Was Gründer über Abschreibungen (AfA) mindestens wissen sollten



Ob der Schreibtisch für das Büro, die Küche im Restaurant oder die Rechnung der Agentur für die neu gestaltete Webseite – bei vielen Kosten stellt sich in der Buchhaltung die Frage nach der Abschreibung, auch AfA (kurz für Absetzung für Abnutzung) genannt. Was es mit der AfA auf sich hat, erklären wir anhand von 4 Fragen.



Wann entsteht die AfA?

Wird ein Gegenstand angeschafft oder selbst hergestellt und die Anschaffungs- oder Herstellungskosten überschreiten netto 410 Euro (ab 2018: 800 Euro), kann dieser Gegenstand buchhalterisch im Jahr der Anschaffung nicht sofort in die Kosten übernommen werden. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten müssen vielmehr über die sogenannte betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt werden. Man spricht vom Werteverzehr, der z.B. aus der Alterung der Geräte, möglichen Schäden, Innovationen oder der Abnutzung resultiert.

AfA
Wie hoch ist die AfA? Welche Auswirkungen hat sie? Was müssen Gründer sonst darüber wissen? Wir klären auf.

Wie hoch ist die AfA?

Die Höhe der jährlichen Absetzung für Abschreibung (AfA) für ein Wirtschaftsgut richtet sich zum einen nach der Höhe der Anschaffungs- und Herstellungskosten und zum anderen nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer.

Bei der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer wird der Zeitraum unterstellt, bis zu dem das Wirtschaftsgut abgenutzt ist und durch ein neues ersetzt werden muss. In den sogenannten AfA-Tabellen des Bundesministeriums für Finanzen ist geregelt, wie lange die jeweiligen Wirtschaftsgüter genutzt werden können. Ist die Nutzungsdauer in den Tabellen nicht festgelegt, muss diese geschätzt werden.

Einige Beispiele aus der AfA-Tabelle:

  • Personenkraftwagen und Kombiwagen: 6 Jahre
  • Verpackungsmaschinen und Folienschweißgeräte: 13 Jahre
  • Mobilfunkendgeräte: 5 Jahre
  • Workstations, Personalcomputer, Notebooks: 3 Jahre
  • Büromöbel: 13 Jahre

Die AfA beginnt mit dem Monat der Anschaffung (bzw. Herstellung) des Wirtschaftsguts. Das bedeutet, dass bei einer unterjährigen Anschaffung für jeden Monat 1/12 der jährlichen Abschreibungssumme anzusetzen ist. Die AfA endet mit der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer resultierend aus der AfA-Tabelle. Bei einem unterjährigen Ausscheiden des Wirtschaftsguts (z.B. Verkauf) ist wiederum für jeden genutzten Monat 1/12 der jährlichen Abschreibungssumme anzusetzen.

Welche Auswirkung hat die AfA?

Vereinfacht betrachtet, werden Umsatz und Kosten in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) saldiert und ergeben somit den Gewinn eures Unternehmens, auf den Steuern zu zahlen sind. Doch nicht alle Ausgaben werden direkt in der GuV als Kosten erfasst und senken damit den zu versteuernden Gewinn. Investitionen, wie die genannte Küche im Restaurant oder der neue Laptop, werden aktiviert und über ihre Lebensdauer abgeschrieben.

Gibt es Ausnahmen (und welche)?

Die erste Ausnahme der Abschreibung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer wurde bereits erwähnt: der Fall der Geringwertigen Wirtschaftsgüter. Ein Geringwertiges Wirtschaftsgut liegt vor, wenn die Anschaffungskosten unter 410 Euro (ab 2018: 800 Euro) liegen. In diesem Fall können diese Kosten im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Betriebsausgabe geltend gemacht werden.

Werden selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter angeschafft, deren Anschaffungs- oder Herstellungspreis zwischen 150 und 1.000 Euro liegt, dann können diese in einem Sammelposten zusammengefasst und im Rahmen eines Pools abgeschrieben werden, man spricht von der Poolabschreibung. Der Sammelposten wird ab dem Anschaffungsjahr zu 1/5 jährlich abgeschrieben, d.h. die betriebsübliche Nutzungsdauer spielt für die Güter im Pool keine Rolle.

Eine weitere Ausnahme von der standardisierten AfA ist der Investitionsabzugsbetrag, früher als Ansparabschreibung bekannt. Der Investitionsabzugsbetrag ermöglicht eine Vorverlagerung von Abschreibungen für geplante Investitionen in neue oder gebrauchte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Wichtig: Die Wirtschaftsgüter, für die der Investitionsabzugsbetrag geltend gemacht wird, müssen innerhalb von drei Wirtschaftsjahren nach der Geltendmachung angeschafft werden. In Ansatz gebracht werden können für den Investitionsabzugsbetrag 40% der geplanten Anschaffungs- oder Herstellungskosten, maximal allerdings 200.000 Euro.

Ergibt sich für ein Wirtschaftsgut eine dauerhafte Wertminderung, die nicht durch die planmäßige Nutzung erfolgt, dann muss diese außerplanmäßig abgeschrieben werden. Die Pflicht zur außerplanmäßigen Abschreibung besteht aber nur dann, wenn die Wertminderung tatsächlich dauerhaft (nach eingehender Prüfung) ist, z.B. bei einem erworbenen Grundstück stellt sich später heraus, dass es für den vorgesehenen Bauzweck aufgrund von Auflagen nicht genutzt werden kann.

Neben den genannten Ausnahmen gibt es weitere Spezialfälle des Handels- und Steuerrechts, die ihr im Einzelfall mit eurem Steuerberater besprechen solltet.

Mehr Informationen zu buchhalterisch wichtigen Themen