebsite, Amazon und Verkaufsautomaten. Die Nudelspezialitäten sind überdies im Snack-Angebot vieler Züge im Vereinigten Königreich sowie auf Flügen von Jetstar Australia und in Coffee Shops und Hotels erhältlich.

Für 2018 hat der Gründer große Pläne – gemeinsam mit seinem 15-köpfigen Team will er seine Produkte in den stationären Einzelhandel bringen und weitere Kooperationen mit Reiseunternehmen starten.

Diesen Tipp gibt Damien Lee Gründern:

Erkennt, dass ihr nicht alles selbst tun könnt. Findet talentierte Menschen, denen ihr vertraut und mit denen ihr wirklich gerne zusammenarbeitet. Vermittelt ihnen eure Leidenschaft für das Unternehmen und begeistert sie für die Vision, die ihr für euer Business habt.

#3 Pack’d: Gesunde Smoothies im Bausatz-System

Tiefgefrorene Smoothie-“Bausätze“ mit weniger Kalorien – die Geschäftsidee von Pack’d (Bildrechte: Pack’d)

Bekanntlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Und nicht alles, was sich rühmt, gesund zu sein, ist es auch. So mancher Smoothie aus der Flasche entpuppt sich etwa aufgrund seines hohen Zuckergehalts als wahre Kalorienbombe. Die Alternative – den Smoothie selbst aus frischem Obst und Gemüse mixen – ist zeitaufwändig und umständlich. Hier setzt die Geschäftsidee des britischen Start-ups Pack’d an.

Seit September 2015 bieten die Gründer Luke Johnstone und Alex Stewart tiefgefrorene Smoothie-“Bausätze“ an, die der Kunde einfach nur auftaut und mit Flüssigkeit anrührt. Bereits sechs Monate nach dem Start war Pack’d in mehr als 750 Läden vertreten, heute sind es 1.000, zu denen einige der größten Supermarktketten des Vereinigten Königreichs gehören. Das Konzept ist mehrfach ausgezeichnet worden (unter anderem als „Best New Health & Wellness Product 2016“ bei den IFE World Food Innovation Awards) und erhielt Unterstützung durch den renommierten Prince’s Trust, der unter der Schirmherrschaft von Prince Charles steht.

Das Erfolgsrezept von Pack’d: klares Nutzenversprechen und hochwertige Zutaten

Wer kann am besten beurteilen, ob ein Produkt den Geschmack der Zielgruppe trifft? Richtig: der Kunde selbst. Bevor Johnstone und Stewart im großen Stil loslegten, ließen sie Testkunden die Smoothies kosten und verbesserten die Rezepturen kontinuierlich. Heute bietet Pack’d drei Produktvarianten an: Detox (Entgiftung), Defence (Stärkung der Abwehrkräfte) und Energy. Jeder „Bausatz“ enthält jeweils zwei Beutel mit Obst und Gemüse sowie zwei Beutel mit Superfoods wie Spirulina und Weizengras zu einem Preis von umgerechnet 4 Euro. Die Produkte kommen ohne den Zusatz von Zucker oder künstlichen Aromastoffen aus und werden weder wärmebehandelt noch mit Konservierungsstoffen versehen.

Lust, mit dem eigenen Start-up so richtig durchzustarten?