15 Tipps für euren Start in die Selbstständigkeit von GründerChampions



Guter Rat ist teuer, meistens jedenfalls. Vielfältige Inspiration bieten Gründern hingegen berühmte Entrepreneure und erfolgreiche Jungunternehmer haben stets praxisrelevante Tipps und Ratschläge parat. Das haben wir zum Anlass genommen, einige KfW GründerChampions nach ihren Top3-Tipps für Unternehmensgründer zu befragen. Was diese euch raten, haben wir nachfolgend zusammengefasst.



  • Zum Hintergrund: Die aktuelle Bewerbungsphase für den KfW Award GründerChampions ist am 1. Mai gestartet. Bewerben kann sich bis zum 1. August 2017  jedes in Deutschland ansässige Start-up unabhängig von der Branche, das 2012 oder später gegründet wurde. Bewerbungen erfolgen online über das Bewerbungsformular.

#1: Authentisch sein und auf das eigene Bauchgefühl vertrauen

Über den Gewinn des Publikumspreises und ein Preisgeld von insgesamt 6.000 Euro konnten sich im letzten Jahr Anna Kaiser und Jana Tepe von der Jobsharing-Plattform Tandemploy freuen. Mit ihrem Start-up wollen die beiden Gründerinnen die Zukunft der Arbeit durch flexiblere Arbeitsmodelle verändern.

Die persönlichen Top3-Tipps für Unternehmensgründer von Jana lauten:

  1. Authentisch sein & sich trauen, Dinge anders zu machen.
  2. Ein Team aus Menschen zusammenstellen, die in ihren Bereichen besser sind als man selbst.
  3. Tipps & Ratschlägen zuhören – aber am Ende aufs eigene Bauchgefühl und die Intuition vertrauen.
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Hier freut sich Tandemploy über den Sieg als Publikumssieger (Foto: KfW / Thorsten Futh)

#2: Neugierig und kreativ bleiben – auch „Nein“ sagen können

Mehr als „nur“ einen Buchladen bieten die beiden Gründerinnen Jasmin Marschall und Elisabeth Windfelder mit ihrer Buchhandlung „herr holgersson. lesen und leben„. Die Unternehmerinnen haben ein Raumkonzept entwickelt, das sich an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientiert. Herausgekommen ist eher eine Bücherwohnung, als ein Buchladen. Der Verkaufsraum gleicht einem Wohnzimmer, es gibt eine Küchenzeile mit Koch- und Backbüchern, ein Arbeitszimmer mit Schreibtisch und Sachbüchern oder ein Kinderzimmer mit Spielecke und Kinder- und Jugendbüchern. Das Konzept kommt nicht nur bei der Kundschaft an, sondern überzeugte letztes Jahr auch die Jury und herr holgersson wurde der Landessieger für Rheinland-Pfalz.

Wir wollten von Jasmin und Elisabeth wissen, was aus ihrer Sicht das Wichtigste ist, was Gründer gerade in der Startphase unbedingt beachten sollten:

  1. Genug Zeit auf das Konzept und das Zahlenwerk verwenden – das ist euer Herzstück und hat Zeit und Arbeit verdient.
  2. Macht nur Dinge, die zu euch passen. Kunden und Kollegen merken, wenn irgendetwas halbherzig passiert und das soll nicht sein. Manchmal muss man einfach „Nein“ sagen, auch wenn es schwerfällt. Ihr strahlt nur, wenn ihr Spaß habt.
  3. Bleibt neugierig und kreativ! Während der ersten Anlaufphase ist das natürlich nicht so leicht, aus dem Tagesgeschäft neue Ideen zu entwickeln. Plant freie Zeit für euch, Familie und Freunde ein – wenn ihr für ausreichend Ausgleich sorgt, kommen gute und neue Ideen von ganz allein.
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Elisabeth Windfelder freut sich über die Auszeichnung als KfW GründerChampion 2016 (Foto: KfW / Thorsten Futh)

#3: Nicht aufgeben, Marktrecherche betreiben und Kundenfeedback einholen

Ebenfalls ein Landessieger war 2016 das Bremer Start-up gastronovi, das mit seiner selbst entwickelten Software eine modulare Komplettlösung für Gastronomiebetriebe – von der Kassenlösung über die Tischreservierung, das Warenwirtschafts- und Marketingsystem bis hin zur automatischen Zeiterfassung – anbietet. Aus dem vierköpfigen Gründerteam haben uns Karl Jonderko, Bartek Kaznowksi und Andreas Jonderko die folgenden Tipps gegeben:

Bartek Kaznowski, Leitung Vertrieb:

Marktrecherche: Meiner Erfahrung nach sind die drei wichtigsten Punkte, die über Erfolg und Niederlage entscheiden, die richtigen Überlegungen zum Zusammenspiel aus Standort, Konzept und Mitbewerbern in der Nähe. Ich rate allen Start-ups, eine ehrliche Marktrecherche durchzuführen. Viele Projekte scheitern genau daran, dass von Gegebenheiten ausgegangen wird, die schlicht nicht vorhanden sind.

Andreas Jonderko, Geschäftsführung:

Nicht aufgeben: Entscheidend ist ein fester Glauben an das eigene Unternehmen und Produkt bei gleichzeitiger Offenheit für Feedback und Kritik. Gerade am Anfang sind Fehler unvermeidlich. Der Vorteil: Sie können noch schnell und meist kostengünstig angepasst werden, zu einem späteren Zeitpunkt ist eine Anpassung viel schwieriger.

