Praxisbeispiel: So sieht das Canvas des Immobilien-Start-ups Homeday aus



Erst vor Kurzem haben wir euch unser Geschäftsmodell-Canvas vorgestellt. Mit dieser Weiterentwicklung des bekannten Business Model Canvas könnt ihr eure Geschäftsidee im Hinblick auf die wichtigsten Aspekte überprüfen. Heute zeigen wir euch anhand eines Praxisbeispiels, wie so ein Canvas aussehen kann.



In unserem Geschäftsmodell-Canvas werden neun zentrale Schlüsselfaktoren, die für das eigene Geschäftsmodell wichtig sind, analysiert, in Verbindung gesetzt, visualisiert und weiterentwickelt, bis ein tragfähiges Modell vorhanden ist. Dabei werden Stärken und Schwächen der eigenen Geschäftsidee geprüft und darauf aufbauend ermittelt, ob sich die Umsetzung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnt. Im Folgenden stellen wir euch für unser Praxisbeispiel diese neun Schlüsselfaktoren sowie mögliche Ausprägungen vor.

Für die Demonstration einer praktischen Umsetzung des Canvas-Modells haben wir das Start-up Homeday ausgewählt, welches den in Deutschland bislang sehr intransparenten Immobilienmarkt transparenter und den Kauf und Verkauf von Immobilien einfacher gestalten möchte.

#1 Gründer(team)

Bin ich überhaupt zum Gründer geeignet und bringe ich die entsprechenden Fähigkeiten und die Motivation für den Schritt in die Selbstständigkeit mit? Wie ist es um meine fachlichen Qualifikationen bestellt und welche wirklich wichtigen Kompetenzen fehlen? Und ergänzen sich bei Teamgründungen die Teammitglieder in ihren Fähigkeiten? Diese Fragen sollten sich Gründer bei der Beantwortung der ersten Frage zu den Stärken und Schwächen der Gründer bzw. des Gründerteams stellen.

In unserem Praxisbeispiel geht es um Steffen Wicker, Dmitri Uvarovski und Philipp Reichle, die das Unternehmen 2014 zusammen gegründet haben. Das Gründerteam teilt bereits umfassende Erfahrung, durch ihr erstes Start-up Simfy, kennt sich sehr lange und ergänzt sich dadurch gut.

#2 Geschäftsidee

Informationen zu Immobilientransaktionen, wie beispielsweise zu Preisen oder beteiligten Maklern, sind kaum zugänglich. Homeday hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, den Immobilienmarkt transparenter zu gestalten und dabei zur ersten Anlaufstelle rund um den Verkauf von Immobilien zu werden.

#3 Kunden

Im Bereich Kunden solltet ihr definieren, wer eure Zielgruppe ist, d.h., wen ihr mit euren Produkten bzw. eurer Dienstleistung konkret ansprechen möchtet. In unserem Praxisbeispiel sollen sowohl die Makler auf der einen Seite sowie Immobilienverkäufer und Immobilienkäufer auf der anderen Seite als zukünftige Nutzer der Plattform angesprochen werden.

#4 Markt & Wettbewerb

Fundierte Kenntnisse über den Markt sowie die wichtigsten Wettbewerber sind unabdingbar für den Unternehmenserfolg. Gründer sollten sich bereits beim Start im Klaren sein, wie groß der Markt ist, welche Trends den Markt bestimmen oder wie hoch die Markteintrittsbarrieren sind. Außerdem sollte jeder Gründer die wichtigsten Mitbewerber sowie deren Stärken und Schwächen kennen.

Im Praxisbeispiel konzentriert sich der Wettbewerb auf andere Online-Maklerportale, aber auch auf Immobilienportale oder regionale Maklerbüros.

#5 Preis & Strategie

Wo liegt der Nutzen des Produkts im Vergleich zur Konkurrenz bzw. was nützt das Angebot dem Kunden? Und wie sieht meine Preisgestaltung aus, auch bezogen auf die Konkurrenz? Wird eher ein hochpreisiges Segment bedient oder liegt die eigene Preisgestaltung eher am unteren Ende der Bandbreite? Und wo sehen die Gründer die Positionierung ihres Start-ups im Vergleich zum Wettbewerb?

In unserem Praxisbeispiel soll das Angebot für Immobilienverkäufer und Immobilienkäufer vollständig kostenlos sein. Das Geschäftsmodell wird getragen von einer prozentualen Beteiligung von Homeday an der Maklerprovision. Langfristig soll sich das Portal zur ersten Anlaufstelle für den Kauf und Verkauf von Immobilien entwickeln.

#6 Marketing & Vertrieb

Wer nicht wirbt, der stirbt bzw. selbst das beste Angebot verkauft sich nicht von selbst, besonders dann nicht, wenn es noch völlig neu und unbekannt ist. Deshalb gehören Marketing und Vertrieb zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren einer Unternehmensgründung.

Eine Marketingmaßnahme ist in unserem Praxisbeispiel bereits die Tatsache, dass für Immobilienkäufer bzw. -verkäufer keinerlei Kosten anfallen. Um den Bekanntheitsgrad – gerade am Anfang – deutlich zu erhöhen, wird außerdem auf Maßnahmen der Suchmaschinenoptimierung, des Suchmaschinenmarketings sowie auf breit angelegte Social Media Marketing-Aktivitäten gesetzt.

#7 Ausgaben

Nur wer seine Kosten im Blick hat, kann langfristig erfolgreich sein. Kosten entstehen während der Existenzgründung sowie im laufenden Geschäftsbetrieb. Wichtig ist, stets einen Überblick über die Kosten zu behalten. Im Geschäftsmodell-Canvas werden nur die größten Kostenblöcke erfasst, die bei der Gründung anstehen. Eine genaue Berechnung erfolgt später im Rahmen des Businessplans.

#8 Einnahmen

Bei der Definition der Einnahmen beschreibt ihr in eurem Canvas, wie ihr mit eurem Geschäftsmodell langfristig Geld verdienen wollt. In unserem Beispiel konzentrieren sich die Einnahmen auf eine prozentuale Beteiligung von Homeday an der Maklerprovision.

#9 Ressourcen

Unter diesem Punkt werden die Faktoren erfasst, die für die Gründungsphase notwendig sind. Hier solltet ihr euch bereits Gedanken machen, wie viele (und welche) Mitarbeiter ihr benötigt, welche Büroflächen notwendig sind oder was rund um euer Produkt notwendig ist.

Im Praxisbeispiel sind das z.B. Faktoren wie die Suche nach den richtigen Mitarbeitern, die Bereitstellung ausreichender Bürofläche, die Programmierung der Webseite inkl. Hosting oder die Sicherung der Markenrechte.

  • Wenn ihr euer Geschäftsmodell auch in einem Canvas prüfen möchtet, dann könnt ihr das kostenfrei mit unserem Geschäftsmodell-Canvas tun. Wie das genau funktioniert, zeigt nachfolgendes Video. Einen Überblick über alle 9 wichtigen Schlüsselfaktoren erhaltet ihr außerdem in dieser Infografik.