Mit individualisierten Möbeln und 10 Mio. Euro eine Branche verändern



Den etablierten Branchengrößen Konkurrenz machen, das ist das erklärte Ziel des Möbel-Start-ups mycs. Erreicht werden soll das durch individualisierte und hochwertige Möbel und schnelle Lieferzeiten zu vernünftigen Preisen. Was mycs alles anders macht, von wem es kürzlich 10 Mio. Euro gab und worauf Gründer bei der Verhandlung mit Investoren achten sollten, erfahrt ihr in unserer Gründerstory.

Für-Gründer.de: Möbelhäuser gibt es in Deutschland ja ziemlich viele. Neben lokalen Größen wie Platzhirsch IKEA, Segmüller oder den XXXL-Möbelgeschäften, die alle auch online ihre Produkte verkaufen, spielt auch der Rocket-Klon Home24.de mit. Wie wollt ihr euch gegenüber diesen Konkurrenten behaupten?

Kachun To von mycs: Gegenüber den Wettbewerbern haben wir ein wesentliches Differenzierungsmerkmal: Individualität. Jeder wünscht sich ein Heim, das die Persönlichkeit des Bewohners spiegelt und idealerweise alle noch so speziellen Bedürfnisse erfüllt. Der Kunde wird jedoch meist enttäuscht, da die Standardprodukte nicht zu ihm passen. Oder er ersteht teuer und kompliziert eine Maßfertigung, auf die er mehr als drei Monate wartet.

Bei uns macht das Personalisieren Spaß: Mit Hilfe des 3D-Online-Konfigurators kann der Kunde bei mycs sein Wunschmöbel ganz einfach individuell gestalten. Wir bieten Qualitätsmöbel, die oft bei einem Drittel der Preise der Konkurrenz im gleichen Qualitätssegment liegen. Außerdem können wir innerhalb von wenigen Tagen liefern.

Das ist die Zukunft des Möbelkaufs: Der Kunde gestaltet sein persönliches Einzelstück, das genau seinen Anforderungen in Form, Farbe, Material und Ausstattung entspricht – ganz unkompliziert, schnell, und ohne ein Vermögen auszugeben.

Die beiden Gründer haben es sich zum Ziel gemacht, den Möbelmarkt umzukrempeln und haben dafür 10 Mio. Euro von Investoren erhalten. (Bildquelle: mycs)

Für-Gründer: Im Vergleich zur genannten Konkurrenz ist euer Produktangebot noch überschaubar. Wie ist hier euer zukünftiger Ansatz? Masse oder eher modular aufgestellt?

Kachun To von mycs: Quantität bedeutet erstmal nicht, dass der Kunde damit besser bedient wird. Die Konkurrenz hat oft hunderttausende Produkte im Sortiment, die sich sehr stark ähneln. Da wird es zum Nachteil, wenn sich der Kunde durch unendlich lange Kategorieseiten kämpfen muss, ohne etwas Passendes zu finden.

Wir setzen auf ein kluges System, in dem der Kunde seine Produkte einfach im Konfigurator modular so gestalten kann, dass sie genau seinen Bedürfnissen entsprechen.

Es gibt für jede Produktkategorie von uns Millionen an Designs, die sich der Kunde zusammenstellen kann. Zum Beispiel kann man bei unserem neuen Beistelltischen SYDE aus fast 30 Farben und Materialien wählen. Dem Kunden werden für ihn relevante Optionen geboten, ohne ihn mit mit Massen von Einheitsbrei zuzuschütten wie bei der Konkurrenz.

Wir werden in den nächsten Monaten aber auch das Produktportfolio um Sofas, Sessel, Stühle und Betten erweitern, so dass wir das gesamte Heim ausstatten können. Außerdem bauen wir unsere bestehenden Produktlinien mit zusätzlichen Designs, Extras, Optionen aus, und reagieren damit auf Nachfragen unserer Kundenbasis nach noch mehr individuellen Gestaltungsmöglichkeiten.

Für-Gründer.de: Ihr werbt mit individuellen und hochwertig gefertigten Produkten, gleichzeitig aber mit schnellen Lieferzeiten: Ist das nicht ein Widerspruch?

Kachun To von mycs: Man sollte sich an dieser Stelle vielleicht eher fragen, wieso der Kunde für Möbel überzeugender, hochwertiger Qualität teuer bezahlen, zwölf Wochen warten und viel Zeit verwenden muss, um ein seinen Vorstellungen entsprechendes Produkt zu finden. Kurzum: für den Kunden ist das Kauferlebnis im Möbelmarkt gegenwärtig wenig zufriedenstellend und oft mit vielen, unangenehmen Kompromissen verbunden – insbesondere, was das Design der Möbelstücke betrifft.

