Top 10 VC-Deals im Mai: Vom exklusiven Koffer bis zum Atemlufttest



Ende Mai erreichte das Thermometer in Deutschland neue Rekordwerte. Ähnlich heiß her ging es auch auf dem Markt für Risikokapital. Unsere Top 10 VC-Deals verzeichneten im Mai eine  Gesamtsumme von 130 Mio. Euro. Finanziert wurden u.a. ein intelligenter Home-Assistant, eine SaaS-Software für Prozessmanagement oder ein mobiler Leber-Atemlufttest. Erfreulich aus deutscher Sicht: der größte Deal kommt nicht aus den USA, sondern mit mehr als 20 Mio. Euro aus Berlin.



Eine Übersicht über alle Top 10 VC-Deals im Mai haben wir in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Insgesamt 130,5 Mio. Euro konnten diese Start-ups bei Investoren einsammeln, die Spanne reicht dabei von 1,8 Mio. Euro bis 22 Mio. Euro. Aus den Top 10 stellen wir euch im Anschluss fünf Geschäftsmodelle näher vor.

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#1 EcoIntense: SaaS für das Prozessmanagement (22,0 Mio. Euro)

Die stattliche Summe von 22 Mio. Euro, und damit auch die höchste Finanzierung unserer Top 10 VC-Deals im Mai, erhielt das Berliner Unternehmen EcoIntense von den Investoren One Peak Partners und Morgan Stanley Expansion Capital. Nach der Seed-Finanzierung im Jahr 2008, an der u.a. auch der High-Tech Gründerfonds beteiligt war, war dies erst die zweite Finanzierungsrunde für die Berliner Softwareschmiede überhaupt.

EcoIntense hilft Unternehmen mit seiner SaaS-Plattform EcoWebDesk, Prozesse im Bereich Health, Safety & Environment (HSE) zu managen. In diesem sogenannten „HSE-Bereich“ soll EcoIntense zum führenden europäischen Anbieter werden, der standardisierte Softwarelösungen für Arbeitssicherheit, Umweltmanagement und Nachhaltigkeit bietet. Durch den Einsatz von EcoWebDesk können Industrieunternehmen sowie Ver- und Entsorger das komplexe System von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, Aufgaben industriellen Umweltschutzes und gesetzlichen Vorgaben sowie Arbeitssicherheit und Gefahrenvermeidung effizient und rechtssicher verwalten.

Mit dem neu aufgenommenen Kapital beabsichtigen die Gründer Markus Becker, Hardy Menzel und Sebastian Mönnich, die das Unternehmen weiterhin leiten, die Produktentwicklung voranzutreiben sowie das internationale Wachstum zu intensivieren.

#2 Away: Exklusive Koffersysteme (20,0 Mio. USD)

Bereits 20 Mio. USD Umsatz mit mehr als 100.000 verkauften Koffern konnten die beiden Co-Founder Steph Korey und Jen Rubio mit ihrem erst 2015 gegründeten Start-up Away erzielen. Dabei handelt es sich aber nicht um gewöhnliche Koffer, sondern um exklusive Exponate, die neben einem unzerbrechlichen Äußeren, Highend-Rollen und einem besonders sicheren Verschlusssystem auch mit Akkupacks und anderen Gimmicks ausgestattet sind.

Angesichts der bisher erzielten Absatzzahlen konnte Away im Mai hochkarätige Investoren von der eigenen Wachstumsstory überzeugen. In einer Series B Finanzierungsrunde haben die VCs Global Founders Capital, Forerunner Ventures, Comcast Ventures und Accel Partners insgesamt 20 Mio. USD investiert. Damit erhöht sich das bisher von Away in drei Finanzierungsrunden aufgenommene Kapital auf 31 Mio. USD.

Mit dem Geld soll, neben einer forcierten Produktentwicklung, hauptsächlich der Einstieg ins Retailgeschäft finanziert werden. Im ersten Schritt plant Away dazu die Eröffnung von vier bis sechs Einzelhandelsgeschäften.

