Die Prognosesoftware dieses Start-ups sagt Maschinenausfälle voraus



Prof. Dr. Michael Schulz hat beim Thema „Dynamik komplexer Systeme“ eine wachsende Nachfrage nach praktischen Anwendungsmöglichkeiten erkannt und mit seinem Start-up INDALYZ ein passendes Geschäftsmodell entwickelt. Mit seiner Prognosesoftware wird nun das Wartungsmanagement von Maschinen und Anlagen optimiert und damit Betriebs- und Wartungskosten gesenkt. Im Interview erklärt er uns, wie das funktioniert, wie man seine Zielgruppe erreicht und wie Start-ups eine Finanzierung durch einen VC bekommen können.

Für-Gründer.de: Hallo Michael. Weihnachten steht vor der Tür und die Familie kommt zusammen. Wenn alle am Tisch sitzen und du wirst gefragt, was dein Start-up macht, wie erklärst du das in zwei bis drei Sätzen?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Es gibt Situationen, wo eine Maschine ihre Funktionalität verliert, sie läuft dann nicht mehr richtig und wird in absehbarer Zeit endgültig kaputtgehen. Deshalb muss sie regelmäßig gewartet werden. Aber auch das reicht häufig nicht aus, vor allem dann nicht, wenn Maschinen lange Zeit autonom agieren müssen und sich anfänglich kleine Abweichungen unbeobachtet zu verheerenden Schäden mit kostspieligen Reparaturen auswachsen können, z.B. bei Windenergieanlagen oder Kompressoren von Pipelines.

Solche kleinen Fehler mit modernsten Sensoren zu erfassen, daraus mögliche Alarmsituationen abzuleiten und den zeitlichen Verlauf der Schädigung mit künstlicher Intelligenz und physikalisch-technischem Fachwissen zu berechnen, das macht unser Start-up.

Maschinenausfälle für große Industrieanlagen, wie z.B. diese Windkrafträder, können mit der Prognosesoftware von INDALYZ vorausgesagt werden (Bildquelle: INDALYZ / www.imprognostics.com)

Für-Gründer.de: Euer Produkt ist also eine Art Prognosesoftware. Wie ist die Geschäftsidee dafür entstanden?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Der Ursprung hat mehrere Wurzeln. Ich selbst habe mich als Wissenschaftler schon sehr lange mit der Dynamik komplexer Systeme befasst. Daraus ist zunächst das theoretische Know-how erwachsen, dass unserem Start-up zugrunde liegt. Hinzu kommt die wachsende Nachfrage nach solchen Verfahren – heute oft unter dem Schlagwort Industrie 4.0 erfasst.

Und noch etwas: Wir bieten keine Prognosen im eigentlichen Sinne der Statistik. Es handelt sich eher um eine präventive und prädiktive Überwachung des Maschinenzustandes, die wesentlich auf deterministischen Elementen beruht.

Hinzu kommt die Fähigkeit unserer Software, bei Bedarf in Steuerungsfunktionen der Maschinen regelnd oder vorbeugend einzugreifen.

Für-Gründer.de: Euer Produkt ist ziemlich komplex. Welche Zielgruppe sprecht ihr konkret an und welchen Nutzen versprecht ihr?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Ja, allerdings. In der Komplexität liegt eine wesentliche Stärke des Produkts, aber hier entsteht auch die eigentliche Herausforderung an unseren Vertrieb. Generell muss unsere Zielgruppe einen Nutzen aus einer verbesserten Maschinensteuerung, aus einem zuverlässigen Alarmmanagement oder aus prädiktiven Zustandsdaten ziehen.

In der Windbranche besteht unsere Zielgruppe daher vor allem aus Servicefirmen sowie aus Betreibern, deren Vollwartungsverträge auslaufen und die nach flexiblen und modernen Wartungslösungen suchen. In der Chemiebranche sind unsere Kunden dagegen eher Hersteller,(z.B. von Armaturen) oder Endnutzer, die Spezialanlagen mit einem verbesserten Monitoring nachrüsten wollen.

Für-Gründer.de: Wie betreibt ihr euer Marketing, um genau diese spezielle Zielgruppe zu erreichen? Und auf welche Kanäle setzt ihr dabei?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Marketing ist für unsere spezifische Service- und Produktpalette tatsächlich die Herausforderung. Der klassische Weg des Softwarevertriebes hat sich nicht bewährt, schon deshalb, weil jeder Kunde eine spezifische Konfiguration benötigt, in der seine Vorstellungen einer Maschinenzustandsüberwachung Berücksichtigung finden.

