Ein Start-up aus Mannheim bringt multilinguale Videos ins Silicon Valley



Online-Videos sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. alugha bietet mit seiner multilingualen Videoplattform nun einen spannenden Mehrwert für User und Videoproduzenten mit der Möglichkeit, Videos in mehreren Sprachen zu veröffentlichen. Im Interview verrät uns Gründer Bernd Korz mehr über das Geschäftsmodell von alugha und seine Erfahrungen beim renommierten Blackbox Accelerator im Silicon Valley.



Für-Gründer.de: Hallo Bernd, alugha ist eine multilinguale Videoplattform. Was genau müssen wir uns darunter vorstellen und wo ist der Mehrwert?

Bernd von alugha: Ganz runtergebrochen eine ähnliche Plattform wie YouTube nur ohne Katzenvideos und mit validem mehrsprachigen Content. Bei uns sind alle Videos in mindestens zwei oder mehr Sprachen (teilweise bis zu 40!) vorhanden. Man kann also den Inhalt konsumieren, sich vergnügen, Musik hören, Mathe-Videos schauen, Bio, Physik… und dabei einfach immer die Sprache wechseln. Es gibt kaum einen besseren Weg, eine Fremdsprache zu erlernen, als sie in der Praxis einzusetzen. Wer als Videoproduzent global stattfinden möchte, braucht neben Deutsch noch Spanisch und Englisch und erweitert seine Zuschauerschaft um theoretisch 1,3 Mrd. Menschen… und das mit nur einem Video.

Für-Gründer.de: Wie kamst du auf die Idee, alugha zu gründen? Hattest du schon vorher etwas mit Videoproduktion zu tun?

Bernd von alugha: Ich habe über 500 Videotutorials auf YouTube veröffentlicht und im Laufe der Zeit immer mehr Anfragen bekommen, meine Videos auch in Englisch zu veröffentlichen. Das Letzte, was ich wollte, war, die Views, die Arbeit und den Kanal zu splitten. Das war die Geburtsstunde von der Idee zu alugha.

Gründer Bernd Korz bietet mit seiner multilingualen Videoplattform alugha die Möglichkeit, Videos in mehreren Sprachen zu veröffentlichen (Bildquelle: alugha).

Für-Gründer.de: An welche Zielgruppe richtet sich euer Angebot speziell? Und welche technischen Voraussetzungen braucht man?

Bernd von alugha: Zum einen an alle Videoproduzenten, die in mehr als nur einer Sprache stattfinden möchten (und davon gibt es unglaublich viele) und zum anderen an Konsumenten, die Videos in ihrer Sprache sehen möchten, die ihre Fremdsprachenkenntnisse vertiefen wollen, die sich gerne weiterbilden usw. Selbst in Mannheim sprechen wir über 30 Sprachen. Wer also glaubt “Ich mache Business nur in Mannheim und brauche das daher nicht…” täuscht sich ganz gewaltig.

Voraussetzungen? Im Grunde keine! Video bei uns hochladen oder verknüpfen (wenn man lieber YouTube als Hoster verwendet), dann Sprachen drauf, Titel, Beschreibung, Thumbnail… und auf der eigenen Homepage einbetten, das war es schon. Der User muss dafür nichts installieren.

Für-Gründer.de: Auf welches Bezahlmodell setzt ihr?

Bernd von alugha: Neben dem eigentlichen Hosting haben wir “Flatrates” für Firmenkunden in Bezug auf Übersetzung und Dubbing. Außerdem verstehen wir uns als eine Art “Vermittlungsplattform” zwischen Übersetzern, Sprechern und Videoproduzenten. Der Markt für diese Dienstleistungen liegt alleine in den USA im Jahr bei mehreren Milliarden US-Dollar. Mehr zu diesem Thema gibt es aber Ende 2017 bzw. Anfang 2018 von uns zu hören.

Für-Gründer.de: Könnt ihr euch bereits selbst finanzieren, d.h. habt ihr bereits den Break-Even erreicht?