Karl Jonderko, Leitung Marketing:

Kundenfeedback: Wichtig ist es, von Anfang an einen guten und offenen Kontakt zu Kunden und Partnern aufzubauen. Denn sie haben das, was am wichtigsten für den Erfolg einer Gründung ist: Feedback aus der Praxis. Eine Idee ist nur dann wirklich gut, wenn sie dem Endkunden wirklich weiterhilft.

Bereits 2008 beschlossen die vier Gründer von gastronovi, mit ihrer Software die Gastronomie-Prozesse zu optimieren (Foto: gastronovi)

#4: Der eigenen Idee vertrauen und Kompetenzen richtig einschätzen

Bereits im Jahr 2015 sicherte sich Christina Grätz mit ihrem Start-up Nagola Re den Gesamtsieg beim KfW-Award GründerChampions und damit auch das Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro. Das Unternehmen aus Brandenburg hat sich die Bewahrung und Wiederherstellung von abwechslungs- und artenreichen Lebensräumen zum Ziel gesetzt und siedelt dazu u.a vom Aussterben bedrohte Pflanzen neu an oder bringt aufgrund von Bauprojekten begradigte Flüsse wieder in ihre ursprüngliche Form zurück. Mehr dazu erfahrt ihr in diesem Video:

Nachdem auch bei Nagola Re die Gründungsjahre turbulent verliefen, hat Christina mit der Erfahrung von mehr als fünf Jahren Selbstständigkeit die folgenden wichtigen Tipps für Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten:

  1. Haltet an eurer Idee fest: Auch wenn andere einem abraten und nicht verstehen können, warum man den sicheren Hafen einer Festanstellung verlässt.
  2. Schätzt eure Kompetenzen realistisch ein: Arbeiten, die nicht zur eigenen Kompetenz gehören, auch mal abgeben. Ich habe zum Beispiel gewusst, dass ich kein Grafikdesigner bin und gleich von Anfang an das gesamte Corperate Design an einen befähigten Auftragnehmer vergeben, was der Firma gutgetan hat. Häufig sieht man bei jungen Unternehmen selbstgemachte Webseiten und Logos, die nicht so schön sind.
  3. Nehmt Hilfestellungen an: Coaching und Fördermittel haben mir sehr geholfen.

#5 Konzeptionell denken und trotzdem flexibel bleiben

Ebenfalls 2015 wurde das Start-up Cloud&Heat Technologies aus Dresden als Landessieger Sachsen zum GründerChampion gewählt und schaffte es anschließend sogar zum Publikumsliebling. Das Unternehmen installiert Cloud-Server dezentral in Wohn- oder Geschäftsgebäuden und nutzt die entstandene Abwärme zum Heizen des Gebäudes oder zum Aufwärmen von Wasser. Das spart Energie und verbessert gleichzeitig die CO2-Bilanz.

Die Gründer René Marcel Schretzmann, Dr. Jens Struckmeier und Prof. Dr. Christof Fetzer haben folgende wertvollen Tipps für Unternehmensgründer:

  1. Durchdenkt euer Konzept! Macht euch, bevor ihr euer Start-up gründet, ausreichend Gedanken zu den Herausforderungen, die euch auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen über den Weg laufen: Wie unterscheidet ihr euch von der Konkurrenz? Was ist euer Alleinstellungsmerkmal? Und gibt es auch genug Menschen, die bereit sind, für eure Idee Geld auszugeben?
  2. Bringt euch ins Gespräch! Präsentiert euch möglichst frühzeitig auf für euch passenden Events mit Fachvorträgen, Pitches oder der Vorstellung eures Prototypen/Produktes. So knüpft ihr nicht nur schnell hilfreiche, spannende Kontakte zu Wirtschaft und Politik, sondern macht auch frühzeitige potenzielle Investoren auf euch aufmerksam. Gleiches gilt für eure Pressearbeit: Erzählt eure Story, macht auf Produktneuheiten aufmerksam und berichtet von Erfolgen!
  3. Bleibt flexibel! Bleibt euch und eurer Idee treu, aber behaltet den Markt im Auge. Vielleicht sind kleine Anpassungen des Geschäftsmodells vonnöten, um agil auf Marktänderungen reagieren zu können.
Dr. Jens Struckmeier
Dr. Jens Struckmeier ist Mitgründer und CTO von Cloud&Heat Technologies. (Foto: Cloud&Heat)

Wer die Storys zu den fünf Start-ups bzw. die Interviews mit den Gründern nochmal einzeln nachlesen möchte, der findet sie hier:

Jetzt auch KfW GründerChampion werden

Für den KfW Award GründerChampions kann sich jedes in Deutschland ansässige Start-up unabhängig von der Branche, das 2012 oder später gegründet wurde, bewerben. Die Bewerbung ist noch bis zum 1. August 2017 online möglich. Für die Siegern stehen Preisgelder von insgesamt 35.000 Euro bereit. Das Factsheet zum Wettbewerb könnt ihr euch hier herunterladen.

Weitere Informationen zum KfW-Award GründerChampions findet ihr auf der Website der KfW. Wir wünschen viel Erfolg bei diesem oder einem der anderen 190 Gründerwettbewerbe, die 2017 anstehen.

KfW-Award GründerChampions und Für-Gründer.de

  • Das Portal Für-Gründer.de ist Medienpartner der Wettbewerbsrunde 2017 des KfW-Awards GründerChampions. Somit unterstützen wir den Award und die GründerChampions mit unserer Berichterstattung. Wie ihr 2017 auch ein KfW GründerChampion werden könnt, haben wir euch hier zusammengestellt.