Mit Gras zum Erfolg: dieser Gründer hat eine Geschäftsidee mit Zukunft



Papierfabriken haben gut zu tun. Insbesondere das Wachstum im E-Commerce erhöht die Nachfrage nach Papier. Das Problem: Papier wird aus Holz hergestellt. Ökologisch ist dies aber eine Katastrophe. Die Lösung: Man nehme Gras statt Holz. Umgesetzt hat dies Uwe D’Agnone mit seinem Unternehmen Creapaper. Für diese Idee wurde er als Bundessieger beim diesjährigen KfW Award Gründen ausgezeichnet.



Uwe D’Agnone hat in seiner Unternehmerlaufbahn schon lange erfolgreich innovative Papierprodukte hergestellt. Vor gut sechs Jahren ließ ihn eine Frage nicht mehr los: Wie stellt man Papier nachhaltig her? Recyclingpapier war nur eine unbefriedigende Antwort – denn auch dieses Papier war mal ein Baum. Die Idee, Gras einzusetzen, schien eine Lösung. Die Entwicklung stellte Uwe D’Agnone jedoch vor eine gewaltige Herausforderung. Nicht nur aufgrund der Kosten für Patente und den Bau einer eigenen Anlage zur Herstellung der Gras-Pellets, die dann zur Verarbeitung an die Papierfabriken geliefert werden. Schließlich ging es auch darum, einen völlig neuen Geschäftsbereich aufzubauen. Gut, dass sich D’Agnone direkt zu Beginn auf die Unterstützung eines Seedinvestors verlassen konnte, der an seine Vision glaubte.

Creapaper
Creapaper ist der Bundessieger des KfW Awards Gründen 2017 (Quelle: KfW-Bildarchiv / Thorsten Futh)

Das Problem mit dem Holz lösen

Was bedeutet es, Papier wie bisher aus Holz herzustellen? Zunächst einmal riesige abgeholzte Flächen – häufig Urwälder – sowie lange Transportwege teils von Kontinent zu Kontinent. Bei der Verarbeitung müssen zudem riesige Mengen Wasser und Chemie eingesetzt werden, verbunden mit einem hohen Energieverbrauch und dem daraus resultierenden CO2-Ausstoß. Der Grund dafür ist, dass Bäume in die Höhe wachsen. Damit sie dies können, ist Lignin erforderlich. Kurz gesagt, verleiht ihnen Lignin die notwendige Stabilität, da es die Zellen verholzt. Bei der Papierherstellung muss dieses Lignin allerdings über ein Chemiebad mühsam entfernt werden. Dabei werden beispielsweise alleine 6.000 Liter Wasser pro Tonne Papier unwiederbringlich verbraucht.

Der Ausgangspunkt von Gründer Uwe D’Agnone bei der Suche nach einer Alternative war so einfach wie genial:

Wenn alles, was hoch wächst, Lignin enthält, dann nehmen wir doch etwas, das flach wächst.

Und kurzum: Es hat geklappt. Heute stellt die Creapaper GmbH aus getrocknetem Gras, also Heu, mit einer eigenen Anlage kleine Gras-Pellets her, die von Papierfabriken weiterverarbeitet werden können.

So sehen die Gras-Pellets aus, die Creapaper herstellt und die von Papierfabriken auf den gleichen Anlagen verarbeitet werden können (Quelle: Creapaper)

Das Graspapier verändert den Markt…

In der Start-up-Welt wird das eigene Produkt häufig sehr schnell mit dem Begriff „revolutionär“ versehen. Bei dem Graspapier sprechen aus unserer Sicht auch die Fakten dafür. So werden pro Tonne Papier

  • 75 % der CO2-Emissionen eingespart,
  • nur 2 statt der 6.000 Liter Wasser unwiederbringlich verbraucht,
  • und nur ein Zehntel der Energie benötigt.

Zu 100 % ist die Herstellung von Papier aus Gras aber noch nicht möglich. Dies räumt auch Unternehmer D’Agnone ein:

Aber bis zu 50 % können wir in der industriellen Papierherstellung schon auf Holz verzichten. Und mehr wird in Zukunft möglich sein.

