Aus Eigenbedarf wurde eine Software – und aus Empfehlungen ein Start-up



Was ursprünglich nur für den Eigenbedarf gedacht war, ist inzwischen ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Das Augsburger Start-up WaWision vertreibt ein selbst entwickeltes ERP- und CRM-System, das sich flexibel an Kundenwünsche anpassen lässt. Gründer Benedikt Sauter erzählt uns im Interview mehr über seine „Zufallsgründung“, welche Angebote WaWision speziell für Start-ups im Programm hat und auf welchen simplen Haupt-Marketingkanal er setzt.



Für-Gründer.de: Hallo Benedikt, mit deinem Start-up hast du ein weiteres Warenwirtschaftssystem an den Start gebracht. Was grenzt euer Produkt von den zahlreichen bereits bestehenden Systemen ab?

Benedikt von WaWision: Unser Produkt ist im wahrsten Sinne des Wortes aus einem Problem entstanden, nämlich unserem eigenen. Wir sind damals als Hardware-Hersteller gestartet und waren auf der Suche nach einem ERP-System, das den Anforderungen gerecht wird. Leider haben wir nach langer Suche keines gefunden, das mit unseren Linux-Servern kompatibel war und zudem flexibel in den Erweiterungsmöglichkeiten. Darum haben wir unser eigenes System programmiert.

Diese Flexibilität, die wir uns damals gewünscht haben, konnten wir in WaWision umsetzen. Mit dem eigenen AppStore kann sich jeder genau das ERP-System zusammenstellen, das er für seine Ansprüche braucht.

Gründer Benedikt Sauter hatte das ERP-System WaWision zunächst nur für den Eigenbedarf entwickelt (Bildquelle: WaWision).

Für-Gründer.de: Ihr habt die Software also ursprünglich für eigene Zwecke entwickelt. Wie kam es dazu, dass aus dieser Idee dann ein Start-up wurde?

Benedikt von WaWision: Das Besondere an unserem Produkt ist, dass es sich von selbst verkauft hat. Ein paar unserer Hardware-Kunden sind damals auf das System aufmerksam geworden und wollten es auch nutzen. Die Zufriedenheit war extrem hoch, so dass sie es aktiv weiterempfohlen haben. Nur durch persönliche Empfehlungen – und das ist übrigens immer noch unser Haupt-Marketingkanal – hat sich WaWision dann 2015 besser verkauft als die Hardware.

Und wir standen vor der Entscheidung, was wir jetzt machen – Stichwort Fokussierung. Wir haben uns dann entschieden, die Hardware-Produktion einzustellen und uns voll und ganz auf die Weiterentwicklung und den Vertrieb von WaWision zu konzentrieren. Heute können wir sagen: Das war die richtige Entscheidung.

Für-Gründer.de: An welche Zielgruppe richtet sich WaWision? Eignet es sich auch für Start-ups?

Benedikt von WaWision: Uns ist es wichtig, dass Start-ups von Anfang an den Überblick über die Daten haben. Denn das ist der Grundstein für ein erfolgreiches Business. Mit diesem Gedanken und mit der eigenen Erfahrung, wie schwer es ist, ein passendes System zu finden, das nicht gleich ein riesiges Loch in den Geldbeutel reißt, haben wir damals WaWision entwickelt.

WaWision gibt es daher in vier Versionen, beginnend bei der kostenlosen Open-Source-Variante, die besonders bei Start-ups beliebt ist. Wir haben gerade einen enormen Zuwachs an Start-ups, die unser Produkt nutzen, da sie die Lizenzmodelle und Flexibilität schätzen. WaWision wächst nämlich einfach mit den Funktionsanforderungen und dem Team mit.

Wir haben aber auch viele etablierte Unternehmen als Kunden, darunter auch sehr große Produktionen, die sich von uns individuelle Schnittstellen für ihr Business programmieren lassen. Im Endeffekt kann man sagen: WaWision ist für jeden geeignet, der in den Bereichen Handel oder Produktion unterwegs ist.

Für-Gründer.de: Du hast gerade die verschiedenen Miet- und Kaufmodelle erwähnt. Für wen reicht der Funktionsumfang der Open Source Lösung bzw. warum sollte man Geld für ein anderes Modell ausgeben?

Benedikt von WaWision: Unsere kostenlose Open-Source-Variante enthält die wichtigsten Funktionen wie Adress- und Artikelverwaltung, Angebot-/Auftragsmanagement, Online-Shop-Anbindung, Bestellwesen und Warenannahme, Rechnung, Gutschrift, Stornorechnung und eigene Nummernkreise, einfache Übersicht und Auswertung der Verkaufszahlen, einfache Zeiterfassung für Mitarbeiter, Import-/Export-Zentrale, Lieferscheine, Lagerverwaltung, Benutzerverwaltung, Drucker, Gerätschnittstellen, Teammanagement mit Wiki, Aufgaben, Pinnwand und Korrespondenzen.

Den Zugang zu unserem eigenen AppStore mit erweiterbaren Modulen gibt es ab der Professional-Version. Die meisten Start-ups erweitern, sobald sie mit verschiedenen Marktplätzen und Versanddienstleistern arbeiten oder die Produktion hochgefahren wird und weitere Funktionen benötigt werden.

Für-Gründer.de: Du hast zusammen mit deiner Ehefrau gegründet. Welche Erfahrungen habt ihr hierbei gemacht und lassen sich Berufliches und Privates überhaupt trennen?

Benedikt von WaWision: Ich bin eher der Techie bei der ganzen Sache. Ich habe WaWision entwickelt und das Programmieren ist mein Steckenpferd. Meine Frau Claudia war von Anfang an dabei und kümmert sich vor allem um die Nutzerfreundlichkeit, auch im Hinblick auf das Design. Daneben ist sie die gute Seele des Unternehmens, übernimmt das Office Management und steuert dazu noch das Support-Team.