Bernd von alugha: Nein, aber das war auch noch nicht so geplant. Unser Ziel war es, ab Dezember 2016 in den aktiven Vertrieb zu gehen. Seitdem haben wir einen Umsatz im sechsstelligen Bereich generiert. So richtig los geht es aber jetzt langsam erst. Für uns lag der Fokus erst einmal darauf, alugha marktfähig zu machen und wichtige Funktionen zu entwickeln. Mittlerweile haben wir einige sehr große namhafte Unternehmen wie die BASF in Deutschland, Immobilienmakler und Kirchen aus den USA, IT und Health als Kunden unserer Plattform.

Für-Gründer.de: Du bist gerade von einem zweiwöchigen Aufenthalt im Blackbox Accelerator im Silicon Valley zurückgekommen. Wie hast du diese Zeit und das Programm dort erlebt?

Bernd von alugha:

Anstrengend, ernüchternd, motivierend, genial, frustrierend, Aufbruchstimmung, verrückt, offen, ehrlich. Wer denkt, das ist ein bisschen wie Urlaub, der täuscht sich gewaltig.

Das Programm ist so voll mit Workshops, Meetings, Events, dass man kaum Verschnaufpausen hat. Jeder Tag war voll und dazu kommt noch die Arbeit im eigenen Unternehmen, die auch irgendwie gemacht werden muss. Man kommt schnell auf 16 bis 18 Stunden pro Tag und am Wochenende muss man sich auf seinen Pitch und den Pitchday vorbereiten, der die Woche drauf am Donnerstag ist. Es ist zeitweise wie in der Schule: man wird zugedonnert mit neuem Wissen und Ideen, man schreibt sehr viel mit, bekommt viele Kopien.

Im August nahm alugha am renommierten Blackbox Accelerator im Silicon Valley teil (Bildquelle: alugha).

Für-Gründer.de: Wir kommt man als Start-up durch den Auswahlprozess? Wie schwierig war es für euch, aufgenommen zu werden?

Bernd von alugha:

Zuallererst! Man MUSS ein Produkt bzw. Projekt haben, welches aus der Planungsphase raus und bereit ist, global zu skalieren.

Wir hatten uns bereits das dritte Mal dort beworben. Erstmal füllt man eine Bewerbung aus. Kommt die „an“, geht es zu einem Fragebogen. Ist auch der positiv, geht es zu einem 30 bis 40-minütigen Skypeinterview, in dem man mit einer Mitarbeiterin von Blackbox spricht. Sie stellt etliche Fragen zum Unternehmen, der Struktur, die Ziele, Wünsche, Probleme. Nun heißt es wieder warten. Irgendwann kommt dann eine eventuell positive E-Mail und man ist in der nächsten Runde. Hier hat man dann ein 30-45 minütiges Skypeinterview mit Fadi selbst. Fadi ist der Initiator von Blackbox und liebt es, sehr provozierende und kritische Fragen zu stellen. Zwischendurch hat man den Eindruck, er möchte einem aufzeigen, dass die Idee gar nicht so toll ist, wie man selbst denkt. Nach einer Weile erfährt man, ob man dabei ist oder nicht.

Für-Gründer.de: Warum sollten sich Gründer für ein Accelerator-Programm bewerben?

Bernd von alugha: Das hängt sehr von den Ambitionen und vom Accelerator-Programm selbst ab. Wir haben an Programmen teilgenommen, die das Geld nicht wert waren, und vorab sehr hoch angepriesen wurden. Bisher waren zwei dieser Programme gut und sehr gut. Step NYC war sehr spannend und hat uns so einiges an Einsicht gebracht, es war bis dato das Beste, woran wir teilgenommen hatten und die Nummer 1 heute ist mit Abstand BlackBox  – ohne dabei Step NYC schlechter machen zu wollen. Man kann in solchen Programmen sehr viel in kurzer Zeit lernen und seine Entscheidungen überdenken.

