Minijobber gesucht: Darauf sollten Start-ups unbedingt achten



Das richtige Personal zu finden, ist kein Kinderspiel – besonders für Start-ups. Denn einerseits brauchen Gründer gerade in der Aufbauphase die Unterstützung von qualifizierten Mitarbeitern, andererseits müssen junge Unternehmen mit überschaubarer Liquidität ihre Personalkosten genau im Blick behalten. Start-ups greifen daher gerne auch auf Minijobber zurück. Wir haben bei vier Gründern nachgefragt, worauf es dabei ankommt.



Wofür genau steht bei einem Minijob eigentlich das „Mini“? Laut Definition der Minijob-Zentrale liegt eine geringfügige Beschäftigung dann vor, wenn der angestellte Arbeitnehmer eine bestimmte Verdienstgrenze (die berühmten 450 Euro) nicht überschreitet oder das Arbeitsverhältnis zeitlich begrenzt ist. In Deutschland waren zum Ende des Jahres 2016 knapp 7 Millionen Minijobber gemeldet. Doch ist ein solches Minijob-Modell auch für Start-ups praktikabel? Wir haben uns umgehört und die folgenden vier Start-ups zu diesem Thema befragt:

  • Conny Lohmann von ASK HELMUT: Die Gründer betreiben eine Plattform, auf der man aktuelle Ausgeh-Angebote in Städten wie Berlin, München, Wien und Hamburg findet.
  • Wolfgang Westermeier von Customized Drinks GmbH: Mit dem Braufässchen des Münchener Start-ups kann jeder zu Hause zum Braumeister werden.
  • Markus Schaarschmidt von Zentrales Fundbüro: Das größte Online-Fundbüro der Welt hilft seinen Nutzern beim Wiederfinden verlorener Sachen.
  • Stefanie Zillessen von der Erdbär GmbH: Mit den Bio-Snacks „Freche Freunde“ will das Start-up Kindern Obst und Gemüse spielerisch näherbringen.
Worauf Start-ups bei der Einstellung von Minijobbern achten sollten, haben uns 4 erfahrene Gründer erzählt.

#1 Wo findet man Minijobber?

Was genau erwarten Start-ups von neuen Mitarbeitern? Die Metajobsuchmaschine Joblift hat insgesamt 60.000 Stellenanzeigen von Start-ups aus dem Jahr 2016 analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Gründer großen Wert auf eine selbstständige Arbeitsweise legen und mit viel Verantwortung locken. Klingt spannend und anspruchsvoll. Doch wo findet man die passenden Leute mit genau diesem Anforderungsprofil? Die erste Anlaufstelle sind sicherlich diverse Jobportale im Internet, auf denen man direkt nach Minijobs suchen bzw. diese inserieren kann. Wolfgang Westermeier von Braufässchen setzt außerdem noch auf andere Kanäle:

Wir suchen entweder über unsere Facebook-Seite, über Bekannte oder über Stellenausschreibungen auf der Jobbörse vom Arbeitsamt.

Wichtig ist zudem, wie man als Arbeitgeber mit seinem Stellenangebot aus der Masse heraussticht und die Aufmerksamkeit der Arbeitssuchenden auf sich zieht. Die Gründer des Zentralen Fundbüros haben hier ihr ganz eigenes Rezept: Leicht provokante Aussagen wie in der untenstehenden Anzeige sollen Neugier und Interesse wecken. Außerdem haben sie den praktischen Nebeneffekt, dass sich bestimmt nur die Bewerber melden, die humoristisch auf der gleichen Wellenlänge liegen.

Mit dieser Stellenausschreibung sucht das Zentrale Fundbüro Mitarbeiter (Bildquelle: Zentrales Fundbüro)

#2 Welche Zielgruppe eignet sich am besten?

Der Tenor bei den von uns befragten Start-ups war zu dieser Frage eindeutig: Bei Minijobbern setzen alle bevorzugt auf studentische Hilfskräfte, da dies die größte Gruppe ist, die ein kurzfristiges Beschäftigungsverhältnis sucht. Zwar bringen sie meistens keine einschlägige Berufserfahrung mit, sind aber meist sehr flexibel und gut für Hilfsarbeiten einsetzbar. Für Markus Schaarschmidt vom Zentralen Fundbüro ist die Studienrichtung dabei unerheblich:

Von Linguistik über Informatik bis hin zu Marketing haben wir ein breites Spektrum an Aushilfen. Mehrsprachigkeit ist immer sehr willkommen, da wir in unserem Internationalisierungsbestreben ein möglichst breites Publikum ansprechen wollen.

Weitere Zielgruppen für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sind Arbeitnehmer, die aus finanziellen Gründen einen zweiten Job im Nebenerwerb suchen oder auch Mütter, die kein ruhendes Arbeitsverhältnis haben und nach Ende der Elternzeit mit wenigen Arbeitsstunden wieder in die Berufstätigkeit einsteigen wollen.