Wie im Privaten ist sie auch beruflich meine bessere Hälfte und wir ergänzen uns in beiden Bereichen optimal. Ich bin überzeugt, dass WaWision nur so erfolgreich ist, weil Claudia die Kundenbrille aufsetzt und genau prüft, ob jeder mit den Oberflächen klarkommt – das Feedback unserer Kunden gibt sie direkt an die Entwickler weiter und wir arbeiten gemeinsam an der Optimierung des Systems.

WaWision
Das Team von WaWision kann das ERP-System flexibel an die Bedürfnisse der Kunden anpassen (Bildquelle: WaWision).

Für-Gründer.de: Welche Vertriebsstrategie habt ihr, um euch von groß aufgestellten Wettbewerbern wie SAP oder abas ERP abzusetzen?

Benedikt von WaWision: Es wäre natürlich super, wenn wir schon so weit wären, um mit Riesen wie SAP zu konkurrieren, aber das ist gar nicht unser Anspruch. Unser Ziel ist es, ganz nah am Kunden zu sein und dessen Belange an oberste Stelle zu setzen. Wir haben häufig Kunden, die mit WaWision schon beim dritten oder vierten ERP-System sind. Die Begründungen sind zum einen die Möglichkeiten des Systems und die individuelle Zusammenstellung der Module über den AppStore, aber eben auch unsere persönliche Verfügbarkeit für den Kunden.

Wie auch schon kurz erwähnt, ist unser Haupt-Marketing-Kanal nach wie vor die persönliche Empfehlung. Das ist etwas, das Start-ups nicht unterschätzen sollten. Wenn das Produkt gut und durchdacht ist, das Kunden-Feedback konstruktiv eingearbeitet wird, ist das einer der wichtigsten Grundpfeiler.

Marketing ist wichtig, aber es kann kein schlechtes Produkt gut machen.

Daneben haben wir natürlich unsere Marketing-Strategie ausgebaut. Wir setzen auf Content Marketing über unseren Blog, den Newsletter, planen gerade auch ein eBook und haben mit unserem „WaWision-Talk“ ein neues Video-Format etabliert. Daneben haben wir aber auch ein sehr aktives Forum, in dem User anderen Usern helfen – auch wieder eine Art der persönlichen Weiterempfehlung.

Für-Gründer.de: Euer Firmensitz ist in Augsburg. Was hat Bayern aus deiner Sicht als Gründerstandort zu bieten?

Benedikt von WaWision: Bayern ist meiner Meinung nach ein idealer Standort für Gründer, der besonders in den Bereichen Technik und IT immer stärker wird. Augsburg bringt für uns eine gewisse Bodenständigkeit mit, die wir sehr schätzen. Da wir von Beginn an eigenfinanziert und aus eigener Kraft gewachsen sind, können wir zum Investoren-Verhalten nicht so viel sagen. Für uns ist Bayern und damit die Nähe zu vielen starken Unternehmen und Start-ups ideal.

Für-Gründer.de: Nachdem die Gründung von WaWision ja mehr oder weniger „Zufall“ war. Würdest du den Schritt in die Selbstständigkeit nochmal wagen?

Benedikt von WaWision: Definitiv. Es ist zwar nicht immer einfach und es gibt einige Höhen und Tiefen, aber letztendlich ist man selber für den Erfolg verantwortlich. Meine Bilanz sind zwei Wochen Festanstellung. Ich wusste gleich, dass das nichts für mich ist und ich mein eigenes Ding machen muss.

Für-Gründer.de: Welche drei Tipps möchtest du unbedingt auch andere Gründer weitergeben?

Benedikt von WaWision: Start-ups, die in den Bereichen E-Commerce, Produktion und Handel unterwegs sind, kann ich nur dringend empfehlen, frühzeitig ein ERP-System einzuführen, um die Daten in ein zentrales System laufen zu lassen. Nur so wisst ihr genau, wie der aktuelle Stand ist.

Es ist sehr wichtig, das Geschäftsmodell zu hinterfragen – und das nicht nur einmal: Denn man entwickelt sich ständig weiter. Ihr solltet ab und zu auch mal inne zu halten und sich überlegen, ob der Weg noch richtig ist.

Der Kunde hat oberste Priorität: Eure Kunden sind euer Erfolg. Und die sind auch erst mal wichtiger als Auftritte, Events oder Networking-Veranstaltungen. Zuerst der Kunde, dann alles andere. Das kann ich nur jedem Gründer ans Herz legen.

Für-Gründer.de: Benedikt, vielen Dank für das Gespräch!

Keyfacts zu WaWision

  • Unser aktuelles Team besteht aus: 14 Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Eigenfinanzierung
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Keine
  • Investoren finden wir gut / schlecht weil: Weder noch, wir sind aber trotzdem lieber eigenfinanziert, da wir uns nicht mit dem Investor abstimmen müssen und eventuell einen Weg vorgeschlagen bekommen, den wir nicht für richtig erachten.
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Unser Team und die Weiterempfehlung unserer Kunden
  • Besonders wichtig in unserem Arbeitsalltag sind für uns:
    • Unser super Team hier in Augsburg
    • Meine Frau Claudia
    • Telefonfreie Zeiten, um sich konzentriert den wichtigen Themen widmen zu können
  • Kontakt

  • Benedikt Sauter
  • Holzbachstrasse 4
    86152 Augsburg
  • +49 821 268 41 0 41
  • kontakt@wawision.de
  • www.wawision.de