Mit mycs wollen wir genau diesen Widerspruch – hochwertige Produkte oder schnelle Lieferzeiten – überwinden. Wir bieten qualitativ hochwertige Design-Möbel aus ausgewählten Materialien, die direkt verfügbar sind und schnell geliefert werden. Dadurch, dass alle Module immer in unserem Lager vorrätig sind, erreichen wir zudem etwas, was bisher kein Anbieter von Möbeln kann: wir versenden sofort nach Bestelleingang und die Lieferung kommt innerhalb weniger Tage an.

Mit unserem modularen System haben wir einen Quantensprung in Effizienz der Lieferkette vorgenommen: sofortige Verfügbarkeit aller Modulkombinationen bei gleichzeitiger Ausnutzung von Economies of Scale in der Produktion. Die Einsparungen in der Fertigung sowie durch das Auslassen von Mittelmännern geben wir direkt an unsere Kunden weiter.

Fazit: Wir betreiben kein Hexenwerk mit mycs, die Möbelindustrie hat sich bloß jahrzehntelang auf ihren Lorbeeren ausgeruht und hat nicht mit modernen Supply Chain Entwicklungen Schritt gehalten. Bis sie zu uns aufholen kann, sind wir schon längst wieder weiter.

In den auf verschieden Städte Deutschlands verteilte Showrooms können sich Interessenten die Möbel und Materialien auch ansehen. (Bildquelle: mycs)

Für-Gründer.de: Ihr bewegt euch in einem recht kapitalintensiven Markt und habt ziemlich finanzstarke Konkurrenten. Kürzlich konntet ihr namhafte Kapitalgeber und Business Angels davon überzeugen, 10 Mio. Euro in eure Geschäftsidee zu investieren. Wie ist euch das gelungen?

Kachun To von mycs:

  • Mit einem visionären Konzept für die Zukunft des Möbelmarktes: “Customization is the New Normal”.
  • Mit einem vernünftigen Geschäftsmodell, das in wenigen Jahren schnell wachsen und den Break-Even erreichen kann.
  • Mit dem besten Team, das folgende Skills vereint um den Möbelmarkt zu revolutionieren: Technologisches Know-how, tiefgreifendes Wissen über den Möbelmarkt, Online-Marketing Expertise und Gründungserfahrung.

Für-Gründer.de: Wie liefen die Verhandlungen mit euren neuen Investoren ab? War es schwierig, die Punkte durchzusetzen, die euch als Gründer wichtig waren?

Kachun To von mycs: Es geht darum Bedingungen zu definieren, bei denen sich beide Seiten wohlfühlen.

Viele denken ja, der Deal sei nach dem Gang zum Notar vorbei. Aber eigentlich fängt erst danach die Kooperation mit den Investoren an!

Das heißt für unsere Verhandlungen:

  • sich darüber zu einigen, wie wir zusammenarbeiten wollen,
  • wie wir die gemeinsame Zukunft des Unternehmens sehen und
  • wie wir sowohl im Erfolgs- wie auch im Misserfolgsfall unsere Beziehung regeln wollen.

Es ist kein Nullsummenspiel!

Für Gründer.de: Was, beziehungsweise welche, Dokumente sollten Gründer Investoren mindestens präsentieren, damit diese sich einen guten ersten Eindruck von dem Start-up verschaffen können?

Kachun To von mycs: Ganz klar:

  • Einen kurzen Teaser als Türöffner, anhand dessen man die Story persönlich gut erzählen kann, wobei der Investor nicht nur die ganze Zeit lesen muss, weil er zu detailliert ist.
  • Ein ausführliches Pitch Deck, das man auch kommentarlos in einer E-Mail verschicken kann, weil alles bestens erklärt ist.
  • Ein Financial Model über die nächsten circa fünf Jahre, aus dem deutlich wird, welche Annahmen man ergreifen will und wie die Gründer über die Mechaniken ihres Geschäfts denken.

Für Gründer. de: Was rätst du Gründern, wenn die Vorstellungen zur Unternehmensbewertung mit dem Investor zu weit auseinanderliegen? Wie kompromissbereit sollte man sein?