Wir setzen derzeit vor allem auf Fachkonferenzen, Messen und Publikationen in Fachzeitschriften und elektronischen Medien, um potentielle Kunden zu erreichen. Zudem bieten wir jedem Kunden kostenlose Trials mit seinen eigenen Maschinendaten an. Und wir arbeiten in vielen Projekten eng mit Partnern aus der Sensorik- und Maschinensteuerungsbranche zusammen, die unsere Algorithmen zur Weiterverarbeitung der gemessenen Maschinendaten benötigen. Das alles zeigt inzwischen positive Wirkungen.

Für-Gründer.de: Wie findet ihr eigentlich in Zeiten des Fachkräftemangels die passenden Mitarbeiter, um euer komplexes Produkt weiterzuentwickeln?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Das ist auch für uns nicht ganz einfach. Wir benötigen aber zum Glück nicht unbedingt Entwickler aus den herkömmlichen IT-Branchen. Unsere Mitarbeiter benötigen vor allem vertiefte technische, mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse. Allerdings sind solche Spezialisten auch nicht so einfach zu bekommen.

Wir setzen auf eine frühzeitige Bindung an das Unternehmen, beginnend beim Praktikum oder über die Vergabe von Themen für Bachelor- und Masterarbeiten bis hin zu Möglichkeiten einer spezifischen Weiterbildung einschließlich der Möglichkeit externer Promotionen.

Wichtig ist uns auch das Bewusstsein, an spannenden Themen zu arbeiten, die sich am Weltstandard messen lassen und auf dieser Ebene wesentliche Beiträge liefern können.

Für-Gründer.de: Wie habt ihr bisher euer Unternehmen finanziert und wie kam es zu der Venture Capital Finanzierung über den Startup Gladiator?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Bisher war es ein Mix aus Eigenkapital, Mikromezzanin-Finanzierung, Förderprogramm und in letzter Zeit zunehmend Kundenaufträgen. Aber mit dem Unternehmenswachstum benötigten wir eine zusätzliche Finanzierung und professionellen Support, um unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. Und da bot sich das Gladiator-Programm der bmp Ventures als ideale Option für die Frühphase an.

Für-Gründer.de: Was ist das besondere am Startup Gladiator und wie lange hat der Prozess gedauert?

Prof. Dr. Michael Schulz von INDALYZ: Dieses Programm ist eine sehr gute Basis, um junge Start-ups einen essentiellen Anschub zu geben. Der Prozess ging wirklich sehr schnell – und er war aus unserer Sicht gründlich inkl. fairer Unternehmensbewertung. Das Investment Team der bmp Ventures erwies sich bei allen Fragen als äußerst kompetent und hilfsbereit. Mit dem Startup Gladiator fühlen wir uns auch speziell für Folgefinanzierungsrunden sehr gut aufgestellt.

Für-Gründer.de: Michael, abschließende Frage: Was sind deiner Meinung nach die drei wichtigsten Voraussetzungen, damit ein Start-up eine Finanzierung von einem VC bekommt?

  1. Eine gute Idee, die man wirtschaftlich begründen kann.
  2. Ein Team, das die Umsetzung der Idee garantiert.
  3. Ein Markt, der für die Idee aufnahmebereit ist.

Das klingt alles unheimlich plausibel, aber es erfordert vom Unternehmer viel Engagement und Vertrauen in seine Idee. Und es bleibt immer ein gewisses Risiko, weil die Bewertung der Idee subjektiv ist und von einem VC-Geber durchaus ganz anders gesehen werden kann.

Für-Gründer.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Keyfacts zu Indalyz

  • Unser aktuelles Team besteht aus: 5 Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Gründer
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: BB-MBG (2016) / bmp (2017)
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Unsere Partner auf dem Sektor Condition Monitoring und Sensortechnologie, das TGZ Halle
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für uns:
    • Natürlich unsere Mitarbeiter und der Zusammenhalt in unserem Team. Wir entwickeln jeden Tag neue Software und Algorithmen – und nutzen dazu je nach Problem auch sehr unterschiedliche technische und mathematische Methoden.