Gründen und dabei Gutes tun: 5 Social Start-ups im Porträt



Als Unternehmer Gewinne erwirtschaften und gleichzeitig etwas Gutes tun, ist kein Widerspruch. Auch in Deutschland gibt es eine aktive Social-Start-up-Szene mit zahlreichen innovativen Geschäftsideen, die einen wertvollen Beitrag für Umwelt oder Gesellschaft leisten möchten. Wir stellen euch fünf Gründungen vor, die sich für Müllvermeidung, die Integration von Flüchtlingen, Entwicklungshilfe und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen.



Die Zeiten, in denen sich ausschließlich gemeinnützige Vereine dem guten Zweck verschrieben haben, sind vorbei. Immer mehr Gründer entdecken das Potenzial von sozial ausgerichteten Geschäftsideen inklusive der positiven Marketingwirkung, die Social Start-ups mit sich bringen. In unserem Geschäftsideen-Check stellen wir euch u.a. einen Laden vor, der auf Plastikverpackungen verzichtet, eine Schule, in der Flüchtlinge Programmieren lernen und ein Start-up, das sichere Medizintechnik im Rucksack in Entwicklungsländer bringt.

#1 Einkaufen nach dem Zero-Waste-Prinzip

Die Zahlen sind erschreckend – etwa 12 Millionen Tonnen Plastik landen alleine in Deutschland jährlich im Müll. Egal ob Lebensmittel, Hygiene- oder Haushaltsprodukte – nahezu alles, was wir im Supermarkt kaufen, ist zusätzlich und unnötigerweise in Plastik verpackt. Das Frankfurter Start-up Gramm.Genau möchte Verbrauchern helfen, nachhaltig und ressourcenschonend zu leben – plastikfrei  und getreu dem „Zero-Waste-Prinzip“. Seit Januar 2017  können Frankfurter im Laden von Gramm.Genau regionale Bio-Produkte unverpackt einkaufen. Mehrweggläser für Reis, Linsen oder Süßwaren oder andere Verpackungen werden garantiert wieder verwendet. Neben einem Mittagstisch bieten die Gründer zudem seit Kurzem einen Online-Shop mit Lieferservice im Stadtgebiet an. Das Start-up ist derzeit Mieter im Social Impact Lab Frankfurt und wird im Rahmen des Projekts AndersGründer der KfW Stiftung gefördert.

Die Idee: Lebensmittel kaufen ganz ohne Plastikverpackung (Bildquelle: Kathi Krechting / Gramm.Genau)

#2 IT-Kurse für Flüchtlinge

Alles begann im Sommer 2015, als Gründerin Anne Kjær Riechert aus Berlin als Reaktion auf die Flüchtlingskrise das Projekt „Refugees on Rails“ zur Integration von Geflüchteten in den Technologie-Sektor initiierte. Im Februar 2016 wurde daraus die ReDI School of Digital Integration, die Riechert zusammen mit Partner Ferdi van Heerden gründete. Mit der Unterstützung namhafter Partner wie Cisco, Daimler oder SAP bietet ReDI für geflüchtete Menschen Kurse im Programmieren, User Interface Design oder Business Intelligence an, damit diese im deutschen IT-Sektor Fuß fassen können. Im Rahmen der Kurse, die von ehrenamtlichen Dozenten geleitet werden, erhalten die Studenten Gelegenheit zum Netzwerken mit Alumni und Partnern aus der IT-Branche. Ausrüstung, wie z.B. Laptops, werden von Sponsoren gestiftet.

