Diese 10 Geschäftsideen haben 85 Mio. Euro von Investoren eingesammelt



Etwas beschaulicher als in den Vormonaten ging es im Juli am Markt für Wagniskapital zu. Mit rund 85 Mio. Euro lag das Finanzierungsvolumen deutlich unter dem Rekordwert von 158 Mio. Euro aus dem Vormonat. Vor allem deshalb, weil die richtig großen Einzelfinanzierungen fehlten. Doch können sich die finanzierten Geschäftsideen von selbstfahrenden Trucks über den digitalen Partner für ältere Menschen bis zu Supraleitern für die Energiewirtschaft ohne Frage sehen lassen. Präsentiert werden die Top VC-Deals des Monats von unserem Partner Deutsche Börse Venture Network.



Alle Top 10 VC-Deals im Juli könnt ihr der Tabelle entnehmen. Das Gesamt-Finanzierungsvolumen lag mit 85 Mio. Euro deutlich unter der Rekordsumme des Vormonates von 158 Mio. Euro. Die Spanne reicht diesmal von 1,5 Mio. Euro bis 15 Mio. Euro. Aus den Top 10 stellen wir euch im Anschluss fünf Geschäftsmodelle genauer vor.

#1 Embark: Autonom fahrende Trucks (15,0 Mio. Euro)

Angeführt vom VC Data Collective (DCVC) haben in der Series A Finanzierungsrunde fünf Investoren insgesamt 15,0 Mio. Euro in das kalifornische Start-up Embark investiert. Embark selbst will mit Unterstützung der Investoren die nächste große Revolution im Transportwesen starten. Dazu entwickelt das Start-up ein Autopilot-System, mit dem Trucks autonom gesteuert werden können. Das auf neuronalen Netzen basierende, selbstlernende System wurde im Februar dieses Jahres bereits erfolgreich auf amerikanischen Straßen getestet. In Kooperation mit dem Truckhersteller Peterbilt sollen zukünftig noch mehr selbstfahrende Trucks auf die Straße gebracht werden.

Mit DCVC hat sich Embark einen Investor an Bord geholt, der nicht nur das Kapital zur Verfügung stellt, sondern durch zahlreiche andere Investments bereits seine Expertise im Bereich Big Data, selbstlernende Computer und künstliche Intelligenz (AI) bewiesen hat. Das jetzt neu aufgenommene Kapital soll in den Ausbau des Teams, insbesondere Ingenieure, sowie in weitere Trucks zum Ausbau der Testflotte investiert werden.

Mit autonom fahrenden Trucks will das Start-up Embark das Transportwesen revolutionieren (Bildquelle: embarktrucks.com)

#2 Intuition Robotics: AI-gesteuerter Gesprächspartner für alte Menschen (14,0 Mio. USD)

Überdurchschnittlich häufig kommen Start-ups, die an Innovationen aus dem Bereich künstlicher Intelligenz arbeiten, aus Israel. So auch das aus Tel Aviv stammende und 2015 gegründete Start-up Intuition Robotics. Intuition Robotics hat den auf künstlicher Intelligenz basierenden Roboter-Assistenten „Elliq“ entwickelt. Dieser soll es insbesondere älteren Menschen ermöglichen, zum einen einfach Kontakt zu ihrer Familie zu halten, und zum anderen mit dem Assistenten direkt zu kommunizieren. Durch die künstliche Intelligenz ist Elliq, der in seinem Design einer Lampe ähnelt, auch in der Lage, ständig dazu zu lernen und seine Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern.

In die Idee des „digitalen Gesprächspartners“ haben u.a. das Toyota Research Institute, aber auch Bloomberg Beta, iRobot, ManivMobility und Terra Ventures Partners, in der Series A Finanzierungsrunde 14,0 Mio. Euro investiert. Das Gesamtfinanzierungsvolumen steigt damit auf inzwischen 22 Mio. USD. Das neu aufgenommene Kapital soll insbesondere in die Weiterentwicklung und das Testing von „Elliq“ investiert werden. Wer sich einmal ansehen möchte, wie so ein digitaler Assistent funktioniert, kann das in folgendem Video tun.

#3 Comtravo: Buchungsplattform für Geschäftsreisen (8,5 Mio. Euro)

Auch hier geht es um AI. Ebenfalls mit künstlicher Intelligenz will das Berliner Start-up Comtravo den Buchungsprozess für Geschäftsreisen revolutionieren und verspricht selbst „die neue Art des Geschäftsreisens…“. Dabei soll die eingesetzte Software den Text aus E-Mail-Anfragen eigenständig auslesen und in Verbindung mit dem bisherigen Buchungsverhalten individuelle Reiseangebote ableiten. Der Kunde erhält auf der Basis der Analyse einen E-Mail-Reisevorschlag und kann direkt auf Basis der verschickten Mail seine Geschäftsreise buchen.

Nach Angaben von Comtravo können so bereits 35 % der Anfragen automatisch beantwortet werden. In die Idee des erst 2015 gegründeten Start-ups haben jetzt in der Series A Finanzierungsrunde unter dem Lead-Investor Creandum noch Projekt A Ventures und die btov Partners AG 8,5 Mio. Euro investiert. Das Geld soll hauptsächlich in die Produktentwicklung und die internationale Expansion fließen.

#4 THEVA: Supraleiter-Hersteller (7,0 Mio. Euro)

7 Mio. Euro frisches Kapital gab es in der inzwischen dritten Finanzierungsrunde für das im bayerischen Ismaning ansässigen Unternehmen THEVA von EnBW New Ventures, Bayern Kapital, Target Partners, eCAPITAL und der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft. THEVA ist ein Hersteller von Supraleitern, die als Zukunftstechnologie eine wichtige Rolle bei der verlustfreien Stromübertragung spielen.

THEVA selbst bezeichnet sich als der erste deutsche Supraleiterhersteller, der in Serie produziert. Besonders in der Energiewirtschaft dürften diese eine zunehmende Rolle spielen, was den Einstieg von EnBW New Ventures spannend für THEVA macht. Das neu aufgenommene Kapital unterstützt das Unternehmen dabei, bei der Marktdurchdringung die Nummer 1 zu sein, so THEVA-Geschäftsführer Dr. Werner Prusseit.

#5 Caspar-Health: Gesundheits-App (2,0 Mio. Euro)

Die nächste Seed-Runde hat das erst 2016 gegründete Berliner Start-up Caspar-Health abgeschlossen. Insgesamt konnten diesmal 2,0 Mio. Euro bei den bestehenden Investoren um die VCs Atlantic Labs und Think.Health Ventures eingesammelt werden. Caspar-Health betreibt eine Online-Therapieplattform, auf der Patienten eine individuelle und wirksame Betreuung bei Reha-Behandlungen erhalten.

Behandlungen werden digitalisiert und Patienten können ihre Trainingspläne, Videos oder Behandlungs- und Ernährungspläne per App abrufen oder sich mit ihrem behandelnden Therapeuten austauschen und Feedback geben. Interessant ist die App auch für Reha-Einrichtungen, die diese in ihr Behandlungsprogramm einbauen und dadurch Behandlungskosten für eine „Vor-Ort-Behandlung“ einsparen können. Die jetzt neu aufgenommenen 2,0 Mio. Euro möchte das Team, das sich aus den früheren Food-Express-Gründern zusammensetzt, für die Weiterentwicklung des eigenen Produkts verwenden.

Den Therapieplan auf die App bietet das Gesundheits-Start-up Caspar-Health (Bildquelle: Caspar-health.com)

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