12 Geschäftsideen, die scheiterten und was ihr daraus lernen könnt



Wer Erfolg haben will, muss scheitern? Nicht unbedingt. Ein Blick in das Museum of Failure zeigt aber: Selbst erfolgreiche Weltkonzerne wie McDonalds, Coca-Cola oder Heinz scheiterten schon mit ihren Geschäftsideen. Eine kleine Inspiration – zum Schmunzeln, aber auch um daraus zu lernen – haben wir euch von einem Besuch im südschwedischen Helsingborg mitgebracht.



We love innovation, and we love failure.

Das ist der erste Satz, den Besucher im Museum des Scheiterns mit auf den Weg bekommen. Ausgestellt werden dort über 70 Produkte und Angebote, die gescheitert sind. Der Gedanke daran, dass man Fehlschläge hinnehmen muss, wenn man etwas Neues probiert, motivierte Samuel West, Kurator des Museums of Failure, zu der Idee seiner Ausstellung. Zudem war er es Leid, immer nur die Erfolgsgeschichten der Firmen zu hören. Er ermutigt Unternehmen, offen mit dem Thema Scheitern umzugehen – schließlich könne man eine Menge daraus lernen.

Was zunächst als Pop-up-Museum in London oder Göteborg getestet wurde, ist inzwischen ein voller Erfolg mit einem festen Standort in Helsingborg. Nach einem internationalen Medienecho und starken Besucherzahlen sind bis 2018 weitere Pop-up-Stores geplant. Leider keiner in Deutschland, aber beispielsweise in New York, Stockholm sowie Istanbul.

Gescheiterte Innovationen aus dem Bereich Essen & Trinken

Scheitern Food
Was Kunden nicht wollen: grünen Ketchup und einen Burger nur für Erwachsene

Schon seit 1876 stellt Heinz Tomatenketchup her – erfolgreich, will man sagen. Doch auch bei Heinz gab es bereits Ausrutscher: Heinz Green, der Ketchup aus grünen Tomaten wurde schnell für Kinder wieder langweilig und für Eltern nervig, zwei halbleere Tuben im Kühlschrank zu haben. Somit verschwand das Produkt schnell wieder aus den Supermarktregalen.

Cola BlāK ist der gescheiterte Versuch von Coca Cola, in den Kaffeemarkt einzusteigen: eine Cola mit Kaffee-Geschmack quasi. 2006 erschien das Produkt, das über 30-jährige Personen ansprechen sollte, aber nie tat. Auch die Konkurrenz Pepsi scheiterte schon einmal in den 90er Jahren, als die Marketingabteilungen sich sicher waren, durchsichtige Getränke würden Gesundheit signalisieren und die Crystal Pepsi (durchsichtiges Getränk, das nach Pepsi schmeckt) entwickelten.

McDonald’s versuchte sich ebenfalls an der Zielgruppe Erwachsene. 300 Mio. Dollar wurden 1996 in die Marktforschung investiert. Das Ergebnis: der Burger „Arch Deluxe“. Beworben wurde dieser mit einem Werbeclip, bei dem Kinder angewidert das Gesicht verzogen, als ihnen der Burger mit erwachsenem Geschmack vorgesetzt wird. Eltern waren aber offensichtlich nicht willig, für den Deluxe Burger tiefer in die Tasche zu greifen, somit wurde das Produkt nach ca. einem Jahr schon wieder aus dem Sortiment genommen.

Gescheiterte Produkte mit der Zielgruppe Frauen

Männer brauchen Männerstifte, Frauen brauchen Frauenstifte – oder? Das französische Unternehmen BIC kann das seit 2011 mit einem klaren „Nein“ beantworten. Denn der „Bic for Her“ verursachte einen ordentlichen Shitstorm für das Unternehmen. Frauen brauchen vermutlich keinen Stift, der in glitzernden Pastellfarben besonders bequem in Frauenhänden liegt.