Bei den im Hause Creapaper selbst hergestellten Verpackungen sind es übrigens bereits 60 % Grasanteil. Papier- oder Verpackungslieferant will das Unternehmen aber nicht sein. Schließlich besteht der größte ökologische Hebel für eine nachhaltige Veränderung in der Papierherstellung darin, den Rohstoff für die Papierfabriken passgenau zu liefern. Neben der viel besseren Ökobilanz hat die Grasfaser einen weiteren entscheidenden Vorteil für die Produzenten. Sie ist derzeit 40 % günstiger als ihr Pendant die Holzfaser. Und die Schere wird noch weiter auseinandergehen, ist sich D’Agnone sicher.

…und macht das Unternehmen erfolgreich

Was braucht es also noch für die Papierrevolution? Dies beantwortet Uwe D’Agnone wie folgt:

Die Verpackungsindustrie ist am Zug. Zwar kann Graspapier auf den gleichen Anlagen produziert werden. Bei der Umstellung fallen dennoch Rüst- und Reinigungskosten an. Das Problem entfällt, wenn noch viel mehr Graspapier nachgefragt wird.

Und so ist der Unternehmer quer durch Deutschland und im Ausland auf Vertriebstour, um den Handel vom Einsatz des Graspapiers zu überzeugen. Mit Erfolg, wie der rasant steigende Absatz des Unternehmens belegt.

Ein Beispiel für den Einsatz von Graspapier von Creapaper: Verpackung für Lebensmittel (Quelle Creapaper GmbH)

Deutschland ist aufgrund der hohen Recyclingquote einer der schwierigsten Märkte. Doch auch hier wird Papier knapper, da mittlerweile insbesondere Händler aus China das Material wegkaufen. Viele andere Länder auf der Welt kennen hingegen kein Altpapier. Die internationale Expansion steht für Creapaper damit ganz weit oben auf der Agenda: USA, Südamerika und Asien sind die Ziele. Wichtig ist dabei aber stets auch die lokale Produktion – schließlich fallen derzeit pro Tonne Papier bis zu 4.200 Kilometer Transportweg an. 100 Kilometer sind es derzeit beim Graspapier von Creapaper. Und auch hier will D’Agnone weiter reduzieren.

Überhaupt wird im Gespräch mit dem Unternehmer schnell klar, dass er angetrieben wird, mit seinem Graspapier einen Lebenstraum zu verwirklichen. Und diese Motivation möchte er auch angehenden Gründern mitgeben:

Lebe deinen Traum. Stecke dir Ziele, auch wenn sie ganz weit weg scheinen. Gib nicht auf und mache immer weiter. Es lohnt sich!

Geschäftsidee überzeugt die Jury beim KfW Award Gründen

Die Idee der nachhaltigen Papieralternative aus Gras konnte bei der Jury des diesjährigen KfW Award Gründen besonders punkten und setzte sich als Bundessieger am Ende gegen die anderen 15 Landessieger durch, verbunden mit einem Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro. Insbesondere freut sich Uwe D’Agnone über die mediale Aufmerksamkeit, die die Auszeichnung mit sich bringt:

Nach dem TV-Beitrag zur Preisverleihung melden sich regelmäßig interessante Kontakte aus der Branche, um mehr über unsere Lösung zu erfahren.

Habt ihr auch das Zeug zum Preisträger?

Die Sieger des KfW Award Gründen 2017 sind gekürt. Doch auch 2018 wird es wieder eine Wettbewerbsrunde geben, für die sich Gründer und Unternehmer bewerben können. Der Wettbewerb startet im Mai 2018, bereits jetzt könnt ihr euer eigenes oder ein anderes Unternehmen vorschlagen, das den Preis verdient hat.

Wer mehr über den KfW Award Gründen erfahren möchte, besucht direkt die Seite der KfW. Dort findet ihr auch viele weitere Bilder, Filme, Porträts und Hintergrundinformationen zu allen Preisträgern.

  • Der KfW Award Gründen ist ein bundesweiter Gründerwettbewerb. Jedes Jahr werden Jungunternehmer gesucht, die einen Mehrwert mit ihrer Geschäftsidee schaffen und soziale Verantwortung übernehmen. Im Fokus stehen innovative Geschäftsmodelle, originelle Produkte bzw. Dienstleistungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen und nachhaltiges Unternehmertum. Vergeben werden mit Preisgeldern dotierte Landespreise, ein Bundessieg, ein Publikumspreis sowie ein Sonderpreis. Die Jury wird von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Medien, Landesförderinstituten und Industrie- sowie Handelskammern besetzt. Für-Gründer.de unterstützt den KfW Award Gründen als Medienpartner