„Dafür brauchen wir noch ein bisschen Spielgeld“- 10 Start-ups im Pitch



Aus mehr als 100 Bewerbern kämpften 10 Start-ups im finalen Pitch um die drei Siegerplätze. Das war die Ausgangslage beim KPMG Smart Start Award am vergangenen Donnerstag im Hannover Hafven. Zudem nutzen die meisten Gründer ihren Pitch auch, um bei den anwesenden Investoren um Kapital – oder Spielgeld, wie es einer der Gründer ausdrückte – zu werben. Wir verraten, wer die Jury überzeugen konnte und was für den perfekten Pitch dennoch gefehlt hat.

Dreiminutendreißig lautete die Zeitvorgabe für die 10 Finalisten des Awards. Als Zugabe hatte im Anschluss die Jury weitere drei Minuten Zeit für bohrende Nachfragen. Dazu ein bis auf den letzten „Steh“platz gefülltes Auditorium. Grund genug für die Start-up-Teams, nervös zu sein – gemeistert haben es aber alle Teilnehmer am Ende des Abends gut.

Aufgeteilt haben sich die 10 Pitches auf die Kategorien Seed, Start-up und Growth. Dies sorgte für einen guten Mix vom gerade fertiggestellten Prototypen oder Minimum Viable Product (MVP) bis hin zur jüngst abgeschlossenen achtstelligen Finanzierungsrunde (welches Start-up diese vorweisen konnte, erfahrt ihr später in diesem Artikel).

10 Start-ups setzten sich gegen mehr als 100 Bewerber durch und durften beim KPMG Smart Start Award 2017 in Hannover pitchen.

Platz 1 in der Kategorie Seed: Saving Planet A

Wie vermittelt man die komplexen Zusammenhänge rund um Klimawandel und Umweltverschmutzung, um bereits bei jungen Menschen ein stärkeres Umweltbewusstsein zu schaffen? Für Carina Mentrup bietet der Einsatz von Virtual Reality in den Schulen einen vielversprechenden Ansatz. Und obwohl noch kein konkreter Businessplan hinter der Idee des Projekts Saving Planet A steht, überzeugte das Vorhaben die Jury. Warum dies so war, erklären wir in unseren fünf Erkenntnissen des Pitchabends am Ende dieses Beitrags.

Platz 1 in der Kategorie Start-ups: Smavoo

Industrie 4.0 ist schon länger ein Buzzword. Wenn man aber hört, dass vielen Unternehmen die Übersicht in ihren Fabriken abgeht, gerät man schnell ins Grübeln, ob unsere Industriekapitäne tatsächlich mit voller Kraft voraus unterwegs sind. Wann die Vorräte in Kiste A ausgehen und deshalb Neubestellungen notwendig sind, teilt in Zukunft das Start-up Smavoo mit. Mit seinen Sensorlösungen für effiziente Produktions- und Logistikprozessen überzeugte das Gründerteam die Jury und räumt Platz 1 in der Kategorie Start-ups ab. Deutliche Qualitäts- und Preisvorteile gegenüber Konkurrenzlösungen sowie der Einsatz bei einem lokal ansässigen Automobilkonzern gaben bei der Jury den Ausschlag. Die Themen Sensorik und Messtechnik liegen aber ohnehin im Trend, wie auch unsere Top 50 Start-ups des Jahres 2016 sowie der erste Platz in der letzten Kategorie des Abends zeigen.