Auch Rejuvenique wurde seiner Zielgruppe, den Frauen, nicht gerecht. Die Schönheitsmaske sollte mit elektrischen Stromschlägen die Gesichtsmuskeln anregen – „als würden mir tausend Ameisen ins Gesicht beißen“, so eine Kundenbewertung. Das Produkt, das auch optisch nicht gerade für Schönheit steht, hat die Sicherheitszulassung nie erhalten.

Schoenheitsmaske
Wer schön sein will muss leiden? „Nein“, sagte die Zielgruppe dieser Schönheitsmaske.

Gescheiterte Geschäftsideen aus dem Bereich Technik

TwitterPeek war ein 180-Euro-teures Gerät, das eine Funktion hatte: Es konnte twittern. Dabei wurden immer nur die ersten 20 Buchstaben angezeigt, Links dagegen nicht. An dieser Stelle hören wir auf: R.I.P. 2010.

My Friend Cayla war eine Puppe, die an das Internet angeschlossen war. Kinder konnten mit ihr sprechen und ihr Informationen entlocken. Ein Kinderspiel war das auch für Hacker: Daten an Marketing-Firmen verkauft und so konnte Cayla auch Empfehlungen für andere Spielzeuge geben – vorzugsweise von Disney. In Deutschland war die Puppe übrigens von Anfang an verboten, in den USA überlebte sie nicht länger als ein Jahr.

Stichwort Fintech: Von 1998 bis 2004 gab es in Schweden eine sogenannte Bargeldkarte, die Einkäufe unkompliziert von Bargeld befreien sollte. Schwedische Banken hatten sich bereits auf diese gemeinsame Bezahlmethode geeinigt. Das Modell war jedoch deutlich komplizierter, als mit Bargeld zu bezahlen. Auch Parkgebühren konnte man beispielsweise mit der Karte nicht bezahlen. Mobile Payment kann da heutzutage schon deutlich mehr…

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Fintech? Bargeld abschaffen sieht heutzutage anders aus…

Ideen, die scheiterten, aber heute ganz groß sind

Modo war im Jahr 2000 ein kleines Gerät, das Usern in ihrer Umgebung aktuelle Tipps in Sachen Restaurants, Freizeitangebote oder Sonderangebote anzeigte. Die Angebote wurden immer über Nacht aktualisiert. Nach zwei Monaten auf dem Markt starb Modo an den Folgen der Dotcom-Blase. Euch fallen sicher einige Unternehmen ein, die heute per App ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgen, oder?

Ihr kennt den DeLorean vermutlich aus „Zurück in die Zukunft“. Genau dieser Film war auch der Grund, weshalb das Auto später doch noch groß geworden ist. 1976 war das Auto mit den Flügeltüren jedoch ein großer Flop. Es wurde hergestellt, weil die Konkurrenz auch ein futuristisches Auto baute. Diese war jedoch deutlich schneller und leistungsstärker.

DeLorean
Erst verhasst, dann geliebt: der DeLorean.

Und zum Abschluss etwas aus der Rubrik „schon gewusst…?“: Nylon wurde in den 20er Jahren bereits durch einen Zufall entdeckt: Forscher vergaßen, den Bunsenbrenner über das Wochenende abzuschalten – doch die „übergekochte Kunststoff-Schmiere“ wurde entsorgt. Zehn Jahre später machte ein Amerikaner in der Firma DuPont genau diesen Fehler – und entwickelte die Basis für Strumpfhosen & Co.

5 Learnings der gescheiterten Produkte

  1. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort: Manchmal gehört auch Glück dazu.
  2. Kennt eure Zielgruppe: Geschlechterspezifisch passt nicht immer.
  3. Marktforschung hat nicht immer recht (Unser Tipp: Lean-Start-up!)
  4. Manchmal hilft auch einfach nur gesunder Menschenverstand.
  5. Scheitern heißt nicht, dass man nicht erfolgreich sein kann.

…und woran scheitert ihr?

Zu guter Letzt konnte man im Museum of Failure dann noch feststellen, dass jeder schon einmal an irgendetwas gescheitert ist. In einer Art „Beicht-Raum“ haben Besucher ihre größten Fails niedergeschrieben und aufgehängt. Fünf davon haben wir euch mitgebracht… und woran seid ihr schon einmal gescheitert?

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