How to Startup [Teil 3]: Gründerteam und erste Finanzierungsschritte



Zur Auffrischung: Im ersten Teil unserer Serie „How to Startup“ habt ihr erfahren, wie ihr die richtige Geschäftsidee findet, Teil 2 lieferte euch erste konkrete Schritte, um eure Idee in ein funktionierendes Geschäftsmodell zu überführen. Im heutigen dritten Teil erfahrt ihr, was bei der Wahl der Unternehmensform sowie der Zusammenstellung des Gründerteams zu beachten ist und wie euch das Förderprogramm EXIST bei der Finanzierung helfen kann.



Nicht jeder, der an einem Strang zieht, zieht in die gleiche Richtung.

Ein weise Erkenntnis des deutschen Aphoristikers Oliver Tietze, die häufig über Erfolg oder Misserfolg von Start-ups entscheidet. Gerade im ersten Jahr trennen sich Start-ups häufig von Gründungsmitgliedern, weil Ergebnisse nicht stimmen, der Druck von Investoren wächst oder einfach das Zwischenmenschliche nicht passt. Diese Veränderungen in der Teamstruktur haben nicht nur Auswirkungen auf die Gründer selbst, sondern beeinflussen auch nachhaltig Teamprozesse und damit die Entwicklung des Start-ups.

Zum Unternehmensstart wird neben funktionierendem Gründerteam und der richtigen Gesellschaftsform auch eine erste Finanzierung benötigt.

Die Zusammenstellung des Gründerteams ist folglich eine Kernkomponente für den späteren Unternehmenserfolg. Worauf Gründer dabei von Anfang an achten sollten, welche Unternehmensform sich eignet und wie man den Start mit EXIST finanzieren kann, erklären euch unsere beiden Experten und EXIST-Gründercoaches Bartosz Kajdas vom Innovations- und Gründungszentrum HIGHEST an der TU Darmstadt und Karin Kricheldorff vom Centre for Entrepreneurship an der TU Berlin. Dort beraten sie Gründer aus der Hochschule im Rahmen des EXIST-Gründerstipendiums.

  • Zum Hintergrund: Das EXIST-Gründerstipendium fördert Hochschulgründer, die ihre Gründungsidee realisieren und in einen Businessplan umsetzen möchten. Im Fokus dabei stehen innovative technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten. Die Gründungsvorhaben werden mit Coachings und Weiterbildungen sowie bis zu 30.000 Euro für die Dauer von einem Jahr unterstützt.
Bildquellen: TU Darmstadt, TU Berlin

How to Startup Schritt #6: Die richtige Unternehmensform

Zu „How to Startup“ Schritte #1 und #2 sowie Schritte #3 bis #5.

Wenn es um die Festlegung der späteren Unternehmensform geht, gibt es bei Karin Kricheldorff aufgrund ihrer speziellen Zielgruppe nicht sehr viele Freiheitsgrade.

In der Regel läuft es auf eine GmbH-Gründung hinaus, da die meisten von uns betreuten Start-ups zur Finanzierung Wagniskapital aufnehmen.

Zwar starten einige aus finanziellen Gründen auch als Unternehmergesellschaft (UG), aber spätestens, wenn ein Investor sich beteiligt, muss man die UG in eine GmbH umwandeln. Wichtig ist es allerdings, sich über den Zeitpunkt der formalen Gründung Gedanken zu machen. Kricheldorff weiter:

Es gibt beispielsweise viele attraktive Förderungen, die nur vor oder eine definierte Zeit nach der Gründung genutzt werden können. Also wenn kein Kunde mit Umsätzen droht und auch kein Investor vor der Tür steht, kann es Sinn machen, mit der Gründung noch etwas zu warten.

Bartosz Kajdas sieht sich bei der Frage zur Auswahl der richtigen Unternehmensform eher als Prozessberater.

Das bedeutet, wir befähigen die Gründer zu neuen Lösungen, die wir gemeinsam erarbeiten. Wir richten uns hierbei nach den Zielen der Gründer. Welche Unternehmensform wann für die Gründung passt, hängt unter anderem von den Vorerfahrungen der Gründer, von deren Finanzbedarf, von Haftungsfragen und von steuerlichen Auswirkungen des Geschäftsmodells ab.