Platz 1 in der Kategorie Growth: Konux

Eine sprechende Weiche könnte bei der Deutschen Bahn zu deutlichen Kostensenkungen bei der Instandhaltung des Schienennetzes führen und die für uns Passagiere durch Bauarbeiten resultierenden Verspätungen und Wartezeiten verkürzen. Bisher wird deren Zustand nämlich manuell durch Mitarbeiter geprüft. Basierend auf dem Prüfbericht werden dann die notwendigen Reparatur-Maßnahmen ergriffen. Das Start-up Konux stellt Sensoren zur Verfügung, um kontinuierlich den Zustand der Weichen zu analysieren und künftigen Wartungsbedarf zu ermitteln. Konux profitiert zu einem gewissen Anteil an den hierdurch eingesparten Instandhaltungskosten – eine Win-win-Situation, wie Gründer und CEO Andreas Kunze darlegte. Dem hatte auch die Jury nichts entgegen zu setzen und kürte Konux zum Gewinner in der Kategorie Growth.

Und außerdem dabei…

Zu den weiteren Finalisten gehörten u.a.:

  • Minutehero: Well done und aufgelegt. Doch was waren eigentlich die Ergebnisse der Telefonkonferenz und welche Schritte stehen nun an? Viel geht verloren, weil keine Protokolle von Telefonkonferenzen angefertigt werden. Und selbst wenn, kostet die manuelle Erstellung häufig viel Zeit. Dies will Minutehero durch eine intelligente Sprachsoftware ändern.
  • trbo: Amazon hat Conversion Rates von 8 % – herkömmliche Onlinehops bewegen sich bei 2 bis 3 %. Diese Lücke will trbo schließen. Individualisierte Shopseiten, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Besucher ausrichten, sind aus Sicht des Start-ups die Lösung. Und auch wenn die 8 % von Amazon meist außer Reichweite liegen, können sich die Ergebnisse bei den gewonnenen Kunden durchaus sehen lassen.
  • Green City Solutions: Tod durch Luftverschmutzung. Der City Tree von Green City Solutions hilft, damit wir auch in Städten wieder tief durchatmen können. Auch hier in unserem GründerDaily war das Start-up schon häufiger Thema. Mittlerweile stehen die Moos-Bäume rund um den Globus und die Expansion geht gut voran.
  • Savari: Wie lassen sich Unfälle, wie sie Tesla und auch Google bei ihren autonom fahrenden Autos bereits verzeichnen mussten, vermeiden? Indem die Autos miteinander kommunizieren. Nichts geringeres entwickelt das Team von Savari.
  • dresslife: Retouren sind teuer für Onlineshops – auch wenn die Conversion mithilfe von trbo verbessern konnte. Um die Retourenquote zu reduzieren, entwickelt das Start-up dresslife verschiedene Lösungen für die Shops. Verdient wird an jedem nicht zurückgeschickten Produkt.

Fünf Erkenntnisse des Pitchabends

# 1 Man braucht keine PowerPoint Präsentation, um zu überzeugen

Den einzigen Pitch des Abends, der ohne PowerPoint auskam, hielt Carina Mentrup von Saving Planet A. Trotzdem – oder gerade deswegen – lauschte das Publikum gebannt dem emotionalen Pitch, wie auch die Jury in ihrer Urteilsbegründung festhielt.

# 2 Frauenquote bei mickrigen 10 %

Gründerinnen sind weiterhin in der deutlichen Minderheit in der Start-up-Welt. Bei den 10 Pitches stand lediglich eine Gründerin auf der Bühne – nämlich bei Saving Planet A.

# 3 Frauenquote die 2. – Green City Solutions bringt es auf 50 %

Für einen kleinen Lichtblick im Hinblick auf die Frauenquote sorgte Green City Solutions. Dort sind 50 % der Belegschaft weiblich. Welches Start-up hat mehr zu bieten?

# 4 Achtstellige Finanzierungsrunde und die Jury schweigt…

Übrigens haben wir gerade eine achtstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen, wie auch morgen im Handelsblatt zu lesen sein wird.

Und plötzlich war es still. Diese Information ließ Andreas Kunze von Konux wie beiläufig in der Frage-Antwort-Runde nach dem Pitch entschlüpfen. Gut platziert – denn die plötzlich eintretende Stille der zuvor fragefreudigen Jury dürfte als Anerkennung zu interpretieren gewesen sein.