So macht Reisen doppelt Spaß: mit den „intelligenten“ Koffern von Away (Bildquelle: Awaytravel.com)

#3 Lighthouse: Smart Home Überwachungs-Assistent (17,0 Mio. USD)

Der künstlichen Intelligenz (AI) hat sich das 2014 gegründete Hightech-Start-up Lighthouse aus Palo Alto verschrieben. Das Unternehmen entwickelt einen intelligenten Home-Assistenten, mit dem Hauseigentümer ihr Zuhause mittels ihrem Smartphone kontinuierlich überwachen können. Während also andere intelligente Assistenten wie Alexa, Cortana oder Google Assistant dem Benutzer Kontrolle über Dinge geben, wenn dieser zu Hause ist, liefert Lighthouse Informationen, wenn der Benutzer nicht zu Hause ist. Dabei kann der Benutzer genau definieren, was konkret überwacht werden soll, d.h. auf spezielle Interessen abstellen. Dazu befindet sich im Gerät ein 3D-Sensor, der Menschen, Tiere oder andere Objekte genau identifizieren kann. Damit können Eltern zukünftig z.B. nachvollziehen, ob die Kinder bereits von der Schule wieder zurück sind oder wer tatsächlich die teure Vase kaputt gemacht hat.

In der aktuellen (und ersten) Finanzierungsrunde haben fünf Investoren um den Lead-Investor Eclipse insgesamt 17 Mio. USD in das Start-up investiert. Das neu aufgenommene Kapital soll für die weitere Produktentwicklung sowie den Ausbau Mitarbeiterstammes verwendet werden.

Einen Einblick, was das Gerät alles kann, liefert das folgende Video:

#4 Humedics: Mobiler Leberfunktionstest (6,3 Mio. Euro)

Was entstehen kann, wenn sich ein Chirurg und ein Professor für Physik zusammentun, zeigt das Biotechnologie-Unternehmen Humedics. Das bereits 2009 von Dr. Martin Stockmann und Karsten Heyne in Berlin gegründete Unternehmen hat das mobile Messgerät Flip und den zugehörigen LiMAx®-Test entwickelt, mit dessen Hilfe eine schnelle und präzise Messung der Leberfunktionen über die Atemluft möglich ist. Dadurch sind Ärzte bereits am Krankenbett ihres Patienten in der Lage, konkrete Informationen bei Leberinsuffizienz zu erhalten und dementsprechend schnell Therapieentscheidungen zu treffen. Seit der offiziellen Zulassung im Jahr 2015 wurden bereits mehr als 10.000 Tests mit Patienten erfolgreich absolviert.

Das Konzept hat im Mai sämtliche bisherigen Investoren, die von Vesalius Biocapital Partners und Seventure Partners angeführt werden, überzeugt, weitere 6,3 Millionen Euro zu investieren. Mit dem frischen Kapital soll die europäische Marktzulassung sowie der Markteintritt angeschoben werden. Neben den beiden Lead-Investoren sind u.a. auch Peppermint VenturePartners, die IBB-Beteiligungsgesellschaft, der ERP Startfonds oder der High-Tech Gründerfonds an Humedics beteiligt.

Im Video erfahrt ihr, wie der der LiMAx-Atemtest funktioniert:

#5 MoBerries: Jobmatchingplattform (1,8 Mio. Euro)

1,8 Mio. Euro konnten die Gründer des Berliner Start-ups MoBerries, Andre Zayarni, Mo Moubarak und Terence Hielscher, einsammeln. Neben dem High-Tech Gründerfonds und 42CAP beteiligten sich in der aktuellen Finanzierungsrunde zahlreiche, bereits aus anderen Start-ups sehr bekannte, Gründer an MoBerries. Mit dabei sind zum Beispiel Michael Brehm (Rebate Networks / CEO StudiVZ), Tim Stracke (Chrono24 / Wohnen-im-Alter.de) oder Roman Kirsch (Fab.de / Lesara).

Das Unternehmen MoBerries möchte nichts weniger, als den Weg des Mitarbeiter-Recruitments revolutionieren. Dazu hat das 2015 gegründete Start-up einen selbstlernenden Software-Algorithmus entwickelt, der gezielt Jobsuchende an potenzielle Arbeitgeber über ein spezielles Matching-Verfahren vermittelt. Für den Service zahlen müssen nur Arbeitgeber, die dann direkt passende Bewerber zu ihren Stellenanzeigen angezeigt bekommen.

Mit dem aufgenommenen Kapital möchte das Team von MoBerries die eigene Technologie weiterentwickeln und damit das Wachstum beschleunigen.

Über hochkarätige Investoren können sich die Gründer von MoBerries freuen (Bildquelle: MoBerries)

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