Kachun To von mycs: Wie überall sonst im freien Markt dominiert bei der Bewertung auch das Prinzip des Angebots und der Nachfrage. Dazu kommen natürlich die Faktoren:

  • Wie viel Geld man braucht, um das Business aufzubauen?
  • Wie viele Anteile brauchen die Gründer und das Team noch, um weiterhin genug Anreize zu haben, sich anzustrengen – und das eventuell über mehrere zukünftige Finanzierungsrunden hinweg.

Das ist der Rahmen, in dem man seine Entscheidung treffen muss, ob es in Ordnung ist, einen Kompromiss zu schließen. Die Antwort kann den Gründern keiner abnehmen.

Für-Gründer.de: Mit der Aufnahme von vier neuen Gesellschaftern hat sich für euch sicherlich Einiges geändert. Wie sieht es zum Beispiel mit dem Mitspracherecht für euch als Gründer aus?

Kachun To von mycs: Super! Wir arbeiten sehr eng mit unserem Advisory Board zusammen, das von allen Gesellschaftern gewählt wird. Wir profitieren von ihren Ratschlägen und Ideen und treffen große Entscheidungen gemeinsam.

Für-Gründer.de: Was genau habt ihr mit dem frischen Kapital langfristig geplant?

Kachun To von mycs: Einerseits nutzen wir das Kapital zur Erweiterung des bestehenden Produktportfolios, um in naher Zukunft sämtliche Möbelkategorien mit modular konfigurierbaren Produkten abzudecken. Damit wird mycs zum One-Stop-Shop, bei dem Kunden ihre gesamte Wohnung mit individualisierten Möbeln ausstatten können.

Andererseits soll mit dem Ziel, die Multi-Channel-Strategie weiter voranzutreiben außerdem das Showboom-Netzwerk in der DACH-Region und Frankreich weiter auf- und ausgebaut werden. Des Weiteren wird in die Optimierung der Supply Chain investiert, um höhere Flexibilität und Geschwindigkeit in der Lieferkette zu erzielen.

Für-Gründer.de: Ganz konkret: Wie legt man ein Investment von 10 Millionen Euro bis zur tatsächlichen Verwendung am besten an?

Kachun To von mycs: Leider gibt es derzeit keine sicheren Anlagen mit merkbaren Zinssätzen auf dem Markt. Zumindest nicht für Normalsterbliche wie uns.

Für-Gründer.de: Letzte Frage: Was wird man demnächst Spannendes über euch lesen können?

Kachun To von mycs: Wie eben erwähnt, lancieren wir in den kommenden Wochen und Monaten sukzessive diverse Produktneuheiten. Gerade erst haben wir mit SYDE eine Kollektion filigraner Beistelltische mit Metallrahmen auf den Markt gebracht, die durch ihre besondere Gestaltungsvielfalt begeistert. Neben neuen Materialien wie Edelstahl, Marmor und Glas, kann der Kunde nun auch aus elf neuen modernen Farben wählen, um seinen ganz individuellen Tisch zu designen. Auch Launches von Neuheiten wie Stühlen, Sofas und Sessel stehen kurz bevor.

Man wird aber auch Berichte lesen, wie wir mit unseren konfigurierbaren Produkten den Möbelmarkt revolutionieren und dem Kunden Mehrwert liefern und so Stück für Stück das Geschäft der traditionellen Möbelhändler erobern.

Außerdem eröffnen wir demnächst einen neuen Showroom in Paris, mit dem wir Kunden dort unser Markenerlebnis greifbarer machen wollen.

Für-Gründer.de: Kachun, vielen Dank für das Gespräch! 

Keyfacts zu mycs

  • Unser aktuelles Team besteht aus: Ca. 130 Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch: Ehemalige Massivkonzept-Investoren, die KfW und namhafte Investoren wie Florian Heinemann und Uwe Horstmann, Lukas Brosseder und David Khalil, Gründer von eDarling, und Robert Maier und Johannes Schaback, Gründer von Ladenzeile.
  • Inzwischen gab es folgende weiteren Finanzierungen: Seit der Seed-Finanzierung gab es bisher unsere Series-A-Finanzierung.
  • Unsere Investoren sind: TriPos GmbH, Global Founders Capital und namhafte Angel-Investoren wie Florian Heinemann und Uwe Horstmann.
  • Investoren finden wir gut / schlecht weil: Investoren sind toll. Man muss nur wissen, ob man sie braucht und wenn ja, wann und wen man braucht.
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Vor allem andere Gründer.
  • Kontakt

  • mycs
  • Am Treptower Park 28-30 (Haus C)
    12435 Berlin
  • support@mycs.com
  • www.mycs.com