Für-Gründer.de: Wie geht es nach der USA-Reise weiter mit Blackbox? In welcher Form profitiert ihr weiterhin vom Programm?

Bernd von alugha: Es gibt eine große Kontaktliste, die wir nutzen können. Ferner haben wir fast alle Unterlagen der Tutoren sowie alle Kontaktdaten der VCs direkt erhalten, und wir sind auch schon in regem Austausch. Weiterhin gibt es jetzt jeden Monat ein gemeinsames Meeting mit dem Blackbox Team und uns als Teilnehmern, in dem wir gemeinsam Strategien für unseren US-Markteintritt und unser Wachstum besprechen. Blackbox hilft uns auch dabei, Termine bei Unternehmen zu erhalten, zu denen wir sonst nur sehr schwer Zugriff bekommen hätten.

Das Netzwerk dort ist herausragend.

Für-Gründer.de: Letzte Frage: Welche Neuigkeiten wird man dieses Jahr noch über euch lesen können?

Bernd von alugha: In den nächsten 3 bis 4 Wochen kommen zwei sehr große Updates, die es –  besonders unter der Haube – in sich haben. Wir wollen Maßstäbe setzen, was die Tools und die Entwicklung von Plattformen wie der unseren angeht und setzen dabei auf die Tools der ganz Großen. Wir sind gerade von Angular weg auf React, auf GraphQL. Für unsere Nutzer wird das einen irren Geschwindigkeitsboost geben.

Aber es wird hoffentlich dieses Jahr noch die öffentliche Beta für unsere alugha 3.0 geben. Dort dreht sich alles ums Übersetzen, Dubben, Geldverdienen. Wir sind uns sicher, dass wir damit die Möglichkeit schaffen, den Markt zu verändern.

Für-Gründer.de: Bernd, vielen Dank für das Gespräch!

Bernd von alugha: Ich habe zu danken, dass ihr eine solche Plattform betreibt und Gründern helft, und dass ich mit diesem Interview vielleicht ein Stück dazu beitragen darf. Macht weiter so! 

Keyfacts zu alugha

  • Unser aktuelles Team besteht aus: 30 Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen wie Marketing, Vertrieb, Video, Übersetzungen, Entwicklung, UX/UI Design, Finanzen bestehend aus Dualen Studenten, Werkstudenten, freien Mitarbeitern, Festangestellten. Wir sprechen 10 verschiedene Sprachen im Unternehmen. Am allerwichtigsten für mich im Team ist aber die Diversifikation. Wir haben 11 Frauen im Team, kommen aus verschiedenen Ländern von nahezu allen Kontinenten, haben verschiedene Religionen, Erfahrungen und Hobbies, kommen aus armen und reichen Ländern und aus Kriegsgebieten. Wir leben den alugha Gedanken ganz und gar.
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch / über: Privatinvest durch Familie Greinert
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Privatinvest durch Familie Greinert
  • Investoren finden wir gut / schlecht weil: Generell muss man sich überlegen, inwieweit man sich selbst finanzieren kann und wie lange man für seine Ziele benötigt. Ein Investment ist per se nichts Schlechtes und kann einem dabei helfen, seine Ziele schneller zu realisieren. In vielen Fällen ist dies von existenzieller Tragweite. Braucht man zu lange und kann eine kritische Größe nicht erreichen, ist eine Unternehmung schnell wieder verschwunden. Egal, was die Beweggründe für ein Invest sind, entscheidend sind immer die sehr individuellen Umstände. Für uns wäre ein VC bis heute nicht in Frage gekommen, und umgekehrt denke ich nicht, dass wir für einen VC bis vor kurzem überhaupt von Interesse gewesen wären (mittlerweile sieht das ganz anders aus).
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Dass wir sehr vieles Inhouse machen und dadurch unser eigenes Produkt immer besser verstehen und weiterentwickeln können.
  • Kontakt

  • Bernd Korz
  • 07, 17
    68161 Mannheim
  • +49 621 490 730 - 100
  • hello@alugha.com
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