Was sich als überaus hilfreich bewährt hat, ist die Vernetzung mit ehemaligen Gründern. Wir unterstützen Gründer dabei, sich mit bereits bestehenden Start-ups zu vernetzen. Dabei achten wir darauf, ähnliche Geschäftsmodelle zu matchen. Die „alten“ Gründer können wertvolle Tipps geben und kennen sich zudem mit der aktuellen Rechtslage aus oder können von ihren Erfahrungen mit Anwälten und Notaren berichten.

How to Startup Schritt #7: Das passende (Gründer)Team

Wie eingangs bereits beschrieben, steht und fällt der Erfolg eines Start-ups mit dem Gründerteam. Weshalb für viele Investoren das Team meistens noch wichtiger ist, als das Geschäftsmodell. Das sieht auch Karin Kricheldorff so, für die deshalb die Zusammenstellung des Gründungsteams fast die größte Herausforderung ist, vor der ihre Start-ups stehen. Denen das aber selbst so gar nicht bewusst ist:

Viele kennen sich schon länger, sind befreundet oder manchmal sogar verwandt. Zu dieser Mischung kommen dann oft neue Teammitglieder, um z.B. unternehmerische Kompetenzen zu ergänzen und man merkt oft erst in der Zusammenarbeit, ob es passt oder auch nicht.

Während bei einem etablierten Unternehmen Fluktuationen normal sind und gut aufgefangen werden, kann es für ein dreiköpfiges Gründungsteam existenziell sein, wenn sich der einzige Informatiker im Team entscheidet, zu gehen.

Da man die idealen Teams nicht auf dem Reißbrett zusammenstellen kann, hilft nur, von Anfang an miteinander zu reden und sich auf wichtige Eckpunkte und Ziele der Zusammenarbeit zu einigen.

Das Beraterteam um Karin Kricheldorff hat dazu ein Termsheet entwickelt, über das sich die Gründer zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Inkubationsprozess über Punkte wie Anteile, Umgang mit Konflikten, Aufnahme neuer Teammitglieder verständigen müssen.

Bei der Zusammenstellung des Gründerteams auf möglichst komplementäre Teams zu setzen, empfiehlt Bartosz Kajdas. Also z.B. einen Techniker, Ingenieur, Kaufmann und Vertriebler.

Leider habe ich schon oft erlebt, dass Teams relativ leichtfertig Unternehmensanteile vergeben. Grundsätzlich mein Tipp: Man sollte nicht unbedingt gleich ein neues Gründungsmitglied aufnehmen, wenn eine bestimmte Leistung auch zugekauft werden kann.

Am Ende hat man sonst vielleicht sechs Gesellschafter an einem Tisch sitzen und ist sich über die Ausrichtung des Unternehmens uneinig! Zudem empfiehlt Bartosz Kajdas, das Innenverhältnis im Unternehmen mit Verträgen zu regeln.

How to Startup Schritt #8: Mit EXIST den Start finanzieren

Wenn es um die Startfinanzierung für junge Gründer geht, kennt Bartosz Kajdas neben EXIST keine bessere Möglichkeit, innovative Ideen aus der Wissenschaft zu fördern.

EXIST ist in unseren Augen das ideale Mittel, um riskante Geschäftsmodelle zu erproben und zu testen.

Mit riskant meint er speziell den hohen Innovationsgrad der EXIST-Projekte.

Im Jahr 2016 hatten wir mit sieben eingereichten Anträgen eine 100-prozentige Bewilligungsquote erreicht, d.h. wir prüfen bei uns den Innovationsgrad sehr intensiv.

Oftmals haben die Gründer etwas erfunden oder haben eine so innovative Idee, dass noch kein erkennbarer Markt vorhanden ist. Das Risiko zu scheitern, ist für einen Wissenschaftler sehr hoch. EXIST ermöglicht diesen hoch qualifizierten Gründern eine erste „Anschubfinanzierung“ bzw. Sicherung des Lebensunterhalts, um das Geschäftsmodell am Markt zu überprüfen.

Im besten Fall erhöhen wir nach EXIST die Anzahl an High-Tech-Unternehmen und schaffen dadurch ein neues Ökosystem.

Und so geht es im nächsten Teil weiter…

In Teil 4 von „How to Startup“ beantworten unsere Experten Fragen zu Struktur, Vertrieb und die ersten Mitarbeiter. Nachlesen könnt ihr bereits im ersten Teil unserer Serie „How to Startup“ Tipps und Methoden zur Ideenfindung sowie im zweiten Teil die ersten Schritte zur Unternehmensgründung.

 

In Teil 3 erfahrt ihr alles zum Gründerteam und die ersten Finanzierungsschritte und  .

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