# 5 …auch wenn man es vorher mit dem Denglisch übertrieben hat

„Wir capturen 10 % der Savings“ – der Denglischhöhepunkt in der Präsentation von Konux. Bei aller Internationalisierung – das geht doch auch ohne…

Noch ein gutes Stück bis zum perfekten Pitch

Die Teams haben ihre Sache in Summe gut gemacht. Gleichwohl gibt es aus unserer Sicht auch noch eine ganze Menge Potenzial, gerade, wenn die Zeit so begrenzt ist. Unsere sechs Tipps für einen noch besseren Pitch sind:

  1. Weniger ist mehr: Wenn es schon PowerPoint sein muss, empfehlen wir, deutlich zu reduzieren – sowohl die Anzahl der Folien als auch die Informationen auf den Folien.
  2. Hammereinstieg und Paukenschlag zum Schluss: „Hallo mein Name ist und ich stelle heute unser Start-up X vor“. Kann man so machen. Doch gerade in den ersten Sekunden eines Pitches entscheidet sich, ob man das Publikum für sich gewinnen kann oder nicht. Auf der Website blendet ihr ja auch nicht zuerst das Impressum ein, oder? Ebenso wichtig ist der Schluss – endet mit einem Paukenschlag. Häufig wurde bei den Pitches zum Abschluss das Team vorgestellt oder noch ein Blick auf die Finanzen geworfen. Besser machte es XY, die die Bedeutung ihrer Entwicklungsarbeit für uns alle mit dem folgenden Satz auf den Punkt brachte „Save planet A because there is no planet B“
  3. Mehr Bewegung auf der Bühne: Den Zappelphilipp sollt ihr natürlich nicht machen. Aber wie angewurzelt stehen und einfach ins Mikro sprechen, lässt Potenzial ungenutzt. Zu einem guten Pitch gehört auch eine gute Körpersprache. Durch Mimik und Gestik könnt ihr eure Botschaften ideal unterstützen. Dies gilt allerdings auch für die Stimme: variiert Geschwindigkeit sowie Lautstärke, um mehr Wirkung zu entfalten.
  4. Definiert eure Kernbotschaften: Bei 10 Pitches – wie bei diesem Event vergangenen Donnerstag – ist es schwer, den Überblick über alle Informationen zu behalten. Was fehlte, waren häufig knackige und einprägsame Kernbotschaften. Die Leitfrage für jeden Pitch lautet: Was ist für die Jury/Investoren besonders wichtig?
  5. Welches Problem löst ihr? Beschreibt nicht, was ihr macht, sondern welches Problem ihr lösen könnt.
  6. Und der Vertrieb? Einige der Pitch-Finalisten konnten bereits namhafte Kunden nennen. Bei vielen wurde das Thema Vertrieb jedoch ausgeblendet, was häufig Ausdruck einer zu starken Produktfokussierung ist. Doch was eine Jury neben einem tollen Produkt besonders honorieren dürfte, ist eine schlüssige Vertriebsstrategie. Schließlich ist dies das beste Mittel, um das bei Start-ups übliche Geldverbrennen auf absehbare Zeit zu beenden – und dies freut jeden Investor.

Zum Hintergrund: der KPMG Smart Start Award

Der KPMG Smart Start Award wurde in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen. Gesucht wurden – ganz unabhängig von Branche oder Entwicklungsphasen – Start-ups, die das Potenzial haben, mit ihrer Innovationskraft Großes zu bewegen. Zu gewinnen gab es für die jeweils Erstplatzierten ein einjähriges Mentoring mit Coaches aus dem KPMG Smart-Start-Team im Gesamtwert von 50.000 Euro. Für alle, die die erste Runde in diesem Jahr verpasst haben, wird es in den kommenden Monaten weitere Gelegenheiten geben, um beim KPMG Smart Start Award zu gewinnen. Mehr Informationen erhaltet ihr hier.

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