#3 Betriebliche Mini-Kita leicht gemacht

Die Gründer Christina Ramgraber und David Siekaczek aus München sind 2012 mit einem ehrgeizigen Ziel in die Selbstständigkeit gestartet: eine echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf für junge Eltern zu schaffen sowie Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu fördern. An den beiden Standorten München und Frankfurt berät und unterstützt sira kleine und mittlere Unternehmen bei der Planung, dem Aufbau und der Führung sogenannter betrieblicher Mini-Kitas. Diese Betreuungsform basiert auf der Großtagespflege, d.h. 8-10 Kinder werden in unternehmenseigenen oder angemieteten Räumen von 2-3 pädagogischen Fachkräften betreut. Dieses Modell ist für beide Seiten eine Win-win-Situation: Der personelle und finanzielle Aufwand für den Arbeitgeber hält sich in Grenzen und das Unternehmen investiert in die Mitarbeiterbindung. Die Arbeitnehmer erhalten bezahlbare Betreuungsplätze in räumlicher Nähe zum Arbeitsplatz, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sind.

 Mehr Infos zu den Mini-Kitas von sira findet ihr in diesem Video:

#4 Sichere Medizintechnik für Entwicklungsländer

Nach Aufenthalten in Namibia und auf den Kapverden war den Gründern Raphael Schönweitz und Philipp Odernheimer klar, dass sie etwas zur Verbesserung der medizinischen Versorgung in solchen Ländern beitragen wollen. Und das am besten in einer einfachen und praktischen Form – im Rucksackformat sozusagen. So wurde die Idee zur RSO Shift GmbH geboren, die die beiden zusammen mit dem dritten Gründer Martin Reh als Ausgründung aus der Universität Kassel starteten.

Das Start-up entwickelt innovative Medizintechnikprodukte speziell für Patienten in Entwicklungs- und Schwellenregionen, wo immer noch rund 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom und 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Ihr erstes Produkt ist der LifeShift Sterilizer, ein solarbetriebenes Aufbereitungsgerät, das Operationsbesteck reinigt, desinfiziert und sterilisiert. Dadurch werden sichere und hygienische Behandlungen ermöglicht und das Risiko von Wundinfektionen minimiert. Um das Gerät auch an entlegene Orte transportieren zu können, kann es ganz einfach auf den Rücken geschnallt werden. Im Herbst 2014 haben die drei Gründer für ihr energieautarkes Produkt eine erfolgreiche Startnext-Kampagne abgeschlossen.

#5 Nachhaltigkeit im Vorbeigehen

Die Mehrweg-Pfandbecher von RECUP sind derzeit in Berlin und München verfügbar (Bildquelle: RECUP).

Der morgendliche Coffee-to-go gehört für viele einfach zu einem guten Start in den Tag dazu. Übersehen werden dabei allerdings oft die Müllberge, die durch die Einwegbecher für den kurzen Kaffeegenuss unterwegs produziert werden. Allein in Deutschland werden jährlich 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher weggeworfen. Das Start-up RECUP GmbH hat ein innovatives Mehrweg-Pfandsystem entwickelt, das auf eine Kooperation mit Partnern wie Bäckereien, Cafés oder Kantinen setzt.

Der Kunde zahlt für den RECUP 1 € Pfand und erhält dafür den Kaffee selbst etwas günstiger als im regulären Einwegbecher. Nach Abgabe des Bechers bei einem der registrierten RECUP-Partner wird dieser gereinigt und wieder verwendet. Die Partner des Pfandsystems sind zudem in einer eigenen App hinterlegt und erhalten Infomaterial sowie einen Aufkleber als Hingucker für die Tür. Nach der Gründung im September 2016 und einem erfolgreichen Pilotprojekt in Rosenheim fusionierte RECUP im März 2017 mit JustSwapIt, dem Berliner Pfandsystem – alles unter dem Motto „Nachhaltigkeit im Vorbeigehen“.

Inspiration für deine eigene Gründung

Über 400 weitere spannende Geschäftsideen findet ihr auf Für-Gründer.de. Jeden Montag lest ihr natürlich auch in Zukunft in unserem GründerDaily neue Beiträge zum Thema Geschäftsideen. Einmal im Monat halten wir euch außerdem in unserem Geschäftsideen-Newsletter auf dem Laufenden.

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