#3 Wie hoch ist der Aufwand des Bewerbungsverfahrens?

Den richtigen Minijobber zu finden, der zum Unternehmen passt und der zugleich engagiert, verlässlich und selbstständig arbeitet und dann auch noch ein hohes Maß an Eigenmotivation mitbringt, ist sicher keine einfache Aufgabe. Die Gründer müssen hier bei der Suche gute Menschenkenntnis und den richtigen Riecher beweisen. Uns hat interessiert, ob die Start-ups für Minijobber ein verkürztes Bewerbungsverfahren haben oder den gleichen Aufwand wie bei fest angestellten Mitarbeitern betreiben.

Wir machen keine Unterscheidung in der Suche – erst erstellen wir eine Ausschreibung, dann screenen wir die Bewerbungen, dann Interviews, dann Entscheidung. Insgesamt kommen wir auf ca. 2 Tage im Recruiting, insbesondere, wenn der Mitarbeiter in einer anderen Stadt gesucht wird.

Das berichtete uns Conny Lohmann von ASK HELMUT. Ähnlich sieht es bei den anderen Start-ups aus. Auch hier müssen Minijobber ein offizielles Bewerbungsverfahren durchlaufen. Für Stefanie Zillessen von Erdbär ist es etwa wichtig herauszufinden…

…dass jedes Teammitglied zu den Frechen Freunden passt und hinter unserer Mission – einer frühen Freundschaft mit Obst und Gemüse – steht.

#4 Wie regelt man die Bezahlung?

Hier gibt es bei Minijobs zwei Möglichkeiten: Ein Fixgehalt, das jedoch das monatliche Maximum von 450 Euro nicht übersteigen darf oder eine Vergütung auf Stundenbasis. Angemeldet werden muss das Beschäftigungsverhältnis auf jeden Fall bei der Minijob-Zentrale, die die Abführung der monatlichen Abgaben an die Knappschaft-Bahn-See regelt. Die Mehrheit der von uns befragten Unternehmen hat sich für die Bezahlung auf Stundenbasis entschieden. Die Gründer vom Zentralen Fundbüro überlassen dabei die aufwändige Aufgabe der Zeiterfassung komplett ihren studentischen Hilfskräften:

Die meisten unserer Minijobber arbeiten aus dem Homeoffice und wir vertrauen ihnen, eine realistische Zeiterfassung durchzuführen. Das entspricht auch unserer Unternehmensphilosophie: Würden wir unseren Mitarbeitern nicht vertrauen, sollten wir sie auch nicht weiter für uns arbeiten lassen.

Neben dem Lohn von 450 Euro fallen pauschale Beiträge zur Sozialversicherung eines Minijobbers an. Hier erfahrt ihr mehr über die Anmeldung von Minijobbern.

#5 Welche Aufgaben eignen sich für Minijobber?

Das hängt sicherlich stark von dem jeweiligen Mitarbeiter und der Beschäftigungsdauer ab. Unkomplizierte Hilfsarbeiten, für die nur wenig Einweisung notwendig ist, sind prädestinierte Aufgaben für geringfügig Beschäftigte. Bei Erdbär etwa sieht dies so aus:

Primär kümmern sich unsere Minijobber um den reinen Verkauf in unserem Laden. Ab und an unterstützen sie uns zudem bei Marketingaktivitäten und Recherchen.

Viele Start-ups vertrauen ihren Minijobbern nach einer gewissen Einarbeitungszeit aber auch gerne komplexere Aufgaben an. Außerdem ist bei den meisten Gründern ein pragmatischer Arbeitsansatz verbreitet: Was auch immer anfällt, muss gemacht werden. Dabei ist der Rang im Unternehmen meist völlig unwichtig – sicher auch einer der Gründe, warum ein Minijob in einem Start-up für viele Studenten sehr attraktiv ist.

#6 Positiv oder negativ? Erfahrungen mit Minijobbern

Last but not least wollten wir wissen, wie die Start-ups ihre bisherigen Erfahrungen mit Minijobs bewerten. Unsere Interviewpartner wussten nur Postives zu berichten:

Auch wenn das Recruiting teilweise aufwändig ist, lohnt es sich, um den Personalbedarf flexibel anpassen zu können.

Das sagte uns Wolfgang Westermeier von Customized Drinks. Wie in allen Unternehmen gibt es jedoch auch bei Minijobbern in Start-ups immer mal Konstellationen, die nicht gut passen. Doch insgesamt zogen die Start-ups ein überwiegend postitives Fazit. Markus Schaarschmidt fasst die Erfahrungen des Zentralen Fundbüros so zusammen:

Unterm Strich konnten wir in kürzester Zeit großartige Mitarbeiter finden und bei uns halten. Auffallend ist, dass viele Studenten lieber bei einem Start-up aushelfen und zum Aufbau beitragen als ein unbezahltes Praktikum bei einem noch so namhaften Konzern anzutreten.

Weiterführende Informationen zur Personalsuche: