How to Startup [Teil 2]: Die ersten Schritte zur Unternehmensgründung



Ist die passende Geschäftsidee gefunden, ist ein erster wichtiger Schritt zum erfolgreichen Unternehmer gemacht. Wichtige Tipps und Methoden zur Ideenfindung haben wir euch in Teil 1 unserer Serie „How to Startup“ vorgestellt. Nun gilt es, erste konkrete Schritte einzuleiten, um die Idee in ein funktionierendes Geschäftsmodell zu überführen.



Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat.

Das erkannte schon der weltberühmte Schriftsteller Mark Twain. Was nützt die beste Geschäftsidee, wenn sie nicht (oder nicht richtig) in der Praxis umgesetzt wird. Sei es, weil die entsprechenden Ressourcen oder aber das notwendige Wissen fehlen. Damit ihr an diesem Punkt nicht scheitert, haben wir wieder unsere beiden Experten und EXIST-Gründercoaches befragt, wie und mit welchen Methoden die bestehende Idee schrittweise in ein funktionierendes Konzept überführt werden kann.

How to Startup? Wir erklären euch eure wichtigsten Schritte in unserer vierteiligen Serie.

Bartosz Kajdas vom Innovations- und Gründungszentrum HIGHEST an der TU Darmstadt und Karin Kricheldorff vom Centre for Entrepreneurship an der TU Berlin beraten Gründer aus der Hochschule im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums.

  • Zum Hintergrund: Das EXIST-Gründerstipendium fördert Hochschulgründer, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Im Fokus dabei stehen innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten. Die Gründungsvorhaben werden mit Coachings und Weiterbildungen sowie bis zu 30.000 Euro für die Dauer von einem Jahr unterstützt.
Bildquellen: TU Darmstadt, TU Berlin

How to Startup Schritt #3: Die Geschäftsidee testen

Zu „How to Startup“ Schritte #2 und #1.

Steht die Geschäftsidee, muss diese auch auf ihre tatsächliche Markttauglichkeit getestet werden. Deshalb empfehlen Bartosz Kajdas und seine Kollegen im Gründerzentrum HIGHEST jungen Gründern immer wieder die Validierung der Ideen:

Wir versuchen die Ideengeber dazu zu bringen, schnell ihre Ideen mit potenziellen Kunden zu testen. Die Kunden entscheiden letztlich, ob das Unternehmen ein Erfolg wird oder nicht. Wenn das Produkt oder die Dienstleistung, die man anbietet, dem Kunden tatsächlich nutzt, dann bekommt man auch den Rest organisiert.

Das Marktverhalten kann man zum Beispiel mit einem „Minimum Viable Product“ testen und dadurch wertvolles Feedback erhalten, auch wenn das Produkt oder die Dienstleistung nicht zu 100 Prozent ausgereift sind. Zusätzlich dazu rät Kajdas eine neutrale Person zu finden, die einem hilft, seine Handlungen zu reflektieren. Oft verzetteln sich Gründer vor lauter Herausforderungen und haben Schwierigkeiten die richtige Priorisierung zu finden.

Genauso sieht es auch Karin Kricheldorff, die es am Centre for Entrepreneurship der TU Berlin häufig mit Wissenschaftlern zu tun hat:

Für die meisten Wissenschaftler, die mit einer Gründungsidee zu uns in die Beratung kommen, ist es eine besondere Herausforderung, aus einem wissenschaftlichen Arbeitsergebnis ein marktfähiges Produkt zu entwickeln. Sie fokussieren sich auf die Lösung, von der sie 100-prozentig überzeugt sind, ohne ein reales Kundenproblem zu adressieren. Damit ist die Gefahr sehr groß, dass am Bedarf des Marktes vorbei entwickelt wird.

Deshalb ist es für die Validierung der Geschäftsidee aus Sicht von Karin Kricheldorff immens wichtig, sich immer wieder kritisches Feedback vom Markt zu holen. Die Gründer müssen am besten von Tag 1 an mit potenziellen Kunden sprechen, sich Feedback von relevanten Investoren holen und die so gewonnenen Informationen immer wieder kritisch evaluieren und in die Weiterentwicklung der Geschäftsidee und des Produktes einfließen lassen.

How to Startup Schritt #4: Einen Businessplan schreiben

Für Bartosz Kajdas kommt das Geschäftsmodell immer vor dem Businessplan:

Besonders mit dem Business Model Canvas hat man super Möglichkeiten, sein Geschäftsmodell zu durchdenken. Mit den Methoden des Lean-Start-ups kann man sein Geschäftsmodell an der Realität überprüfen. Erst wenn man ein Gefühl dafür hat, ob eine Idee vom Markt angenommen wird, kann man beginnen, seinen Businessplan zu schreiben.

Zusammen mit seinen Kolleginnen haben sie am Innovations- und Gründungszentrum HIGHEST dafür ein eigenes Beratungsmodell entwickelt, das auf High-Tech- und Digital-Gründungen ausgelegt ist und alle wesentlichen Bausteine zum Aufbau eines Geschäftsmodells enthält. Der Businessplan ist dann ein Dokument, mit dem man sein finales Geschäftsmodell im Detail darstellt, sowohl in Worten als auch in Zahlen.

Das am Centre for Entrepreneurship der TU Berlin vorrangig wissens- und technologiebasierte Vorhaben betreut werden, erklärt Karin Kricheldorff. Und für diese Art von Gründungen beantwortet sie die Frage nach der Notwendigkeit eines Businessplans eindeutig mit ja:

Fast alle von uns betreuten Start-ups benötigen eine Anschlussfinanzierung, in der Regel von privaten Investoren und VCs. Die meisten Investmententscheidungen werden immer noch auf der Basis eines traditionellen Businessplans mit einer aussagekräftigen Finanzplanung getroffen.

Auch wenn das Schreiben des Businessplans bei den meisten Gründern nicht sehr beliebt ist, hilft es doch bei der Strukturierung der Gründungsidee und bei der strategischen Planung.

How to Startup Schritt #5: Die Idee präsentieren

Die Teilnahme an Gründerwettbewerben empfiehlt Bartosz Kajdas, um die Geschäftsidee zu präsentieren und sich professionelles Feedback einzuholen.

Die Gründer können hierbei mit den Preisen ihr Startbudget erhöhen. Noch viel wichtiger ist jedoch das Feedback, das sie während der Teilnahme erhalten.

Bei einem Wettbewerb müsse sich zudem die Idee von anderen Ideen abgrenzen und überzeugen, so Kajdas weiter: „Nach einer Wettbewerbsteilnahme wirken die Gründerteams viel fokussierter und klarer in Bezug auf ihre Gründungsidee. Und falls ein Gründerteam gewinnt, ist das meistens eine tolle Motivationsquelle.“

Und so geht es im nächsten Teil weiter…

In Teil 3 erfahrt ihr alles zum Gründerteam und die ersten Finanzierungsschritte und in Teil 4 beantworten unsere Experten Fragen zu Struktur, Vertrieb und die ersten Mitarbeiter. Nachlesen könnt ihr im ersten Teil unserer Serie „How to Startup“ Tipps und Methoden zur Ideenfindung.

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